Die Stiftung Stadtprojekte (), auch Urban Projects Foundation genannt, war eine russische gemeinnützige Stiftung, die 2012 vom russischen Politiker Maxim Katz und dem russischen Journalisten Ilja Warlamow gegründet wurde und ihre Tätigkeit im März 2022 einstellte. Ziel der Stiftung war es, das städtische Umfeld durch den Einsatz moderner Urbanismusdaten zu verbessern. Die Stiftung betreute mehrere Initiativen in Moskau, die auf gemischte Reaktionen der Behörden stießen, und war auch in vielen Regionen Russlands tätig.

Im Jahr 2019 wurde Darja Bessedina, ein Mitglied der Organisation, zur Abgeordneten der Moskauer Stadtduma der VII. Einberufung gewählt. Im Jahr 2020 wurde der Leiter von „Stadtprojekte“ in Tomsk, David Avet'yan, Abgeordneter der Stadtduma von Tomsk, und der Leiter von „Stadtprojekte“ in Samara, Vadim Alekseev, Abgeordneter des Rates des Bezirks Oktyabrsky von Samara.

Gründung mini|Urbane Prioritäten aus Sicht der Stiftung Die Stiftung wurde gegründet, nachdem Ilja Warlamow nicht genügend Unterschriften für seine Kandidatur zum Bürgermeister von Omsk gesammelt hatte. Ursprünglich plante Warlamows Team, Straßen zu rekonstruieren und das gesamte architektonische Erscheinungsbild der Stadt zu verändern, doch nachdem diese Idee gescheitert war, beschloss man, ähnliche Aktivitäten zunächst in Moskau zu starten. Der später gewählte Bürgermeister Wjatscheslaw Dworakowski unterstützte Warlamows Ideen und erklärte in seiner Rede vor der Wahl, er sei bereit, dessen Projekte umzusetzen.

Am 4. Juni 2012 wurde das Projekt gestartet. Katz und Warlamow kündigten an, dass sie Empfehlungen zum Erscheinungsbild der Twerskaja-Straße in Moskau, zur Landschaftsgestaltung, zur Platzierung von Stadtmöbeln und mehr geben wollen. Sie planten, Vorträge zu halten, Literatur zu übersetzen, Bildmaterial zu erstellen und zu verteilen.

Die ersten angekündigten Initiativen waren: Aufstellen von Straßenaschenbechern in der Twerskaja, Erforschung und Entwicklung von Empfehlungen zur Verbesserung der Fußgängerinfrastruktur in der Twerskaja, Vorbereitung eines Karnevals in Moskau, Erforschung und Entwicklung eines Projekts zur Umgestaltung von Straßen, öffentlichen Verkehrswegen, Parks, Höfen und Plätzen im Bezirk Schtschukino.

Gleichzeitig erläuterte Ilja Warlamow das Verfahren zur Festlegung und Umsetzung der Aufgaben wie folgt:

Die „Projekte“ werden gemeinsam durch Sponsoring und Crowdfunding finanziert. Ebenfalls im Jahr 2012 plante das Informationszentrum der Moskauer Stadtverwaltung, Informationssponsor der Stiftung zu werden, ohne dass dafür finanzielle Mittel bereitgestellt wurden. Laut dem Bericht der Stiftung für 2017 und das erste Halbjahr 2018 beliefen sich die Einnahmen der Stiftung auf rund 3,1 Millionen Rubel, davon 2,5 Millionen Rubel Privatspenden, 40.000 Rubel zweckgebundene Spenden an St. Petersburg, 424.000 Rubel ein Darlehen der Gründer, 63.000 Rubel Einnahmen aus Buchverkäufen und 37.000 Rubel aus dem Verkauf von Produkten mit „Projekte“-Symbolik. Insgesamt gingen bei „Stadtprojekte“ 2619 Spenden mit einem Durchschnittsbetrag von 952 Rubel ein.

Geschäftsführer der Stiftung war von Dezember 2017 bis April 2018 Pjotr Iwanow.

Aktivitäten in Moskau Vor dem Start eines jeden Projekts werden Feldforschungen unter Beteiligung von Freiwilligen durchgeführt: Das Fußgängeraufkommen wird untersucht, die Handlungen der Fußgänger werden studiert. Es werden Daten aus Studien prominenter Stadtplaner verwendet: Jan Gehl, Vukan Vuchic und andere.

Um europäische Städte zu studieren und einen Architekten zu finden, der die Initiativen im Bezirk Schtschukino beraten könnte, unternahmen Warlamow und Katz eine Expedition durch Europa. Maxim Katz behauptete, dass die Moskauer Bürgermeisteramt die Reise sponsern würde, aber das Informationszentrum der Regierung dementierte diese Information über finanzielle Unterstützung. Laut Georgi Prokopow, dem stellvertretenden Leiter des Zentrums, bezog sich die Vereinbarung nur auf die informatorische Begleitung der Expedition.

Während der Expedition wurde besonderes Augenmerk auf die Fußgänger- und Fahrradinfrastruktur, die Organisation eines komfortablen öffentlichen Nahverkehrs sowie auf Details der Straßengestaltung gelegt. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Reise wurden Videoreportagen veröffentlicht.Videoreportagen von Stadtprojekte

Verbesserung des Bezirks Schtschukino mini|hochkant|Plakat zum Thema „visuelle Umweltverschmutzung“ Die ersten Studien der Stiftung wurden im Bezirk Schtschukino durchgeführt. Die Daten über die Aktivitäten der Menschen in diesem Gebiet ermöglichten es, die Bezirksversammlung zum Kauf von 500 Straßenbänken zu bewegen. Bei ihren Recherchen im Bezirk Schtschukino entdeckten die Freiwilligen der Stiftung ein Problem bei der Anordnung von Fußgängerwegen und -überwegen.LiveJournal von Maxim Katz. Перебежчики, Veröffentlichung vom 23. Juli 2012. Täglich überquerten bis zu 700 Menschen die Straße an derselben Stelle der Schtschukinskaja-Straße. Die gesammelten Informationen überzeugten die lokalen Behörden, an dieser Stelle einen „Zebrastreifen“ zu malen.

Eine weitere Stoßrichtung bei der Verbesserung des Bezirks war der Kampf gegen illegale Werbung. Durch Druck auf die lokalen Behörden und die illegalen Werbetreibenden selbst konnte die Menge an visueller Verschmutzung reduziert werden.

Maxim Katz betonte wiederholt die Notwendigkeit, die Straßeninfrastruktur zu verbessern:

Um die gleichen Ziele zu erreichen, wurde im Rahmen von „Stadtprojekte“ für Schtschukino ein Projekt für eine Erholungszone an der Marschall-Wassilewski-Straße entwickelt. Studien der Freiwilligen der Stiftung zeigten, dass es eine Nachfrage nach der Erschließung dieses Gebiets für Freizeitaktivitäten gibt. Das Projekt sieht vor, den Raum in Form von amphitheaterartig absteigenden Bänken zu gestalten, die Grasnarbe zu verändern, Kioske zu einer gemeinsamen Handelszone zusammenzufassen, Tische und ein Vordach als Schutz vor Regen zu installieren. Es wird berichtet, dass die Initiative von der Präfektur des Nordwestlichen Bezirks unterstützt wird.

Parkverbot auf Gehwegen in der Twerskaja-Straße mini|hochkant|Infografik aus der Ausstellung „Städte für Menschen“ Die Stiftung „Stadtprojekte“ setzt sich aktiv für das Parkverbot auf Gehwegen, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie der Fahrrad- und Fußgängerinfrastruktur anstelle des Ausbaus von Autostraßen ein.

Noch vor dem Start von „Stadtprojekte“ veröffentlichte Maxim Katz seine Einschätzung zur Aufteilung des Platzes in der Twerskaja-Straße zwischen Fußgängern und Autofahrern: Autofahrer machen 1 % der Gehwegnutzer aus, während sie 67 % des Platzes belegen. Mit der Gründung der Stiftung wurde es möglich, die Situation auf der Twerskaja genauer zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden in den Blogs von Ilja Warlamow und Maxim Katz veröffentlicht.LiveJournal von Maxim Katz. Московская оппозиция, Veröffentlichung vom 21. September 2012.

Am 12. Oktober 2012 wurden in der Twerskaja-Straße die Parkmarkierungen auf den Gehwegen entfernt, und geparkte Autos wurden von Abschleppwagen abgeschleppt. Laut Anton Buslow, dem Co-Vorsitzenden der interregionalen öffentlichen Organisation „Stadt und Verkehr“, wurde diese Entscheidung getroffen, nachdem sich die Behörden mit dem Bericht von „Stadtprojekte“ vertraut gemacht hatten.

Maxim Katz beschreibt den Entscheidungsprozess im Bürgermeisteramt wie folgt:

Eine anschließende Umfrage unter den Moskauern ergab Zustimmung zu dem Parkverbot auf Gehwegen: Fast 75 % der Befragten bewerten das erlaubte Parken auf Gehwegen „negativ“ und „eher negativ“, nur 13 % gaben eine „positive“ und „eher positive“ Bewertung ab. Darüber hinaus unterstützten 76 % der Umfrageteilnehmer die Entscheidung der Stadtregierung, das Parken in der Twerskaja abzuschaffen.

Aschenbecher auf der Twerskaja Freiwillige von „Stadtprojekte“ führten eine Studie über das Verhalten von Rauchern auf der Twerskaja durch. Auch hier wurde wie bei anderen Studien der Stiftung die Methodik von Jan Gehl angewendet. Auf der Twerskaja-Straße wurden 8 Punkte ausgewählt, an denen jeweils 15 Minuten pro Stunde die Anzahl der Raucher, die Anzahl der auf den Asphalt geworfenen Zigarettenkippen und die Anzahl der in den Mülleimer geworfenen Zigarettenkippen gezählt wurden.

Parallel zu der Untersuchung wurde mit der Vorbereitung eines Projekts zur Aufstellung von Aschenbechern begonnen. Das Design der an Pfosten befestigten Aschenbecher wurde vom Studio Artemy Lebedew entwickelt. Warlamow erklärte, dass „Stadtprojekte“ die Aschenbecher ohne Wissen der Behörden aufstellen würde.

Die Initiative ähnelt der Kampagne der Non-Profit-Organisation zur Reduzierung von Zigarettenkippen, die auf die Straße geworfen werden: Nach deren Erfahrungen führen ähnliche Maßnahmen zu einer Verringerung der Anzahl der Zigarettenkippen um durchschnittlich 54 %. Vertreter der Behörden reagierten jedoch negativ auf die Initiative, nannten sie einen PR-Gag und berichteten außerdem, dass die eigenmächtige Aufstellung von Aschenbechern aus Sicherheitsgründen verboten sei.

Ausstellung „Städte für Menschen“ Vom 17. bis 26. November 2012 fand im Staatlichen Museum für Architektur benannt nach A. W. Schtschussew die Ausstellung „Städte für Menschen“ mit städtebaulichen Projekten statt. Sie präsentierte die Ergebnisse der von „Stadtprojekte“ durchgeführten Untersuchungen. Die Ausstellungsstände zeigten die wichtigsten Probleme der Stadt auf und demonstrierten Wege zur Verbesserung des städtischen Umfelds.

Für die Besucher der Ausstellung wurden eine Reihe von Vorträgen und Diskussionen veranstaltet. Teilgenommen haben Experten für das städtische Umfeld, Moskauer Beamte und Vertreter von Oppositionsorganisationen. Zu den Rednern gehörten der Moskauer Chefarchitekt Sergej Kusnezow, der Projektkoordinator von RosZHKH Dmitri Levenets, der Generaldirektor von Mosgortrans Pjotr Iwanow und andere.

mini|links|hochkant|Über die Vorteile des öffentlichen Verkehrs – Plakat aus der Ausstellung „Städte für Menschen“ Museumsdirektorin Irina Korobjina bezeichnete die Ausstellung als eine neue Etappe im Leben des Museumsraums und als Pilotprojekt für den Aufbau einer Diskussionsplattform innerhalb des Museums.

Metroplan Das Moskauer Verkehrsministerium schrieb gemeinsam mit „Stadtprojekte“ einen Wettbewerb für die Erstellung eines neuen Plans der Moskauer Metro aus, der 2013 in den Waggons erscheinen sollte. Der Fonds stellte ein Dokument mit den Anforderungen an den neuen Plan zusammen.Dokument des Moskauer Ministeriums für Verkehr und Entwicklung der Straßentransportinfrastruktur zur Ausschreibung eines Wettbewerbs für die Entwicklung eines Linienplans der Moskauer Metro zur Platzierung auf dem Gebiet des staatlichen Einheitsunternehmens „Moskauer Metro“. Archivierte Kopie. Insbesondere sollte der Plan erstmals mehrere Varianten umfassen: eine kompakte, die für die Waggons bestimmt ist, und eine vollständigere, die an den Bahnhöfen ausgehängt wird. Besonderes Augenmerk wurde bei dem Plan auf die Information über andere Verkehrsträger des öffentlichen Nahverkehrs und die Umsteigemöglichkeiten zu diesen gelegt. Zu den Anforderungen gehörten auch das Vorhandensein von QR-Codes für die Website der Metro, die Angabe der Lage von Park-and-Ride-Plätzen und spezielle Markierungen für behindertengerechte Bahnhöfe.

Die Auswahl der Arbeiten erfolgte durch eine vom Fonds gebildete Wettbewerbsjury. Zu ihren Mitgliedern gehörten der Leiter der Designentwicklungsgruppe Yandex.Maps Andrej Karmatski, der deutsche Schienenverkehrsexperte Robert Schwandl, der Berater des Leiters des Moskauer Verkehrsministeriums Alexej Mitjajew und andere. Im Januar 2013 fand auf der Website des Verkehrsministeriums eine Online-Abstimmung statt, deren Gewinner das Projekt des Studios Artemy Lebedew war.

Kundgebung auf dem Triumpfplatz mini|Maxim Katz liest die Resolution der Kundgebung gegen die Umgestaltung des Triumpfplatzes vor