mini|Generalleutnant Wladimir Wasow Wladimir Mintschow Wasow (; * 14. Mai 1868 in Sopot, Osmanisches Reich; † 20. Mai 1945 in Tetewen, Zarentum Bulgarien) war ein bulgarischer Offizier und Politiker. Er wurde im Ersten Weltkrieg durch zwei siegreich geführte Abwehrschlachten am Dojransee bekannt. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister von Sofia (1926–1932) gestaltete er die Stadt zu einer modernen Metropole um.
Leben Eltern, Geschwister und Jugend Wladimir Wasow wurde am als achtes Kind des Kaufmanns Mintcho Iwanow Wasow () und seiner Frau Săba, geborene Chadschinikolowa, im im Balkangebirge gelegenen Sopot () geboren. Er hatte sieben ältere Geschwister (Iwan, Nikola, Kiril, Anna, Georgi, Michail und Wăla) und einen jüngeren Bruder, Boris.: (lupa.bg, 2019; deutsch: Marina Tschertowa: Der vergessene Held Gen. Wladimir Wasow: Wir müssen gewinnen oder sterben – es gibt keine andere Wahl!).
Am 4. August 1877, während des Russisch-Osmanischen Kriegs, marschierten reguläre osmanische Truppen in Sopot ein und begannen damit, die Stadt niederzubrennen. Hunderte Einwohner brachten sich über das Balkangebirge in Sicherheit.: (www.pbnovini.com, 2018; deutsch: Minko Karagantschew: Sopot begeht den 141. Jahrestag des bewaffneten Aufstands) Dem kranken Mintscho Wasow gelang dies nicht mehr und er wurde erschlagen.Wladimir Wasow: , S. 7–10.: Преговор (deutsch: Wladislaw Karageorgiew: Vorwort). In: Владимир Вазов & Георги Вазов: Братята генерали разказват. S. 8 Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter flüchteten Wladimir und Boris nach Plowdiw. Von dort verbannten sie die osmanischen Behörden alsbald in das Kloster Arapowo in der Nähe des heutigen Assenowgrads (Асеновград).: (darik.bg, 2023; deutsch: Nikolaj Kolew: Gen. Wladimir Wasow - der Held von Dojran wurde am heutigen Datum geboren) Kiril Wasow holte seine Familie von dort nach Plowdiw zurück. Nach der Befreiung zogen sie wieder nach Sopot in ein neues, von Nikola erbautes Haus. Von Sopot ging Wladimir nach Stara Sagora (Стара Загора) zu seinem Bruder Kiril. Dort besuchte er die Grundschule. Anschließend siedelte er nach Plowdiw zu seinem Bruder Iwan über, um dort das Gymnasium zu besuchen.
Einige seiner Geschwister entwickelten sich zu bedeutenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Sein Bruder Iwan wurde der Doyen der bulgarischen Literatur. Nikola war als Kaufmann tätig. Georgi und Michail schlugen eine militärische Laufbahn ein. Georgi erreichte den Rang eines Generalleutnants und wurde im Ersten Balkankrieg als „Held von Odrin“ (Edirne) gefeiert. Kiril studierte Medizin und praktizierte als Arzt. Boris war als Publizist und Politiker tätig.
Militärische Aktivitäten Zu Beginn des Serbisch-Bulgarischen Kriegs im Herbst 1885 meldete sich Wladimir Wasow freiwillig. Da er zu diesem Zeitpunkt erst 17 Jahre alt war und bereits vier seiner Brüder im Felde standen, wurde er abgelehnt. Auf Anraten seines Bruders Georgi ritt er zur serbischen Grenze und erreichte diese bei Zaribrod (, heute Dimitrowgrad, ) während der Schlacht bei Sliwniza ().
Nach erfolgreichem Abschluss des Gymnasiums und bestandener Aufnahmeprüfung trat Wladimir Wasow am 14. Januar 1886 als Junker in die erste Spezialklasse der Militärschule () in Sofia ein. Er beendete die Klasse als viertbester von 156 Mitschülern. Dies gab ihm das Recht, Truppengattung (Artillerie, Kavallerie oder Pioniere) und Garnison frei zu wählen. Am 20. April 1887 erhielt er seine Ernennung zum Unterleutnant und nahm den Dienst beim 5. Artillerieregiment in der Garnison von Schumen () auf.: (bulgarianhistory.org; deutsch: Bulgarische Geschichte: Wladimir Wasow - Held von Dojran).
1893 wurde er Mitglied einer Kommission zur Beschaffung neuer Geschütze aus Deutschland. In diesem Zusammenhang besuchte er die Werke von Krupp in Essen. Ein Jahr später erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann. 1896 erhielt er die Versetzung zum 4. Schnellfeuer-Artillerieregiment der 1. Sofioter Infanteriedivision ().: (www.actualno.com, 2013; deutsch: Jana Bajarowa: Gen. Wladimir Wasow stirbt). Im Jahre 1903, nun bereits im Range eines Majors, wurde er zur Artillerieschule der russischen Armee nach Zarskoje Selo (, heute Puschkin, ) bei St. Petersburg abkommandiert. Die dortige Ausbildung schloss er mit Auszeichnung ab.: (www.standartnews.com, 2019; deutsch: Stojan Pramatarow: London senkt seine Fahnen vor Gen. Wladimir Wasow). Ein Jahr darauf wurde er in einen Sonderausschuss zur Evaluation deutscher und französischer Schnellfeuergeschütze berufen. 1905 absolvierte er einen Artillerie-Schießkurs in Poitiers. Nach seiner Beförderung zum Oberstleutnant 1906 wurde er zum stellvertretenden Kommandanten der neu geschaffenen Artillerieschule ernannt.
Erster Balkankrieg Als Kommandeur des 4. Schnellfeuer-Artillerieregiments der 1. Sofioter Infanteriedivision nahm Wasow an beiden Balkankriegen teil. Im Ersten Balkankrieg kämpfte er in den Schlachten von Seliolu und Geçkenli (9. Oktober 1912) sowie in der von Schlacht von Lüleburgaz (28. Oktober-3. November 1912). (deutsch: Wladislaw Karageorgiew: Vorwort). In: , S. 22. Er war auch am Versuch der Erstürmung der befestigten Linie von Çatalca westlich von Konstantinopel (17. bis 19. November 1912) beteiligt. Unter seinem Kommando dienten 21 Offiziere sowie 1168 Unteroffiziere und Mannschaften.
Zweiter Balkankrieg (Interkoalitionskrieg) Mit seinem Regiment kämpfte er zwischen den Städten Zaribrod und Pirot (), an den Bergen Bubljak () und Drenowa glawa () sowie bei Gradoman (), etwa 4 km südwestlich von Bankja.: (dnes.dir.bg, 2023; deutsch: Elsa Todorowa: In Sofia wird ein Denkmal für Gen. Wladimir Wasow errichtet). (deutsch: Wladislaw Karageorgiew: Vorwort). In: , S. 25. Nach der Demobilisierung am 1. Dezember 1914 blieb Wasow Kommandeur des Regiments. Er wurde zusätzlich zum Leiter der Gebäudeverwaltung der Artillerieinspektion berufen.
Erster Weltkrieg Bulgarien trat am 1. Oktober 1915 auf Seiten der Mittelmächte in den Ersten Weltkrieg ein. Wasow, wie auch andere prominente Persönlichkeiten, hatte sich zuvor gegen ein solches Bündnis ausgesprochen. Als Soldat war er jedoch dem Gehorsam verpflichtet. Er wurde als Kommandeur der 5. Artilleriebrigade () der 5. Donau-Infanteriedivision () unter dem Befehl von General Panajot Wărnew () zugeteilt. Bei Miletkowo () im Wardartal wurde er am so schwer verwundet, dass man ihn zur Behandlung nach Sofia bringen musste. (deutsch: Wladislaw Karageorgiew: Vorwort). In: , S. 26.Wladimir Wasow: , S. 13–19.: (forum.boinaslava.net, 2005; deutsch: Kriegsruhm: Bulgarische Generäle).
Am 1. März 1917 wurde Oberst Wasow zum Kommandeur der 9. Plewener Infanteriedivision () ernannt. Diese Einheit war Teil der ersten bulgarischen Armee () unter General Dimităr Geschow ().Wladimir Wasow: , S. 21. Sie hatte bereits im Herbst 1916 unter dem Kommando von Generalmajor Stefan Nerezow die Sicherung des Abschnitts der Salonikifront zwischen dem linken Ufer des Wardars und dem Dojransee übernommen. Dieser war in der Ersten Dojranschlacht (9.-18. August 1916) von der 2. Thrakischen Infanteаriedivision () gehalten worden. Er verwehrte den Alliierten den Zugang zum Strumatal und damit den direkten Weg nach Sofia. Auf der anderen Seite der Front standen ihr drei Divisionen des XII. Corps der British Salonika Force (BSF) unter dem Oberkommando von General George Milne gegenüber.
mini|Oberst Wladimir Wasow (2. von links) in Furka am 20. Februar 1917 Wasow übernahm das Stabsquartier im Dorf Furka (). Er sondierte den Frontabschnitt genau und ließ ihn mit einem System von in der Tiefe gestaffelten Schützen- und Laufgräben befestigen. Darüber hinaus initiierte er den Bau von Unterständen, Beobachtungsposten, Maschinengewehrnestern und Feuerstellungen aus Stahlbeton. Sein Hauptanliegen war es, seine Soldaten zu schützen und gesund zu erhalten. In der Zweiten Dojranschlacht (22. April bis 9. Mai 1917) standen den 30.000 Soldaten der 9. Plewener Infanteriedivision 43.000 Mann der britischen 22., 26. und 60. Division des XII. Corps unter General Henry Wilson gegenüber. Vier Versuche, die Linien zu überwältigen, resultierten in über 3.200 gefallenen britischen Soldaten.: (, CXXVII, 51-52, S. 12+29, Sofia 2019; deutsch: Nikolaj Golemanow: Dojran - die gerettete Ehre Bulgariens). Im Gegensatz dazu beliefen sich die bulgarischen Verluste auf 315 Gefallene, 948 Verwundete und 75 Vermisste.Richard C. Hall: Balkan breakthrough: the Battle of Dobro Pole 1918, S. 87. Wladimir Wasow erhielt nach der siegreichen Abwehrschlacht seine Beförderung zum Generalmajor.
Bis zum Herbst 1918 ereigneten sich an diesem Frontabschnitt nur vereinzelte Scharmützel. Wasow nutzte die Zeit, um die Befestigungen weiter zu verstärken. Am 15. September 1918 kam es mit der Entscheidungsschlacht am Dobro Pole (15.–17. September 1918) zum Durchbruch der Alliierten.Richard C. Hall: Balkan breakthrough: the Battle of Dobro Pole 1918, S. 140. Bereits am frühen Morgen des 17. Septembers wurde die Dritte Dojranschlacht (18.–19. September 1918) mit der Artillerievorbereitung durch britische Truppen eingeleitet, die bis in die Nacht andauerte.Wladimir Wasow: , S. 142–145. Am 18. September 1918 begann der Angriff der 66. und 67. Brigade der 22. Division des XII. Corps der BSF, verstärkt durch die griechische Serres-Division (), auf die bulgarischen Linien.Alan Wakefield & Simon Moody: Under The Devil's Eye, S. 204. Dabei gelang es griechischen Truppen, bis in die zweite bulgarische Verteidigungslinie vorzudringen. Am Ende des Tages waren die Alliierten auf ihre Ausgangspositionen zurückgeworfen worden. Auch der Angriff des britischen XVI. Corps mit der griechischen Kreta-Division () auf die 1. Mazedonische Brigade der IMRO nördlich des Dojransees blieb ohne Erfolg. Am 19. September griffen das XII. Corps und die Serres-Division erneut an, wurden aber wiederum ohne Geländegewinn zurückgeschlagen. Insgesamt standen den 30.000 Verteidigern der 9. Plewener Infanteriedivision 75.000 Mann auf Seiten der Alliierten gegenüber. In dem Kämpfen hatten die Alliierten 11.673 gefallene Soldaten zu beklagen. 500 Soldaten wurden gefangen genommen. Dem standen 494 gefallene und 1.208 verwundete bulgarischen Soldaten gegenüber.Richard C. Hall: Balkan breakthrough: the Battle of Dobro Pole 1918, S. 142. Bereits einen Tag später erhielt General Wasow den Befehl zum Rückzug,Wladimir Wasow: , S. 152–157. so dass die BSF die Stellungen am 21. September kampflos einnehmen konnte.Alan Wakefield & Simon Moody: Under The Devil's Eye, S. 221. Wasow leitete den Rückmarsch seiner Division über Strumiza nach Plewen, wo sie demobilisiert wurde.
1919 wurde er zum Chef des Zweiten Militärinspektionsbereichs ernannt. Ab August desselben Jahres wurde er zum Inspektor der Artillerie berufen. (deutsch: Wladislaw Karageorgiew: Vorwort). In: , S. 27. Am 24. Februar 1920 erfolgte mit seiner Beförderung zum Generalleutnant die Überstellung in die Reserve.Wladimir Wasow: , S. 167–168. Die Union der Reserveoffiziere wählte ihn zu ihrem Vorsitzenden. Dieses Amt füllte er 10 Jahre aus.
Politische Aktivitäten Mitglied der Bulgarischen Volksunion Kubrat