Brain Fog () beschreibt Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit, vor allem im Kontext von postakuten Infektionssyndromen wie Long COVID bzw. dem Post-COVID-Syndrom oder Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS).Brain Fog. In: Pschyrembel Online. Januar 2024, abgerufen am 24. September 2024. Typisch sind beispielsweise Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie Störungen der Sprache. Die damit einhergehenden Einschränkungen können leicht ausgeprägt sein oder zu schweren Beeinträchtigungen führen.
Definition Die Bezeichnung Brain Fog ist sowohl umgangssprachlich als auch in wissenschaftlicher Literatur gebräuchlich, stellt aber keine eigenständige Diagnose dar. Eine einheitliche medizinische oder wissenschaftliche Definition und Abgrenzung zu anderen kognitiven Störungen gibt es nicht. Im Zusammenhang mit COVID-19 und Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion wird auch die Bezeichnung Neuro-COVID für neurologische Manifestationen verwendet, zu denen auch neuropsychiatrische und neurokognitive Ausprägungen wie Brain Fog gehören.
Symptome Symptome, die als Brain Fog beschrieben werden, sind unter anderem:
„Klebriges“ und verlangsamtes Denken,Carmen Scheibenbogen, Judith Bellmann-Strobl, Anett Reißhauer et al.: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom: Interdisziplinär versorgen. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 120, Nr. 20, 19. Mai 2023, S. A-910, https://www.aerzteblatt.de/archiv/231286/Myalgische-Enzephalomyelitis-Chronisches-Fatigue-Syndrom-Interdisziplinaer-versorgen (abgerufen am 24. September 2024). Konzentrationsstörungen (vor allem reduzierte Aufmerksamkeit), Gedächtnisstörungen (vor allem des Kurzzeitgedächtnisses), Wortfindungsstörungen, Artikulationsstörungen und verwaschene Sprache, Störungen der Informations- und Reizverarbeitung,, S. 57. Störungen psychomotorischer Funktionen, Störungen exekutiver Funktionen, Schwierigkeiten, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen,Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: diagnosis and management (PDF; 0,5 MB), NICE guideline NG206, National Institute for Health and Care Excellence, 29. Oktober 2021, S. 12, abgerufen am 24. September 2024. Schwierigkeiten mit räumlicher Wahrnehmung und Orientierung und verzögerte Reaktionen. Im Falle von schwerer ME/CFS kann die Fähigkeit zu kommunizieren erheblich eingeschränkt sein. Möglicherweise ist Kommunikation nur mit Unterstützung oder gar nicht mehr möglich.Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: diagnosis and management (PDF; 0,5 MB), NICE guideline NG206, National Institute for Health and Care Excellence, 29. Oktober 2021, S. 51, abgerufen am 27. September 2024.
Pathophysiologie und weitere Ursachen Die genauen Entstehungsmechanismen nach Infektionskrankheiten sind unbekannt. Diskutiert werden unter anderem Störungen des zentralen Nervensystems wie eine Neuroinflammation, eine direkte Infektion des zentralen Nervensystems, Autoimmunität, Reaktivierungen von Herpesviren, Durchblutungsstörungen und Sauerstoffmangel.
(Neuro-)kognitive Störungen im Sinne von Brain Fog können auch bei anderen Krankheiten wie der Schilddrüsenunterfunktion oder psychischen Erkrankungen auftreten. Teilweise sind andere Bezeichnungen etabliert: So ist bei der Fibromyalgie der Begriff Fibrofog üblich, während oder nach einer Krebsbehandlung wird die Bezeichnung Chemobrain verwendet.
Diagnostik Bei kognitiven Störungen im Rahmen von Long COVID bzw. dem Post-COVID-Syndrom sind der Ausschluss von Differenzialdiagnosen wie einer Demenz und das Erfragen weiterer Symptome besonders wichtig. In der fachspezifischen Abklärung wird eine neuropsychologische Untersuchung inklusive des Montreal-Cognitive-Assessment-Tests empfohlen. Unter Umständen werden Blutuntersuchungen, eine Lumbalpunktion und eine Bildgebung des Gehirns mittels Magnetresonanztomographie durchgeführt., S. 111.
Die mit Brain Fog einhergehenden Symptome und Einschränkungen sind jedoch durch konventionelle Tests derzeit nicht gut abbildbar. In wissenschaftlicher Literatur wird darauf hingewiesen, dass neuropsychologische Messinstrumente für neurodegenerative Erkrankungen und traumatische Hirnschädigungen nicht geeignet sein könnten, um die Einschränkungen zu erfassen.
Therapie Bisher gibt es keine etablierten Therapien, es wird vor allem auf nicht-medikamentöse Maßnahmen verwiesen.
Teilweise wird kognitives Training empfohlen, wobei gesicherte Daten dazu fehlen. Tritt Brain Fog in Verbindung mit einer post-exertionellen Malaise (Zustandsverschlechterung nach Belastung) auf, soll kognitives Pacing erfolgen. Pacing ist ein individuelles Energiemanagement mit dem Ziel, eine Zustandsverschlechterung durch körperliche, kognitive oder emotionale Überlastung zu vermeiden. Kognitives Pacing kann beispielsweise bedeuten, nicht mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen.
Manchmal werden Off-Label-Medikamente eingesetzt. Zugrundeliegende Erkrankungen, wie das posturale (orthostatische) Tachykardiesyndrom oder das Mastzellaktivierungssyndrom, sollten entsprechend behandelt werden. Bei einer orthostatischen Intoleranz kann es hilfreich sein, kognitive Tätigkeiten im Liegen auszuführen.
Literatur
Weblinks One of Long COVID’s Worst Symptoms Is Also Its Most Misunderstood, Artikel von Ed Yong über Brain Fog in The Atlantic. 12. September 2022 (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:COVID-19-Pandemie Kategorie:Krankheitssymptom Kategorie:Krankheitsbild in der Neurologie