350px Wilhelm IX., Herzog von Aquitanien und der Gascogne sowie Graf von Poitou wird am 22. Oktober 1071 geboren. Er gilt als der erste namentlich bekannte Troubadour und Gründervater der Trobadorlyrik. Dieser Artikel behandelt die Musik im 11. Jahrhundert.

Die geistliche und weltliche Musik des 11. Jahrhunderts ist geprägt durch folgende Entwicklungen: Gregorianischer Choral: Der Gregorianische Choral, ein einstimmiger, unbegleiteter liturgischer Gesang der römisch-katholischen Kirche in lateinischer Sprache, spielt die zentrale Rolle in der sakralen Musik des 11. Jahrhunderts. Frühe Mehrstimmigkeit: In dieser Zeit entstehen die ersten Formen der Mehrstimmigkeit, bekannt als Organum. Dabei wird dem einstimmigen Gregorianischen Choral eine parallele Stimme hinzugefügt, was den Grundstein für die spätere polyphone Musik legt. Troubadours: Ende des 11. Jahrhunderts beginnt im südlichen Frankreich das Wirken der Trobadors und Trobairitz, der Dichter, Komponisten und Sänger höfischer mittelalterlicher Lieder. Entwicklung der Notenschrift: Im 11. Jahrhundert werden die Neumen, frühe musikalische Notationszeichen, weiterentwickelt. Diese Vorläufer der modernen Notenschrift ermöglichen eine genauere Aufzeichnung von Melodien und tragen zur Standardisierung und Verbreitung von Musik bei.

Ereignisse und Personalia 1006 Fulbert wird Bischof von Chartres; unter seinem Einfluss entstehen neue, frei komponierte liturgische Gesänge.

1020 Heiliges Römisches Reich – Hermann von Reichenau kommt im Alter von sieben Jahren, im September 1020, in klösterliche Obhut, wahrscheinlich in das Kloster Reichenau.

1023 Heiliges Römisches Reich – Guido von Arezzo wird Kamaldulenser-Prior und Lehrer der Kathedralschule von Arezzo.

1025 Heiliges Römisches Reich – Guido von Arezzos musiktheoretisches Hauptwerk Micrologus de disciplina artis musicae entsteht, in dem er neben den Beschreibungen von Intervallen und Kirchentonarten unter anderem auch die Legende von Pythagoras in der Schmiede weitergibt.

1028 Kirchenstaat – Guido von Arezzo überreicht vermutlich 1028 Papst Johannes XIX. (1024–1033) auf dessen Einladung hin in Rom ein Exemplar seines noch in Pomposa verfassten Antiphonarium. Im Vorwort des Werkes wird erstmals die von Guido von Arezzo erfundene auf vier Linien im Terzabstand basierende Musiknotation beschrieben.

1030 Heiliges Römisches Reich – Zwischen 1030 und seinem Tod 1054 verfasst Hermann von Reichenau in mittellateinischer Sprache seine musiktheoretische Schrift Musica, die wahrscheinlich für den Unterricht im Rahmen des Quadriviums gedacht war. Das Werk informiert über die Musiktheorie der Antike bis zur aktuell gesungenen Musik des 11. Jahrhunderts im Kloster Reichenau, wo Hermann sein Leben verbrachte.

1040 Heiliges Römisches Reich – Berno von Reichenau stellt seine Werke Prologus in tonarium und Prologus in antiphonarium fertig.

1043 Heiliges Römisches Reich – Um 1043 legt Hermann von Reichenau unter Abt Berno in Kloster Reichenau die Mönchsgelübde ab. mini|Seite aus den Carmina Cantabrigiensia (Cambridge University Library, Gg 5.35), 11. Jahrhundert

1050 Heiliges Römisches Reich Um 1050 erstellt Wilhelm von Hirsau sein Traktat De Musica. Um 1050 wird die Sammlung Carmina Cantabrigiensia, bestehend aus lateinischen Dichtungen, vermutlich in der Rheingegend zusammengestellt.

1069 Heiliges Römisches Reich – Wilhelm von Hirsau wird im Kloster Hirsau zum Abt berufen.

1070 Song-Dynastie – Um 1070/1080 beginnt Chen Yang die Arbeit an seinem Werk Yueshu [Buch der Musik].

1094 Song-Dynastie – Im Zeitraum 1094 bis 1097 legt Chen Yang sein jinshi-Examen (eine Art Doktorprüfung) ab.

1097 Song-Dynastie – Chen Yang steigt „nach Übernahme lokaler Beamtenaufgaben und Ämter innerhalb des kaiserlichen Opferamtes zum stellvertretenden Präsidenten des Ritenministeriums auf.“

1100 Heiliges Römisches Reich Der Musiktheoretiker und Komponist Rudolf von St. Trond tritt um 1100 ins Kloster Sint-Truiden ein. Der Musiktheoretiker Johannes Cotto ist um 1100 aktiv und arbeitet wahrscheinlich in Süddeutschland oder der Schweiz. Herzogtum Aquitanien – Um das Jahr 1100 beginnt das Wirken Wilhelms IX. als Troubadour der ersten Generation. Song-Dynastie – Chen Yang vollendet die Arbeit an seinem Werk Yueshu [Buch der Musik]. Die Reinschrift wird 1103, der Erstdruck 1199 erfolgen.

Kompositionen und Schriften mini|Guido von Arezzo unterweist den Bischof Theodaldo von Arezzo am Monochord(Zeichnung 12. Jahrhundert aus dem Codex Lat. 51 f°35v XIe Vienne) 1001 Im Kloster Reichenau entsteht die Handschrift D-BAs Lit. 5, ein liturgischer Codex mit Tropen, Sequenzen, Offertorium-Versen und einem Tonar; sie ist eine der wenigen vollständig erhaltenen Quellen zum Repertoire des Reichenauer Gesangs.

1003 Ein Inventar des Kirchenschatzes der Abtei Saint-Martial in Limoges (überliefert in einer Abschrift des 16. Jahrhunderts) verzeichnet erstmals ein Troparium („troparium cum tabulis eburneis“). Es wird mit dem heute in der Bibliothèque nationale de France überlieferten, illuminierten Manuskript F-Pn lat. 9448 in Verbindung gebracht, das Tropen und Sequenzen enthält und die liturgische wie materielle Bedeutung frühmittelalterlicher Gesangbücher dokumentiert.

1025 Guido von Arezzo – Micrologus de disciplina artis musicae

1028 Guido von Arezzo – Prologus in antiphonarium (Aliae regulae)

1040 Berno von Reichenau – Prologus in tonarium; Prologus in antiphonarium (um 1040)

1050 Anonymus – Winchester Tropar Wilhelm von Hirsau: De Musica (um 1050) Sammlung Carmina Cantabrigiensia (um 1050)

1054 Hermann von Reichenau – Musica, musiktheoretische Schrift, verfasst zwischen 1030 und 1054

1078 Aribo Scholasticus – De musica (um 1078)

1100 Johannes Cotto – Quaestiones in musica, um 1100 Johannes Cotto – De musica cum tonario, um 1100, vermutlich von Johannes Cotto verfasst Guido von Farfa – Disciplina Farfensis, um 1100 Chen Yang – Yueshu [Buch der Musik] Ad organum faciendum, auch bekannt als Prosateil des Mailänder Traktates heißt die bekannteste Schrift einer Traktatgruppe, die um 1100 entsteht Graduale und notiertes Brevier aus Brescia, um 1100, mit Neumen notiert (Handschrift Hs. Can.liturg.366)MGG online: Artikel: Oxford, Abschnitt: Handschriften>Choralhandschriften Graduale von St. Etienne aus Toulouse, enthält ein Tonar, entsteht um 1100 (Handschrift Harley 4951)MGG online: Artikel: London, Abschnitt: Bibliotheken und Handschriften > British Library > Handschriften bis 1660 La Chanson de sainte Foi d’Agen, das Sankta-Fides-Lied, entsteht um 1100 Sponsus von Sankt Martial, ein erstes Beispiel eines mit volkssprachigem Text durchsetzten lateinischen Spieles, das um das Jahr 1100 entsteht mini|Die Lullusglocke hängt im obersten Geschoss des Katharinenturms der Stiftsruine Bad Hersfeld.

Musikinstrumente 1038 Heiliges Römisches Reich – Am 24. Juni wird in Bad Hersfeld die älteste datierte Glocke Deutschlands, die Lullusglocke, in dünner Bienenkorb-Rippe gegossen.

1100 Baldrik von Dol (1047–1131) beschreibt um 1100 eine Orgel in der Benediktinerabtei Fécamp. Am Portico de la Palterías in Santiago de Compostela findet man eine Darstellung König Davids mit einer Rebec in den Händen, die um 1100 entsteht.

Geboren 1013 18. Juli: Hermann von Reichenau, deutscher Mönch, Historiker, Schriftsteller, Komponist, Mathematiker und Astronom († 1054) mini|Abbildung von Minamoto no Tsunenobu im Ogura Hyakunin Isshu

1016 Minamoto no Tsunenobu, japanischer Staatsmann, Dichter und Musiker († 1097)

1027 Zwischen 1027 und 1030: Bruno von Köln, Begründer des Kartäuserordens († 1001).Als Begründer des Kartäuserordens war Bruno für die Einführung der Nutzung der Gesangbücher mit aquitanischen Neumen im Kartäuserorden verantwortlich. (Theresa Hartmann: HANDBÜCHLEIN. zur Übung „Liturgie für MusikwissenschaftlerInnen. Eine Einführung“. Universität Wien Institut für Musikwissenschaft Sommersemester 2006); MGG online: Artikel Choralreform; MGG online: Artikel: Kartäuser

1030 Um 1030: Sigebert von Gembloux, ghibellinischer Historiograph, Hagiograph, Theologe, Liturgiker, Komputist und Publizist († 1112) Um 1030: Wilhelm von Hirsau, Benediktiner-Abt, Klosterreformer und Musiktheoretiker († 1091)

1037 8. Januar: Su Shi, Dichter der chinesischen Song-Dynastie († 1101)In 13 % der 2586 überlieferten Gedichte Su Shis beschreibt er Musik und Musikpraktiken seiner Zeit. Sie sind eine wichtige Quelle für die Musikwissenschaft. (Stuart H. Sargent: Music in the world of Su Shi (1037–1101): Terminology, Journal of Song-Yuan Studies 32/2002 S. 39–81 JSTOR 23496197).Gedichte Su Shis wurden von chinesischen Komponisten vertont. Chen Qigang: Poème lyrique (Su Shi) für Bar. und Instr.-Ens. (1990) MGG online, Artikel: Chen Qigang; Shen Yintang: Yi (Erinnerung; nach einem Gedicht von Su Shi), Fantasie für 2 Klaviere (1991) MGG online, Artikel: Shen Yintang; Chen Yi: Drei Gedichte aus der Song-Dynastie Nr. 3 für gemischten Chor a capella, Text des dritten Gedichtes von Su Shi, MGG online, Artikel: Chen Yi; Lü Wenci: Bu suanzi, Streichquartett nach einem Gedicht von Su Shi, MGG online, Artikel: Lü Wenci; Qu Xiaosong: Mirage (nach Gedichten von Su Shi) für eine Stimme und Schlagzeug, MGG online, Artikel: Qu Xiaosong mini|Raschi, symbolische Darstellung von 1539

1040 Milarepa, tantrischer Meister, Dichter, Komponist und Begründer der Kagyü-Schulen des tibetischen Buddhismus († 1123) Raschi, Rabbiner und Talmud-Kommentator aus Troyes († 1105)

1050 Um 1050: Theoger von Sankt Georgen, Bischof und Musiktheoretiker († 1120) mini|Bischof Jón Ögmundsson hält einen Bischofsstab und ein Buch, Abbildung aus einem aus dem 19. Jahrhundert stammenden isländischen Manuskript

1052 Jón Ögmundsson, isländischer Bischof, selbst als Sänger bekannt († 1121)

1059 Um 1059: Chen Yang, chinesischer Musiktheoretiker († 1122)

1060 Um 1060: Calixtus II., Papst und Initiator des Codex Calixtinus († 1124)

1065 Um 1065: Egino, Reformabt am Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra in Augsburg, Dichter und Komponist († 1120)

1067 Abu al-Salt, andalusisch-arabischer Universalgelehrter und Musiktheoretiker († 1134)

1068 Vor 1068: Aribo Scholasticus, Musiktheoretiker († nach 1078)

1069 Um 1069: Godric, englischer Heiliger, Eremit und Komponist († 1170)

1070 Um 1070: Rupert von Deutz, Benediktiner, Exeget, Mystiker und Liturgiekommentator († 1129) Um 1070: Rudolf von St. Trond, wallonischer Benediktinermönch, Geistlicher, Musikwissenschaftler und Komponist († 1138)

1071 22. Oktober: Wilhelm IX., Herzog von Aquitanien und Gascogne, wird als erster Troubadour gesehen († 1126)

1073 Alfons I., König von Aragón und Navarra sowie Troubadour († 1134) Ryōnin, japanischer Priester, Musiker und Gründer der Yūzū-Nembutsu-Lehre des Buddhismus († 1132)

1074 Um 1074: Jehuda ha-Levi, sephardischer Philosoph, gilt als der bedeutendste hebräische Dichter des Mittelalters († 1141) mini|Abaelardus und Heloïse in einer Handschrift des Roman de la Rose, Chantilly, musée Condé (14. Jahrhundert)

1079 Petrus Abaelardus, französischer Philosoph, Scholastiker, Musiker und Schriftsteller († 1142)

1085 Um 1085: Thierry von Chartres, platonischer Philosoph und Verfasser des Heptateuchon († um 1155)

1086 Um 1086: Hugo Primas, französischer Wanderscholar, Literaturgelehrter und Dichter († 1160)

1087 Ibn Quzman, islamischer Dichter († 1160) mini|Abt Petrus Venerabilis und drei Mönche (Buchmalerei 13. Jahrhundert)

1092 Petrus Venerabilis, Klosterreformer und Abt von Cluny sowie Hymnendichter († 1156)

1095 Um 1095: Ibn Baddscha, andalusisch-muslimischer Universalgelehrter auf den Gebieten islamische Astronomie, Logik in der islamischen Philosophie, arabische Musik, frühe islamische Philosophie, Physik im mittelalterlichen Islam, islamische Psychologie, arabische Poesie und Wissenschaft († um 1138)