Albert Georg Ludwig Diederich (* 15. August 1872 in Göttingen; † 18. August 1958) war ein deutscher Buchhändler und Kulturfunktionär. Er war u. a. Geschäftsführender Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler und Landesleiter der Reichsschrifttumskammer und gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den prägenden Persönlichkeiten der berufsständischen Organisationen des deutschen Buchhandels.Ernst Fischer: Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. 2007, S. 262.
Leben und Werk Albert Diederich besuchte das Gymnasium seiner Geburtsstadt Göttingen und absolvierte dort von 1888 bis 1891 eine Lehre in der Deuerlich’schen Buchhandlung. Nach dem einjährigen Militärdienst setzte er seine Ausbildung in Göttingen und Dresden fort. Im Oktober 1897 erwarb Diederich die 1833 gegründete Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung C. Diller & Sohn in Pirna, die er bis April 1920 führte, als er Inhaber der Firma Holze & Pahl, vormals E. Pierson, in Dresden wurde.
Der Buchhändler Diederich war am Aufbau und der Weiterentwicklung der Deutschen Buchhändlergilde maßgeblich beteiligt und von 1907 bis 1924 Erster Vorsitzender des Verbandes Sächsischer Buchhändler. Von 1934 bis 1937 war er Amtsträger des Börsenvereins und danach Sonderbeauftragter des Vorstehers und Mitglied des Kleinen Rates sowie des Beratungsausschusses des Börsenvereins.
Von 1936 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 war Diederich als Landesleiter die wichtigste Führungsperson der Reichsschrifttumskammer in Sachsen. Ihm zur Seite standen einflussreiche Nationalsozialisten wie der Journalist und Autor Adolf Paul Großmann als Landesobmann für Schriftsteller und Geschäftsführer der Landesleitung sowie ab 1940 Hans Hamann. Diederich besaß als Landesleiter eine enorme Machtfülle, da er die Schnittstelle zwischen der Berliner Zentrale (unter Reichsschrifttumskammerpräsident Hanns Johst und Propagandaminister Joseph Goebbels) und dem sächsischen Literaturbetrieb bildete. Da er bereits vor der NS-Zeit ein etablierter Funktionär im Bereich der Buchhandels war, besaß er das nötige Branchenwissen. Er nutzte seine Position, um den sächsischen Buchhandel und den einflussreichen Börsenverein der Deutschen Buchhändler in Leipzig radikal auf die Linie des nationalsozialistischen Staates zu bringen und dauerhaft zu halten. Die Landesleitung in Sachsen unter Diederich entschied direkt über Aufnahmeanträge lokaler Kulturschaffender. Wer von ihm abgelehnt oder ausgeschlossen wurde (insbesondere jüdische, linke oder liberale Autoren und Verleger), verlor seine Existenzgrundlage und erhielt ein vollständiges Schreib- und Publikationsverbot.Jan-Pieter Barbian: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-7657-1760-6, S. 42, 48, 317.Bernd Ulrich: Bürokratie für die völkische Kunst. In: Deutschlandfunk vom 22. September 2013
Zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 1942 würdigte ihn das Börsenblatt als einen Mann, dessen Name wie kaum ein anderer tief in das buchhändlerische Leben eingedrungen sei und dem „Aus allen Gauen und Städten des Reiches“ Wertschätzung entgegengebracht werde.Kurt Kretzschmar: Albert Diederich zum 70. Geburtstage. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 15. August 1942, S. 161.
Diederich war seit 1898 mit Florenze, geb. Gandil, verheiratet und hatte eine Tochter.
Schriften Mein Leben dem Beruf. Privatdruck, München 1952 (32 S.).
Literatur Albert Diederich. In: Gerhard Menz: Die ersten Vorsteher des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. 1925, S. 158.
Kurt Kretzschmar: Albert Diederich zum 70. Geburtstage. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. Nr 180/181, 15. August 1942, S. 161 (slub-dresden.de).
Buchhandelsgeschichte. 1992, S. 146.
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