25px|verweis=Regenbogentrikot Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2025 Veranstalter Union Cycliste Internationale Sportart Straßenradsport Gastgeber Kigali Datum 21.–28. September 2025 Wettbewerbe 13 Offizielle Website ucikigali2025.rw ← Zürich 2024 Montréal 2026 →
Die Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2025 fanden vom 21. bis 28. September 2025 in der ruandischen Hauptstadt Kigali statt. Es war das erste Mal in der über 100-jährigen Geschichte der Weltmeisterschaften, dass die Elite-Wettkämpfe in Afrika abgehalten wurden. Dabei wurden 13 Entscheidungen ausgefahren. Für die Qualifikation galten die üblichen Kriterien.
Vorgeschichte und Verlauf
Bereits 2018 hatte der Radsport-Weltverband UCI beschlossen, seine wichtigste Veranstaltung 2025 in Afrika abzuhalten. Kandidaturen gingen aus Ruanda, Marokko, Südafrika und Algerien ein; 2021 fiel die Entscheidung zugunsten Kigalis. Das Land organisiert seit 2001 jedes Jahr die Tour du Rwanda, die zusammen mit der Tropicale Amissa Bongo in Gabun das höchstrangige Etappenrennen der UCI Africa Tour darstellt. Die französische ASO, Organisatorin der Tour de France, sowie der belgische Radsportveranstalter Golazo wurden beauftragt, die Ausrichtung zu unterstützen. Es handelte sich um den größten Sportanlass in Afrika seit der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.
Die Vergabe der Weltmeisterschaften an Ruanda wurde von verschiedenen Seiten kritisiert. Das Europäische Parlament verlangte im Februar des Jahres wegen Ruandas Beteiligung an den Kämpfen um Goma in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo, die WM zu verlegen. Auch die autokratische Regierungsweise Paul Kagames, die Unterdrückung der Opposition und Ruandas Sportsponsoring im Allgemeinen fanden Widerhall in westlichen Medien.; Die nationalen Verbände Dänemarks, Belgiens und der Niederlande beklagten hohe Hotelkosten. Auch praktische Erwägungen wie die Notwendigkeit von Impfungen hielten einige Fahrer von der Teilnahme ab.
Es waren 806 Sportlerinnen und Sportler aus 108 Ländern gemeldet. Nicht darunter waren unter anderem Ben O’Connor und Mathieu van der Poel, die bei der WM 2024 Zweiter und Dritter im Straßenrennen geworden waren, sowie Jonas Vingegaard, Wout van Aert, Nils Politt und Florian Lipowitz. Der Parcours war stark auf Kletterspezialisten ausgerichtet; nur bei der WM 1980 in den französischen Alpen waren noch mehr Höhenmeter zu überwinden gewesen. Das Straßenrennen der Männer wurde dann auch nur von 30 Fahrern erfolgreich beendet, der niedrigsten Zahl seit 30 Jahren. Geschätzt eine Million Zuschauer verfolgten alleine dieses Rennen am Straßenrand.
Kurs mini|Das Kigali Convention Centre. Ziel aller Rennen war der kreisrunde Platz links oben im Bild, der vor den Weltmeisterschaften umgebaut worden war.
Die Streckenplanung wurde anlässlich der Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2024 in Zürich bekanntgegeben.
Die Einzelzeitfahren begannen in der BK Arena und endeten am Kigali Convention Centre. Unterwegs wurde ein Stück der Nationalstraße 5 hin und zurück befahren, je nach Kategorie unterschiedlich weit, wodurch die Côte de Nyanza von einer oder von beiden Seiten bewältigt werden musste. Auf den letzten acht Kilometern gab es nochmals zwei Steigungen, zunächst die Côte de Péage (KN 3 Road), die allerdings nur im Elite-Rennen der Männer befahren wurde. Allen Kategorien gemein war die Côte de Kimihurura (KN 14 Avenue) kurz vor dem Ziel, eine kopfsteingepflasterte Straße von 1,3 Kilometern Länge mit einer durchschnittlichen, aber unregelmäßig verteilten Steigung von 6,3 %. Die Mixed-Staffel fand auf einem ähnlichen Parcours statt, allerdings als Rundkurs mit Start und Ziel am Convention Centre konzipiert.
Die Straßenrennen begannen und endeten am Convention Centre. Sie fanden hauptsächlich auf einem knapp 15 Kilometer langen Rundkurs statt, der je nach Kategorie mehrfach durchlaufen wurde; im Elite-Rennen der Männer wurde die 10. Runde erweitert um eine Schleife auf die Flanken des Mont Kigali (300 Höhenmeter auf 5,9 Kilometer, 6,9 % im Schnitt). Auf dieser Schleife wurde auch die aus der Tour du Rwanda bekannte Steigung der Mur de Kigali passiert, die jedoch keine zentrale Rolle spielte. Die ausgewiesenen Steigungen auf dem Rundkurs waren die asphaltierte Côte de Kigali Golf (KG 548 Street) zur Mitte der Runde und erneut die Côte de Kimihurura kurz vor dem Ziel.
ohne|mini|hochkant=1.5|Karte Kigalis mit Rundkursen und Zeitfahrstrecken
Zeitplan
Die Zeitangaben basieren auf der Ortszeit (UTC+2, gleichbedeutend mit Mitteleuropäischer Sommerzeit). Es gab also keinen Zeitunterschied.
Datum Zeit Wettbewerb Distanz Strecke Höhenmeter Sonntag, 21. September 10:10 Einzelzeitfahren Frauen Elite 31,2 km NR 5 bis Gahanga 460 m Sonntag, 21. September 13:45 Einzelzeitfahren Männer Elite 40,6 km NR 5 bis südlich von Gahanga 680 m Montag, 22. September 10:35 Einzelzeitfahren Frauen U23 22,6 km NR 5 bis Nyanza Genocide Memorial 350 m Montag, 22. September 13:35 Einzelzeitfahren Männer U23 31,2 km NR 5 bis Gahanga 460 m Dienstag, 23. September 10:45 Einzelzeitfahren Juniorinnen 18,3 km NR 5 bis Kicukiro 225 m Dienstag, 23. September 14:00 Einzelzeitfahren Junioren 22,6 km NR 5 bis Nyanza Genocide Memorial 350 m Mittwoch, 24. September 12:30 Mixed-Team-Staffel 41,8 km 2 Mal Rundkurs, NR 5 bis Nyanza Genocide Memorial 740 m Donnerstag, 25. September 13:05 Straßenrennen Frauen U23 119,3 km 8 Runden 2435 m Freitag, 26. September 8:00 Straßenrennen Junioren 119,3 km 8 Runden 2435 m Freitag, 26. September 12:00 Straßenrennen Männer U23 164,6 km 11 Runden 3350 m Sonnabend, 27. September 8:20 Straßenrennen Juniorinnen 74,0 km 5 Runden 1520 m Sonnabend, 27. September 12:05 Straßenrennen Frauen Elite 164,6 km 11 Runden 3350 m Sonntag, 28. September 9:45 Straßenrennen Männer Elite 267,5 km 9 Runden + Mont Kigali + 6 Runden 5475 m
Resultate
Frauen Elite
Einzelzeitfahren
Platz Name Land Zeit 1 Marlen Reusser 43:09 min(43,378 km/h) 2 Anna van der Breggen + 0:51 min 3 Demi Vollering + 1:04 min 4 Brodie Chapman + 1:20 min 5 Katrine Aalerud + 1:24 min 6 Antonia Niedermaier + 1:29 min 7 Juliette Labous + 1:32 min 8 Anna Henderson + 1:37 min 9 Chloé Dygert + 2:25 min 10 Mireia Benito + 2:32 min
Streckenlänge: 31,2 Kilometer
Mit Xaveline Nirere eröffnete eine ruandische Fahrerin die Weltmeisterschaften; sie war die erste von 44 Teilnehmerinnen und kam als beste Afrikanerin auf den 27. Platz. Die Vorjahressiegerin Grace Brown war nicht am Start, da sie ihre Karriere beendet hatte.
Marlen Reusser lag an allen drei Zwischenzeiten in Führung und gewann das Rennen um über 50 Sekunden. Sie wurde damit nach drei Silber- und Bronzemedaillen in den Vorjahren erstmals Weltmeisterin. Zweite war die Titelträgerin von 2020, Anna van der Breggen, die zu Beginn der Saison nach drei Jahren Abwesenheit wieder zurück in den Wettkampf gekehrt war. Als letzte Starterin wurde Demi Vollering Dritte.
Weitere Platzierungen: Anna Kiesenhofer (17.)
Straßenrennen
Platz Name Land Zeit 1 Magdeleine Vallières 4:34:48 h 2 Niamh Fisher-Black + 0:23 min 3 Mavi García + 0:27 min 4 Elise Chabbey + 0:41 min 5 Riejanne Markus + 0:57 min 6 Antonia Niedermaier + 1:17 min 7 Demi Vollering + 1:34 min 8 Kim Le Court gl. Zeit 9 Marlen Reusser gl. Zeit 10 Katarzyna Niewiadoma gl. Zeit
Streckenlänge: 164,6 Kilometer
Es gingen 103 Fahrerinnen aus 44 Nationen an den Start des Rennens über 11 Runden, von denen 53 ins Ziel kamen. Die Weltmeisterin von 2024, Lotte Kopecky, war verletzungsbedingt nicht mit von der Partie.
Ausreißversuche blieben auf einzelne Fahrerinnen beschränkt, die nicht viel Raum gewannen. Auf der neunten Runde spaltete sich das Feld, es entstand eine Spitzengruppe aus Mireia Benito, Noemi Rüegg, Magdeleine Vallières, Niamh Fisher-Black, Mavi García, Antonia Niedermaier, Évita Muzic, Ginia Caluori, Barbara Malcotti und Riejanne Markus. Favoritinnen wie Demi Vollering, Katarzyna Niewiadoma, Marlen Reusser, Elisa Longo Borghini, Pauline Ferrand-Prévot oder Kim Le Court verblieben im Feld, ließen den Rückstand anwachsen und konnten sich nicht auf eine effektive Zusammenarbeit verständigen.
Auf den letzten beiden Runden zerfielen Spitzengruppe und Feld zusehends. Reusser setzte sich vom Feld ab, Le Court und Elise Chabbey schlossen zu ihr auf. Chabbey attackierte nach Vorarbeit von Reusser, kam aber nicht mehr an die Spitzengruppe heran, die nur noch aus Vallières, Fisher-Black und García bestand. Auf dem Schlussanstieg setzte sich Vallières klar durch. Ihr Sieg galt als überraschend, da sie zuvor kaum bedeutende Resultate und nur einen Profisieg erzielt hatte. Die Favoritengruppe kam anderthalb Minuten später ins Ziel, mehrere Protagonistinnen bedauerten ihre Rennweise später.
Weitere Platzierungen: Franziska Koch (12.), Liane Lippert () Noemi Rüegg (20.), Ginia Caluori (21.), Jasmin Liechti (32.) Carina Schrempf (48.)
Männer Elite
Einzelzeitfahren
Platz Name Land Zeit 1 Remco Evenepoel 49:46 min(48,948 km/h) 2 Jay Vine + 1:14 min 3 Ilan Van Wilder + 2:36 min 4 Tadej Pogačar + 2:37 min 5 Isaac Del Toro + 2:40 min 6 Andreas Leknessund + 2:57 min 7 Lucas Plapp + 3:03 min 8 Bruno Armirail + 3:06 min 9 Thymen Arensman + 3:39 min 10 Stefan Küng + 3:48 min
Streckenlänge: 40,6 Kilometer; Anstieg: 680 Höhenmeter
Es gingen 55 Fahrer aus 38 Nationen an den Start. Nicht mit von der Partie war der zweifache Titelträger Filippo Ganna, der auf dem hügligen Parcours keine Chance für sich sah. mini|Tadej Pogačar während dem Einzelzeitfahren Im Vorfeld war ein Duell um den Sieg zwischen Tour-de-France-Sieger Tadej Pogačar und Titelverteidiger Remco Evenepoel erwartet worden, den beiden letzten Startern. Evenepoel nahm das Heft jedoch schnell in die Hand, passierte die erste Zwischenzeit nach 10,6 km bereits mit 45 Sekunden Vorsprung und überholte gar den vor ihm gestarteten Pogačar auf der letzten Steigung. Die weiteren Podiumsplätze belegten Jay Vine und Ilan Van Wilder. Pogačar kam auf den vierten Platz, nur eine Sekunde hinter Van Wilder.
Weitere Platzierungen: Miguel Heidemann (17.) Mauro Schmid (29.)
Straßenrennen
Platz Name Land Zeit 1 Tadej Pogačar 6:21:20 h 2 Remco Evenepoel + 1:28 min 3 Ben Healy + 2:16 min 4 Mattias Skjelmose + 2:53 min 5 Toms Skujiņš + 6:41 min 6 Giulio Ciccone + 6:47 min 7 Isaac Del Toro gl. Zeit 8 Juan Ayuso gl. Zeit 9 Afonso Eulálio + 7:06 min 10 Thomas Pidcock + 9:05 min
Streckenlänge: 267,5 Kilometer; Anstieg: 5475 Höhenmeter
Es gingen 164 Fahrer aus 57 Nationen an den Start. Als größte Favoriten galten Titelverteidiger Tadej Pogačar und Olympiasieger Remco Evenepoel. Die Mannschaften Belgiens und Sloweniens kontrollierten demzufolge das Tempo und ließen einer siebenköpfigen Ausreißergruppe nicht viel Vorsprung. Der zweifache Ex-Weltmeister Julian Alaphilippe gab krankheitsbedingt schon frühzeitig auf, ebenso wie Marc Soler und Ilan Van Wilder nach einem Sturz in der dritten Runde. Ansonsten tat sich in den ersten neun Runden nichts von Belang.
Auf dem Anstieg zum Mont Kigali attackierte Pogačar und überholte die letzten Ausreißer. Evenepoel folgte ihm nicht; wie er später angab, war er gehandicapt, weil sich sein Sattel an einem Schlagloch verstellt hatte. Pogačar bekam auf der Abfahrt Gesellschaft von Isaac Del Toro und Juan Ayuso, letzterer fiel bereits auf der Mur de Kigali wieder zurück. Hinter den beiden Führenden konstituierte sich eine über 30-köpfige Gruppe, die bei der nächsten Zieldurchfahrt um 45 Sekunden zurücklag. In der folgenden Runde wechselte Evenepoel zum zweiten Mal das Rad, was ihn viel Zeit kostete und auch teamintern umstritten war. Er kehrte zwar schnell zur Verfolgergruppe zurück, doch war diese inzwischen zerfallen, und Evenepoel hatte nur noch Jai Hindley, Thomas Pidcock, Ben Healy und Mattias Skjelmose mit sich. Ungefähr zur selben Zeit konnte Del Toro das Tempo Pogačars nicht mehr mitgehen und fiel zurück.