Der Flohmarkt von Saint-Ouen ( Marché aux Puces de Saint-Ouen oder auch Marché aux Puces de Clignancourt) im Norden von Paris gilt als der größte Flohmarkt der Welt, er ist in einem eigenen Viertel angesiedelt und bedeckt etwa 70.000 m2 Standfläche mit rund 3000 Ständen und Geschäften. Schwerpunkte der gehandelten Waren sind Möbel, Haushaltsgegenstände, Teppiche, Trödel aller Art und preisgünstige Kleidung und Schuhe. Der Markt besteht aus etlichen Teilmärkten; die Märkte für Endabnehmer sind jedes Wochenende von Samstag bis Montag geöffnet und verzeichnen rund 5 Millionen Besucher pro Jahr.

Lage und Beschreibung

Der Markt befindet sich an der Porte de Clignancourt im Norden von Paris in der 47.000-Einwohner-Stadt Saint-Ouen (Seine-Saint-Denis) an der Grenze zum 18. Arrondissement und er liegt direkt am Périphérique, der Pariser Ringautobahn. Unweit seines Eingangs ist die Endhaltestelle der Metrolinie 4 „Porte de Clignancourt“. Der Markt ist auch mit der Metrolinie 13, Haltestelle „Garibaldi“, der Metrolinie 14, Haltestelle „Saint-Ouen“, mit den Autobuslinien 85 und 95 und der Straßenbahn T3b zu erreichen.

Der Markt besteht aus mehreren Teilmärkten und Hallen mit festen Ständen, die meist spezialisiert sind und insgesamt 15 verschiedene Bereiche umfassen. Dazu kommen 5 Gassen mit fest installierten Marktständen. In sämtlichen Bereichen finden sich eine große Auswahl aller Arten von Antiquitäten und Vintage aus unterschiedlichen Perioden und Ländern sowie Gebrauchsgegenstände aller Art. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Markt zu einem beliebten Touristenziel entwickelt. Die Märkte für Konsumenten haben jährlich etwa 5 Millionen Besucher und sie sind samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr und montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet (Stand 2024).

Der Markt insgesamt bedeckt ein eigenes Viertel und umfasst rund 2500 Stände und Ladengeschäfte auf 70.000 m2. In den umliegenden Straßen und um den Markt herum haben sich fliegende Händler vor allem für preiswerte Kleidung und Schuhe etabliert, die nochmals etwa 500 Anbieter ausmachen. 2001 gelang es dem 1995 gegründeten Verein „Défense et Promotion des Puces“, dem Markt einen besonderen Status zu verleihen: Der Flohmarkt von Saint-Ouen wurde zu einem der ersten Orte in Frankreich, die aufgrund ihres Ambientes und ihrer Atmosphäre als „Zone zum Schutz des architektonischen, städtebaulichen und landschaftlichen Erbes“ (ZPPAUP) eingestuft wurden.

Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts durchstreiften Sammler und arme Leute die Straßen von Paris, um Übriggebliebenes zu sammeln. Das wurde erschwert, als der Präfekt Eugène Poubelle 1883 in Paris Mülltonnen einführte. Lumpensammler durften sie dann nur noch in den frühen Morgenstunden durchsuchen. Die bürgerlichen Kreise waren nicht davon angetan, dass das Sortieren und Aufbereiten der Lumpen in der Stadt betrieben wurde; deshalb entschloss sich die Stadtverwaltung, die Sammler aus Paris zu vertreiben. Diese ließen sich daraufhin direkt vor der Stadt nieder, und zwar zwischen der Stadtmauer und dem Dorf Saint-Ouen auf einem Gelände, das zu dieser Zeit eine unbebaute Militärzone war. Das Gebiet war Teil von „La Zone“, einem etwa 250 m breiten, nicht bebauten Streifen entlang der Thiersschen Stadtbefestigung. Diese war der letzte 1844 fertiggestellte Mauerring um Paris. Die Befestigungsanlagen zwischen dem Dorf Saint-Ouen und der Porte de Clignancourt wurden 1919 abgerissen.

mini|Der Flohmarkt von Saint-Ouen 1913 Mit der Zeit verkauften die Sammler ihren Trödel immer an den gleichen Plätzen, bis der Bürgermeister von Saint-Ouen 1885 den Händlern einen festen Platz zuwies. Das kann auch als das Gründungsjahr des Marktes angesehen werden. Damit ist dieser Markt einer der ältesten Flohmärkte überhaupt. Einige sagen, die Bezeichnung Flohmarkt sei ebenfalls hier entstanden, denn Lumpenhändler hatten schon früh alte Kleidung aufgekauft und wieder verkauft. Da die hygienischen Bedingungen schlecht waren, hatten sich auch Flöhe in der Kleidung eingenistet. Nach einer besonders großen Flohplage hätten die Verantwortlichen die Sammler in den Norden von Paris verbannt und den Markt scherzhaft „Markt der Flöhe“ (Marché aux Puces) genannt.

Der ehemals temporäre Markt wuchs und verwandelte sich nach und nach. Die dort errichteten Kneipen und zahlreichen kleinen Stände machten den Ort schnell zu einem beliebten Ziel, an dem Pariser und Sonntagsspaziergänger gern flanierten, etwas tranken und den einen oder anderen Trödel kauften. Zwischen 1905 und 1914 erschienen einige Presseberichte über den Ort und machten ihn damit bekannt. Die Zeitschrift L’Assiette au beurre brachte 1910 eine ganze Ausgabe über den Markt. Das war für viele Händler ein Grund, dort ebenfalls ihre Geschäfte zu eröffnen. Der Flohmarkt wuchs weiter. 1908 wurde die Metrostation Porte de Clignancourt eröffnet, die eine einfache Anreise an dem Markt erlaubte und damit zusätzlich Besucher anlockte.

mini|Der Markt an der Avenue Michelet Zwanzig Jahre später, nach dem Ersten Weltkrieg, ließen sich die Händler der Marktstände dauerhaft nieder und die Märkte Biron, Vernaison, Malik und Vallès entstanden. Die Entwicklung zu dauerhaften Ständen wurde 1920 von Romain Vernaison initiiert, der erstmals kleine Gebäude errichtete und sie an Trödler vermietete. Damit ist dieser Teil der älteste dauerhafte Bereich des gesamten Flohmarktes. 1925 folgte Biron, das damals scherzhaft „Belles Puces“ (Schöne Flöhe) genannt wurde, da auf diesem Markt, schöne, restaurierte antike Gegenstände und Möbel verkauft wurden. Damit änderte sich auch die Ausrichtung des Marktes: Die Gegenstände wurden teurer, der Markt schicker, die Besucher betuchter.

1938 eröffnete der venezianische Händler Amedeo Cesana den Marché Jules Vallès. 1942 gründete ein Herr Bourdin auf einem Grundstück, auf dem ursprünglich Obst und Gemüse gezogen worden waren, den nächsten Markt, auf dem vor allem Altkleider und Schuhe verkauft wurden. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1946 in einer alten Garage der Markt Rosiers. Durch Krieg und Besatzung war der Bedarf an günstiger Kleidung wieder gestiegen. Die nächste Innovation führte Paul Bert 1954 ein: normierte, dauerhafte Stände von 12 m2, die er an über 200 Händler vermietete. Der Markt wuchs kontinuierlich und ernährte in den 1960er Jahren bereits 2800 Menschen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg die Qualität der angebotenen Waren, und die Lumpensammler und Schrotthändler wurden durch Antiquitätenhändler und professionelle Sammler ersetzt. Es entstanden neue spezialisierte Märkte: von hochwertigen Antiquitäten, gutem Schmuck, Alltagsgegenständen bis hin zu Tand.

Zwischen 1985 und 1995 wurde der Markt reorganisiert und die Gebäude wurden verbessert. Dadurch verschwanden einige Märkte, dafür wurden neue moderne und professionelle Gebäude und damit deren Märkte geschaffen: 1989 wurde der Markt „Malassis“ eröffnet, der Antiquitätenhändlern vorbehalten ist. 1991 folgte der Markt „Dauphine“; er bietet auf zwei Etagen Kunst, Teppiche, antike Einrichtungsgegenstände und alte Schallplatten an.

Die wichtigste Teilmärkte { "type": "FeatureCollection", "features": [

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] } Die einzelnen Teilmärkte sind nicht nur thematisch gegliedert, sondern auch räumlich zusammengefasst. Es gibt:

12 Markthallen, diese sind: Antica, Biron, Cambo, Dauphine, l’Entrepôt, Jules-Vallès, Malassis, le Passage, Paul Bert, Serpette, Malik, l’Usine und Vernaison 2 Markthallen, die nur für Geschäftskunden offen sind: Lécuyer, l’Usine. Sie sind im Gegensatz zu den anderen Märkten von Dienstag bis Freitag geöffnet. 5 Verkaufsgassen mit fest eingebauten, normierten Ständen, diese sind: Rue Jules Vallès, Rue Lécuyer, Rue Paul Bert, Rue des Rosiers und die Impasse Simon Temporäre Marktstände, vor allem rund um die anderen Märkte und entlang der Rue Jean-Henri Fabre und Avenue Michelet. Außerdem gehören dazu noch die Stände am Le Plateau Marché Django Reinhart, der etwas außerhalb des Marktgeländes auf der anderen Seite des Boulevard Périphérique liegt.

Der älteste Teil ist der „Marché Vernaison“, der etwa 300 Händler auf 9000 m2 umfasst und auf dem vor allem Kleidung, Schmuck und Haushaltsgegenstände gehandelt werden. Der Marché Antica ist ein kleiner, in den engen Gassen angesiedelter Markt mit vielen antiken Sammlerstücken.