mini|hochkant=1.4|Schloss Johannisburg von Südwesten
Schloss Johannisburg in Aschaffenburg war vom 13. Jahrhundert bis 1803 Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten. Das heutige Schloss wurde von 1605 bis 1614 vom Straßburger Baumeister Georg Ridinger als Bauwerk der Renaissance an der Stelle des Vorgängerbaus errichtet. Von 1814 bis zum Ende der Monarchie 1918 gehörte das Schloss der Bayerischen Krone. Heute ist der Freistaat Bayern Eigentümer, und die Anlage wird von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen verwaltet. Im Schloss befinden sich außerdem das Schlossmuseum und die Verwaltung der Museen der Stadt Aschaffenburg.
Das Schloss dominiert das Bild der Stadt Aschaffenburg und gilt als ihre größte Sehenswürdigkeit.
Geschichte
Über die Baugeschichte der mittelalterlichen Burg, die am gleichen Ort errichtet war, ist wenig bekannt. Im Jahr 1284 wurde eine neue Kapelle Johannes dem Täufer gewidmet. Es gibt Berichte über den Ausbau der Burg aus dem 14. Jahrhundert, vor allem des Bergfrieds, der die prächtige Burganlage nach einer Zeichnung von Veit Hirsvogel dem JüngerenSohn von Veit Hirschvogel dem älteren weit überragte. Bereits diese Burg war zweiter Regierungssitz der Mainzer Erzbischöfe, die der größten Kirchenprovinz des Heiligen Römischen Reiches vorstanden und zugleich als Erzkanzler des Reiches fungierten. Aschaffenburg war im 13. bis 15. Jahrhundert Ort verschiedener Fürstenversammlungen und Bischofssynoden. Herausragende Gäste waren etwa 1317 König Ludwig der Bayer oder 1383 König Wenzel von Luxemburg.
Eine besondere Bedeutung erhielt der Standort, als sich Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, wegen der Reformation 1539 von Halle nach Aschaffenburg zurückzog. Die mittelalterliche Anlage wurde 1552 im Markgräflerkrieg geplündert und zerstört, wobei auch viele Kunstschätze, die Albrecht nach Aschaffenburg mitgebracht hatte, verlorengingen. Erhalten blieben vor allem Werke von Lucas Cranach dem Älteren und seiner Schule, die heute Teil der Staatsgalerie Aschaffenburg im Schloss sind.
mini|Georg Ridinger war der Architekt des Schlosses mini|Kupferstich nach einer Zeichnung von Georg Ridinger (1611) mini|Innenhof mit Bergfried mini|Luftbild des Schlosses 1604 gab der neue Erzbischof von Mainz und Kurfürst Johann Schweikhard von Cronberg (1553–1626) den Bau des Schlosses in Auftrag. Mit der Ausführung wurde der Straßburger Architekt und Baumeister Georg Ridinger (1568–1617) betraut. Ridinger ließ die Überreste der alten Burg abreißen; lediglich der große gotische Bergfried wurde als fünfter Turm in den neuen Bau in der Mitte des Nordwestflügels mit einbezogen. An der Westecke schloss der Bau mit der dem Main zugewandten Seite im ersten Bauabschnitt mit einer 20 m hohen Unterkonstruktion (Substruktion) an die alte Stadtmauer neben dem Theoderichstor an. In die Mittelachse des Schlosses ist in dieser Mauer das Wappen des Kurfürsten Johann Schweikhard, gestaltet von dem Bildhauer Hans Junker, eingelassen. Der Name des Schlosses hat damit einen doppelten Bezug, einerseits zum Schutzpatron Johannes dem Täufer, andererseits zu seinem Bauherrn. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Wappen wurde bei der Restaurierung des Schlosses nachgebildet. An den Bauherrn erinnert auch die unterhalb des Schlosses am Mainufer verlaufende Suicardusstraße.
Der gesamte Baukörper ist streng symmetrisch als Vierflügelanlage im Geviert gehalten und hat Außenmaße von 87,5 m mal 86 m. Für die Fassaden wurde roter Odenwälder Sandstein aus Steinbrüchen im Raum Miltenberg und Obernburg am Main verwendet. Die dreigeschossigen Seitenflügel haben eine Tiefe von etwa 13,50 m. Die achtstöckigen Ecktürme sind 52 Meter hoch, was auch der Breite der einzelnen Flügel entspricht. Im quadratischen Innenhof ergibt sich eine Seitenlänge von 51 m. Die Geschosshöhe der Türme entspricht in den drei ersten Stockwerken den Seitenflügeln, so dass sich über die Gesamtbreite eine Flucht von 15 bzw. 16 Fenstern ergibt. Darüber liegen drei Stockwerke, die der Dachhöhe der Seitenflügel entsprechen. Rund um das darüber liegende siebente Geschoss verläuft um jeden Turm eine Balustrade. Das achte Geschoss ist schließlich mit einem verjüngten Durchmesser achteckig und bildet die Basis für die ebenfalls achteckigen Kuppelhauben. Die vier inneren Treppentürme haben vier Stockwerke, von denen das untere quadratisch, die darüber liegenden achteckig geformt sind. Die einzelnen Geschosse der Außenfassade sind durch Gurtgesimse gegliedert, so dass einerseits die Einheit von Türmen und Zwischenbauten betont wird, andererseits der große Baukörper lebhaft gegliedert wirkt. Hierzu tragen auch die profilierten Gewandungen der Fenster bei, die je Geschoss unterschiedlich gestaltet sind. Einen optischen Höhepunkt bieten schließlich die dreigeschossigen Zwerchgiebel in den Mittelachsen der Zwischenbauten, die die entsprechenden Geschosshöhen der Türme aufnehmen und eine kunstvolle Ornamentik im Stile der italienischen Renaissancearchitektur mit Obelisken aufweisen. Das Schloss ist durch einen breiten, trockenen Schlossgraben eingefasst und im Südostflügel durch eine Brücke zu erreichen. Die heutige, mit einem Balkon und jeweils zwei Doppelsäulen gestaltete Fassung des Hauptportals stammt aus der Erthalzeit.
Johannes Schweikhard von Cronberg ließ zur Einweihung des Schlosses am 17. Februar 1614, dem 10. Jahrestag seiner Wahl zum Kurfürsten, Münzen prägen, die auf der einen Seite das Schloss, auf der anderen sein Wappen oder sein Bildnis aufweisen. Von nun an führte er seine Regierungsgeschäfte des Mainzer Kurstaates vom neuen Schloss aus. Der Architekt Ridinger dokumentierte seine Arbeit in einem Kupferstichwerk, das 1616 gedruckt wurde, so dass wichtige Informationen über die ursprüngliche Gestalt und Ausstattung des Schlosses erhalten sind. Der Baumeister starb im Jahre 1617. Erst in den Jahren 1618/1619 wurden die letzten Arbeiten am Schloss fertiggestellt.
Im Inneren enthielt das Schloss im Erdgeschoss vorwiegend Wirtschafts- und Verwaltungsräume sowie eine Reihe von Küchen. Im linken Teil des Südostflügels, wo heute die Schlossweinstube liegt, war eine Silberkammer untergebracht. Die Wohnung des Kurfürsten lag im ersten Obergeschoss im Mainflügel. Als Residenz für den Kaiser lag im zweiten Obergeschoss oberhalb der Kurfürstenwohnung das „Kaiserappartement“. Dieses umfasste neben entsprechenden Wohnräumen den repräsentativen Kaisersaal, der sieben Fensterachsen breit war.
mini|Fenstersturz am Schloss Johannisburg mit Mainzer Rad und Elementen des Wappens der Familie von Cronberg
Bei genauer Betrachtung der Fensterstürze des ersten Stockwerkes kann man erkennen, dass neben dem Mainzer Rad, dem Wappenbild der Erzstifts Mainz, auch Elemente des Wappens der Familie des Erbauers, des Geschlechts derer von Cronberg zu sehen sind: die in eine Krone eingesetzte Disteldolde (Helmzier des Familienwappens) und sechs der im Wappen blau dargestellten Eisenhütlein.Wappen der Ritter von Cronberg im Scheiblerschen Wappenbuch
Einer Anekdote zufolge soll der Kapuzinerpater Bernhard von Trier durch seine Schlagfertigkeit Schloss und Stadt 1631 vor der Plünderung durch die Truppen des schwedischen Königs Gustav Adolf gerettet haben. Nachdem er die Schlüssel der Stadt übergeben hatte, ließ der schwedische König vernehmen, dass er es sehr schade fände, das erst wenige Jahre zuvor fertiggestellte Schloss niederbrennen zu müssen, da er es nicht mit nach Schweden nehmen könne. Der Kapuziner meinte jedoch, er könne dies durchaus tun, er müsse es einfach dorthin rollen. Fragend runzelte Gustav Adolf die Stirn, und der schlaue Pater verwies auf die über jedem der zahlreichen Fenster des ersten Obergeschosses eingemeißelten Räder, die auf das Mainzer Wappen Bezug nehmen. Es wird berichtet, der König habe daraufhin lachen müssen und auf eine Zerstörung verzichtet.
Der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal musste 1792 vor anrückenden französischen Truppen von Mainz nach Aschaffenburg flüchten. Dadurch gelangten wertvolle Möbel, über 200 Gemälde, die kurfürstliche Bibliothek, eine Sammlung wertvoller Paramente und eine im Zweiten Weltkrieg verlorengegangene Kupferstichsammlung nach Aschaffenburg. Das Schloss und die nähere Umgebung ließ er nach dem Zeitgeschmack im Stile des Klassizismus durchgreifend umgestalten. Unter seinem Hofarchitekt Emanuel Herigoyen wurde in den Nordostflügel ein zentrales Treppenhaus im antikisierenden Stil eingebaut. Dieses gestattete einen bequemeren Aufstieg, als es die Wendelsteine in den vier innenliegenden Treppentürmen taten. Ergänzend wurde eine zusätzliche Durchfahrt gebrochen und die Fassade entsprechend mit nun dreizehn Fensterachsen neu gegliedert. Über dem Haupttor im Südostflügel wurde auf der der Stadt zugewandten Seite ein Balkon errichtet, der auf vier Säulen im Renaissancestil ruht. Dieser war vom neu eingerichteten Speisesaal aus zugänglich. Die bauzeitliche Raumaufteilung der Bel étage wurde ebenso wie die Innendekoration des 17. Jahrhunderts durch den Einbau kleinerer Räume überformt oder zerstört.
Während der Episode des Großherzogtums Frankfurt, zu dem Aschaffenburg für einige wenige Jahre gehörte, diente das Schloss als Residenz, neben dem Palais Thurn und Taxis in Frankfurt. Mit dem Übergang Aschaffenburgs an das Königreich Bayern fiel auch das Schloss den bayerischen Königen zu. Nach dem Ende der Monarchie wurde es in Teilen als Museum eingerichtet, in anderen Teilen als Rathaus genutzt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss im März und April 1945 im Zuge der Schlacht um Aschaffenburg durch mehrere Bomben und durch Artilleriebeschuss schwer getroffen und brannte fast vollständig aus. Schon bald nach Kriegsende entstand der Wunsch, das Schloss wieder aufzubauen. Dabei halfen alte Aufzeichnungen aus der Bauzeit. Besonders schwierig gestaltete sich die Wiederherstellung der Turmhauben, die nicht ganz originalgetreu ausfielen. Auch die Zahl der Schlossfenster wurde beim Wiederaufbau erhöht. Die Innenräume wurden nicht restauriert, sondern unter dem Gesichtspunkt der musealen Nutzung neu gestaltet. Die Finanzierung übernahmen die Stadt Aschaffenburg und der Freistaat Bayern. Insgesamt beliefen sich die Renovierungskosten auf über 20 Millionen Deutsche Mark. Im Jahre 1964 wurde das Schloss wiedereröffnet. Dort fanden regelmäßig Schlosskonzerte des eigens dafür gegründeten Collegium musicum Aschaffenburg mit renommierten Musikernz. B. 1975 mit der ersten deutschen Orchesterdirigentin Hortense von Gelmini statt. Es enthält heute verschiedene Museen und Sammlungen.
Attraktionen mini|Hl. Martinus und Hl. Stephanus von Lucas Cranach d. Ä. Zu den Attraktionen gehört auch die Staatsgalerie Aschaffenburg, eine Außenstelle der bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Heute sind dort unter anderem Gemälde von Lucas Cranach d. Ä., dessen Sohn und einer Reihe von Schülern und Rubens ausgestellt. Die Cranach-Sammlung gilt als die bedeutendste Europas. Weiterhin zu sehen sind eine Kreuzigungsgruppe von Hans Baldung Grien sowie eine Darstellung des Kardinals Albrecht von Brandenburg als prächtig gekleideter und geschmückter heiliger Martin. Die Sammlung umfasst zudem eine große Zahl niederländischer und flämischer Meister aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Nach langer Schließung seit 2015 wurde die Staatsgalerie 2023 frisch renoviert wieder eröffnet.Staatsgalerie Aschaffenburg wiedereröffnet, in: FAZ, 7. Mai 2023
An die Gemäldesammlung schließt sich die Paramentenkammer an, in der wertvolle mit kostbaren Stickereien versehene Messgewänder und andere kirchliche Kleidungsstücke sowie weiteres liturgisches Gerät aus den Sammlungen der Mainzer Erzbischöfe ausgestellt sind.
mini|Portal zur Schlosskapelle