Hemsdorf ist ein Ortsteil der Stadt Wanzleben-Börde im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Der Ort hat 67 Einwohner (Stand 2015) und gehört zur Ortschaft Groß Rodensleben.

Lage mini|Schrotequelle, 1934 Hemsdorf liegt etwa neun Kilometer nördlich von Wanzleben. Südlich der Ortslage erhebt sich der 142 Meter hohe Mühlenberg. Im Ort entspringt die Schrote, die auch den am südlichen Ortsrand liegenden Dorfteich durchfließt. Östlich des Orts verläuft der Hemsdorfer Graben, der nach nur kurzem Verlauf in die Schrote mündet. Nach Hemsdorf führt von Westen her die Kreisstraße K1272, die hier als Sackgasse endet.

Geschichte mini|Dorfteich Hemsdorf, 1934 Urkundlich erwähnt wurde Hemsdorf erstmalig gesichert im Jahre 1271 als Hemerkesdorp. Ältere urkundliche Erwähnungen von 946 (Helmuardsdorp) und 1125 (Helmerikesdorp) können nicht sicher Hemsdorf zugeordnet werden.Gerd Gerdes, Chronik der Stadt Wanzleben, Band III, Die Ortschaften der Stadt Wanzleben-Börde, dr. ziethen verlag Oschersleben 2011, ISBN 978-3-86289-025-5, Seite 85 1562 lag das Dorf durch Brand und Unwetter wüst. Im Jahr 1601 entstand das Vorwerk der Domäne Dreileben. 1771 siedelten sich etwa 20 Kolonistenfamilie aus der Kurpfalz in Hemsdorf an. Davon zehn, nach einer anderen Angabe elf, reformierter und neun lutherischer Konfession. An die Kolonisten wurden 22 Hufe und 3 Morgen Land des königlichen Vorwerks verpachtet. Während die lutherischen Kolonisten nach Groß Rodensleben eingepfarrt wurden, gehörten die Reformierten zur Deutsch-reformierten Gemeinde Magdeburg, die ihren Sitz in der Paulinerkirche am Magdeburger Breiten Weg hatte. Zweimal im Jahr wurde ein reformiertes Abendmahl in Hemsdorf durchgeführt, für sonstige Amtshandlungen griffen jedoch auch die Reformierten auf den örtlichen lutherischen Pfarrer zurück.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 371

1780 entstand mit Unterstützung des Königs Friedrich II. ein Schul- und Bethaus, das auch mit einer Glocke ausgestattet war. Der Bau und die königliche Unterstützung ging auf eine Initiative des deutsch-reformierten Predigers Karl Daniel Küster aus dem Jahr 1776 zurück. Friedrich II. gab 1200 Taler für den Bau und 800 Taler für die Ausstattung der Schule und eine anteilige Finanzierung des Lehrers.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 371 Die angestellten Lehrer waren dann wechselnd jeweils reformiert bzw. lutherisch. Die Qualität der Schule war teilweise sehr eingeschränkt, so wurde 1801 beklagt, dass auch 14- bzw. 15-Jährige noch nicht lesen könnten.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 372 f.

Der aus Hemsdorf stammende Müllermeister Friedrich Werner rettete 1809 dem Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Oels Friedrich Wilhelm das Leben vor französischen Truppen.

Im Ergebnis der Kirchenunion schlossen sich die Reformierten 1830 der evangelischen Kirchengemeinde in Groß Rodensleben an.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 374 ff.

Der Friedhof von Hemsdorf wurde 1858 angelegt. 1866 errichtete Matthias Heinhaupt das Gutshaus, dass 1871 von Andreas Raecke erworben wurde. Raecke nahm 1872 die Pflanzenzüchtung auf, die den Ort wirtschaftlich prägte. Im gleichen Jahr wurde der Landwehrverein gegründet, 1883 dann der Schützenverein, 1887 der Männergesangsverein MGV Hemsdorf e.V. und 1889 die Freiwillige Feuerwehr.

1876 wurde die Kirche des Dorfs erbaut. Im Jahr 1883 erhielt Hemsdorf eine Poststelle. Für die Saatzucht Raecke wurde 1907 ein Speicher errichtet. 1908 brannte die 1797 von F. Werner gebaute Windmühle nieder.

An das Stromnetz wurde Hemsdorf 1911 angeschlossen. Im Jahr 1921 wurde Raeckes Turm mitsamt Uhr erbaut.

Große Beachtung im Ort fand der 1929 erfolgte Überflug des Luftschiffs Graf Zeppelin.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Hemsdorf zur Sowjetischen Besatzungszone. 1945 wurde der Saatzuchtbetrieb Georg Raeckes enteignet und Raecke, zuvor ab 1943 Bürgermeister, des Orts verwiesen. Enteignet wurde auch die Unternehmen von Wilhelm Jacobs und Bauer Vogt. Das enteignete Land wurde im Zuge der Bodenreform auf sechs Neubauern aufgeteilt. 1948 zog die Schule in das ehemalige Gutshaus um. Das alte Schulgebäude wurde als dann Konsum genutzt.

Am 1. Juli 1950 wurde Hemsdorf in die Gemeinde Groß Rodensleben eingemeindet. 1952 gründeten 18 Mitglieder mit sechs Betrieben die LPG I Franz Mehring, die über 56,6 Hektar verfügte. Die LPG fusionierte dann mit der LPG Groß Berlin in Groß Rodensleben.

1963 verzog die Schule nach Groß Rodensleben. Im Jahr 1967 erfolgte die Gründung der Jugendfeuerwehr. Eine Leichenhalle entstand 1975. Unter Nutzung von Eigenleistungen wurde 1980/1984 die Entwässerung von Hemsdorf verbessert.Gerd Gerdes, Chronik der Stadt Wanzleben, Band III, Die Ortschaften der Stadt Wanzleben-Börde, dr. ziethen verlag Oschersleben 2011, ISBN 978-3-86289-025-5, Seite 88 mini|Dorfteich, 2010 1990 wurde eine Partnerschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr Erkerode eingegangen. Die Bewirtschaftung der Äcker des Orts erfolgte ab nun von Groß Rodensleben aus, da in Hemsdorf kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr bestand. 2001 wurde der Förderverein Kulturhaus Hemsdorf e.V. gegründet, der 2002 den alten Raeckschen Speicher erwarb und dort einen Saal und große Ausstellungsräume einrichtete.Gerd Gerdes, Chronik der Stadt Wanzleben, Band III, Die Ortschaften der Stadt Wanzleben-Börde, dr. ziethen verlag Oschersleben 2011, ISBN 978-3-86289-025-5, Seite 89

Gemeinsam mit Groß Rodensleben wurde Hemsdorf 2010 Teil der durch Zusammenschluss der Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft „Börde“ Wanzleben gebildeten Stadt Wanzleben-Börde.

Entwicklung der Einwohnerzahlen Die Einwohnerzahlen entwickelten sich in Hemsdorf wie folgt:

Jahr Einwohnerzahl 1780 84 1820 141 1861 286 1883 286 1929 281 1946 511 2002 125 2015 67

Sehenswürdigkeiten mini|Evangelische Kirche (2010) Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute evangelische Dorfkirche wurde 1999 restauriert. Es handelt sich um einen turmlosen gotisierenden Natur- und Backsteinbau, an dessen Ost- und Westseite sich Treppengiebel befinden. In der Liste der Kulturdenkmale in Wanzleben-Börde sind für Hemsdorf vier Kulturdenkmale aufgeführt.

Persönlichkeiten Johannes Andreas Georg Raecke (1865–1936), Pflanzenzüchter, züchtete Getreide, Kartoffeln, Futterrüben, Zichorie und Gladiolen. Er betrieb von 1895 bis 1934 das Gut Hemsdorf seines Vaters. Der Maler Walter Gramatté (1897–1929) und seine Frau Sonia (1899–1974), die unter dem Namen Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté als Komponistin Bekanntheit erlangte, lebten 1921 in Hemsdorf. Georg Raecke (1898–1964), Pflanzenzüchter, setzte mit etwa 20 Sorten die Züchtung von Gladiolen in Hemsdorf fort. Er wurde 1945 enteignet und verließ den Ort, arbeitete jedoch als Züchter in Erfurt weiter. Sechs seiner Züchtungen erlangten große Bedeutung in der DDR. Rudolf Raecke (1900–1965), Landwirt und Gladiolenzüchter, führte nach 1945 die Gladiolenzucht in Hemsdorf fort. Ulf Raecke (1940–2010), Erfurter Maler und Grafiker, wurde in Hemsdorf geboren.

Mehrere Personen wurden zu Ehrenbürgern Hemsdorfs ernannt. So Horst Nick und Henry Müller, der sich um das Land- und Wasserprogramm verdient gemacht hat. Außerdem wurde der in Gummersbach lebende, aber von dort für Hemsdorf wirkende Rudolf Werner Ehrenbürger von Hemsdorf.

Literatur Gerd Gerdes, Chronik der Stadt Wanzleben, Band III, Die Ortschaften der Stadt Wanzleben-Börde, dr. ziethen verlag Oschersleben 2011, ISBN 978-3-86289-025-5, Seite 85 ff. Ralph Meyer, Die Filialgemeinde Hemsdorf in Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 370 ff.

Weblinks

Private Website zu Hemsdorf

Einzelnachweise

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