Die Conditorei Kreutzkamm ist eine Konditorei in Deutschland, die 1825 in Dresden eröffnet wurde. Dort bestand sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Seit 1950 ist sie in München ansässig. Im Jahr 1991 kehrte die Conditorei Kreutzkamm mit einem Café wieder an den Dresdner Altmarkt zurück. Das Familienunternehmen wird in fünfter Generation geführt.
Geschichte
Gründung 1825 und Dresdner Zeit bis 1945
Frühe Jahre auf der Moritzstraße mini|hochkant|links|Gründer Heinrich Jeremias Kreutzkamm mini|EG links Conditorei Kreutzkamm, Moritzstraße 7 Der Gründer der Conditorei Kreutzkamm, Heinrich Jeremias Kreutzkamm (1799–1850), wurde in Quedlinburg geboren und absolvierte eine Ausbildung zum Brot- und Feinbäcker. Im Alter von 25 Jahren kam er nach Dresden, wo er am 16. März 1825 um Erteilung des Bürgerrechts mit einer Konzession zum Betrieb eines Konditorei-Geschäfts bat,Die Chronik des Hauses Kreutzkamm, nacherzählt von Fritz Kreutzkamm. In: Dresdner Monatsblätter, 26, 1975, S. 297. die er am 30. September 1825 erhielt. Am 17. Oktober 1825 gab er in den Dresdner Anzeigen die Eröffnung seines Konditorei-Geschäftes in der Moritzstraße 751 unweit des Dresdner Neumarkts bekannt.Anzeige. In: Dresdner Anzeigen, 17. Oktober 1825, Spalte 1935; Adressbücher z. B. 1837 verorten Kreutzkamm jedoch auf der Moritzstraße 750, während Nr. 751 das Haus Stadt Frankfurt ist. Angeboten wurden in den ersten Jahren unter anderem „französische Bonbons, so wie auch das beliebte Weihnachts-Confect und weiße Nürnberger Lebkuchen“.Anzeige von J. H. Kreutzkamm. In: Dresdner Anzeigen, 15. Dezember 1826, Spalte 2563. Spätere Anzeigen für sein Gewölbe in der Moritzstraße 762 gegenüber der KonditoreiHandels- und Gewerb-Nachrichten. In: Dresdner Anzeiger , 10. April 1834, S. 4. warben für „Gefrorenes jeder Art“Anzeige von Heinrich Kreutzkamm in: Dresdner Anzeiger, 5. Juni 1832, S. 3. sowie zur Weihnachtszeit für „Confect zum Verschönern der Christbäume“ und eingeweckte Früchte.Anzeige von J. H. Kreutzkamm in: Dresdner Anzeiger, 14. Dezember 1836, S. 4. Neben der Konditorei führte Kreutzkamm ab 1838 kurzzeitig eine „Restauration im Bahnhofe“Restauration im Bahnhofe. In: Dresdner Anzeiger, 6. April 1839, S. 7. der neuen Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie. Das Eisenbahnlokal entwickelte sich jedoch nicht nach seinen Vorstellungen, zumal in der Bevölkerung Befürchtungen aufkamen, dass Kreutzkamm durch den Parallelbetrieb die Konditorei vernachlässigen könnte.Bekanntmachung. In: Dresdner Anzeiger, 26. Mai 1839, S. 3.
Um 1839 wurde die Moritzstraße neu nummeriert und das Gebäude erhielt nun die Anschrift Moritzstraße 7 (Katasternummer 209).Zeitgenössische Anzeigen sowie Adressbücher verorten Kreutzkamms Conditorei auf der Moritzstraße 7. Adreß-Handbuch für die Stadt Dresden auf das Jahr 1849. Verlag des Königl. Sächs. Adreß-Comptoirs in Dresden, Dresden 1848, S. 213. In der von Max Kreutzkamm geschriebenen Chronik anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Conditorei verortet er das Geschäft falsch auf der Moritzstraße 9. Bis in die 1840er-Jahre wurde das Geschäft als reine Konditorei betrieben. Heinrich Jeremias Kreutzkamms Gesuch an den Rat der Stadt Dresden, ein Café eröffnen zu dürfen, wurde zunächst „aus Mangel an Bedürfnis“Die Chronik des Hauses Kreutzkamm, nacherzählt von Fritz Kreutzkamm. In: Dresdner Monatsblätter, 26, 1975, S. 298. abgelehnt; erst am 4. Oktober 1848 erhielt er eine Konzession für eine „Restauration mit Conditorei“.
Am 3. Mai 1849 begann der Dresdner Maiaufstand mit Barrikadenkämpfen direkt am Neumarkt. Die Konditorei war gezwungen, den Betrieb zu schließen. Nur die Bäckerei arbeitete auf Befehl des Direktoriums weiter und produzierte Brot und Brötchen.Karl Großmann: Aus der Geschichte alter Dresdner Firmen – Die Konditorei Kreutzkamm. In: Dresdner Kunstbuch 1928. Jahrbuch zur Förderung der Kunstpflege. Verlag Wolfgang Jess, Dresden 1928, S. 79. Nach dem Tod von Heinrich Jeremias Kreutzkamm übernahm 1850 sein einziger Sohn Heinrich Julius Kreutzkamm (1826–1914) die Konditorei. Unter seiner Leitung wurden das Haus und die Konditoreiwaren stadtbekannt.Die Chronik des Hauses Kreutzkamm, nacherzählt von Fritz Kreutzkamm. In: Dresdner Monatsblätter, 26, 1975, S. 299. Besonders zur Weihnachtszeit zog die Conditorei Kreutzkamm mit ihrer „Ausstellung“ von Weihnachtskonfekt Besucher an und wurde in einem Atemzug mit Ausstellungen von Jordan & Timaeus und Petzold & Aulhorn genannt.Weihnachts-Wanderungen. In: Dresdner Journal, 23. Dezember 1860, S. 1. Geworben wurde unter anderem für „Marzipan, franz. Bonbons und Bonbonnièren“.Anzeige. In: Dresdner Anzeiger, 19. Dezember 1864, S. 8.
Aufstieg zum Hofkonditor und Stammhaus am Altmarkt Im April 1867 wurde Heinrich Julius Kreutzkamm zum Hofkonditor von Kronprinz Albert von Sachsen und Prinz Georg, Herzog zu Sachsen ernannt.Dresdner Nachrichten, 30. April 1867, S. 1; Dresdner Journal, 1. Mai 1867, S. 1. Im Dezember 1873 folgte die Ernennung zum „Königlichen Hofkonditor“ durch König Albert von Sachsen.Amtlicher Theil. In: Dresdner Journal. 13. Dezember 1873, S. 1.
Heinrich Julius Kreutzkamm hatte mehrfach versucht, einen neuen Standort für Café und Konditorei in besserer Lage zu finden. Der Umzug in das ehemalige Wachthaus am Wilsdruffer Platz 871 (Postplatz) im Jahr 1850 mit Eröffnung des Café de Paris führte trotz belebterer Lage zu keiner zufriedenstellenden Absatzsteigerung; bereits Ostern 1852 hatte das Café mit Robert Pflaumer, unter anderem Betreiber des Polnischen Brauhauses, einen neuen Inhaber gefunden.Adreßbuch der Haupt- und Residenzstadt Dresden 1852. Verlag des Königl.-Sächs. Adreß-Comptoirs in Dresden. 1852, S. 320. Das Geschäft in der Moritzstraße 7 wurde weitergeführt. Ab Ostern 1872 befand sich die Conditorei Kreutzkamm in der Badergasse 3.Adreß- und Geschäfts-Handbuch der königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden 1872. E. am Endes Buchhandlung, Dresden 1872, S. 22.Vgl. Anzeige von Heinrich Julius Kreutzkamm in Dresdner Journal, 10. Oktober 1878, S. 4.Karl Großmann: Aus der Geschichte alter Dresdner Firmen – Die Konditorei Kreutzkamm. In: Dresdner Kunstbuch 1928. Jahrbuch zur Förderung der Kunstpflege. Verlag Wolfgang Jess, Dresden 1928, S. 80. Heinrich Julius Kreutzkamm bekam mit Genehmigung des Königs eine günstige Hypothek des Königlichen Rentamtes. So konnte er ein Haus am Dresdner Altmarkt kaufen, das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet worden war. Für den Neubetrieb ließ er die Räumlichkeiten umbauen und gab im Oktober 1878 die Eröffnung der Konditorei im „vortheilhaftest ausgebauten und comfortabel eingerichteten Parterre des Hauses Altmarkt 23“Dresdner Nachrichten vom 10. October. In: Dresdner Journal, 11. Oktober 1878, S. 3. (spätere Nr. 14) bekannt. Mit dem Umzug in die Räume am Altmarkt „begann der Aufstieg des Unternehmens“;Hundert Jahre Konditorei Kreutzkamm. In: Riesaer Tageblatt und Anzeiger, 13. Oktober 1925, S. 3. das Gebäude wurde zum Stammhaus des Betriebes.
Heinrich Julius Kreutzkamm führte das Geschäft bis 1890; im selben Jahr ernannte ihn die Konditoren-Innung Dresden für seine Verdienste um das Konditorei-Handwerk zum Ehrenobermeister. Er übergab die Geschäfte an seinen Sohn Max Kreutzkamm (1855–1926), der das Unternehmen ab 1891 in dritter Generation führte; seine Frau Margarethe, geb. Markert (1871–1948), kümmerte sich um die interne Führung des Betriebes.Amuse-Gueule (Einleitung). In: Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller (Hrsg.), Martin Fraas (Verfasser): Das Original Kreutzkamm Backbuch. Callwey, München 2024, S. 18. Die Konditorei, die Arbeits- und Wirtschaftsräume wurden der Zeit entsprechend modernisiert; die Arbeiten übernahm der Dresdner Architekt Carl Gustav Baumgärtel. Unter anderem erhielten die Wände „blaßrothe[n] Seidenstoff […], der sich dem Auge in einzelnen Feldern mit Onix- und Messingumrahmungen präsentirt, während die Geschäfte durchgehends feine Spiegelbekleidung aufweisen. Geschmackvolle Deckenkronen und Wandarme überfluthen den großen Verkaufsraum mit elektrischem Licht.“Dresdner Nachrichten, 28. November 1900, S. 2. Bis Ende 1904 wurde das Café am Altmarkt durch die Hinzunahme des ersten Stocks erweitert, wo ein Salon für bis zu 100 Gäste entstand.Örtliches. In: Dresdner Journal, 29. Oktober 1904, S. 5. Die neuen Räume verfügten neben elektrischem Licht auch über einen Aufzug und eine Zentralheizung. Zeitgenossen lobten die Grundsanierung des Hauses, so sei „hier etwas geschaffen worden, was für die Stadt Dresden eine Zierde bedeutet“, „das Ganze […] atmet Behagen, reichen Komfort, und ruft jene anheimelnde Stimmung hervor, der man sich bei echtem Kaffee und tadellosem Gebäck so gern für eine flüchtige Erholung überläßt.“Dresdner Nachrichten, 30. Oktober 1904, S. 9. Beim Umbau entdeckte Deckenmalereien aus dem 16. Jahrhundert wurden gesichert und durch Max Kreutzkamm 1904 Oskar Seyfferts Museum des Vereins für sächsische Volkskunde als Schenkung überlassen.Dresdner Journal, 30. August 1904, S. 2. Zum Zeitpunkt des 75-jährigen Geschäftsjubiläums waren Conditorei und Café Kreutzkamm „weit über Dresdens und Sachsens Grenze hinaus bekannt“.Dresdner Nachrichten, 1. Januar 1916, S. 11.
Auch Max Kreutzkamm wurde zum „Königlichen Hoflieferanten“ ernannt – 1891 von König AlbertDresdner Journal, 5. März 1891, S. 1. und Prinz Georg,Dresdner Journal, 11. März 1891, S. 1. 1906 von König Alberts Witwe Carola von Sachsen,Dresdner Journal, 19. September 1906, S. 3. 1916 von Prinz Johann GeorgSächsische Staatszeitung, Beilage, 14. März 1816, S. 5. und von König Friedrich August III.Die Chronik des Hauses Kreutzkamm, nacherzählt von Fritz Kreutzkamm. In: Dresdner Monatsblätter, 26, 1975, S. 301. – und wurde Ehrenobermeister der Konditoren-Innung Dresden. Max Kreutzkamm gehörte 1875 zu den Initiatoren der Dresdner Hütte im Stubaital, in der sich seit den 1960er-Jahren auch eine „Kreutzkamm-Stube“ befindet.Birgit Hilbig: Bergsteigender Konditor. Auf der Dresdner Hütte wurde die neue Kreutzkamm-Stube eingeweiht. In: Mitteilungen der Sektion Dresden des DAV e. V. Nr. 13 (Januar 2006), S. 7.
Der Erste Weltkrieg und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Engpässe stellten auch die Conditorei Kreutzkamm vor große Herausforderungen, unter anderem, da zahlreiche Mitarbeiter zum Kriegsdienst einberufen wurden.Die Chronik des Hauses Kreutzkamm, nacherzählt von Fritz Kreutzkamm. In: Dresdner Monatsblätter, 26, 1975, S. 304. Zudem führte akuter Rohstoffmangel dazu, dass viele Zutaten durch „Ersatzstoffe“ ersetzt werden mussten, zum Beispiel Bohnenkaffee durch Kaffee-Ersatz und Zucker durch Saccharin. Im Oktober 1925 beging die Conditorei Kreutzkamm ihr hundertjähriges Geschäftsjubiläum. Zu dieser Zeit nahm sie laut Zeitgenossen „einen führenden Platz unter den Konditoreien [Deutschlands]“ ein.