Der Cadillac DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 ist ein Oberklassefahrzeug der zum General-Motors-Konzern gehörenden Automarke Cadillac, das als zweitüriges Coupé DeVille und als viertüriger Sedan DeVille verkauft wurde. Diese Baureihe ist nach verbreiteter Zählung die vierte von Cadillacs insgesamt acht Generationen umfassender DeVille-Reihe. Eine schwächer ausgestattete Variante stand als Cadillac Calais im Programm, die teurere, nur als Viertürer angebotene Spitzenversion hieß 60 Special. Der DeVille dieser Generation war der am weitesten verbreitete Luxuswagen der Welt.Auto Katalog 20 (1976/77), S. 48. Mit Blick auf seine technischen und stilistischen Eigenheiten gilt er als typischer Vertreter der Malaise Era.

Entstehungsgeschichte mini|Längeres und höherwertig ausgestattetes Schwestermodell: Cadillac 60 Special Brougham Cadillac hatte 1949 ein als DeVille bezeichnetes Hardtop-Coupé eingeführt und vergleichbare Fahrzeuge in den folgenden Jahren durchgängig im Programm gehalten. Anfänglich war der DeVille kein eigenständiges Modell, sondern lediglich eine höherwertig ausgestattete Version des Cadillac Series 62.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 87. Zum Modelljahr 1959 gliederte Cadillac den DeVille aus der Series-62-Reihe aus, sodass er zu einem eigenständigen Modell wurde. Im markeninternen Programm war er über der Series 62, aber unter der teuren Baureihe Series 60 Special positioniert. Als die Series 62 durch die Modellreihe Calais ersetzt wurde, blieb der DeVille die mittlere Linie unter Cadillacs Full-Size-Modellen.

Die vierte DeVille-Generation kam 1971 auf den Markt. Sie wurde in einer Phase kontinuierlicher Änderungen von Sicherheits- und Verbrauchsregelungen verkauft. Im dritten Produktionsjahr kam es zur ersten Ölpreiskrise, die zu erheblichen Absatzeinbußen aller amerikanischen Full-Size-Autos führte. Die DeVilles, die zu den größten und schwersten Modellen dieser Klasse gehörten, litten deutlich darunter. Die US-amerikanische Regierung erließ als Reaktion auf die Ölpreiskrise Regeln zur Begrenzung des Flottenverbrauchs, die 1975 unter der Bezeichnung Corporate Average Fuel Economy (CAFE) in Kraft taten und die US-amerikanischen Hersteller dazu zwangen, Maßnahmen zur Senkung des Treibstoffverbrauchs ihrer Fahrzeuge zu ergreifen. Diese Vorgaben wurden schrittweise strenger. Hinzu kamen Bestimmungen zur Verbesserung der passiven Verkehrssicherheit, die wiederholt Konstruktionsanpassungen verlangten. Der DeVille der vierten Generation machte alle diese Entwicklungen mit.

Konkurrenten des DeVille waren der Lincoln Continental des Ford-Konzerns und der Imperial LeBaron von Chrysler. Sie blieben jeweils weit hinter dem Produktionsumfang des DeVille zurück.

Zum Modelljahr 1977 wurde die vierte DeVille-Generation abgelöst. Der Nachfolger war erstmals in der Geschichte der DeVille-Reihe kürzer und leichter als sein Vorgänger. Seine Gesamtlänge ging um 250 mm zurück, der Radstand um 216 mm. Das Leergewicht lag bis zu 500 kg unter dem des 1976er DeVille.Richard M. Langworth: Automobiles of the 1930s. Beekman House, New York 1980, ISBN 0-517-30994-7, S. 94.

Modellbeschreibung

Plattform und Fahrwerk Die DeVille der vierten Generation basieren auf der C-Plattform von General Motors. Sie ist eng mit der etwas kürzeren B-Plattform verwandt, die die Grundlage für die meisten Full-Size-Fahrzeuge der Schwestermarken Buick, Chevrolet, Oldsmobile und Pontiac war. Die Autos haben einen Kastenrahmen, dessen Grundmerkmale mit denen der vorherigen Generation übereinstimmen. Zu den Neuerungen der ab 1971 gebauten Generation gehören die vordere und hintere Aufhängung, die neu konstruiert wurden und die Autos „weicher“ machten.

Karosserie Die Cadillac DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 haben Stahlblechkarosserien, die auf das Fahrgestell aufgesetzt wurden. Diese Generation ist im Vergleich zum Vorgängermodell nochmals größer und schwerer.

Der DeVille war wie der Calais als geschlossener Zwei- und Viertürer mit Stufenheck erhältlich, während es den teureren 60 Special der Tradition entsprechend nur als viertürige Limousine mit leicht verlängertem Radstand gab. Anders als in den vorangegangenen Generationen gehörte kein Cabriolet mehr zur DeVille-Reihe; offene Cadillacs gab es seitdem ausschließlich beim Fleetwood Eldorado.Richard M. Langworth: Automobiles of the 1930s. Beekman House, New York 1980, ISBN 0-517-30994-7, S. 93.

Die Karosserien der großen Cadillacs wurden zum Modelljahr 1971 neu gestaltet. Der Aufbau des DeVille entspricht stilistisch im Wesentlichen dem des Calais und des 60 Special. Cadillac brachte nahezu jährlich Detailänderungen an der Front- und Heckpartie; die Grundstruktur der Karosserie blieb aber von 1971 bis 1976 im Wesentlichen erhalten. Etwas anderes galt nur für den Zweitürer, der bis 1973 ein Hardtop Coupé ohne B-Säule mit rahmenlosen, voll versenkbaren Seitenfenstern war. Mit der gesetzlichen Vorgabe, Fahrzeuge künftig nicht mehr ohne durchgehende Mittelsäule auf den Markt zu bringen, war die in den USA seit Jahrzehnten sehr beliebte Karosseriebauform künftig nicht mehr zulässig. Während der viertürige Sedan DeVille bis 1976 ein Hardtop ohne Mittelsäule blieb, erfüllte Cadillac die Vorgaben zur Seitenaufprallsicherheit beim Coupé bereits anlässlich eines Facelifts zum Modelljahr 1974. Bei den ab 1974 gebauten Zweitürern reicht die B-Säule vom Schweller bis zum Dach, die hintere Dachverkleidung setzt unmittelbar hinter den Türen an. Die Bauform wurde als Pillared Coupé bezeichnet. Das hintere Seitenfenster ist in die seitliche Dachverkleidung eingelassen und in ein Vinyldach eingebettet. Der Vinylüberzug erstreckt sich je nach Kundenwunsch über das gesamte Dach oder erfasst nach Art eines Laudauers nur den hinteren Dachteil über den Rücksitzen; die letztgenannte Variante wurde als Cabriolet Treatment bezeichnet und war aufpreispflichtig.

Interieur

Der Cadillac DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 ist auch nach US-amerikanischen Maßstäben ein sehr großes Auto. Die Innenraumbreite dieser DeVille-Generation übertrifft die aller bis dahin produzierten Cadillacs. Die Schulterfreiheit beträgt vorn 1580 mm, hinten 1640 mm. Das Auto ist ein vollwertiger Sechssitzer. Vorn und hinten sind durchgehende Sitzbänke mit jeweils drei Sitzplätzen eingebaut. Einzelsitze waren nicht erhältlich; allerdings konnte gegen Aufpreis eine Teilung der vorderen Sitzbank im Verhältnis 40:60 bestellt werden. Im teureren 60 Special war diese Variante Teil der Serienausstattung, im preiswerteren Calais war sie gar nicht erhältlich. Der einteilige, aus Kunststoff gefertigte Instrumententräger ist bei den Autos der ersten drei Modelljahre stark konkav geformt. Die Anzeigen sind breit verteilt. Ab 1974 gab es einen neu gestalteten Instrumententräger. Bei ihm sind der Geschwindigkeitsanzeiger und einige Warnanzeiger sind monitorartigen Schaukasten oberhalb der Lenksäule zusammengefasst, sodass sie zentral im Blickfeld des Fahrers liegen. Die Werbung beschrieb diese Anordnung als Space Age Instrument Panel (sinngemäß: Instrumententräger aus dem Raumfahrtzeitalter).Abbildung in einem Verkaufsprospekt zum Modelljahr 1976 (abgerufen am 6. April 2026). Die Sitze waren serienmäßig mit Stoff bezogen; Lederbezüge waren gegen Aufpreis erhältlich. An verschiedenen Stellen wurden Dekorflächen aus Holzimitatfolie eingebaut. Ihre Verteilung stieß in der Presse auf Kritik: Die Folien würden sich an Stellen finden, an denen Holz nicht sinnvoll zum Einsatz kommen könne.NN: Battle of the silken giants: Cadillac De Ville vs. Imperial LeBaron vs. Lincoln Continental. Vergleichstest in: Road Test, Heft 5/1975, S. 24.

Motorisierung und Kraftübertragung

Die Cadillac DeVille dieser Generation waren ausschließlich mit großvolumigen Achtzylinder-V-Ottomotoren erhältlich, die es in dieser Form bei keiner anderen GM-Marke gab. Wie die unmittelbaren Konkurrenten erreichte auch Cadillac die jährlich strenger werdenden Grenzwerte für Verbrauch und Schadstoffausstoß vor allem durch eine Senkung der Motorleistung.

Von 1971 bis 1974 war im DeVille ein 7729 cm³ (472 cui) großer Achtzylinder-V-Ottomotor erhältlich. Diese Konstruktion war bereits in der vorherigen Generation das serienmäßige Triebwerk gewesen; im Vergleich zur 1970er-Version hatte Cadillac allerdings die Verdichtung von 10,0 : 1 auf 8,5 : 1 reduziert, was mit einer Verringerung der Motorleistung von 375 auf 345 SAE-PS (brutto) verbunden war. Später sank die Leistung weiter.

Ab 1975 kam serienmäßig ein Achtzylindermotor mit einem Hubraum von 8194 cm³ (500 cui) zum Einsatz, der fast quadratisch ausgelegt war (Bohrung × Hub: 109 × 109,3 mm) und den Cadillac bereits 1970 beim ersten frontgetriebenen Fleetwood Eldorado eingeführt hatte. Er war der bis dahin größte serienmäßig in einem Pkw eingebaute Motor der Nachkriegszeit.Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8, S. 32. Er leistete in der Vergaserversion 190 SAE-PS,Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 107 f. sodass die Literleistung lediglich bei 23 PS pro Liter Hubraum lag. Zum Modelljahr 1976 gab es gegen Aufpreis eine Version mit Kraftstoffeinspritzung von Bendix, deren Leistung 215 SAE-PS betrug.

Die Kraftübertragung übernahm in allen Modelljahren serienmäßig eine Dreigangautomatik.

Übersicht über die MotorisierungenDaten nach www.automobile-catalog.com (abgerufen am 8. April 2026). Achtzylinder-V-Ottomotoren Hubraum cui 472 500 cm³ 7729 8194 Leistung SAE-PS (brutto) 345 SAE-PS (netto) 223 208 190 215 Modelljahr 1971 S – – – – 1972 – S – – – 1973 – S – – – 1974 – – S – – 1975 – – – S – 1976 – – – S O S=Serienausstattung; O=aufpreispflichtige Option

Abmessungen und Gewichte Der DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 gehörte zu den längsten und schwersten Serien-PKW der USA.

Der Radstand betrug für alle Karosserieformen des DeVille in allen Modelljahren 3302 mm. Die Außenlänge wuchs bis zur Produktionseinstellung 1976, bedingt durch die zwischenzeitlich eingeführten Sicherheitsstoßstangen, schrittweise um insgesamt 125 mm. Auch das Gewicht stieg an. Das Leergewicht des Coupés reichte von 2124 kg (1971) bis 2290 kg (1975), während der Viertürer 1971 mit 2146 kg und 1975 mit 2334 kg angegeben wurde. Der teurere und längere 60 Special war etwa 100 kg schwerer, der einfachere Calais war bei gleichen Abmessungen geringfügig leichter als der DeVille.

Abmessungen und Gewichte Modelljahr Karosserieform Leergewicht (kg) Länge (mm) 1971 Coupé DeVille 2124 5735 Sedan DeVille 2146 1972 Coupé DeVille 2124 5776 Sedan DeVille 2160 1973 Coupé DeVille 2234 5804 Sedan DeVille 2261 1974 Coupé DeVille 2234 5860 Sedan DeVille 2283 1975 Coupé DeVille 2290 Sedan DeVille 2334 1976 Coupé DeVille 2278 Sedan DeVille 2325

Die einzelnen Modelljahre

1971 mini|Cadillac Sedan DeVille (1971)