Die Kammschwanz-Beutelmaus (Dasycercus hillieri), auch unter ihrem englischen Namen Mulgara bekannt, ist eine Beuteltierart aus der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae).
Beschreibung Wie viele andere Beutelmäuse ähneln diese Tiere im Körperbau den nicht verwandten Mäusen. Der Körper erweckt einen stämmigen Eindruck. Die Füße sind kurz, an den Vorderbeinen befinden sich jeweils 5 und an den Hinterfüßen jeweils 4 Zehen. Der Kopf ist relativ breit und die Ohren sehr klein und rund. Ihr Fell ist an der Oberseite gelblich oder rotbraun, die Unterseite ist gräulich oder weiß gefärbt. Am auffälligsten ist der Schwanz. Die Schwanzbasis ist bis zu einem Drittel rötlich gefärbt. Die distal gelegenen zwei Drittel sind bis zur Spitze hin mit länger werdenden, schwarzen Haaren versehen – welche bei Gefahr den namensgebenden „Kamm“ bilden. Kammschwanz-Beutelmäuse erreichen eine Kopfrumpflänge von 12,5 bis 22 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 7,5 bis 13 Zentimeter und ein Gewicht von 60 bis 170 Gramm.
Verbreitung und Lebensweise mini|Kammschwanz-Beutelmaus Die Kammschwanz-Beutelmaus lebt im Innern von Westaustralien, im Süden des Nordterritoriums und im Norden von South Australia vor allem in Landschaften, die von Sanddünen geprägt sind, während die weitgehend sympatrisch vorkommende Bürstenschwanzbeutelmaus (Dasycercus blythi) auf Grassland vorkommt, das vor allem mit Gräsern der Gattungen Spinifex und Triodia bewachsen ist.
Kammschwanz-Beutelmäuse sind Bodenbewohner und sowohl tag- als auch nachtaktiv, verbringen aber die heißesten Stunden des Tages in einem selbstgegrabenen Bau, der ein mit Gräsern ausgelegtes Nest beinhaltet. Üblicherweise lebt nur ein einzelnes Tier in einem Bau.
Kammschwanz-Beutelmäuse sind Fleischfresser, die sich vorwiegend von kleinen Wirbeltieren wie Mäusen sowie Spinnen und Insekten ernähren. Sie decken ihren Flüssigkeitsbedarf ausschließlich durch ihre Beutetiere und müssen nicht trinken.
Fortpflanzung Der Beutel der Weibchen besteht lediglich aus Hautfalten, die sechs oder acht Zitzen umfassen. Die Wurfgröße kann bis zu acht Jungtiere betragen, diese werden für drei bis vier Monate gesäugt und erreichen die Geschlechtsreife mit zehn oder elf Monaten. Mit sechs Jahren ist ihre Lebenserwartung relativ hoch.
Systematik und Forschungsgeschichte Die Kammschwanz-Beutelmaus bildet zusammen mit der Bürstenschwanzbeutelmaus und vier weiteren, eventuell schon ausgestorbenen Arten die Gattung Dasycercus innerhalb der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae). Schwestergruppe der Gattung Dasycercus ist die Doppelkamm-Beutelmaus (Dasyuroides byrnei), die manchmal ebenfalls Dasycercus zugeordnet wurde. mini|Zeichnung aus der Erstbeschreibung
Die wissenschaftliche Erforschung der kleinen Raubbeutler beginnt mit der Beschreibung eines toten Exemplars durch den deutsch-australischen Zoologen Gerard Krefft im Jahr 1867. Krefft gab der Art die Bezeichnung Chætocercus cristicauda. Das Typusexemplar wurde wahrscheinlich am Lake Alexandrina in South Australia gefunden. 1875 führte der deutsche Naturforscher Wilhelm Peters die Gattung Dasycercus ein mit Dasycercus cristicauda als einziger Art. 1904 und 1905 wurden zwei weitere Arten beschrieben, die aber zuerst der Gattung Phascogale (Pinselschwanzbeutler) zugeordnet wurden. Edgar Ravenswood Waite gab seiner Art die wissenschaftliche Bezeichnung Phascogale blythi und beobachtete auch lebende Exemplare, die er seiner Art zuordnete. Phascogale hillieri wurde 1905 durch den britischen Mammalogen Oldfield Thomas anhand eines Fells beschrieben, das von Killalpaninna östlich des Eyresees stammt. Im Jahr 1923 beschrieb der australische Anatom Frederic Wood Jones lebende Mulgaras unter der alten Bezeichnung Chætocercus cristicauda. Tom Iredale und Troughton synonymisierten im Jahr 1934 D. hillieri mit D. cristicauda. Fast 90 Jahre lang wurden damit zwei Dasycercus-Arten unterschieden, die Bürstenschwanzbeutelmaus mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Dasycercus blythi und die Kammschwanz-Beutelmaus mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Dasycercus cristicauda.
Im Oktober 2023 wurde eine umfangreiche Revision der Gattung Dasycercus veröffentlicht. Im Rahmen dieser Revision wurden die Typusexemplare der benannten Taxa (D. cristicauda, D. hillieri und D. blythi), sowie aktuelle, historische und subfossile Proben aus ganz Australien hinsichtlich der Morphologie des Schädels und der Bezahnung miteinander verglichen. D. cristicauda und D. blythi wurden als eigenständige, sich unterscheidende Arten bestätigt und D. hillieri wurde revalidiert. Außerdem wurden drei weitere, wahrscheinlich erst in jüngster Zeit ausgestorbene Arten beschrieben, D. archeri, D. marlowi und D. woolleyae. Der größte Teil des modernen Materials, das zuvor als D. cristicauda klassifiziert war, wird nun D. hillieri zugeordnet, so das davon auszugehen ist, dass nur D. hillieri und D. blythi noch existieren und Dasycercus hillieri die korrekte wissenschaftliche Bezeichnung der Kammschwanz-Beutelmaus ist.
Bedrohung Durch die Umwandlung ihres Lebensraumes in Viehweiden und durch die Nachstellung durch eingeschleppte Räuber ist die Art selten geworden. Ihr Verbreitungsgebiet ist zerstückelt, aus manchen Regionen ist sie ganz verschwunden. Die IUCN listet sie als gefährdet (vulnerable).
Einzelnachweise Tom Iredale und E. le G. Troughton (1934): A check-list of the mammals recorded from Australia. Memoirs of the Australian Museum 6: 1–122. Frederic Wood Jones: Handbooks of the Flora and Fauna of South Australia: The Mammals of South Australia. Part I: The Monotremes and the Carnivorous Marsupials. Government Printer: Adelaide. Gerard Krefft (1867): On the classification of the small Dasyuridae of Australia, with descriptions of two new genera and one new species. Proceedings of the Zoological Society of London 1866(3):431-435. PDF Jake Newman-Martin, Kenny J. Travouillon, Natalie Warburton, Milo Barham & Alison J. Blyth: Taxonomic review of the genus Dasycercus (Dasyuromorphia: Dasyuridae) using modern and subfossil material; and the description of three new species. Alcheringa, Oktober, 2023; doi: 10.1080/03115518.2023.2262083 Oldfield Thomas (1905): On some Australasian mammals. Annals and Magazine of Natural History 16, 422–428. Edgar Ravenswood Waite (1904): Description of a new Phascogale from north western Australia. Records of the Australian Museum 5(2):122-124. P. A. Woolley: The species of Dasycercus Peters, 1875 (Marsupialia: Dasyuridae). Memoirs of Museum Victoria 62(2): 213–221 (2005
Literatur Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999, ISBN 0-8018-5789-9 P. A. Wooley: The species of Dasycercus Peters, 1875 (Marsupialia: Dasyuridae). Memoirs of Museum Victoria 62(2): 213–221 (2005).
Kategorie:Raubbeutler