Das Hagen-Haus ist eine im liechtensteinischen Ort Nendeln gelegene Hofstätte samt Stallgebäude, Waschhaus, Schützenhäuschen und einem 2024 zugebauten modernen Hofhaus. Der klassizistische Gebäudekomplex stammt im Kern aus dem 19. Jahrhundert und ist später durch weitere Gebäudeteile erweitert worden. Der Gebäudekomplex steht seit 1988 unter Denkmalschutz Amt für Kultur, Kulturgüterregister - Eschen | https://www.llv.li/serviceportal2/amtsstellen/amt-fuer-kultur/denkmalpflege/pdf-dateien/verzeichnis-der-geschuetzten-kulturgueter-im-fuerstentum-liechtenstein/kulturguterverzeichnis_eschen_2020.pdf und gilt als die wohl am besten erhaltene Hofanlage in Liechtenstein aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Themenheft Hochparterre - Klangvolles Denkmal, Dezember 2024 | https://shop.hochparterre.ch/cms/Artikel-Detail/87062?itemID=TH-hagen
Lage Das Hagen-Haus steht an der Feldkircherstrasse 18 in Nendeln und somit direkt an der historischen Poststrecke Lindau - Mailand. Der Gebäudekomplex besteht aus einem Doppelwohnhaus im Süden und einem Stallgebäude im Norden entlang der Hauptstrasse sowie in zweiter Reihe, hangseitig, von Süden her aus einem Waschhaus, einem modernen Funktionsgebäude aus dem Jahr 2024 und einem Schützenhäuschen. Nordöstlich des Gebäudekomplexes schliesst ein Weinberg an.
Architektur Doppelwohnhaus Das klassizistisch gestaltete Doppelwohnhaus wurde 1837 erbaut und ist streng symmetrisch gegliedert, dreigeschossig und besitzt zwei Tonnengewölbekeller. Türen und Fenster sind in Sandstein ausgeführt, das Gebäude mit einem weissen Kalkputz verputzt. Das Haus wird von einem Vollwalmdach abgeschlossen. Die Wände der Wohnräume sind aufwändig bemalt, die Räume enthalten zwei historische Kachelöfen.P. & H. Albertin-Eicher: Baugeschichtliches Gutachten. 2006, S. 5.
Stallscheune Die Stallscheune ist wie das Wohnhaus 1837 exakt symmetrisch erbaut worden und wird von einem Halbwalmdach überdeckt. Es enthält im Erdgeschoss einen aus Bruchstein errichteten Kuh- und Pferdestall darüber liegt eine holzgedeckte Futtertenne.P. & H. Albertin-Eicher: Baugeschichtliches Gutachten. 2006, S. 12.
Waschhaus Das Waschhaus ist eingeschossig und in derselben Art wie das Wohnhaus errichtet und trägt einen Kalkputz. Als Boden sind Sandsteinplatten verlegt.
Schützenhäuschen Das freistehende Schützenhäuschen in leerer Fachwerkbauweise errichtet und aussen mit Brettern verkleidet. Es hat nach aussen aufklappbare Läden und ist Zeugnis einer einschlägigen Vereinstätigkeit. Das Gebäude wurde vermutlich Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet.
Hofhaus Das Hofhaus ist eingeschossig und liegt hangseits hinter dem Wohnhaus. Es wurde 2024 errichtet und enthält ein Foyer sowie alle modernen Technikteile wie Heizung, Lüftung und Tonstudio.
Geschichte Entstehungsgeschichte Das Hagen-Haus wurde 1837 gleich nach dem Ende des Bauverbotes in Liechtenstein durch den Vaduzer Architekten Joseph Anton Seger errichtet. Seger erbaute weitere, klassizistische Häuser in Schaan (Seger-Haus), Vaduz (Gubser-Haus) und Triesen (Theodor Banzer-Haus). Es sind die ersten Beispiele für eine in Liechtenstein damals neue Architekturrichtung. Bauherren waren Josef Alois Schlegel und Dominick Öhri.M. Büchel in Jahrbuch des Historischen Vereins des Fürstentums Liechtenstein, 2023, Band 122, S. 135–160.
Nutzung Das Haus wurde als kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus mit angeschlossenen landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäuden von zwei Familien genutzt. Es enthielt ab 1864 die erste k.u.k. Poststation im Liechtensteiner Unterland. Als Posthalter fungierte der Bauherr Josef Alois Schlegel selbst. Die Poststation bestand bis 1912. Eugenia, eine Grossenkelin Schlegels, heiratete 1891 den Lehrer Fidel Hagen, wodurch die Hofstätte zu ihrem heutigen Namen kam. Das Haus wurde weiterhin im Erdgeschoss als Geschäftslokal genutzt. So u. a. von einem Schuster und einem Schneider. 1985 kam das Haus in den Besitz der Erbengemeinschaft Hörndlinger. Seit Ende der 1980er Jahre war das Haus, bis in jüngste Zeit, unbewohnt und verfiel zusehends.M. Büchel in Jahrbuch des Historischen Vereins des Fürstentums Liechtenstein, 2023, Band 122, S. 135–160.
Umnutzung und Erweiterung Am 30. Mai 2020 erfolgte der Spatenstich für die Revitalisierung der Hofstätte Hagenhaus. Das Projekt wurde auf private Initiative des Vereines Pro S' Hagen Huus z'Nendla von der Stiftung Hagenhaus mit weitgehend privaten finanziellen Mitteln umgesetzt. Mit der Planung wurde das Büro Cukrowicz Nachbaur Architekten aus Bregenz betraut. Das Wohnhaus wird weiterhin als solches genutzt, das Stallgebäude wurde in einen nach Peter Kaiser benannten Konzertsaal umgebaut. Das Waschhaus dient neu als Wohnraum, das Schützenhäuschen als Veranstaltungsraum. Ein modernes Hofhaus ergänzt das bestehende Ensemble und übernimmt auch die moderne Haustechnik. Am 1. Juni 2024 übergab die Stiftung Hagenhaus als Eigentümerin nach zweijähriger Bauzeit die Hofstätte der Musikakademie in Liechtenstein zur Nutzung als Ausbildungsstätte für hochbegabte Musiker sowie als Veranstaltungsort für Konzerte und andere Anlässe.M. Büchel in Jahrbuch des Historischen Vereins des Fürstentums Liechtenstein, 2023, Band 122, S. 135–160.
Verschiedenes Das Hagen-Haus ist Motiv mehrerer liechtensteinischer Briefmarken2. Briefmarkenausgabe der Philatelie Liechtenstein 2025, abgerufen am 29. Juli 2025.
Literatur Marcus Büchel: Die Revitalisierung der Hofstätte Hagenhaus in Nendeln. Vom «alten Haus von Rocky Docky» zu einem neu gefassten Juwel der klassizistischen Baukultur, In Jahrbuch des Historischen Vereins des Fürstentums Liechtenstein, 2023, Band 122, S. 135–160. ISBN 978-3-906393-96-4
Weblinks Wenn das Waschhaus zu einer Professorenwohnung wird, auf vaterland.li Internetseite des Vereins Pro s'Hagen-Huus z'Nendla incl. Baugeschichtliches Gutachten (PDF; 13 MB) Festschrift zum Richtfest des Hagen Hauses 2023 (PDF; 5,4 MB) Internetseite der Musikakademie in Liechtenstein Internetseite des Hagen Hauses
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Liechtenstein Kategorie:Kulturgut in Eschen Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Liechtenstein Kategorie:Erbaut in den 1830er Jahren