Die Liste rechtsextremer und neonazistischer Vorfälle in der AfD listet Vorfälle von Rechtsextremismus, Neonazismus, Rassismus und Xenophobie seit der Gründung der Alternative für Deutschland (AfD) 2013 auf, die von Personen ausgingen, welche zum Zeitpunkt des Vorfalls Funktionäre dieser Partei waren (also keine einfachen Mitglieder). Die Spalte Datum in der Tabelle gibt, falls nicht anders vermerkt, den Zeitpunkt des medialen Bekanntwerdens des Vorfalls wieder. Bei allen laufenden Verfahren gilt die Unschuldsvermutung.
Seit 2018 beobachten deutsche Verfassungsschutzämter die AfD als Ganzes. Ab Anfang 2021 stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz die Bundespartei als rechtsextremen Verdachtsfall ein. Seit Mai 2025 wurde die gesamte Partei vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft. Diese Einstufung wurde vom BfV im Rahmen einer Stillhaltezusage bis zu einer Entscheidung im Eilverfahren ausgesetzt. Im Februar 2026 untersagte das Verwaltungsgericht Köln dem BfV diese Einstufung vorläufig bis zu einer erstinstanzlichen Entscheidung im Hauptsacheverfahren. Die Einstufung als rechtsextremistischer Verdachtsfall blieb jedoch bestehen.
Liste Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. DatumVorfallBeteiligteReaktionen (falls bekannt)Belege9. März 2016Intensive Verbindungen zu Rechtsextremisten sollen nach dem Stern beim saarländischen AfD-Landesvorstand bestehen. Demnach kam es zu mehreren Treffen zwischen der Saar-AfD-Führung und Mitgliedern einer NPD-nahen Gruppierung (Freie Bürger-Union (FBU)), wobei der Landesvorsitzende Josef Dörr persönlich bei einer Versammlung dieser rechten Gruppe auftrat. Es habe sogar Gespräche über einen gemeinsamen Antritt bei den Landtagswahlen sowie über Doppelmitgliedschaften mithilfe eines reduzierten Mitgliedsbeitrag gegeben. Der Höhepunkt der „Herbstoffensive“ sollte jedoch eine AfD-Demonstration am 4. November 2015 in Saarbrücken werden, an der neben Mitgliedern der AfD auch der NPD-Landesvorsitzende und frühere Vize-Bundeschef Peter Marx, der bekannte Neonazi Sascha Wagner sowie weitere Rechtsradikale teilnahmen.Josef DörrVor der Stern-Recherche mahnte der Bundesvorstand Dörr ab, zog die Abmahung jedoch wieder zurück. Nach der Recherche beschloss der Bundesvorstand der AfD noch im März, ihren saarländischen Landesverband aufzulösen. Er hatte jedoch vor dem Schiedsgericht der Partei keinen Erfolg. Ein Verfahren zum Ausschluss aus der Partei lief gegen Dörr, der noch immer im Amt ist.15. März 2016Mit Alexander S. saß ein ehemaliger NPD-Anhänger im Landesvorstand der Jungen Alternative in Brandenburg. Laut weiteren Berichten der Potsdamer Neuesten Nachrichten war S. auch für AfD-Landtagsabgeordnete tätig. Fraktionsvize Andreas Kalbitz, bei dem S. als studentische Hilfskraft arbeitete, war über die Neonazi-Vergangenheit des Mitarbeiters informiert. Wie viele andere rechtsextreme Parteien und Gruppen steht die NPD auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD, nach der (ehemalige) Mitgliedschaften in diesen Vereinigungen und eine Zugehörigkeit zur AfD nicht vereinbar seien.Alexander S., Andreas Kalbitz9. Mai 2016In Niedersachsen ist Andreas-Dieter „Adrich“ Iloff als stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Diepholz aktiv. Iloff ist in der rechtsextremen Szene Niedersachsens bekannt und nahm etwa im Jahr 2014 an einer Kundgebung von „Hooligans gegen Salafisten“ in Hannover teil. 2011 nahm er an einem Treffen von Rechtsextremisten auf dem Anwesen des Neonazi-Führers Thorsten Heise in Fretterode teil. Die Aktivitäten des heutigen AfD-Funktionärs wurden bereits vor Jahren vom Verfassungsschutz bemerkt.Andreas-Dieter IloffIloff wurde am 26. November 2016 vom Kreisverband Diepholz zum Vorsitzenden gewählt. Zur Personalie Iloff will die AfD Niedersachsen keine Stellung beziehen.1. Juni 2016Laut einem Bericht der Bild veröffentlichte Wolfgang Gedeon, der im März als AfD-Abgeordneter in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt worden war, 2012 ein antisemitisches Buch. In dem Werk, das unter anderem Holocaust-Leugner wie Horst Mahler, Ernst Zündel und David Irving verteidigt, wird folgendes behauptet: „Wie der Islam der äußere Feind war, so waren die talmudischen Ghetto-Juden der innere Feind des christlichen Abendlandes.“Wolfgang GedeonNachdem der erforderliche Zweidrittelbeschluss für seinen Ausschluss nicht erreicht wurde, trat Gedeon freiwillig aus der Fraktion aus. Er ist nach wie vor Mitglied der AfD (Stand: 2016).29. Juni 2016Berichten zufolge, darunter vom Bayerischen Rundfunk, versuchte Petr Bystron, der damalige bayerische AfD-Landesvorsitzende, zusammen mit zwei Rechtsextremisten, auf eine Veranstaltung von AfD-Kritikern in München zu gelangen. Wie Fotos belegen, besuchten die drei anschließend gemeinsam einen Biergarten.Petr BystronBystron bestritt später, mit Neonazis zusammengearbeitet zu haben, und erklärte, dass er die beiden Rechtsextremisten „nicht näher“ kenne.25. Aug. 2016Karl-Ludwig Kunstein, der damalige Vorsitzende der AfD im hessischen Odenwald, teilte antisemitische Propaganda auf seiner Facebook-Seite. In einem von ihm geteilten Video einer rechtsextremen Gruppe behauptete die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck, dass die islamistischen Terroranschläge am 11. September 2001 von Juden organisiert worden und dass jüdische Verschwörer für alle Kriege unserer Zeit verantwortlich seien.Karl-Ludwig KunsteinIm Interview mit Panorama äußerte Kunstein, der auf Facebook auch rechtsextreme Seiten liket: „Das Teilen dieses Beitrags liegt für mich zu weit in der Vergangenheit, um nachvollziehen zu können, aus welchem leichtsinnigen Grund ich das geteilt haben könnte. Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit von der Meinung dieser Dame.“11. Sep. 2016Laut der Welt am Sonntag wollte Frauke Petry, die damalige Vorsitzende der AfD, den Ausdruck „völkisch“ in ein positives Licht rücken. Ihr missfalle es, „dass er ständig nur in einem negativen Kontext benutzt wird“. „Völkisch“ steht für völkischen Nationalismus und bezeichnet seit dem späten 19. Jahrhundert eine politische Bewegung, die rassistische und antisemitische Ideologien miteinander verknüpft. Die Völkische Bewegung ging weitgehend in der NSDAP auf.Frauke Petry11. Sep. 2016Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen wurden mehrere Personen, die früher Mitglied rechtsextremer Organisationen waren, in die Räte gewählt. Andreas Tute, ein ehemaliges Mitglied der rechtsextremen Partei Pro Deutschland, vertrat die AfD im Peiner Kreistag. Vertreter im Rat der Stadt Springe bei Hannover war Wolfram Bednarski, Mitglied des rechtsextremen Vereins „Bauernhilfe“, der vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Laut Innenministerium handelt es sich bei der „Bauernhilfe“ um ein „Sammelbecken organisierter Holocaust-Leugner“, die auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht. Philipp Göthel, der zuvor zur rechtsextremen Szene in Nordhausen gehörte, wurde auf der Liste der AfD in den Göttinger Kreistag gewählt.Andreas Tute, Wolfram Bednarski, Philipp GöthelGöthel wurde nicht in die AfD-Kreistagsfraktion aufgenommen, nachdem seine Neonazi-Aktivitäten bekannt wurden.16. Sep. 2016Mit Sebastian Pella wählte der AfD-Kreisverband Plön in Schleswig-Holstein ein ehemaliges Mitglied der CDU in den Kreisvorstand. Als bekannt geworden war, dass Pella für extrem rechte Zeitschriften schrieb, hatte er die hessische CDU im Jahr 2011 verlassen müssen. Pella ist Mitarbeiter der rechtsextremen Publikation Zuerst! und war Vorstandsmitglied der „Gesellschaft für freie Publizistik“, die vom Verfassungsschutz als „größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland“ bezeichnet wird.Sebastian PellaPella schied bereits im Oktober 2016 „aus familiären Gründen“ aus dem Kreisvorstand wieder aus.16. Sep. 2016Für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2017 nominierte die AfD Frank Legrum als Direktkandidaten im Rendsburger Wahlkreis. Legrum zeigte sich auf seiner Facebook-Seite mit einem Foto, auf dem er und andere in T-Shirts mit der „Schwarzen Sonne“ und den Worten „Söhne Odins“ posieren. Da die „Schwarze Sonne“ nicht verboten ist, gehört sie heute zu den bedeutendsten Erkennungssymbolen der rechtsextremen Szene.Frank LegrumNachdem Panorama beim AfD-Landesvorstand nachgefragt hatte, wurde das Bild von Legrums Facebook-Seite entfernt. Die AfD gab lediglich bekannt, dass das Foto „dem Landesverband nicht bekannt“ sei.18. Sep. 2016Kay Nerstheimer, der für die AfD als Direktkandidat antrat, wurde ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Das Ex-Mitglied der rechtsextremen „German Defence League“ nannte syrische Flüchtlinge „einfach widerliches Gewürm“ und Homosexuelle eine „degenerierte Spezies“. Trotz der Bekanntheit von Nerstheimers Meinungen nominierte die Partei ihn als Kandidaten.Kay NerstheimerNach der Wahl verzichtete Nerstheimer auf die Fraktionsmitgliedschaft, während die AfD nach heftiger Kritik ein Parteiausschlussverfahren in Gang brachte.21. Sep. 2016Recherchen von Panorama und Stern zeigten, dass der Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Saarland 2017, Rudolf Müller, mit Nazi-Orden und sogenanntem Lagergeld aus dem KZ Theresienstadt handelt. Da Müller in seinem Antiquitätengeschäft auch offen Orden mit Hakenkreuzen zur Schau stellt und verkauft, leitete die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ein Strafverfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein.Rudolf MüllerAuf die Frage, ob sich der Verkauf von Nazi-Orden für einen AfD-Spitzenkandidaten zieme, antwortete Müller: „Das ziemt sich nicht, nein.“ Warum er es trotzdem tue, konnte er nicht erklären. AfD-Chef Jörg Meuthen kritisierte das Verhalten von Rudolf Müller, es sei „mit der Mitgliedschaft in der AfD nicht vereinbar“.5. Nov. 2016Armin-Paul Hampel, der damalige Landeschef der AfD in Niedersachsen, war auf einer Konferenz des rechtsextremen „Arbeitskreises für deutsche Politik“ in Hollenstedt als Redner vorgesehen.Armin-Paul HampelHampel sagte gegenüber dem NDR, dass er keine Kenntnis vom verfassungsfeindlichen Hintergrund des „Arbeitskreises“ gehabt habe.15. Nov. 2016Die Staatsanwaltschaft Berlin ließ die Wohnung des AfD-Politikers Wolfgang Hebold durchsuchen. Der 57-Jährige, der noch immer das Vertrauen der AfD in Berlin-Lichtenberg hatte, wurde wegen Volksverhetzung untersucht. Im Juni war Hebold bereits als Hochschuldozent aufgrund fremdenfeindlicher Äußerungen entlassen worden.Wolfgang Hebold17. Jan. 2017Björn Höcke, AfD-Fraktionschef und Landesvorsitzender der Thüringer AfD, sagte auf einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) in Dresden mit Blick auf das Berliner Holocaust-Mahnmal folgenden Satz: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Die Wendung „Denkmal der Schande“ kann laut der Welt zwei Bedeutungen haben. Einerseits: „Denkmal zur Erinnerung an eine Schande“; andererseits ein „schändliche[s] Denkmal“. Die Welt mutmaßt, dass der frühere Gymnasiallehrer gebildet genug sei, „um sich dieser Doppeldeutigkeit bewusst zu sein“. Am Tag des Karlsruher NPD-Urteils bezeichnete Höcke die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 zudem nicht nur als ein „Kriegsverbrechen“. Er warf den Alliierten sogar vor, sie hätten mit derartigen Bombardierungen bezweckt, den Deutschen „nicht anderes als unsere kollektive deutsche Identität“ zu nehmen. „Man wollte unsere Wurzeln ausreißen“, so Höcke, „und zusammen mit der Umerziehung, die nach 1945 begann, hat man das auch fast erreicht.“ Heute sei „unsere Kultur“ nach einer völligen Amerikanisierung vom Untergang bedroht.Björn HöckeIn einer „Persönlichen Erklärung“ stellte Höcke später klar, ihm sei es ausschließlich um die Bedeutung „Denkmal zur Erinnerung an eine Schande“ gegangen. Er sei „über die Berichterstattung“ erstaunt gewesen, da er „den Holocaust, den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet“ habe.