Der Polyton ist ein deutscher Musikpreis aus dem Bereich der populären Musik. Initiiert wurde der Preis von der Akademie für Populäre Musik, unterstützt wird er durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die Initiative Musik.
Beschreibung Der Polyton ist gedacht als Auszeichnung von Musikschaffenden für Musikschaffende und legt seinen Fokus nicht nur auf Kommerz, womit er sich insbesondere vom eingestellten Echo Pop abheben soll. Die Gewinner werden von einer Jury bestimmt, bei der ersten Verleihung waren dies die 50 Gründungsmitglieder. Berücksichtigt werden kategorieübergreifend Alben, Lieder, Musikvideos, Liveacts und Initiativen. Die Akademie mit ihren Gründungsmitgliedern aus verschiedenen Genres und Tätigkeitsfeldern der Musik ermittelt in einem dreistufigen Verfahren die nominierten Werke und Preisträger, um eine Gewaltenteilung innerhalb der Auswahl zu gewährleisten. Die nominierten Werke würdigt die Akademie mit interdisziplinären Hommages.
Neben der Preisverleihung findet eine Eventreihe davor und danach statt. An diesen Tagen dienen Denkfabriken, ein Runder Tisch und Lesungen dazu, ein offenes Forum zu schaffen, das Austausch und Diskurs anstößt und somit nachhaltige und faire Veränderungsprozesse in der Musikbranche unterstützen soll. Ein großes Anliegen der Akademie ist es zudem, alle Nominierten gleichermaßen für die besonderen Leistungen wertzuschätzen. Deswegen öffnet eine multidisziplinäre Ausstellung, in der die Werke umfassend präsentiert und zelebriert werden.
Veranstaltungen 17. November 2023: Berlin, Atelier Gardens 23. Oktober 2024: Berlin, Atelier Gardens 26. März 2026: Berlin, Atelier Gardens
Mitglieder der Akademie für Populäre Musik Jennifer Atswei-Akpor Allendörfer (Suena) Nguyễn Baly Lex Barkey Shanice Bennett Qidinah Berkeley Birgit Böcher Davide Bortot Benjamin Budde Taha Cakmak Luís Cruz (Lucry) Barbara Davidavicius (Shirin David) Elif Demirezer Björn Deparade Ebru Düzgün (Ebow) Sarah Farina Milena Fessmann Kat Frankie Markus Ganter Dieter Gorny Herbert Grönemeyer Alex Grube Daniel Grunenberg Nayon Han Mike Heisel Judith Holofernes Ian Hooper Reiner Hubert Balbina Jagielska Nanni Johansson Jenniffer Kae Roland Kaiser Charly Klauser Eric Krüger Michelle Leonard Annett Louisan Katja Lucker Peter Maffay Henrik Meinke Carolin Niemczyk Johannes Oerding Patrick Salmy Julian Paul Schmit (Schmyt) Moses Schneider Karo Schrader Lillo Scrimali Renato Simunović (RIN) Hadnet Tesfai Sara Torchani Linda-Philomène Tsoungui Anne de Wolff
Preisträger 2023 Bei der ersten Verleihung im Jahr 2023 wurden acht Preise in den folgenden Kategorien verliehen:
Bühne Die Kategorie Bühne zeichnet konzeptionelle, organisatorische und technische Elemente eines Liveacts aus (u. a. Technik, Dramaturgie, Konzept).
Künstlerische Konzeption Deichkind Live 2022 – Henning Besser
Künstlerische Konzeption Casper-Show Hurricane Festival 2023 – Beat Gottwald, Benjamin Griffey (Casper), Christopher Möller Künstlerische Konzeption Helene Fischer Live-Tour 2023 – Cirque du Soleil, Helene Fischer
Digital Die Kategorie Digital zeichnet die Anwendung von Technologien und Plattformen bei der Erschaffung oder Verbreitung eines Videos, Liveacts oder einer Initiative aus (u. a. Technologie, Virtualität, Show).
#musicmetoo – Musicmetoo
Moderat FM – Moderat (Gernot Bronsert, Sascha Ring, Sebastian Szary), Shawn Reynaldo Cycles (The Call) – Klaus Sahm
Kollaboration Die Kategorie Kollaboration zeichnet die Zusammenarbeit von zwei oder mehreren Personen aus (u. a. Kooperation, Gemeinschaft).
A Song for You – A Song for You
3 Sekunden – Céline, Paula Hartmann Ich glaub ich will heut nicht mehr gehen – Nina Chuba, Provinz Wer ist schon normal – CassMae, Dirtycor, Graf Fidi, KlasoK, Trapqueen Yasmina
Komposition Die Kategorie Komposition zeichnet die musikalische Idee und Zusammensetzung eines Tracks, Albums oder einer Livevorführung aus (u. a. Melodie, Harmonie, Rhythmus).
Versprochen, alles wird gut! – Blumengarten (Rayan Djima, Samuel Eickmann)
2 Minuten – Felix Dautzenberg (Berq), Dennis Neuer Glas – Nina Kaiser (Nina Chuba) Tau – Herbert Grönemeyer Zwischen den Welten – Elżbieta Steinmetz (ela.), Sarah Terenzi-Fischer (Sarah Connor)
Performance Die Kategorie Performance zeichnet die Darbietung und Wirkungskraft des Werks eines Künstlers sowie des Zusammenspiels von mehreren Personen und/oder Instrumenten aus (u. a. Inszenierung, Dynamik, Interaktion).
Live 2023 – Pierre Baigorry (Peter Fox), M.I.K Family
A Song for You – A Song for You Daddy’s Eyes – Zoe Wees Das ist los Tour 2023 – Herbert Grönemeyer Perlen – Blond
Produktion Die Kategorie Produktion zeichnet die Umsetzung der Idee eines Werks aus.
Madres – Sofia Kourtesis
223 – RealMo Das ist los – Herbert Grönemeyer, Alex Silva Love Songs – Pierre Baigorry (Peter Fox), The Krauts (Dirk Heinz Berger, David Conen, Vincent von Schlippenbach) Die Nerven – Max Rieger Rosa rugosa – Luís Cruz (Lucry), Jennifer Atswei-Akpor Allendörfer (Suena)
Text Die Kategorie Text zeichnet geschriebene oder gesungene Teile eines einzelnen Tracks oder Albums aus (u. a. Writing, Lyrik).
3 Sekunden – Benjamin Bistram (Biztram), Philip Böllhoff, Hannes Büscher, Céline Dorka, Tarek Ebéné, Robin Haefs, Paula Hartmann, Jan Platt, Sipho Sililo, David Vogt
Am Wahn – Tristan Brusch, Tim Tautorat Lächel doch mal – Barbara Davidavicius (Shirin David), Lars Hammerstein (Laas Unltd.) Lauf weg – Vorname Arda (Apsilon) Verlierer – Alina Striedl (Luna)
Wildcard Die Wildcard ist eine besondere Nominierung, die auszeichnungswürdige Werke oder Personen im Kontext des popkulturellen Spektrums unabhängig von den Kategorien und vom Bewertungszeitraum berücksichtigt (u. a. Lebenswerk, Story, besondere Leistung).
DJ-Mentoring für FLINTA* – Femme Bass Mafia
Hey Dostum, Çak! – Music for Children and Other People – Graham Mushnik, Derya Yıldırım Lebenswerk – Carola Kretschmer Legacy – Honey Redmond (Honey Dijon) Warte mein Land, warte – Ozan Ata Canani
2024 Bei der zweiten Verleihung im Jahr 2024 wurden acht Preise in den folgenden Kategorien verliehen:
Bühne Choreografie Shirin David Live 2023 – Fatoumata Camara
Release-Konzerte in Meran – Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys Schwarzes Herz-Tour 2023 – Ayliva
Digital Sweete Instrumente – Mine
Barbaras Rhabarberbar – Marti Fischer, Bodo Wartke Rammstein – Row Zero – Daniel Drepper, Elena Kuch, Nadja Mitzkat, Sebastian Pittelkow
Komposition Hold on to Deer Life, There’s a Blcak Boy Behind You! – Kabeaushé
Gute Laune ungerecht verteilt – Kettcar Ibadet Ramadani – Ibadet Ramadani Karanlık Oda – Didem Özek Mein Leben ist monoton – Betterov, Provinz Shame – Miya Folick, Philine Sonny
Performance Live in der Wuhlheide 2024 – Beatsteaks
Bodies-Tour Fuck Wagner – Chilly Gonzales, Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld Glas Tour 2024 – Nina Chuba Stereo Nior – Lary Tour 2024 – Team Scheiße
Playing Die Kategorie Playing zeichnet die instrumentelle Leistung einer Person oder Personengruppe aus.
Arrangements – ZDF Magazin Royale (Staffel 4) – Lorenz Rhode, Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld
Schlagzeug – The Mars Volta Live Tour – Philo Tsoungui Gitarre und Bağlama – Apache 207 Tour 2024 – Max Grund Background-Gesang – Peter Maffay Tour 2024 – Linda Teodosiu Musikalische Direktion – „The Voice of Germany“ (Staffel 13) – Lillo Scrimali Background-Gesang – „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ (Staffel 11) – Lena Belgart, Katja Friedenberg
Produktion Kleine Feuer – Julia Bergen, Benjamin Bistram (Biztram), David Bonk, Paula Hartmann
Haus – Nichtseattle Hit Parade – DJ Koze, Róisín Murphy Neue Ufer – Levin Liam, Miksu/Macloud
Text Zeit, dass sich was dreht – Amadou Bagayoko, Mariam Doumbia, Ericson, Herbert Grönemeyer, Felix von Heymann (Soho Bani)
Freiheit – Marianne Rosenberg Für immer Frühling – Soffie Haus – Nichtseattle Oktober in Europa – Antilopen Gang Wellness am Scherbenmeer – Jassin
Wildcard Atemlos durch die Nacht (10 Year Anniversary Version) – Shirin David, Helene Fischer
AJZ-Tour durch Ostdeutschland 2024 – Beatsteaks Inklusives Musikprojekt – Für Elise Flaggen-Aktion bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen – Giovanni Zarrella Gesamtkreation – Sarah Farina Nachwuchsförderung – Tobias Reitz
2026 Bei der dritten Verleihung im Jahr 2026 wurden neun Preise in den folgenden Kategorien verliehen:
EDM Berlin Beats: Ellen Allien – Ellen Allien
Tempelhofer Feld Auftritt – Keinemusik The Essence – Paul Kalkbrenner
Hyperpop Club Inferno – Domiziana
Fotze – Ikkimel Thirst Trap – Zsá Zsá
Indie Pop A Different Life – CATT
Berq – Berq Ich träum doch nur von Liebe – Blond
Newcomer Zwischenphase – Jonny Mahoro
Self-Centred and Delusional – The Red Flags Zahide Did It Better – Zah1de Yebo – WizTheMc
Pop Rage Girl (Remix) – Nina Chuba feat. Marie Bothmer, Esther Graf, Kauta, Layla, Eli Preiss, Rua, Kayla Shyx
Schönhauser – Zartmann Zwischenphase – Jonny Mahoro Schlau aber blond – Shirin David Show Me Love – WizTheMc feat. Bees & Honey
Punk Alter Zorn – Turbostaat
Schwert aus Holz (Akustisch) – Donots Wir kommen in Frieden – Feine Sahne Fischfilet
Rap Alles oder nix – SSIO
Selber Schuld – Teven Zahide Did It Better – Zah1de
Rock I Just Want to Be a Sound – Kadavar
Golden Years – Tocotronic Self-Centred and Delusional – The Red Flags
Schlager Universo – Giovanni Zarrella
Achtung und Respekt – Roland Kaiser Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n – Wolfgang Petry feat. Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen
Rezeption Die Verleihung von Polyton 2024 wird von Musikjournalist Ralf Niemczyk als „demokratisch“ und „hemdsärmelig“ im Rolling Stone und Musikexpress beschrieben, denn es würde ohne „Dekadenz“ oder „Bling Bling“ zelebriert: „Die Preisträger und Preisträgerinnen müssen sich aus dem (stehenden) Publikum herausdrängeln, um ihre Aschenbecher-ähnliche Trophäe in Empfang zu nehmen. Das macht das Ganze niederschwellig, kollegial. Gute Freunde und Freundinnen stehen zusammen.“ Er resümiert die Zusammensetzung der Musikschaffenden wie folgt: „Offenheit für Mainstream, gleichzeitig ein Ohr für Neues. Warum nicht?“ Zur Verleihung 2026 äußerte sich derselbe Autor dagegen sehr kritisch: „Der Polyton bleibt ein Preis mit pädagogischen Ansprüchen und angestrengt geführten Debatten, die bislang ins Leere laufen. Von Pop und seiner Inszenierung scheint dieses Konglomerat wenig zu verstehen. Wer ausgezeichnet wird, ist oft gar nicht da – und genau das untergräbt die Strahlkraft eines Formats, das Nähe und Austausch innerhalb der Musikszene herstellen will.“Polyton 2026: Deutschlands Musikpreis bleibt erschreckend blass, Ralf Niemczyk, Rolling Stone, 26. März 2026
Die Sendung Taff bei Prosieben beschreibt Polyton als „Generationen Clash“ und hätte mit dem alten Echo wenig zu tun: „Kein VIP Beriech (…) und auf der Gästeliste treffen Welten aufeinander“ Dass ein Mix aus neuer und alter Generation funktionieren kann, bewiesen die Künstler an dem Polyton Abend.
Anja Caspary beschreibt bei Inforadio Polyton als Preis, bei dem es nicht um Verkaufszahlen ginge, sondern um die Stärkung der Musikszene. Auf die Frage, ob dieser junge Musikpreis Polyton ein Gewicht hat antwortet Caspary: „Auf jeden Fall, ich denke der wird bleiben, (..), weil er eben von innen kommt –- aus der Musik-Community und weil er mehr will, als nur Show (…)“.