Der 1. FC Frankfurt (offiziell: 1. Fußballclub Frankfurt (Oder) E. V. e. V.) ist ein deutscher Fußballverein aus Frankfurt (Oder). Er wurde 1951 in Leipzig als Vorwärts Leipzig gegründet, zog 1953 nach Ost-Berlin und gewann dort bis 1971 als ASK Vorwärts Berlin mehrfach die Meisterschaft und den Pokal im DDR-Fußball. Seit 1971 spielte der Club in Frankfurt, zunächst als FC Vorwärts Frankfurt (Oder) und später als FC Victoria '91 Frankfurt (Oder) und Frankfurter FC Viktoria. Am 1. Juli 2012 benannte sich Viktoria unter Anschluss des MSV Eintracht Frankfurt in 1. FC Frankfurt (Oder) E. V. um.

Geschichte Der 1. FC Frankfurt ist der Nachfolger des DDR-Oberligisten FC Vorwärts Frankfurt, dessen Ursprünge in Leipzig lagen. Vorwärts gehörte zur Armeesportvereinigung Vorwärts bzw. dessen Vorgängerorganisationen und war daher eng mit der Entwicklung der Nationalen Volksarmee (NVA) verknüpft. Dies führte neben mehreren Namens- und Wappenänderungen auch dazu, dass die Armeesportler als einzige Mannschaft der Oberliga zweimal in eine andere Stadt „umziehen“ mussten. Alle Spieler und Trainer des FC bekamen bis zur Wende automatisch einen Dienstgrad der NVA zugewiesen.

1951–1953: Leipziger Epoche

Gründung Anfang der 1950er Jahre wurde vom Vorläufer der Kasernierten Volkspolizei, der Hauptverwaltung Ausbildung (HVA), eine Sportvereinigung „Vorwärts“ gegründet, die nach sowjetischem Vorbild als sportliches „Aushängeschild“ der nationalen Streitkräfte dienen sollte. Bei einer 1951 durchgeführten HVA-internen Meisterschaft zur Ermittlung der besten Vorwärts-Mannschaft gewann die Leipziger Vorwärts-Sportgruppe mit 9:2 gegen die SV Vorwärts Burg, woraufhin Leipzig zum HVA-Fußballstützpunkt erklärt und Vorwärts Leipzig für die Saison 1951/52 ohne sportliche Qualifikation in die Oberliga eingestuft wurde. Dabei bekam die Sportgruppe die neue Bezeichnung SV Volkspolizei (VP) Vorwärts Leipzig. Das erste Mal erwähnt wurde dieser Name am 2. August 1951 (das genau Gründungsdatum ist unbekannt).

Erste Oberliga-Jahre In ihrer ersten Saison trat die SV Vorwärts zunächst in den Farben Schwarz-Rot-Gold an. Die Heimspiele wurden im Wackerstadion im Leipziger Stadtteil Gohlis ausgetragen. Bereits während der Saison kam es zur ersten Umbenennung in SV Vorwärts der Hauptverwaltung Ausbildung (HVA) Leipzig. Die Mannschaft erreichte jedoch nur den 15. Platz und sicherte sich somit erst spät den Klassenerhalt. In der Folgesaison kam es dann zu einer Reihe von Veränderungen. Neben den Klubfarben (zum traditionellen Rot-Gelb) wurde am 2. November 1952 erneut der Name geändert in SV Vorwärts der Kasernierten Volkspolizei (KVP) Leipzig.

Darüber hinaus wurden im Laufe der Spielzeit acht Spieler vom sportlich stärker eingeschätzten Lokalrivalen BSG Chemie Leipzig abgeworben, was jedoch den Zorn der Leipziger Fußballanhänger nach sich zog. Doch trotz der Verstärkungen trat Vorwärts keine Leistungsverbesserung ein. Stattdessen stieg der Klub aus der Oberliga als Vierzehnter von 17 Mannschaften ab. Bereits die letzten Spiele der Saison wurden im Ost-Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark unter neuem Namen ausgetragen.

1953–1971: Berliner Epoche Delegierung nach Berlin Saisondaten 1953–1971 Liga Saison Platz Punkte Tore Liga 1953/54 1 43:9 79:28 OL 1954/55 8 26:26 43:46 OL 1955 10 10:16 26:28 OL 1956 6 26:26 41:41 OL 1957 2 33:19 45:22 OL 1958 1 38:14 50:24 OL 1959 2 35:17 49:24 OL 1960 1 41:11 73:28 OL 1961/62 1 50:28 69:49 OL 1962/63 3 31:21 41:34 OL 1963/64 5 26:26 45:36 OL 1964/65 1 37:15 51:24 OL 1965/66 1 34:18 44:27 OL 1966/67 8 26:26 43:34 OL 1967/68 4 26:26 34:29 OL 1968/69 1 34:18 47:28 OL 1969/70 2 32:20 43:34 OL 1970/71 7 26:26 38:44 Die Delegierung der Sportvereinigung in die Hauptstadt der DDR hatte mehrere Gründe. Zum einen war Vorwärts gegenüber Chemie in Leipzig nicht sehr beliebt. Des Weiteren sollte Berlin in der Oberliga vertreten sein (was bereits in den Jahren zuvor zu umstrittenen sportpolitischen Entscheidungen geführt hatte). Die im Osten Berlins ansässigen Oberliga- und Liga-Mannschaften hatten das Problem, dass viele der besten Spieler durch die zu jener Zeit noch offene Grenze zu West-Berliner Vereinen abwanderten. Unter derartigen Bedingungen konnte kein Ost-Berliner Club auf Dauer mit den Mannschaften aus der restlichen DDR konkurrieren. Ein dauerhaftes Fernbleiben von Berliner Clubs aus der obersten Spielklasse der DDR sollte allerdings aus Prestigegründen unbedingt vermieden werden. Daher wurde der Plan umgesetzt, mit der Delegierung von Vorwärts Leipzig eine möglichst konkurrenzfähige Oberliga-Mannschaft mit einem weitgehend „fluchtresistenten“ Kader aus Armeeangehörigen zu etablieren. Zur Saison 1953/54 trat daher der SV Vorwärts der KVP Berlin an.

Ein Jahr später wurde mit dem SC Dynamo Berlin eine weitere Mannschaft der „uniformierten Kräfte“ in Berlin installiert (in diesem Fall wurde die Mannschaft der SG Dynamo Dresden nach Berlin delegiert). Ein Grund für diese Entscheidung könnte darin gelegen haben, dass den Armeefußballern nicht allzu viel Vertrauen entgegengebracht wurde, nachdem sie bereits in Leipzig nur schwache Resultate hatten. Dynamo Dresden dagegen war 1953 Meister und 1954 Dritter geworden.

In ihrer ersten DDR-Liga-Saison wurde SV Vorwärts erneut mehrmals umbenannt. Der Änderung am 27. September 1953 in Zentraler Sportklub (ZSK) Vorwärts der KVP Berlin folgte am 7. März 1954 ZSK Vorwärts Berlin als neuer Name. Mit dem neuen Namen und dem neuen Standort hatte die Mannschaft mehr Erfolg und schaffte den Wiederaufstieg. Außerdem konnte man den Pokal gegen den favorisierten Oberligisten Motor Zwickau gewinnen.

Zu dieser Zeit pendelte die Mannschaft weiterhin noch zwischen dem Trainingszentrum und Wohnsitz in Leipzig und der Heimspielstätte in Berlin. Da sich dies negativ auf die Leistung auswirkte, wurde der Standort des Klubs während der Saison 1954/55 nach Strausberg (östlich von Berlin) verlagert. Die Spieler sollten ebenfalls den Wohnsitz wechseln, was 16 Spieler ablehnten und stattdessen in Leipzig blieben. Sie bildeten dort zusammen mit der in Leipzig verbliebenen Reservemannschaft des alten SV Vorwärts Leipzig sowie der zweiten Männermannschaft des SC DHfK Leipzig die Mannschaft des neugegründeten SC Vorwärts Leipzig (der aber nach der Saison nach Cottbus delegiert wurde und dort als Vorwärts Cottbus antrat).

Erfolge als ASK Vorwärts Die nach Berlin umgezogenen Spieler wurden durch die Hälfte der ersten Mannschaft des SC DHfK Leipzig verstärkt (die andere Hälfte ging größtenteils zum SC Dynamo Berlin). Zunächst gehörte Vorwärts aber weiterhin zum Mittelmaß der Oberliga und belegte nacheinander die Plätze acht (1954/55) und zehn (in der Übergangsrunde 1955). Das Jahr 1956 markierte eine sportliche Wende für Vorwärts, als man in der Oberliga Sechster wurde und das Finale im FDGB-Pokal 1956 erreichte (welches gegen den SC Chemie Halle-Leuna verloren wurde).

Voraus gingen erneut organisatorische Veränderungen. Im Januar 1956 war die Nationale Volksarmee aus der KVP hervorgegangen, am 1. Oktober wurde dann die Armeesportvereinigung Vorwärts gegründet. Am 31. Oktober wurden die Berliner in Zentraler Armeesportklub (ZASK) Vorwärts Berlin umbenannt. Im Februar des darauffolgenden Jahres hieß der Klub dann nur noch ASK Vorwärts Berlin, womit die erfolgreichste Epoche des Klubs begann. In den fünf Spielzeiten zwischen 1957 und 1962 erreichte das Team immer Platz eins oder zwei. Dreimal (1958, 1960, 1961/62) wurde man Meister und durfte am Europapokal der Landesmeister teilnehmen. Außerdem wurde der ASK bei der ersten Austragung des Europapokals der Pokalsieger als Vertreter des DFV entsendet. Ein Höhepunkt dieser Zeit war das Erstrundenspiel im Landesmeisterwettbewerb 1959/60 gegen die Wolverhampton Wanderers, das Vorwärts Berlin vor 65.000 Zuschauern im Walter-Ulbricht-Stadion 2:1 gewann.

Umbenennung in FC Vorwärts mini|links|Die Pokalsiegermannschaft von 1970 Nachdem man 1963 Dritter und 1964 Fünfter geworden war, folgte 1965 der vierte Meistertitel. Dieser konnte 1966 erfolgreich verteidigt werden. Allerdings wieder unter einem neuen Namen. Im Jahr 1965 wurde dem Fußball ein Sonderstatus im DDR-Leistungssport eingeräumt, dessen Absicht in einer gezielten Förderung dieser Sportart lag. In dessen Folge wurden neben Berlin zumeist in den Bezirksstädten der DDR vereinzelt Fußball-Sektionen aus den Sportclubs ausgelagert, um als eigenständige Fußballclubs den Spielbetrieb fortzusetzen. Beim ASK Vorwärts erfolgte die Ausgliederung dieser Sektion am 18. Januar 1966, deren Bezeichnung fortan FC Vorwärts Berlin lautete. Auch der Stadtrivale Dynamo wurde ab 1966 unter dem neuen Namen BFC Dynamo als selbstständiger Fußballclub weitergeführt. Mit dem ebenfalls in diesem Jahr neu gegründeten 1. FC Union Berlin (vorher TSC Berlin) war die Hauptstadt letztendlich mit drei Fußballclubs in der obersten Spielklasse vertreten.

In den folgenden Jahren bis 1970 kam die Konkurrenz innerhalb der Stadt überraschenderweise nicht vom BFC Dynamo, der kurzzeitig sogar abstieg, sondern vom 1. FC Union Berlin. 1967 lagen die Unioner vor Vorwärts in der Tabelle und 1968 gewannen sie den Pokal. Doch in der Saison 1968/69 wurde das Kräfteverhältnis aus Vorwärts-Sicht wieder zurechtgerückt, als man die sechste Meisterschaft einfuhr und die Berliner Mitkonkurrenten auf den Plätzen zehn (Dynamo) und 13 (Union) landeten. In der Folgesaison wurden die Armeefußballer Vizemeister und zum zweiten Mal Pokalsieger.

Vorwärts Berlin war damit die prägende Mannschaft der späten 1950er und 1960er Jahre gewesen. In Berlin stand man deutlich vor dem Team von Dynamo, welches 1954 noch mit größeren Hoffnungen in die Hauptstadt delegiert worden war. Bis auf zwei Ausnahmen lag Vorwärts in der Tabelle immer vor Dynamo und entschied auch den direkten Vergleich mit 14 Siegen sowie jeweils acht Unentschieden und Niederlagen für sich.

1971–1991: Frankfurter Epoche im DDR-Fußball Saisondaten 1971–1991 Liga Saison Platz Punkte Tore OL 1971/72 5 27:25 33:36 OL 1972/73 7 25:27 54:46 OL 1973/74 4 34:18 48:27 OL 1974/75 5 26:26 37:31 OL 1975/76 12 20:32 41:57 OL 1976/77 12 21:31 23:36 OL 1977/78 13 15:37 19:35 Liga 1978/79 1 40:4 77:6 OL 1979/80 5 30:22 41:40 OL 1980/81 5 31:21 58:40 OL 1981/82 4 33:19 56:39 OL 1982/83 2 34:18 56:29 OL 1983/84 4 33:19 56:36 OL 1984/85 8 22:30 41:38 OL 1985/86 9 25:27 37:35 OL 1986/87 10 21:31 23:32 OL 1987/88 13 21:31 33:43 Liga 1988/89 3 43:25 59:33 Liga 1989/90 1 53:15 80:30 OL 1990/91 14 13:39 29:54 Delegierung nach Frankfurt (Oder) Am 31. Juli 1971 wurde der FC Vorwärts nach einem Beschluss des Verteidigungsministeriums nach Frankfurt (Oder) delegiert. Hauptgrund für die Verlegung des FC Vorwärts Berlin aus Ost-Berlin war das Viermächteabkommen über Berlin zwischen den vier Besatzungsmächten, das ein entmilitarisiertes Berlin vorsah. Der FC Vorwärts Berlin war eine Einheit der Nationale Volksarmee. Ziel der Verlegung war auch die Stärkung des Fußballs im Bezirk Frankfurt (Oder). Die genauen Gründe für diesen Umzug wurden jedoch nie vollständig geklärt. Die Verlegung könnte auch das Ergebnis eines Kuhhandels gewesen sein.