Unter Frataraka (aramäisch prtrkʾ) versteht man eine Gruppe von Herrschern aus der Persis zur Zeit des Seleukidenreichs. Aus dem Achämenidenreich ist Frataraka als Titel für einen Oberaufseher überliefert.
Einleitung Der Begriff fratarak- erscheint als Titel in aramäischen Dokumenten von Elephantine zur Zeit des Achämenidenreichs und bedeutete ursprünglich „der vorne ist, an der Spitze, zuerst, überlegen“ („who is before, ahead of, prior, superior“). Als Titel bezeichnete es einen Oberaufseher. Der Begriff entspricht dem altpersischen fratara-/fraθara, das von Inschriften von Dareios I. (in den Inschriften DB und DNb) und Xerxes I. (in den Inschriften XPg, XPf und XPl) überliefert ist.Prods Oktor Skjærvø: The Joy of the Cup: A Pre-Sasanian Middle Persian Inscription on a Silver Bowl. In: Bulletin of the Asian Institute. Band 11. London 1997, S. 102. (jstor.org.)Rüdiger Schmitt: Wörterbuch der altpersischen Königsinschriften. Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-95490-017-6, S. 92 und 177–178.
Die Münzen sind die wichtigste Quelle für die Frataraka, eine Gruppe von Herrschern der Persis. Die darauf geprägten Legenden sind in irano-aramäischer Sprache geschrieben und enthalten den Begriff frataraka (unterschiedlich gelesen als fratakara/fratadāra/fratakāra). Er definiert die Zugehörigkeit zur Gruppe der Frataraka. Die Legenden haben die Schreibweise König X, herausragend unter den Göttern, Sohn von Y (englisch King X, outstanding among gods, son of Y; aramäisch X prtrkʾ zy ʾlhyʾ br Y). Der Zusatz br prs, der auf einigen Legenden auftaucht, bedeutet Sohn eines Persers. Er schließt an die Aussage von Dareios I. an, der sich in der Inschrift DNa als ein Perser, Sohn eines Persers bezeichnet. Es ist nicht nur eine Referenz zum Namen der Region, sondern betont die persische Identität der Frataraka.Prods Oktor Skjærvø: The Joy of the Cup: A Pre-Sasanian Middle Persian Inscription on a Silver Bowl. In: Bulletin of the Asian Institute. Band 11. London 1997, S. 102. (jstor.org.)Vesta Sarkhosh Curtis: The Frataraka Coins of Persis. In: John Curtis, St John Simpson: The World of Achaemenid Persia; history, art and society in Iran and the ancient Near East. London 2010, S. 393.
Der Satzteil, der Bezug auf die Götter nimmt, wird verschieden interpretiert.Vesta Sarkhosh Curtis: The Frataraka Coins of Persis. In: John Curtis, St John Simpson: The World of Achaemenid Persia; history, art and society in Iran and the ancient Near East. London 2010, S. 393. Unter anderem kann er mit von göttlicher Abstammung oder möglicherweise der eine, der von den Göttern an die Spitze gesetzt wurde übersetzt werden. Er erinnert an den Anspruch von Dareios I., dass Ahuramazda „Dareios (zum) König gemacht hat, den einen (zum) König über viele“.Siehe dazu DNa. Frataraka ist nicht als der Name einer Dynastie zu verstehen, sondern als Attribut, das die Vormachtstellung durch göttliche Abstammung beschreibt. Formell sieht es aus wie ein Hybrid des achämenidischen Titels König der Könige und den seleukidischen und arsakidischen Titeln in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr., die den König mit der Göttlichkeit verbinden.Prods Oktor Skjærvø: The Joy of the Cup: A Pre-Sasanian Middle Persian Inscription on a Silver Bowl. In: Bulletin of the Asian Institute. Band 11. London 1997, S. 102. (jstor.org.)
Zusammenstellung der Münzlegenden der Frataraka Herrscher Aramäische Legende Deutsche Übersetzung Ardaxschir I. ʾrtḥštry prtrkʾ zy ʾlhyʾ br prs Frataraka Artaxschir von den Göttern, Sohn eines Persers Vahbarz wḥwbrz prtrkʾ zy ʾlhyʾ br prs Frataraka Vahbarz von den Göttern, Sohn eines Persers Baydad bgdt prtrkʾ zy ʾlhyʾ br bgwrt (oder bgwdt) Frataraka Baydad von den Göttern, Sohn des Bagawart Vadfradad I. wtprdt prtrkʾ zy ʾlhyʾ Frataraka Vadfradad von den Göttern Vadfradad II. wtprdt prtrkʾ zy ʾlhyʾ Frataraka Vadfradad von den Göttern
Liste der Frataraka Ardaxschir I. mini|Ardaxschir I. Die Münzen von Ardaxschir I. (aramäisch ʾrtḥštry) zeigen den Herrscher auf der Vorderseite im Profil mit einer Kopfbedeckung mit Ohren-, Nacken- und Mundschutz.Siehe dazu Auf der Rückseite steht Ardaxschir I. mit erhobenen Händen vor einer viereckigen Struktur, die mit Brüstungselementen gekrönt ist. Ähnliche Strukturen sind von den Achämeniden bekannt. Sie werden oft in Verbindung zum Kaʿbe-ye Zartuscht in Naqsch-e Rostam und dem Zendan in Pasargadae gebracht. Eine spätere Variante der Rückseite enthält zwischen Ardaxschir I. und der Struktur ein Monogramm. Die Münzlegende auf der Rückseite lautet Ardaxschir (der) Fratraka von den Göttern (ʾrtḥštry prtrkʾ zy ʾlhyʾ). Von späteren Münzen ist der Zusatz [BR]/prs nachgewiesen. Der Zusatz ist nicht vollständig oder eine Abkürzung. Er wird als Sohn von Persien, Sohn von FraDa oder Frataraka von Pārs interpretiert.Kiarash Gholami,: A Revised Frataraka Chronology and Coinage. In: Mostafa Faghfoury (Hrsg.): Ancient Iranian Numismatics. In Memory of David Sellwood. Brill 2021, ISBN 978-1-949743-16-6, S. 135–156, hier S. 136–137.
Vahbarz mini|Drachme des Vahbarz Von Vahbarz (aramäisch wḥwbrz) sind mehrere Typen von Münzen überliefert. Die erste Serie entspricht den Münzen von Ardaxschir I. mit der viereckigen Struktur auf der Rückseite. Für die Vorderseite hatte er einen etwas abgetragenen Münzstempel von Ardaxschir I. verwendet, deren Verwendung ihn als Nachfolger von diesem festlegt. In der zweiten Serie verwendete er eigene Münzstempel und ergänzte die Legende um prs (Persien). Weitere Drachmen zeigen auf der Vorderseite das übliche Portrait und auf der Rückseite eine Figur in persischer Kleidung, die einen bewaffneten Soldaten tötet. In der Legende ist anstatt des Begriffs frataraka die Bezeichnung krny zu finden. Auf der letzten Serie sind wieder die ursprünglichen Bildelemente mit einem zusätzlichen Monogramm unter der viereckigen Struktur zu sehen.David Engels: Iranian Identity and Seleucid Allegiance; Vahbarz, the Frataraka and Early Arsacid Coinage. In: K. Erickson (Hrsg.): The Seleukid Empire, 281-222 BC. War within the Family. Swansea, 2018, S. 173–196, hier S. 173–174.
Drei Drachmen von Vahbarz haben den Titel krny geprägt. Die Bezeichnung ist in einem aramäischen Dokument für den Titel eines hochrangigen Beamten in Baktrien von Artaxerxes III. überliefert. Der Begriff wird in Verbindung zur griechischen Bezeichnung karanos gebracht, die von Xenophon überliefert ist und ein hochrangiges Amt bezeichnet.Xenophon, Hellenica, 1.4.3. (perseus.tufts.edu) Der Titel ist ebenfalls aus der hellenistischen Zeit bezeugt, vor allem von Seleukos I., der dieses Amt als administrative Grundlage für die Mitregentschaft seines Sohnes Antiochos I. nutzte. Krny kann bis zum Begründer des Partherreichs, Arsakes I., verfolgt werden, der den Titel auf seinen Münzen verwendete.Kiarash Gholami,: A Revised Frataraka Chronology and Coinage. In: Mostafa Faghfoury (Hrsg.): Ancient Iranian Numismatics. In Memory of David Sellwood. Brill 2021, ISBN 978-1-949743-16-6, S. 135–156, hier S. 138–139.
Vahbarz ist wahrscheinlich identisch mit Oborzos, der von Polyainos erwähnt wird.Polyainos, Strategemata 7.39–40. (attalus.org) Er erzählt, dass Oborzos eine Revolte von Siedlern unterband, indem er diese auf ihrem Weg in die Verbannung töten ließ.David Engels: Iranian Identity and Seleucid Allegiance; Vahbarz, the Frataraka and Early Arsacid Coinage. In: K. Erickson (Hrsg.): The Seleukid Empire, 281-222 BC. War within the Family, Swansea, 2018, S. 173–196, hier S. 174–176.
Baydad mini|Münze des Baydad
Von Baydad (aramäisch bgdt) sind mehrere Typen von Münzen überliefert. Die Vorderseite trägt wie bei den anderen Frataraka sein Portrait, unterscheidet sich aber in der Anordnung der Kopfbedeckung. Die Ohrenklappen und der Kinnschutz der Kopfbedeckung sind nach oben unter einem Band eingesteckt, so dass die Ohren und das Kinn freigelegt sind. Die Anordnung wurde von achämenidischen Beamten mit einem Rang unter dem Satrapen getragen wie zum Beispiel Stadtkönige. Die Rückseite der Münze entspricht den Darstellungen der anderen Frataraka mit der Abbildung von Baydad vor einer viereckigen Struktur. Von Baydad ist eine zweite Rückseite von Münzen überliefert. Auf diesen sitzt Baydad auf dem Thron mit der Lotusblüte und einem Szepter in den Händen. Vor ihm steht eine militärische Standarte. Das Bild zeigt Ähnlichkeiten zu Darstellungen von Dareios I. und Xerxes I. in Persepolis und zeigt eine königliche Investiturszene. Man kann annehmen, dass sich Baydad im Kampf um die Vorherrschaft in der Persis von den anderen Frataraka abheben wollte und sich um eine Legitimität bemühte.Kiarash Gholami,: A Revised Frataraka Chronology and Coinage. In: Mostafa Faghfoury (Hrsg.): Ancient Iranian Numismatics. In Memory of David Sellwood. Brill 2021, ISBN 978-1-949743-16-6, S. 135–156, hier S. 146–149.Vesta Sarkhosh Curtis: The Frataraka Coins of Persis. In: John Curtis, St John Simpson: The World of Achaemenid Persia; history, art and society in Iran and the ancient Near East. London 2010, S. 379–396, hier S. 388.
Vadfradad I. mini|Münze des Vadfradad I. Die Münzen von Vadfradad I. (aramäisch wtprdt), auch Autophradates I. genannt, tragen auf der Vorderseite der Münzen sein Portrait, das den Abbildungen von Vahbarz and Ardaxschir I. ähnlich ist. Für die Rückseite sind drei Typen überliefert. Auf der frühsten Münze steht Vadfradad mit erhobenen Armen vor der königlichen Standarte und einem Feuertempel. Darüber schwebt das Geflügelte Symbol (Achämenidenreich), das als Faravahar als Symbol des Zoroastrismus, Ahura Mazda oder Xwarenah interpretiert wird. Die zweite Variante zeigt einen Adler, der auf der königlichen Standarte sitzt. In der dritten Variante steht die geflügelte Nike hinter ihm, die im Begriff ist, ihn mit einem Kranz oder Diadem zu krönen. Vadfradad I. hält einen Bogen in seiner linken Hand und hat seine rechte Hand mit ausgestreckten Fingern erhoben. Ein geflügeltes Symbol schwebt über der Szene. Die Szene symbolisiert die göttliche Unterstützung der Herrschaft von Vadfradad I. und zeigen Parallelen zu den Siegesmünzen von Seleukos I.Kiarash Gholami,: A Revised Frataraka Chronology and Coinage. In: Mostafa Faghfoury (Hrsg.): Ancient Iranian Numismatics. In Memory of David Sellwood. Brill 2021, ISBN 978-1-949743-16-6, S. 135–156, hier S. 149–151.Vesta Sarkhosh Curtis: The Frataraka Coins of Persis. In: John Curtis, St John Simpson: The World of Achaemenid Persia; history, art and society in Iran and the ancient Near East. London 2010, S. 379–396, hier S. 388–389.
Vadfradad II. mini|Münze des Vadfradad II. Die Münzlegenden von Vadfradad II. (aramäisch wtprdt), auch Autophradates II. genannt, sind meistens unvollständig und selten auf den überlieferten Münzen zu finden. Während seiner gesamten Regentschaft trägt Vadfradad II. auf seinem Portrait ein Diadem und die Kopfbedeckung eines Satrapen, die mit einem Doppelflügeladler verziert ist. Es sind drei Typen für die Rückseite überliefert, die sich nur durch Kleinigkeiten unterscheiden. Auf dem ersten Typ steht Vadfradad II. mit einem Bogen vor dem Feuertempel und der königlichen Standarte. Die beiden folgenden Typen zeigen Vadfradad II. mit seiner speziellen Krone und einem Adler auf der königlichen Standarte, ähnlich der letzten Münze von Vadfradad I. Die beiden Typen unterscheiden sich durch eine Mondsichel im dritten Typ, die an der Kopfbedeckung am Hinterkopf befestigt ist. Die verschiedenen Typen müssen über einen längeren Zeitraum geprägt worden sein, wobei der dritte Typ keine Legende trägt und deshalb in der Vergangenheit schwierig zu bestimmen war.Kiarash Gholami,: A Revised Frataraka Chronology and Coinage. In: Mostafa Faghfoury (Hrsg.): Ancient Iranian Numismatics. In Memory of David Sellwood. Brill 2021, ISBN 978-1-949743-16-6, S. 135–156, hier S. 151–152.
Forschungsgeschichte