mini|Johann Sigismund Mislik von Hirschov Johann Sigismund Freiherr Mislik von Hirschov, tschechisch Jan Zikmund Myslík z Hyršova, (* 1606 in Prag; † 3. November 1666 in Pacov) war ein böhmischer Adliger und Militär, der im kaiserlichen Heer im Dreißigjährigen Krieg bis zum Feldmarschallleutnant aufstieg.
In der zweiten Hälfte des Krieges, nach der Ermordung Wallensteins, war er einer der wenigen verbliebenen hochrangigen Militärs aus Böhmen. Große Teile seines Lebens sind durch seine ausgiebige Korrespondenz mit seiner Schwiegerfamilie überliefert, den Czernin von und zu Chudenitz. Seinen Besitz vermachte er größtenteils der Kirche und stiftete damit ein Kloster in Pacov.
Leben Johann Sigismund stammte aus der alten Prager Patrizierfamilie der Mislik von Hirschov (im Deutschen auch Mislik von Hirschhoff geschrieben), nach der die Gasse Myslíkova in der Prager Neustadt benannt ist. Er wuchs protestantisch auf und konvertierte später zum Katholizismus. In seiner Jugend hatte er eine humanistische Bildung erhalten und sprach neben Tschechisch auch Deutsch, Italienisch und Französisch.
Als Offizier der kaiserlichen Armee wurde er im Dezember 1635 von der brandenburgischen Kurfürstin Elisabeth Charlotte zum schwedischen Feldmarschall Johan Banér abgesandt, um diesen um eine Schonung der brandenburgischen Residenzstädte durch seine in der Mark stehenden Truppen zu bitten. Banér verweigerte die Bitte brüsk mit Verweis auf den Prager Frieden, mit dem Brandenburg sich auf die Seite des Kaisers und damit in Gegnerschaft zu Schweden gestellt hatte.Antonio Schmidt-Brentano: Johann Sigismund Freiherr Mislik (Myslík) von Hirschov In: Die kaiserlichen Generale. 1618–1655. Ein biographisches Lexikon. Österreichisches Staatsarchiv, Wien 2022. S. 323ff.
Obrist im Kampf gegen Schweden Am 28. Juli 1638 erhielt er als Obrist ein eigenes Regiment. Ihm wurde das bisherige Kürassierregiment Mühlheim verliehen, das unter Matthias Gallas in Norddeutschland stand. Mislik kämpfte am 14. April 1639 in der Schlacht bei Chemnitz an der Seite der Kursachsen unter Rudolph von Marzin gegen die Schweden. Die Nachhut, zu der sein Regiment gehörte, wurde von den ersten schwedischen Angriffen überrascht. Zusammen mit zwei sächsischen Regimentern ritt er entgegen Marzins Befehlen einen Gegenangriff, wurde aber zurückgeworfen. Da die Schweden unter Banér nach ihrem Sieg in der Schlacht in Böhmen einmarschierten, wurden Mislik und sein Regiment an die Grenze Mährens beordert, um die Region gegen schwedische Angriffe zu verteidigen.
Der neue Oberbefehlshaber der Kaiserlichen, Erzherzog Leopold Wilhelm, ernannte Mislik 1639 zu einem seiner Kämmerer. Am 4. Oktober des Jahres wurde er in den böhmischen Freiherrnstand erhoben. Anfang 1640 nahm er unter Leopold Wilhelm am Winterfeldzug der kaiserlichen Armee teil, bei dem die Schweden bis April aus Böhmen vertrieben wurden. Am 14. April kämpfte er unter Befehl von Hans Rudolf von Breda im erfolgreichen Gefecht bei Plauen, bei dem 9 schwedische Regimenter unter Arvid Wittenberg durch kaiserliche Reiter geschlagen wurden. In Briefen an seine Schwiegerfamilie Czernin von und zu Chudenitz berichtete Mislik vom Kriegsgeschehen und versuchte durch seine Vertrauensposition bei Leopold Wilhelm die Belastung für das Land der Czernins durch Einquartierungen zu verringern. Die Kaiserlichen verfolgten die Schweden bis nach Hessen und nahmen auf dem Weg bis auf Erfurt alle schwedisch besetzten Orte ein.
mini|Der Posto bei Preßnitz im März 1641, Pieter Snayers, 1648, Kunsthistorisches Museum Wien Anfang 1641 deckte Mislik unter General Bruay den Westen Böhmens gegen die in der Oberpfalz einfallenden Schweden unter Johan Banér. Im März vereinten sich die gesamten kaiserlichen und bayerischen Truppen zu einem Schlag gegen Banér. Mislik zog dazu mit Bruays Truppenteil von Moldauthein nach Passau. Banér konnte gerade rechtzeitig sein Lager bei Cham (Oberpfalz) abbrechen. Mislik verfolgte die Schweden mit kaiserlichen Voraustruppen, davon 500 Reiter unter seinem persönlichen Kommando, durch das böhmische Grenzgebiet. Unter hohen Verlusten entkamen Banérs Schweden über Taus und den Fluss Eger nach Preßnitz, nach Misliks Angaben nur zwei Stunden vor den Kaiserlichen und Bayern. Am dortigen Erzgebirgspass nach Sachsen stellten sich die Schweden zur Schlacht auf. Nach Misliks Bericht fehlte es seinen Voraustruppen an Infanterie, um den schwedischen Stellungen vor dem Abmarsch eines Großteils ihrer Truppen beikommen zu können, die trotzdem in der Schlacht und der vorangehenden Verfolgung 4000 Mann verloren. Er machte den gesamten Feldzug gegen die Schweden mit, der über Anhalt nach Wolfenbüttel führte. Diese von den Schweden und ihren Verbündeten belagerte Festung konnte trotz einer verlorenen Entsatzschlacht am 29. Juni von den Kaiserlichen behauptet werden.
Im Jahr 1642 wurde Mislik im April Interims-Kommandant in Böhmen, kämpfte danach mit der Hauptarmee in Schlesien und Sachsen und befehligte in der Schlacht bei Breitenfeld nahe von Leipzig am 2. November die Reiterei auf dem rechten Flügel der Kaiserlichen. Er half dabei, den Rückzug der Armee zu sichern, und wurde für seine Leistungen in der Schlacht ausgezeichnet. Nach seinem eigenen Bericht verließen sein fast aufgeriebenes Regiment und das Alt-Piccolominische als letzte das Schlachtfeld. In der Armee entbrannte nach der Niederlage ein nationalistisch aufgeladener Streit über die Verantwortung. Wie die anderen Offiziere des rechten Flügels, von denen die meisten aus Italien stammten, machte Mislik den früh vom Schlachtfeld geflohenen linken Flügel der Kaiserlichen unter Hans Christoph III. von Puchheim verantwortlich, auf dem vor allem deutsche Offiziere kommandiert hatten.
Hofkriegsrat Nach dem plötzlichen Tod seines Schwiegervaters Johann Czernin des Älteren (1597–1642) am 22. November nahm Mislik für längere Zeit Urlaub von der Armee und übergab sein Regiment dem Obristleutnant. Aus dem Erbe des Schwiegervaters übernahm er Güter um die Stadt Pacov. Bis zur Geburt und Taufe seiner Tochter Susanna blieb er bei seiner Familie und reiste danach im April 1643 über Wien zur mittlerweile in Mähren stehenden kaiserlichen Hauptarmee. Unter dem Befehl von Matthias Gallas lag er lange im Feldlager bei Kojetín direkt gegenüber den Schweden unter Lennart Torstensson. Im September schützten die Kaiserlichen die mährische Hauptstadt Brünn gegen einen schwedischen Angriff. Als Torstensson im Oktober überraschend seine Truppen aus habsburgischem Gebiet abzog, um im Torstenssonkrieg Dänemark anzugreifen, verließ Mislik die Armee und kehrte auf seine Güter zurück. Er beschäftigte sich mit der Errichtung eines Gestüts zur Pferdezucht, mit Häuserankäufen in Prag und mit der Verwaltung der Güter seiner Schwiegermutter Susanna Czernin (1600–1654). Am 10. Oktober 1643 wurde er in den alten böhmischen Herrenstand aufgenommen. Im Dezember bat er um Entlassung aus dem Dienst und die Bewilligung einer Kriegsratsstelle.
Das nächste Jahr über hielt er sich hauptsächlich am Wiener Hof auf, wo er wie gewünscht im Mai in den Hofkriegsrat berufen wurde. Ende 1644 wurde er zu den kreisausschreibenden Fürsten im Fränkischen Reichskreis geschickt für die Ausschreibung eines letztlich nicht zustande gekommenen Reichstages im kommenden Jahr in Nürnberg. Nach weiteren Sendungen und Reisen im Auftrag des Hofs wurde Mislik im Mai 1645 auf Wunsch Erzherzog Leopold Wilhelms, der erneut Oberbefehlshaber geworden war, zum Generalwachtmeister berufen und erhielt an Stelle eines Regiments eine Dragoner-Freikompanie verliehen. Nur drei Monate später wurde er zum Ärger anderer Offiziere zum Feldmarschalleutnant befördert. Im Herbst nahm er an einem Feldzug zur Unterstützung der bayerischen Armee teil, die nach der Schlacht bei Alerheim in Bedrängnis durch die Franzosen geraten war. Seine Frau Elisabeth Johanna Czernin begleitete ihn ins Hauptquartier der Armee in Württemberg, während seine Tochter in Böhmen in Obhut der Großmutter, Misliks Schwiegermutter, blieb. Im Hauptquartier erkrankte Misliks Ehefrau, die daraufhin nach Böhmen zurückreiste. Als sich ihre Krankheit dort weiter verschlimmerte, reiste er ihr nach und blieb an ihrer Seite in Klattau. Ihr Tod am 9. Dezember stürzte ihn in tiefe Trauer, wie aus seinem Briefverkehr hervorgeht. Danach kümmerte sich Mislik um seine Schwiegermutter und erreichte durch seine Stellung bei der Armee, dass weniger Truppen als geplant auf ihren Gütern einquartiert wurden.
Tödliches Duell und Entsatz von Prag mini|Das belagerte Prag im Jahr 1648. Abbildung im Theatrum Europaeum, Band 6, 1663. Während des Feldzuges 1646 kam es am 30. April im kaiserlichen Hauptquartier Staffelstein zum Streit zwischen Mislik und dem Feldzeugmeister Anne-François de Bassompierre. Angeblich hatten beide vorher getrunken, Bassompierre soll die Verhältnisse in Böhmen kritisiert haben, die Mislik verteidigte. Nur in Anwesenheit der jeweiligen Reitknechte kam es zum Duell, beide saßen dabei zu Pferde. Zuerst sollen beide ihre Pistolen aufeinander gefeuert haben, von denen keine losging. Als Nächstes feuerte Mislik seine zweite Pistole ab, verfehlte aber Bassompierre. Während dieser mit der zweiten Pistole zielte, soll Mislik nach dem Degen gegriffen haben und Bassompierre damit tödlich verletzt haben. Mislik meldete das Duell sofort im Hauptquartier, wurde kurz in Arrest genommen und im Juli aus dem Heeresdienst entlassen. Gleichzeitig nahm man ihm seine Freikompanie und seinen Kämmererschlüssel. Im September bat er zunächst vergeblich um seine Begnadigung.
Die kaiserliche Ungnade war nicht von langer Dauer. Schon im März 1647 wurde der laut Angaben seines Haushofmeisters in seinem Trauerjahr stark abgemagerte Mislik zum Kaiser nach Wien bestellt, um ein neues Kommando zu übernehmen. Eine Möglichkeit, in spanische Dienste zu treten, zerschlug sich durch fehlende Zustimmung des Kaisers. Im Juli und August waren er und Lothar Dietrich von Bönninghausen in Schwaben damit beauftragt, die von der französischen Armee nach einer Meuterei abgefallenen Weimarer Soldaten für die kaiserliche Armee anzuwerben, was aber keinen Erfolg hatte. Danach war er erneut für den Hofkriegsrat unterwegs.