mini|Bagdadlammmantel in aufgesetzter Verarbeitung, Fell über Fell Das Aufsetzen bezeichnet einen Arbeitsschritt der Kürschnerei bei der Herstellung von Pelzbekleidungsstücken oder Pelzaccessoires. Dabei werden Pelzfelle in einfachster Form zu einem Streifen zusammengefügt, das Fellende, fachsprachlich Pumpf genannt, auf das Kopfende.
Die alternative Verarbeitung ist das „Einschneiden“, bei dem die Felle zu einem den Einzelfellcharakter beibehaltenden Streifen ineinandergeschnitten werden. Welche der beiden Techniken angewandt werden, hängt von der beabsichtigten Wirkung und der Art der Felle ab. Kleine Felle werden immer aufgesetzt, sie kommen meist bereits so konfektioniert als Felltafeln in den Rauchwaren-Großhandel.
Geschichte Die einfachste Form der Pelzverarbeitung zu einem Kleidungsstück oder anderem Pelzgegenstand ist es, die Felle über- und nebeneinander zu setzen, nachdem die Extremitäten, der Kopf meist bis hinter die Ohren, und das Fellende mit Schwanz abgeschnitten wurden. Bei den meisten Fellarten entsteht dort, wegen der unterschiedlichen Haarlängen zwischen Kopf und Pumpf unvermeidbar, zuzüglich eventueller Farbunterschiede, eine auf der Haarseite deutlich sichtbare Verbindung.
Bis in das 19. Jahrhundert wurde der Pelz in der Mode oder Tracht nur als Pelzinnenfutter, als Pelzbesatz und als Verbrämung gezeigt, abgesehen von den rustikalen Schaffellmänteln der vor allem ländlichen Bevölkerung, die mancherorts auch gewendet wurden. Hinzu kamen Pelzaccessoires wie Muffe, Pelzkolliers und Pelzmützen. Für ein im Gebrauch nicht sichtbares Innenfutter genügt es, die Felle schachbrettartig auf- und nebeneinander zu setzen. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch eine Pelzmode, bei der das Fell auch bei Jacken und Mänteln mit dem Haar nach außen getragen wurde. Mit der etwa gleichzeitigen Erfindung der Pelznähmaschine wurde es möglich, sehr viel aufwändigere Arbeitstechniken wirtschaftlich sinnvoll anzuwenden. Für die Außenverarbeitung wurden nun immer neue Techniken und Optiken ausprobiert oder weiterentwickelt. Das Auslassen und das Einschneiden zu mantel- oder jackenlangen Streifen brachte eine wesentliche Veränderung zu einem flächigeren, harmonischen Aussehen. Je nach Mode, Geschmack und Wirtschaftlichkeit wurde nun individuell entschieden, bei bestimmten Fellarten eine eventuell aufwändigere Verarbeitung als das Aufsetzen zu wählen.
Die Konfektionierung von kleineren Fellen zu Felltafeln erfolgte meist von darauf spezialisierten Kürschnern in den Ursprungsländern, für Hamsterfelle früher zum Beispiel in der Harzgegend. Für Wieselfelle und auch andere Pelzarten ist das heute zumeist China.
Arbeitstechnik Allgemein
Die Vorarbeit des Aufsetzens ist das Anbrachen, bei dem schadhafte Stellen (Kahlstellen, Schusslöcher, Zurichtschäden) und andere entfernt werden, so dass die Reparaturstellen auf der Haarseite möglichst nicht sichtbar sind. Gleichzeitig werden die Vorder- und Hinterpfoten sowie der Fellschwanz abgeschlagen, die als Pelzstücken in der Regel einer eigenen Industrie zur Weiterverarbeitung zugeführt werden. Beim Zusammennähen der Streifen nebeneinander, sollen die Aufsatznähte als sichtbare Nahtverbindungen, wegen eines harmonischen Aussehens jeweils in gleicher Höhe liegen.
Kleinere, regelmäßig aufgesetzt verarbeitete Pelzarten sind oder waren, neben anderen, vor allem Hamsterfelle, Feh, Bassariskfelle, Petschanikfelle, Suslikifelle, Chinchillafelle, Wieselfelle, Hermelinfelle und Kolinskyfelle, als kleinste Maulwurffelle und Burundukifelle. Meist werden diese Arten in der Form eines Bogens oder stumpfen Winkels übereinander gesetzt, wobei die Spitze zumeist zum Fellende zeigt. Alle Fellarten können selbstverständlich, Arbeitszeit und Material sparend, auch in geraden Quernähten übereinander gefügt werden. In aller Regel fallen beim Aufsetzen störende Fellteile ab. Da eine schablonierte Zacke oder Welle immer in die brauchbaren Teile des Felles gelegt werden müssen, fällt hier eigentlich einwandfreies Fell ab, das auch nicht anderweitig verwendet werden kann. Daher sollte die Tiefe dieser Zacken oder Wellen nicht größer als nötig gewählt werden. Bei einer 2 cm tiefen Zacke, beispielsweise für einen Kaninmantel, ergibt das bei 3 ½ oder 4 Fellhöhen einen Verlust von etwa 1200–1400 cm², das entspricht zwei großen oder drei kleinen Kaninfellen. Es gibt eine ganze Anzahl von Fellarten, bei denen üblicherweise der Verlust in Kauf genommen wird. Ein Anhaltspunkt für die optimale Zackentiefe gibt die Haarlänge, gegebenenfalls die Länge der Unterwolle.F. H.: Materialersparnis. In: Die Kürschnerfibel Nr. 4, 2. Jg., Verlag Alexander Duncker, Leipzig, 11. April 1939, S. 38–45 (Beilage zur Kürschner-Zeitung Nr. 10).
Als weitere allgemeine Regel gilt, die langhaarigsten, dunkelsten und größten Felle kommen nach unten, entsprechend abgestuft bis zu den hellsten in der obersten Zeile. Aufsatznähte müssen, weil sichtbare Nahtverbindungen, immer in gleicher Höhe liegen. Für das Sortieren wird empfohlen, im Allgemeinen zuerst die Querzeilen zusammenzustellen, weil so das Passen der nebeneinander liegenden Felle besser zu kontrollieren und ein Auswechseln leichter möglich ist.Die Technik der individuellen Fellverarbeitung (Fortsetzung), In: Die Kürschnerfibel Nr. 2, Verlag Alexander Duncker, Leipzig, 24. Februar 1934, S. 17.
Bei manchen Fellarten schreckt der Verarbeiter vor dem Einschneiden, dem Zusammenfügen von zwei oder mehr Fellen zu einem einheitlichen Streifen deshalb zurück, weil die Struktur innerhalb des Felles hinsichtlich Haarlänge und Farbe so stark differiert, dass das Gelingen der Arbeit, trotz großer beruflicher Erfahrung, äußerst schwierig ist, sind nicht ausreichend gleiche Felle vorhanden, sogar unmöglich. Deshalb werden zum Beispiel die Marderarten Iltis, Baum- und Steinmarder und Zobel großteils aufgesetzt verarbeitet, obwohl ihr Wert eine aufwändigere, kostspieligere Arbeit rechtfertigen würde. Für eine Jacke in der Länge von weniger als zwei Fellhöhen werden sie dagegen, wenn nicht querverarbeitet, meist ausgelassen.
Nach Fellart (Auswahl) Feh
Das als Feh bezeichnete Winterfell des russischen und sibirischen Eichhörnchens wird in der Regel getrennt in Rücken und Wamme verarbeitet. Die weißen Wammenfelle, durch Teile des Rückens lebhaft gezeichnet, zumeist für Pelzinnenfutter.Die Technik der individuellen Fellverarbeitung, In: Die Kürschnerfibel Nr. 5, Verlag Alexander Duncker, Leipzig, 21. Mai 1934, S. 65.
Für das blaugraue Rückenfell des Fehfells heißt es zum Beispiel: „Feh lässt sich in mancherlei Anordnung verarbeiten, sei es längs, quer oder diagonal. Stets wird die Form und die Art des anzufertigenden Stückes sowie der persönliche Geschmack ausschlaggebend sein. Das charakteristische Merkmal des Feh liegt in seinem rauchen und langen Pumpfhaar, gegenüber dem verhältnismäßig flachen und kurzen Kopfhaar. Dadurch bietet sich Feh in besonderer Weise zu einer sichtbaren Aufsetzarbeit an, die in großen und kleinen Pelzen sehr effektvolle Zeilenwirkung zeigt.“
„Ob die Felle nun im Bogen oder in einem Winkelschnitt aufgesetzt werden, entscheidet wiederum der persönliche Geschmack. Beide Arten sind formschön und nutzen das Material rationell aus. Dabei beachte man, dass mit dem Bogen oder Winkel der Kopf ausgenutzt und dafür der wildere Pumpf ausgeschnitten wird.“Autorenkollektiv: Der Kürschner. Fach- und Lehrbuch für das Kürschnerhandwerk. 2., überarbeitete Auflage. Berufsbildungs-Ausschuss des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks (Hrsg.), Verlag J. P. Bachem, Köln 1956, S. 103 (→ Buchdeckel und Inhaltsverzeichnis). In einem englischen Fachbuch hieß es 1936 zudem: „Fehfelle werden auf vielfältige Weise und in vielen Stilarten aufgesetzt. Einige Kürschner wollen Qualität, andere Quantität von ihren Kürschnern („cutters“), so dass der Cutter im Akkord arbeiten muss“.
Viele der in Wamme und Rücken geteilten Fehfelle sind in gewinkelter Form aufgesetzt, in der englischen Pelzbranche als „Chevron“ bezeichnet, ähnlich geformt den ebenso genannten Abzeichen auf den Ärmeln der Unteroffiziere der britischen und anderer Armeen.
Bisam
Bisamfelle werden inzwischen fast ausnahmslos als Futtertafeln vorkonfektioniert gehandelt. Die üblichen Formen sind Bisamrückentafeln, Bisamwammentafeln und Tafeln mit ganzfelligen Bisam, jeweils aufgesetzt oder in anderen Gestaltungen (quer, diagonal).
Bisamrücken werden dabei in aufgesetzter, materialausnutzender Verarbeitung, meist in Form eines stumpfwinkligen V-Winkels, die Spitze zum Fellende hin, übereinandergesetzt. Da das Fellende sehr dick ist, in einem Fachbericht zudem als missfarbig bezeichnet, wurde vorgeschlagen, stattdessen den Pumpf mit einem zum Kopf hin zeigenden, bogenförmigen oder spitzem Aufsatz abfallen zu lassen. Das qualitative Aussehen eines so zusammengesetzten Teiles sei um mindestens 25 Prozent besser, der Verlust an Länge wäre nicht viel mehr als ein- bis eineinhalb Zentimeter.Die Technik der individuellen Fellverarbeitung – Bisam. In: Die Kürschnerfibel Nr. 1, Verlag Alexander Duncker, Leipzig, 21. Januar 1934, S. 5–7.
Die Bisamwammen sind in den Fellseiten am Pumpf kürzer im Haar als am Kopf. Werden die Tafeln nicht anschließend geschoren, sollten das obere Fell deshalb in den Seiten auf das untere aufgetreten werden, um dort keine hässlichen Stellen entstehen zu lassen.
Eine weitere, früher noch übliche, aufgesetzte Verarbeitung für Bisam wird wohl nicht mehr angewandt. Dabei wurden die ganzen, nicht in Rücken und Wamme geteilten Felle wabenförmig zugeschnitten und Zeile zu Zeile auf Lücke gesetzt. Diese Verarbeitung mit dem lebhaften Haarbild wäre für Pelzfutter noch geeignet, sie hat den Vorteil, dass dabei die Felle sehr gut ausgenutzt werden.Autorenkollektiv: Der Kürschner. Fach- und Lehrbuch für das Kürschnerhandwerk. 2., überarbeitete Auflage. Berufsbildungs-Ausschuss des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks (Hrsg.), Verlag J. P. Bachem, Köln 1956, S. 170.
Schwarzgefärbte, sogenannte Sealbisamfelle, waren einmal, neben Sealkanin, ein sehr bevorzugter Modeartikel. Das veredelte Sealfell und die es imitierenden Pelze werden gestürzt, mit dem Haarschlag nach oben, gearbeitet. Die geringe Trapezform der Bisamfelle kollidiert dabei mit der entgegengesetzten Trapezform von Mänteln und Jacken. Es wurde unter anderem daher vorgeschlagen, mit seitlichen kürschnerischen Zungenpaaren am Pumpf einen Ausgleich zu schaffen. Aus einer beigefügten Skizze war zu entnehmen, dass dadurch, vor einem eventuellen weiteren Umformen durch Dehnen der vorher in die Länge gestreckten Felle, allerdings erst einmal eine nur rechteckige Form erzielt wurde. Die Köpfe und Pümpfe müssen, sorgfältig prüfend, soweit abgeschnitten werden, bis die ungleichen Haarlängen angeglichen sind. Zum Aufsetzen verwandte dieser Kürschner eine kleine Zacke (Sealzacke).
Hermelin Über das königliche, weiße Hermelinfell schrieb der Kürschner Samuel Raphael 1948, es käme am besten zur Geltung, wenn es halbfellig aufgesetzt verarbeitet wird, also Grotzen an Seite. Die Verbindung soll in Form eines umgekehrten „V“s erfolgen (Spitze Richtung Kopf, bezogen auf das ungeteilte Fell), „dies ergibt die glattesten und einheitlichsten Verbindungen“. Auch er wies darauf hin, dass alle Verbindungen gleichmäßig über alle 3 Zeilenhöhen verlaufen und auch in Länge und Breite absolut einheitlich sein müssen. Die halbfellige Verarbeitung blieb jedoch eher selten, die Aufsätze entsprechen denen anderer kleiner Fellarten.
Kanin