Ein Ovarialtumor oder Eierstocktumor ist ein Tumor des Eierstockes. Man unterscheidet epitheliale Tumoren, Keimstrangtumoren, Keimzelltumoren und metastatische Tumoren anderer Organe. Es gibt gutartige Tumoren, bösartige Tumoren und Mischformen. In Deutschland wurden im Jahr 2023 7040 Neuerkrankungen (1/4 aller weiblichen Genitalkarzinome) und 5203 Sterbefälle (1/2 der weiblichen Genitalkarzinome) wegen Ovarialtumoren registriert Maligne Eierstockstumoren (Blastome) sind von den Ovarialzysten abzugrenzen. Charakteristische frühzeitige Krankheitshinweise maligner Ovarialtumoren sind nicht vorhanden.Pschyrembel online In der Tiermedizin kommen Eierstocktumoren vor allem bei der Kuh und der Hündin vor, etwas seltener bei Stute und Kätzin.

Klassifikation In der 2020 aktualisierte WHO-Klassifikation der Tumoren der weiblichen Reproduktionsorgane wurde die Einteilung aufgrund molekularbiologischer Erkenntnisse grundlegend verändert. Epitheliale Tumoren: am häufigsten, weitere Einzelheiten in Ovarialkarzinom high-grade seröse Karzinome: Vorläufer in den Tuben, Ausbreitung auf Ovar und Peritoneum low-grade seröse Karzinome muzinöse Karzinome: Tumorzellen Schleimbildung vom gastralen oder intestinalen Typ Endometrioides und Klarzellkarzinom: zum Teil mit Endometriose assoziiert Undifferenziertes Ovarialkarzinom Maligner Brennertumor: Ähnlichkeit mit Urothelkarzinom Karzinosarkom, Müllerscher Mischtumor: Herkunft aus den embryonalen Müllerschen Gängen Keimstrangtumoren: stammen aus dem Bindegewebe des Ovars, zum Beispiel Granulosazelltumoren, teilweise hormonbildend Keimzelltumoren: stammen von Eizellen ab, zum Beispiel Teratom Borderline-Tumoren sind epitheliale Tumoren, deren Malignität nicht eindeutig bestimmbar ist.

Ältere Einteilungen sind auch noch gebräuchlich:Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 266., aktualisierte Auflage, de Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-033997-0R. E. Scully: Classification of human ovarian tumors. In: Environmental health perspectives. Band 73, August 1987, S. 15–25, doi:10.1289/ehp.877315, PMID 3665859, .Viamedici Primär epitheliale Tumoren, 65–70 %, innerhalb des Ovars, oft mit gutartigen Zysten: serös, muzinos, endometrioide und klarzellige; auch potentiell bösartige wie Kystadenom und Brenner-Tumor; und bösartige wie Kystadenokarzinom und undifferenzierte Ovarialkarzinome Primär mesenchymale Tumoren: Ovarialfibrom und Mischtumoren wie Adenofibrom Gemischte epithelial-mesenchymale Tumoren: Adenosarkom Keimstrangtumoren, etwa 8 %, meist gutartig wie Ovarialfibrom, Fibrothekom, Stromatumoren, häufig Hormone produzierend wie Granulosazelltumor, Thekazelltumor, Androblastom, Sertoli-Leydig-Zelltumor, Gynandroblastom, Leydigzelltumor, Steroidzelltumor Keimzelltumoren, 25 %, von den Oozyten: Dysgerminom (häufigster maligner Keimzelltumor), Gynandroblastom, embryonale Tumoren wie Teratom, Dermoidzysten, Struma ovarii, Embryonalkarzinom, Polyembryom, extraembryonale Tumoren wie Endodermaler Sinustumor, malignes Chorionepitheliom, Chorionkarzinom, Gonadoblastom

Differntialdiagnose Zysten Zysten des weiblichen Ovars sind sehr häufig und müssen klinisch von bösartigen Tumoren abgegrenz werden. Polyzystische Ovarien (PCO) bestehen bei 10–13 % aller Frauen im reproduktiven Lebensalter.

Metastasen Sekundäre Tumoren (Metastasen) bilden etwa 5–10 % der Eierstockstumoren. Die häufigsten Primärtumoren sind Mammakarzinome, Gastrointestinale Tumoren (Krukenberg-Tumor) und das Endometriumkarzinom. Der sogenannte Kruckenberg-Tumor des Ovars wird gelegentlich vor dem Primärtumor im Magen entdeckt. Typisch sind schleimbildende Siegelringzellen.

Tiermedizin Beim Haushund sind etwa 60 % der Ovarialtumoren epithelialer Herkunft und 27 % Keimstrangtumoren.

Syndrome mit Ovarialtumoren Bei einigen Syndromen können Ovarialtumoren ein wesentliches Merkmal sein: Meigs-Syndrom Pseudo-Meigs-Syndrom Atypisches Meigs-Syndrom MULIBREY-Kleinwuchs

Literatur Amal Yaseen Zaman, Ali alhibshi: Retrospective Study of Ovarian Tumor Incidence and Histopathological Patterns in Maternity and Children Hospital at Al Madinah Al Munawara, Saudi Arabia. In: Authorea. 2022 doi:10.22541/au.166356741.18748540/v1. K. P. Shanbhogue, A. S. Prasad, F. E. Ucisik-Keser, V. S. Katabathina, A. C. Morani: Hereditary ovarian tumour syndromes: current update on genetics and imaging. In: Clinical radiology. Band 76, Nummer 4, April 2021, S. 313.e15–313.e26, doi:10.1016/j.crad.2020.11.116, PMID 33353730 (Review).

Einzelnachweise

Kategorie:Krankheitsbild in Gynäkologie und Geburtshilfe Kategorie:Gutartige Tumorbildung Kategorie:Erkrankung des Eierstocks Kategorie:Buiatrik Kategorie:Hundekrankheit