mini|hochkant=1.5|Flussbäder um 1900 rund um die Carolabrücke Flussbäder in Dresden gab es vor allem an der Elbe, aber auch an der Prießnitz und der Weißeritz. Von 1786 bis 1947 existierten in der Stadt und in den eingemeindeten Vororten bis zu 30 dieser Einrichtungen.

Geschichte Vorgeschichte Kalte Flussbäder knüpfen wohl weit bis ins Mittelalter hinein an alte germanische Traditionen an, die selbst von Karl dem Großen gepflegt wurden, wenn er mit seinem Hof im Rhein badete. Noch sehr lange hielt sich diese Art und Weise, sich einerseits gründlich zu reinigen im Fluss und sich zugleich ein Vergnügen dabei zu verschaffen.

mini|Wildbaden in der Elbe (um 1900) Mehr und mehr wurde dann diese größtenteils „absonderliche Gewohnheit der Jugend“ verboten. In Dresden wurde es 1766 durch „Verordnung höchster Stelle“ völlig untersagt. Trotzdem gab es weiter „sorgenlose und törrichte Elbbadler“. Umso mehr schiebt man denjenigen die eigene Schuld am Tode ihnen selbst und anderer zu, denn: „Die Elbe ist eine Riesenschlange, die jeden Tag einen Menschen verschlingt.“ Baden an der Mündung der Prießnitz konnte ein finanzielles Nachspiel haben. Die Wohlfahrtspolizei achtete streng darauf. Zuwiderhandlungen wurden mit Geldstrafen bis zu 50 Mark oder mit Haft bestraft, schrieben die Dresdner Neuesten Nachrichten am 24. Mai 1913.Heinz Kulb: Baden in der Elbe (2. Teil) auf Neustadt-Geflüster Noch Anfang der 1950er Jahre ertranken immer wieder vorwiegend Jugendliche in der Elbe beim „Wildbaden“. In den über 200 Jahren der schriftlichen Überlieferung solcher Unglücksfälle mögen über 200 Menschen im Raum Dresden ertrunken sein. Der Reiz des Badens „im freien Wasser unter offenen Himmel“ (wie es Goethe im 18. Buch von Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit nennt) ging wohl nie verloren. Die Abneigung gegen das Flussbad wich einer ständig wachsenden Akzeptanz, die auch durch Pädagogen wie Turnvater Jahn oder Johann Christoph Friedrich GutsMuths befördert wurde. So berichtet der bekannte Dresdener Schriftsteller Karl Gustav Nieritz in seiner „Selbstbiographie“ von 1872, „daß seine Mutter die Anlage des Söhnchens zur englischen Krankheit durch fleißige Bäder in der Elbe – zum Entsetzen der Nachbarsleute – beseitigt habe“. Auch Wilhelm von Kügelgen schwelgt in seinen „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ vom Bad in der Elbe. Gustav Friedrich Klemm, seiner Zeit Dresdens Oberbibliothekar, beschreibt in seinen kulturgeschichtlichen Briefen „Vor 50 Jahren“: „In den Erziehungsanstalten begann man auch die Furcht vor dem kalten Wasser zu bekämpfen; man steckte die Knaben ins kalte Wasser und lehrte sie schwimmen. Die guten Mütter zu Hause wollten allerdings nichts davon wissen und untersagten es den Knaben, wenn sie in den Fluß baden gehen wollten. Erst nach dem Kriege wurde dieses Vergnügen, den Knaben nicht mehr verkümmert, und in den 1920er Jahren konnte man bereits in den größeren Städten Schwimmunterricht erhalten.“

Die Wasser- und Sandbäder, unter anderem in und an der Prießnitz, waren lange Zeit beliebter als das Bad in Elbe. Auch Bäder in der Weißeritz wurden lange aufgrund der Gefährlichkeit der Elbe durch die rasche Veränderlichkeit des Strombettes in Folge „elementarer Ereignisse“ bevorzugt, auch wenn man hier weite Wege gehen musste, um einen annehmbaren Platz zu ergattern. Noch Canalettos Veduten (von 1747–1758 und 1763) zeigen keinerlei freie Elbebäder. Auch die Weck’sche Chronik von 1680 nennt zwar alle möglichen Vorzüge der Elbe, weist jedoch nicht auf die Möglichkeit des Badens in derselben hin.

Erste Versuche 1754–1771 (Weipert, Anton) mini|Lincke’sches Bad (um 1850) Der erste Hinweis auf ein Flussbad in Dresden findet sich in der „Anzeige, Kurtze, was ein Curieuser nach Dresden reisender Passagier nothwendig zu observieren hat“. Dort wird beschrieben, dass „Der Kaufmann Herr Weipert ohnweit den Elbstrom ein ansehnliches steinern Gebäude aufsetzen lassen, worinnen derselbe ein Gesundheits-Bad von Elbwasser, welches in verschiedenen Beschwerungen dieser Menschen gute Dienste thut, anlegen lassen, das 1755 zustande kommen“.Stadtarchiv Dresden, Hist. Dresd. 153 e, B 70, 1528 a, 1756 Diese am Lincke’schen Bad an der Mündung der Prießnitz in die Elbe hinter dem Schwarzen Tor existierende Badezelle ging jedoch 1771 ein, da niemand davon Gebrauch machte. Zu groß war wohl die Angst vorm Fluss.

Auch der Oberfloßinspektor der Elster- und Erzgebirgischen Flößerei Christian Gottlieb Anton, der in landesherrlichen Diensten stand, plante schon 1754 die Errichtung eines Elbebades, nachdem er auf den ehemaligen Stallamtswiesen vor den Toren der Stadt eine Gaststätte hatte errichten lassen. Diese florierte hervorragend. Die Damen dort unterhielten sich bei Kaffee und Kuchen, während die Männer eine Partie Kegeln spielten und die Kinder an den Elbwiesen herumtollten. Im Sommer kühlten sie sich zuweilen am Ufer ab, das jedoch zu steil war, um baden zu können. Durch Untersagung jedoch von allerhöchster Stelle wurde die Idee Antons keine Realität. Immer wieder wurden behördlicherseits starke Bedenken wegen der möglichen Behinderung der Schifffahrt hervorgebracht. Ganz zu schweigen von den ministerlichen und städtischen Aversionen wegen des sich den Mitfahrenden auf einem Schiff darbietendem Bild der Unsittlichkeit.

Das Bad von August Andreoli 1786 bis Anfang der 1790er Jahre Die zündende und durchdringende Idee hatte letztlich 1784 der am Dresdner kurfürstlichen Pageninstitut (hier wurden junge Edelleute ausgebildet und „mit allerlei ritterlichen Fertigkeiten versehen“) als Pagensprachmeister unter Lohn stehende Italiener August Andreoli. Er regte die Idee an, erfrischende Bäder in der Elbe als Teil des Erziehungsplanes einzurichten. Befördert wurde diese Idee vom Direktor des Institutes Major von Pöllnitz, zumal sich Andreoli auch anbot, diese Bäder auf eigene Rechnung und Gefahr zu errichten. Am 19. Mai 1785 wurde ihm die Konzession zur Errichtung einer Elbebadeanstalt erteilt.Stadtarchiv Dresden, Ratsarchiv C.XXV.60

Letztlich hatten die Argumente Andreolis überzeugt: Verringerung der Gefahr des Zusammenstoßes mit den Schiffen, da das am Rande befestigte Bad nicht in die Fahrtrinne geraten konnte, Verringerung der Unfälle selbst, da ein kontrolliertes Baden mit einer Abgrenzung nun bestand und keine Verstöße gegen die Sittlichkeit, da durch die Verkleidung der Badezellen kein Einblick in das Innere des Bades möglich war. Nur unter peinlichster und ständiger Kontrolle durch den Stadtrat und die Fischer-Innung konnte Andreoli seine Pläne verfertigen. Ständige Revisionen des Zustandes vom Bad wurden weit vorher angekündigt, entmutigten Andreoli jedoch nicht. Auch nicht der Umstand, dass die eigentliche Premiere am 24. Juni 1786 buchstäblich ins Wasser fiel, da heftige Gewitterregen und die folgende Elbeflut Teile der Anlage fortrissen. Nur wenige Tage später, am 5. Juli, eröffnete Andreoli seine Badeanstalt, die aufgrund „sittlicher Bedenken“ abseits der Stadt und Festung aufgestellt werden musste, vor dem Lincke’schen Bade auf der rechten Elbseite. Ausgewählt wurde dieser Standort nach kurfürstlicher Anfrage „wo niemand der Gefahr zu ertrinken ausgesetzt, der Wohlstand nicht beleidigt und die Schifffahrt nicht gehindert wurde“ von den beiden Ältesten der Fischer-Innung. Angeregt wurde von beiden auch, dass das Bad auf ein Floß zu setzen sei und so gebaut sein sollte, dass es im Winter zusammengeschlagen werden könne. Im Sommer sollten die Fischer die Aufsicht führen. Nicht von ungefähr nahmen die Fischer, als für Dresden sehr prägender Berufsstand die Führungsposition bei der Entwicklung der Tradition der Elbebäder ein. Viele der Elbefischer betrieben die Elbebaderei als zweites Standbein zum Überleben. Denn je mehr die Industrialisierung an den Ufern der Elbe ihre Fabrikblüten trieb, schritt das allmähliche Sterben der Flussfischerei einher. Die lange Fischertradition findet spätestens nach dem großen Fischsterben 1947/48 ihr Ende.

Der Bau von Andreolis Elbebadeanstalt mit hatte die Ausmaße von 60 Ellen Länge (etwa 31 Meter) und 10 Ellen Breite (etwa 5,2 Meter) wurde mit Kosten von 102 Talern und 4 Groschen veranschlagt, woran man sich in der Ausführung – abgesehen von den gravierenden Mängeln der Befestigung und den fehlenden Klingeln in den Kabinen – letztlich auch annähernd hielt. Der in Dresden bekannte Zimmermeister Rösler baute sie und ließ diese durch mehrere Abnahmekommissionen begutachten. Der Vizekanzler von Burgsdorff hielt dazu fest, dass man „wegen des häufigen Ersauffens und Verunglücken der Menschen“ im Fluße nun nicht mehr in Sorge sein müsse und nicht mehr bedrückt sein werde von „der Unsittlichkeit des Badens im offenen Fluße“.Stadtarchiv Dresden, Ratsarchiv C.XXV.61

Das Etablissement bestand aus verschieden großen Zellenbädern, die im Gegensatz zu den späteren Elbebädern noch nicht mit einer Dielung versehen waren. Sie besaßen nur Verkleidungswandungen, die bis zum Elbgrund hinabreichten und deshalb die stetige Beobachtung des Wasserstandes und gegebenenfalls eine Veränderung des Standortes nach sich zogen. Tagsüber wurde das Bad vornehmlich durch das Pageninstitut sowie das Kadetten-Korps genutzt, das unter Anleitung eines italienischen Schwimmmeisters in „Wasser-Gymnastik und Schwimmen“ unterrichtet wurde.

Viele Dresdner erlernten in den Elbebädern in den Sommermonaten das Schwimmen. Während dieser Zeit konnte gegen Entrichtung eines „Entree“ das Bad öffentlich benutzt werden. Die Zeitung schwärmte: „Das Werk steht auf einer starken Holzflöße und die Badewannen sind bewegliche Behältnisse, in denen man auf schiefgehenden Stufen bis auf den Elbgrund hinabsteigen kann.“ Man lobte die Idee und Ausführung in höchsten Tönen und berichtet weiter: „das Publikum badet hier für zwei, drei, vier, sechs, acht und zwölf Groschen mit vieler Bequemlichkeit, kann sich auch mit Liqueurs, Erfrischungen und schöner Aussicht auf die Elbe ergötzen“. Noch im ersten Jahr wurden die Anlagen verbessert. So ergänzte Andreoli mehrere Badezellen mit Holzböden. Dies tat er insbesondere deshalb, um die Anstalt auch für Frauen attraktiv zu machen. So wurden manche Stunden am frühen Nachmittag und die „5. Stunde“ ausschließlich für Damenbesuch reserviert. Eigens zu deren „Aufwartung“ wurde weibliche Bedienung eingestellt. Entsetzte Frauenschreie gellten durch die Zellen, als junge Männer entdeckt wurden, die sich fast perfekt als Umkleidedamen herausgeputzt hatten, dennoch von einer älteren Dame erkannt, und unter wüsten Beschimpfungen des Bades verwiesen wurden. Ebenso ersannen es Jungs zum Freizeitsport, unter die Zellen zu schwimmen, um kurz darauf im Innern derselben wieder aufzutauchen. Auch bösartige Versuche des „manipulierten Ablegens des Bades aus Ufernähe“ sowie die unfreiwillige Umfunktionierung zum Flussboot mussten scheitern aufgrund wachsamer Badeposten. Im Falle des Gelingens hätte dies durchaus katastrophale Folgen haben können.

Das erste Dresdner Elbebad ging nach einigen Jahren – Anfang der 1790er – wieder ein, kurz nach dem Andreoli aus familiären Gründen Dresden verlassen musste. Es dauerte sehr lange, ehe diese Tradition ihre Fortsetzung fand, obschon die Erkenntnis, dass „das Baden der Gesundheit zuträglich sey“ im 18. Jahrhundert in weite Kreise der Bevölkerung vorgedrungen war.