mini|150px|Buchumschlag von Franz Stassen für den Roman Das schlafende Heer von Clara Viebig von 1904 Das schlafende Heer der heiligen Hedwig ist eine in verschiedenen Varianten überlieferte schlesische Sage.

Inhalt und historische Hintergründe Der Grundinhalt aller Varianten dieser Sage ist, dass die heilige Hedwig mit einem schlafenden Heer unter der Erde ruht. Wenn Schlesien (oder Polen) in Gefahr sei, würden diese wieder aufstehen und das Land retten.

Der historische Hintergrund ist einerseits die hohe Verehrung, die die heilige Hedwig in Schlesien und weiteren deutsch- und polnischsprachigen Gegenden genießt, andererseits die Kämpfe ihres Sohnes Herzog Heinrich II. von Schlesien gegen die eingefallenen tatarischen Heere 1241. Daraus entwickelte sich die Legende, dass die gefallenen schlesischen Krieger nur schlafen und unter ihrer Führung eines Tages wieder hervortreten würden. (Hedwig hatte aber bei den historischen Kämpfen wahrscheinlich keinen Einfluss auf die militärischen Aktivitäten ihres Sohnes.)

Varianten Es gibt verschiedene Orte, unter denen das schlafende Heer der heiligen Hedwig ruhen soll. Die Bekanntesten sind unter der Kirche in Trebnitz (ihrem Sterbeort), in Schönwald bei Gleiwitz und in Roßberg bei Beuthen in Oberschlesien.Schlesische Provinzialblätter, 1862, S. 394; erste feststellbare schriftliche Überlieferung dieser Sage; fast wörtlich zitiert in Richard Kühnau, Schlesische Sagen. Band 3. Zauber-, Wunder- und Schatzsagen, 1913, S. 520; nur ein Satz, jeweils in einer Grotte bei BeuthenWill-Erich Peuckert: Schlesische Sagen. 1924. S. 68f., ausführlichste Darstellung mit mehreren Varianten

Eine späte Fassung der Legende lautete:

In Großpolen, der späteren preußischen Provinz Posen, hat sich die Sage in leicht veränderter Form für die Berge bei Moschin erhalten, wohin sie aus Schlesien unter der Erde gekommen sein sollen.

Nachwirkungen

Die Sage wird in mehreren deutschen Sammlungen zwischen 1862 und 1931 in verschiedenen Fassungen erwähnt. Bereits 1849 verwendete der polnische Autor Roman Zmorski die Variante aus Trebnitz in einer erweiterten Erzählung.Legenda o śpiących rycercach św. Jadwigi Turystyka Trzebnica (deutsch übersetzt); er veröffentlichte die Erzählung 1849 in der Zeitschrift Stadło, die er selbst herausgab, und danach 1852 und 1902 in seinen Märchensammlungen 1904 nutzte die deutsche Schriftstellerin Clara Viebig den Titel für ihren Roman Das schlafende Heer, wobei sie sich auf die großpolnische Variante bezog, in der das schlafende Heer einst Polen befreien würde, wenn es in Not ist. Sie bezog dieses sinnbildlich auf den großen Unmut vieler Polen gegen die preußische Fremdherrschaft in der Provinz Posen.

In der Gegenwart werben mehrere polnische Städte wie Trzebnica (Trebnitz) mit der Sage in ihren Tourismusveröffentlichungen, es gab auch eine Laien-Theateraufführung in Murowana Goślina bei Poznań (2018).

Literatur Will-Erich Peuckert: Schlesische Sagen. 1924. S. 68, mit vielen Angaben

Einzelnachweise

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