Isidor Arnold Callmann (* 6. April 1850 in Weimar,Geburtsanzeige in Weimarische Zeitung vom 10. April 1850, S. 226. † nach 1894) war ein jüdischer Bankier in Weimar.
Leben mini|hochkant|Das Gebäude des väterlichen Bankhauses, gleichzeitig Wohnhaus der Eltern, Am Marktplatz 21 Weimar Arnold Callmann war der älteste Sohn des Weimarer Bankiers August Callmann und dessen Ehefrau Cäcilie, geb. Hirschberg. Er besuchte zunächst das Gymnasium, dann die Realschule in Weimar. Anschließend trat er als Prokurist in das väterliche Bankhaus A. Callmann am Markt 21 ein. Nach dem Tod des Vaters 1869 führte er die Bank mit seiner Mutter weiter. 1873 verließ er das Familienunternehmen und arbeitete bei verschiedenen auswärtigen Bankhäusern.Ausführliche Darstellung in Jenaische Zeitung vom 16. Januar 1889, Landgerichtsverhandlungen.
1877 eröffnete Callmann gemeinsam mit dem Bankier Karl StöterVgl. Adreß-Buch für die Großherzogliche Haupt- und Residenz-Stadt Weimar. 1879, S. 12. Ein „C. Stadler“, wie im Zeitungsbericht über die Gerichtsverhandlung angegeben, ist in den Adressbüchern 1879 und 1882 weder als Mitinhaber der Bank noch als Privatperson aufgeführt. ein eigenes Bankgeschäft A. Callmann & Co., das sich 1879 an der Adresse Schillerstraße 9 befand.
Am 25. November 1879 heiratete Arnold Callmann die geschiedene evangelische Ottilie Knittel (geb. Heyne).Standesamt Weimar, Heiratsregister, Eintrag Nr. 122/1879; eingesehen auf ancestry.de am 21. September 2024. Aus dieser Ehe ging im Juli 1882 ein Sohn hervor.Standesamt Weimar, Geburtsregister, Eintrag Nr. 286/1882 vom 2. August 1882; eingesehen auf ancestry.de am 21. September 2024.
Spätestens ab 1881 war Arnold Callmann Alleininhaber der Bank; das Geschäftslokal war nun in der Schützengasse 3.Adressbuch 1882, S. 13. Die Geschäfte liefen von Jahr zu Jahr schlechter, und im Sommer 1888 war Callmann in unlösbare Probleme verwickelt.Vgl. Leipziger Tageblatt vom 16. August 1888, Vierte Beilage, S. 3469, 2. Spalte (Weimar). Die Bank erlosch, und Callmann wurde im Januar 1889 vom Landgericht Weimar wegen Wechselfälschung, Unterschlagung anvertrauter Werte und Untreue zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Callmann legte gegen das Urteil Revision ein (Jenaische Zeitung vom 23. Januar, 2. Seite, Thür. u. Nachbarstaaten); über den Erfolg ist nichts bekannt.
Spätestens ab 1881 wohnte die Familie Arnold Callmann im Haus Kurthstraße 12; sie verließ die Stadt 1888.Adressbuch 1882, S. 13; nicht mehr verzeichnet im Adressbuch 1889, S. 14 f. Der Weimarer Hofbäcker Hermann Türk, der 1879 ihr Trauzeuge gewesen war, erwarb das Haus aus der Callmannschen Konkursmasse und baute es aus.Weber 1997, S. 184 und 187.
Callmanns Ehe wurde Anfang 1891 geschieden, wie ein entsprechender Vermerk im Heiratsregister belegt.
Im Alter von 44 Jahren verließ Arnold Callmann seine Heimat und wanderte nach Brasilien aus. Seine Überfahrt begann am 12. Juli 1894 in Hamburg, von wo aus er mit dem Dampfschiff Santos nach Rio de Janeiro reiste.Hamburger Passagierlisten 1890–1899, Direkt Band 088 (1. Jul. 1894 – 31. Dez. 1894); eingesehen auf ancestry.de am 21. September 2024. In Brasilien soll Callmann als Gärtner gearbeitet haben.Laut der Genealogie in: Juden in Rudolstadt. Projektleiter: Karl-Heinz Swirszczuk. Selbstverlag Staatliches Gymnasium »Fridericianum«, Rudolstadt 1997. (2. Aufl. 1999), S. 40‒44. Vor seiner Auswanderung hatte sich Callmann bereits in botanischen Kreisen engagiert. Er gehörte als ordentliches Mitglied dem Botanischen Verein für Gesamtthüringen an und wurde im Sommer 1887 Mitglied des Vereins Deutscher Rosenfreunde. Im selben Zeitraum trat auch ein G. Leuzinger diesem Verein bei, dessen Wohnsitz mit Rio de Janeiro angegeben wurde. Diese Bekanntschaft könnte Callmann möglicherweise den Einstieg in seinem neuen Lebensumfeld erleichtert haben.
Arnold Callmanns weiteres Schicksal in Brasilien sowie Ort und Zeitpunkt seines Todes sind nicht dokumentiert.
Familie Arnolds Brüder Georg und Otto Callmann ertränkten sich im Mai 1900 im Kochelsee, nachdem ihr (von den Eltern geerbtes) Bankhaus A. Callmann zusammengebrochen war.Vgl. die Berichte in Jenaische Zeitung vom 17. Mai 1900, 2. Seite, Weimar, vom 18. Mai 1900, 2. Seite, Weimar, vom 19. Mai 1900, Titelseite, Weimar und vom 24. Mai 1900, Titelseite, Thür. u. Nachbarstaaten. Arnolds Schwester Laura verließ die Stadt, so dass es 1902 in Weimar keinen Träger des Namens Callmann mehr gab.Adressbuch 1902, S. 14.
Arnolds Sohn Friedrich Wilhelm Arnold Callmann, in Schönfeld bei Greiz wohnhaft, änderte im Jahr 1901 offiziell seinen Familiennamen. Gemäß einem Randvermerk vom 18. September 1901 in seinem Geburtsregister wurde ihm vom Großherzoglich Sächsischen Staatsministerium, Departement für Justiz, die Genehmigung zur Führung des Familiennamens „Heyne“ erteilt. Dieser Name entsprach dem Geburtsnamen seiner Mutter. Friedrich (später Frederick) Heyne emigrierte zunächst nach Südafrika und anschließend nach Brasilien. In Pernambuco, Brasilien, wurde 1914 sein Sohn Volker Wolfgang Heyne geboren. Später kehrte Friedrich Heyne nach Südafrika zurück, wo er zuletzt in Bloemfontein lebte. Er starb Ende 1955 in Johannesburg.Sterberegister Johannesburg, eingesehen auf familysearch.de am 21. September 2024.
Literatur Juden in Rudolstadt. Projektleiter: Karl-Heinz Swirszczuk. Selbstverlag Staatliches Gymnasium »Fridericianum«, Rudolstadt 1997. (2. Aufl. 1999) (S. 40‒44: Genealogie Callmann.) Christiane Weber: Villen in Weimar. (2). RhinoVerlag, Arnstadt und Weimar 1997, ISBN 3-932081-12-9 (S. 182‒189: Bauhausstraße 12.)
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Weimar) Kategorie:Bankier Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1850 Kategorie:Gestorben im 19. oder 20. Jahrhundert Kategorie:Mann