Djwal Khul, auch bekannt als „der Tibeter“ oder „Meister D.K.“, ist eine zentrale Figur in der esoterischen und theosophischen Tradition. Seine erste Erwähnung findet sich im späten 19. Jahrhundert in den Lehren der Theosophie Blavatskys, insbesondere bei Helena Blavatsky, der Gründerin der Theosophischen Gesellschaft. Später nahm Alice Bailey seine Figur in ihre Schriften auf und prägte sie weiter. Djwal Khul wird dort als „aufgestiegener Meister“ dargestellt – ein spirituelles Wesen, das Wissen über kosmische Gesetze und spirituelle Entwicklung vermittelt. Bailey gab an, sie habe durch telepathische Kommunikation mit Djwal Khul zahlreiche ihrer Werke verfasst.
Seine Lehren beschäftigen sich mit der Kosmogenesis, Anthropogenesis und der Notwendigkeit eines erweiterten Bewusstseins kosmischer Allverwobenheit (Neotantra) zur Förderung der Vision einer unter der letzten Neptun/Pluto-Konjunktion 1891/1892 entstandenen Weltkultur auf religiöser Ebene, bei der unser Gottesverständnis und unsere Einstellung zum Göttlichen massive und unwiderrufliche Veränderungen erfahren.Neff, Mary K. (2003). Brothers of Madame Blavatsky. Kessinger Publishing. S. 31, 46–47, ISBN 0-7661-5782-2. Dwjal Khul gilt als eine Schlüsselfigur in der Verbreitung esoterischer Weisheiten des 20. Jahrhunderts.
Esoterische Figur ohne nachweisbare Existenz Es gibt keine empirischen oder objektiven Belege für Djwal Khuls Existenz außerhalb der Aussagen seiner Anhänger. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts soll er, der Leiter eines der Neben-Ashrams innerhalb des größeren Zweiten-Strahl-Ashrams von Meister Koot Hoomi in Samzhubzê, in der Nachbarschaft des Sitzes des Penchen Lama, die Verantwortung für die Darlegung einer Folge von drei neuen Interpretationen der zeitlosen Weisheit übernommen haben, die „dem New Age vorausgehen und seine Voraussetzungen schaffen“ sollte.
Die erste in der Serie von drei Interpretationen der zeitlosen Weisheitslehren, die dem tibetischen Meister anvertraut gewesen sein sollen, wurde der Welt durch Helena Petrovna Blavatsky zwischen den Jahren 1875 und 1890 – fünfzehn Jahre lang – gegeben. Dies nannte Khul die „vorbereitende“ Phase der Lehre.Die von der Hierarchie geplante Lehre; Lucis Trust. Abgerufen am 13. September 2024. Er habe Blavatsky Isis Unveiled (1877) und The Secret Doctrine (1888) vermittelt, die Grundlagenwerke ihrer als „Theosophie“ bezeichneten, synkretistischen Weltanschauung, die gleichzeitig die Lehre ihrer Theosophischen Gesellschaft bildet. Im Unterschied zur christlichen Theosophie verfolgt die anglo-indische Richtung ihres Religionssynkretismus das Ziel, durch Studium und Praxis westlicher und fernöstlicher Religiosität ins mystische Erkennen einer höheren Form von „Wahrheit“ zu erlangen: das vollkommene Bewusstsein einer gemeinsamen Wurzel aller Religionen und Lehren. In ihren Schriften erwähnt sie Dwjal Khul als „älterer Bruder“, Mahatmas (महात्मा mahātmā, „große Seele“) oder „großer weißer Loge“. Sie entwickelte die Vorstellung, dass Religionsstifter und andere charismatische, spirituell erleuchtete Menschen nach ihrem Leben auf der Erde ins Reich Gottes eintreten, dort kosmisch allverwobenes Bewusstseinslicht werden („Christus“-Licht) und im ursprünglichen Einheitsbewusstsein, in dem es nur noch Harmonie und allumfassende Liebe gibt, die „große weiße Bruderschaft“ (Bruderschaft von Shambhala) bilden, aus der heraus sie wiederum über den Mental- und Astralleib prädestinierter, weil spirituell veranlagter, hochsensibler und hochsensitiver Menschen, die ihnen als Medium dienen (wollen), die spirituelle Evolution der Menschheit vorantreiben. Der Name Dwjal Khul, er taucht erstmals im Werk Blavatskys auf.
mini|Das Siegel der Theosophischen Gesellschaft Blavatskys mit Swastika, Davidstern, Anch, Om und Ouroboros sowie ihr Leitmotiv „Es gibt keine höhere Religion als die Wahrheit“
Die zweite Serie von drei Interpretationen der zeitlosen Weisheitslehren, die Khul anvertraut gewesen sein sollen, wurde über einen Zeitraum von dreißig Jahren durch Alice Bailey gegeben – von 1919 bis 1949. Baileys eigenen Angaben zufolge erschien ihr bereits am 30. Juni 1895, sie war 15 Jahre alt, erstmals ein Meister der Weisheit mit Namen Kuthumi. Dieser soll sie an einen anderen „Meister“ mit Namen Djwhal Khul „vermittelt“ haben. Bailey behauptete, im November 1919 erstmals die Stimme dieses „Tibeters“ zu gehört zu haben. Nach anfänglicher Ablehnung erfüllte sie dann angeblich seinen Wunsch, einige Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen, wobei die Worte des „Meisters“, wie Bailey betonte, nichts mit automatischem Schreiben oder medialen Durchgaben zu tun hätten. Sie meinte vielmehr, den „Meister“ zu hören und die Gedanken, die in ihr Gehirn hineingesenkt wurden niederzuschreiben. Jedenfalls begann sie ab Ende 1919 eine Reihe von teils sehr umfangreichen Büchern zu schreiben. Bailey behauptete, dass von ihren insgesamt 25 Werken, 18 von Djwal Khul stammten, zwei schrieb sie mit seiner Hilfe nieder und fünf sollen von ihr selbst verfasst sein. Im August 1934 schrieb sie in der Ich-Perspektive von Dwjal Khul:
„Es genügt zu sagen, dass ich ein tibetischer Adept eines gewissen Grades bin, und das sagt euch wenig, denn alle sind Adepten, vom bescheidensten Anwärter bis zu Christus selbst. Ich lebe in einem physischen Körper wie andere Männer, an den Grenzen Tibets, und manchmal (aus dem exoterischen Standpunkt) habe ich den Vorsitz einer großen Gruppe tibetischer Lamas, wenn meine anderen Pflichten es zulassen. Es ist diese Tatsache, die dazu geführt hat, dass berichtet wurde, dass ich ein Abt dieser besonderen Lamaei bin. Diejenigen, die mit mir in der Arbeit der Hierarchie verbunden sind (und alle wahren Adepten sind in dieser Arbeit verbunden), kennen mich noch unter einem anderen Namen und Büro. Alice Bailey weiß, wer ich bin, und erkennt mich an zwei meiner Namen. Ich bin ein Bruder von euch, der etwas länger auf dem Weg gereist ist als der durchschnittliche Adept und daher größere Verantwortungen entstanden sind. Ich bin einer, der gerungen hat und sich in ein größeres Maß an Licht gekämpft hat, als der Aspirant, der diesen Artikel lesen wird, und ich muss daher als Sender des Lichts fungieren, koste es, was es wolle. Ich bin kein alter Mann, wie es unter den Lehrern heißt, aber ich bin auch nicht jung oder unerfahren. Meine Arbeit ist es, das Wissen der zeitlosen Weisheit zu lehren und zu verbreiten, wo immer ich eine Antwort finden kann, und ich tue dies seit vielen Jahren. Ich versuche auch, dem Meister Morya und dem Meister Koot Hoomi zu helfen, wann immer die Gelegenheit bietet, denn ich bin schon lange mit Them und ihrer Arbeit verbunden. Alles in einem habe ich euch nun viel gesagt; aber gleichzeitig habe ich euch nichts gesagt, was euch dazu führen würde, mir blindem Gehorsam zu leisten und dumme Hingabe anzubieten wie ein Schüler gegenüber seinem Guru und Meister, den er noch nicht erreichen kann. Der wird den gewünschten Kontakt auch solange nicht mehr herstellen, bis des Schülers emotionale Hingabe an den Meister verwandelt wurde zum uneigennützigen Dienst an der Menschheit. Die Bücher, die ich geschrieben habe, werden ohne Erwartungen gesendet. Sie können für euch wahr und hilfreich sein. Es liegt an euch, deren höhere Wahrheit durch Studium und Praxis der Intuition mystisch zu erkennen.“Bailey, Alice. A (1944). Discipleship in The New Age vol.1. Lucis Trust. S. vii. In einigen Schriften wurde sein Name weggelassen und er wurde mit der Abkürzung „Master D. K.“ bezeichnet. oder die Bezeichnung „Der Tibeter“.Neff, Mary K. (2003). Brothers of Madame Blavatsky. Kessinger Publishing. S. 31, 46–47, ISBN 0-7661-5782-2.Guenon, Rene (2004). Theosophy: History of a Pseudo-Religion. Translated by Alvin Moore Jr.; Cecil Bethell. Sophia Perennis. S. 41–42, ISBN 0-900588-80-2.Mackay, Alex, The History of Tibet. Routledge University Press, 2003, S. 714Bailey, Alice A. Esoteric Healing, Lucis Trust. 1951. S. 714 Seit 1924 erscheinen ihre Werke in der eigenen Lucis Publishing Company.
Wirken Dwjal Khul wird oft als aufgestiegener Meister der Weisheit und spiritueller Lehrer beschrieben, dessen Ziel es ist, das Bewusstsein der Menschheit zu erheben und dessen spirituelle Evolution zu fördern. Sein Wirken konzentrierte sich auf die Vermittlung tiefer esoterischer Lehren, die Themen wie Meditation, kosmische Hierarchien, die Natur der Seele und die Evolution des menschlichen Bewusstseins vom Körperbewusstsein übers Image-Bewusstsein (Pseudo-Selbstbewusstsein) und wahre Selbst-/Seelenbewusstsein hinauf ins vollkommene Bewusstsein kosmischer Allverwobenheit umfassen. Er wird als ein Meister der Weisheit angesehen, der mit anderen spirituellen Meistern zusammenarbeitet, darunter der bekannte Meister Kuthumi und der Meister Morya.