mini|Typische Gesichtsform mit prominenter Stirn und betonten Wangen, breiter Nasenwurzel und weit auseinander stehenden Augen. Auffallende wollartige, wenig pigmentierte Haare Die Syndromale Diarrhoe, auch als Tricho-hepato-enterisches Syndrom bezeichnet, ist eine sehr seltene angeborene Erkrankung mit den Hauptmerkmalen hartnäckige Diarrhoe (enterisch, von ) im ersten Lebensmonat mit Gedeihstörung, Gesichtsdysmorphie, Haarauffälligkeiten (tricho-) und Veränderungen der Leber (hepato, von ).Olivier Goulet, Christine Martinez Vinson, Bertrand Roquelaure, Nicole Brousse, Christine Bodemer, Jean Pierre Cézard: Syndromic (phenotypic) diarrhea in early infancy. In: Orphanet Journal of Rare Diseases. 2008, Band 3, Nummer 1 doi:10.1186/1750-1172-3-6.Altmeyers Enzyklopädie Sie wird zur Gruppe der kongenitalen Durchfall-Erkrankungen (Congenital diarrhea and enteropath - CODE) gezählt.

Synonyme sind: Phänotypische Diarrhoe; Syndromale Diarrhoe; SD; Tricho-hepato-enterisches Syndrom; THE; Trichohepatoenterisches Syndrom;

Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1982 durch die schottische Hautärztin Leslie Stankler und Mitarbeiter.L. Stankler, D. Lloyd, R. J. Pollitt, E. S. Gray, H. Thom, G. Russell: Unexplained diarrhoea and failure to thrive in 2 siblings with unusual facies and abnormal scalp hair shafts: a new syndrome. In: Archives of disease in childhood. Band 57, Nummer 3, März 1982, S. 212–216, doi:10.1136/adc.57.3.212, PMID 7073301, .

Verbreitung Die Häufigkeit wird auf 1 zu 300.000 – 400.000 Lebendgeborene geschätzt, bislang wurde über mehr als 100 Betroffene berichtet. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.

Ursache Je nach zugrunde liegender Mutation können folgende Typen unterschieden werden: Typ 1 (40 %) mit Mutationen im SKIC3-Gen auf Chromosom 5 Genort q15. Typ 2 (60 %) mit Mutationen im SKIC2-Gen auf Chromosom 6 an p21.33.

Beide Gene kodieren für Proteine, die zusammen mit dem Exosom den Ski-Komplex bilden, der am Abbau fehlerhafter mRNA beteiligt ist.

Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Manifestation: Vorgeburtlich oder als Neugeborenes intrauterine Wachstumsretardierung in etwa 50 %, Geburtsgewicht unter der 10. Perzentile in mehr als 70 % meist im ersten Lebensmonat, spätestens nach 6 Monaten schwere, unbehandelbare Diarrhoe mit Malabsorption und Gedeihstörung Gesichtsdysmorphie mit prominenter Stirn, betonte Wangen, breite, flache Nasenwurzel und Hypertelorismus auffallende brüchige und wollige Kopfhaare mit Trichothiodystrophie, Trichorrhexis nodosa, Pili torti, Anisotrichose und Poikilotrichose. Leberfunktionsstörung bei etwa 50 % mit Leberfibrose, Leberzirrhose und Siderose Hinzu können Immunstörungen, Café-au-lait-Flecken und leichte intellektuelle Defizite kommen.

Diagnose Die Diagnose ergibt sich aus der Kombination klinischer Befunde und kann durch humangenetische Untersuchung gesichert werden. Bei einer Dünndarmbiopsie zeigt sich eine unspezifische Zottenatrophie.

Differentialdiagnose Abzugrenzen sind alle Ursachen für chronischen Durchfall, Unterernährung mit Kupfermangel und Eisenmangel, Intestinale Epitheliale Dysplasie (Tufting-Enteropathie) und Mikrovillus-Einschlusserkrankung.

Therapie Zur Behandlung ist eine Parenterale Ernährung über mehrere Monate bis Jahre erforderlich, eventuell auch eine Immunoglobulinersatztherapie. Entwickelt sich eine schwere Lebererkrankung, ist als Therapie die Lebertransplantation indiziert.

Prognose Die Aussichten sind ungünstig, die Sterblichkeit beträgt bis zu 50 %, meist infolge schwerer Lebererkrankung und aufgrund von Infektionen. Die meisten Kinder werden unterdurchschnittlich groß, bei der Hälfte finden sich leichte intellektuelle Defizite.

Literatur A. Fabre, P. Bourgeois, M. E. Coste, C. Roman, V. Barlogis, C. Badens: Management of syndromic diarrhea/tricho-hepato-enteric syndrome: A review of the literature. In: Intractable & rare diseases research. Band 6, Nummer 3, August 2017, S. 152–157, doi:10.5582/irdr.2017.01040, PMID 28944135, (Review). G. Terrin, R. Tomaiuolo, A. Passariello, A. Elce, F. Amato, M. Di Costanzo, G. Castaldo, R. B. Canani: Congenital diarrheal disorders: an updated diagnostic approach. In: International Journal of Molecular Sciences. Band 13, Nummer 4, 2012, S. 4168–4185, doi:10.3390/ijms13044168, PMID 22605972, (Review).

Einzelnachweise

Weblinks Alexandre Fabre, Patrice Bourgeois, Charlène Chaix et al: Trichohepatoenteric Syndrome. Synonyms: Phenotypic Diarrhea of Infancy, Syndromic Diarrhea/Tricho-Hepato-Enteric Syndrome (SD/THE), THES. In: M. P. Adam, J. Feldman, G. M. Mirzaa et al. (Herausgeber): GeneReviews®, 2018 Rare Diseases

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