Für Köln! Der Hooligan-Kodex ist ein 2022 erschienenes, weitgehend autobiografisches Buch des Kölner Fußball-Hooligans Biniak. Der Autor thematisiert sein Leben als Fußballgewalttäter, von seinen Anfängen als Teenager, seiner Einführung in die Kölner Halbwelt bis zu seinem Heranreifen als Rädelsführer im Anhang des 1. FC Köln und letztlich seinem Ausstieg aus den gewalttätigen Gruppen.
Inhalt In insgesamt zwölf Kapiteln sowie einem Prolog und einem Epilog schildert der Autor Schlüsselerlebnisse aus seiner Vergangenheit. Dabei beschränkt er sich nicht auf allein fußballerische bzw. gewalttätige Ereignisse, sondern bemüht sich um eine Einordnung der Fanszene des 1. FC Köln in einen größeren lokalpatriotischen Zusammenhang. Diverse Textpassagen sind auf Kölsch verfasst.
Weitgehend als Ich-Erzähler schildert Biniak sein Aufwachsen in Köln, seinen ersten Bewährungsproben in der kriminellen Unterwelt Kölns und schließlich seine Aufnahme in die Führungsriege der Cologne Street Fighters, der maßgeblichen gewaltbereiten Gruppierung innerhalb der Kölner Hooligans. Aus der Perspektive des autobiografischen Erzählers erlebt der Leser die Wegpunkte seiner Entwicklung vom Heranwachsenden bis hin zum Familienvater sowie den letztlich schwierigen Prozess der Loslösung vom Fußball und seinem Umfeld.
Der Text wird ergänzt durch Zitate aus philosophischen Quellen (Camus), aus der Politik (Adenauer, Kissinger), der Literatur (George Orwell), der Kriegskunst und der Populärkultur (Bläck Fööss, Willi Ostermann). In Exkursen werden das Müngersdorfer Stadion gewürdigt, Anführer gegnerischer Hooligan-Gruppen kommen zu Wort und der Fananwalt der FC-Anhängerschaft wird vorgestellt.
Kapitelthemen Mit dem Prolog Ackermatch. Die Besten im Westen geht der Autor gleich in medias res. „Ackermatches“ sind die verabredeten, also organisierten Treffen rivalisierender Hooligan-Gruppen meist fernab der Innenstädte und Sportstätten irgendwo an der Peripherie. Durch die enge polizeiliche Überwachung von Fußballspielen und den An- und Abreisewegen an Spieltagen ist ein gewalttätiger Kontakt zwischen den jeweiligen Gruppen kaum sanktionslos möglich. So treffen sie sich stattdessen nach vorheriger Absprache mit großer zeitlicher und räumlicher Distanz zum Fußballgeschehen, um dann ohne Intervention durch Dritte oder Gefährdung Unbeteiligter in kurzen, überaus heftigen Schlägereien auf „Feld, Wald und Wiese - nach ungeschriebenen, aber in der Szene festverwurzelten Gesetzen“, aufeinander loszugehen.
Biniak schildert pars pro toto ein solches Treffen mit dem harten Kern von Eintracht Frankfurt. Die Frankfurter Hools gehen aus diesem Ackermatch als Sieger hervor, aber der Autor bedankt sich im Nachgang: „Ohne Hass, nur Sport. Danke! Frankfurt – Daumen hoch!“ Dem Verständnis der vom Fußballanlass losgelösten Prügeltreffen als sportliche Faustkämpfe wird in der Folgezeit immer wieder Ausdruck verliehen.
Kapitel 1 (Das heilige Köln) hat im Gesamttext eine Sonderstellung; der Schriftsteller als Autobiograf tritt zurück zugunsten einer eher analytisch-historischen Betrachtung seiner Heimatstadt, die erkennbar den Zweck hat, Köln als bedeutende Siedlung und Stadt hervorzuheben und den Lokalpatriotismus der Kölner zu erklären. Diese historisierende Herangehensweise wird im nächsten Kapitel beibehalten, in dem es um die frühen Fanklubs und organisierten Anhänger des 1. FC Köln in den Siebzigerjahren geht. Das Werk spannt den Bogen aller Stadiongenerationen von Kuttenfans, Fußballrockern, Hooligans bis zu den heutigen, in den Stadien dominierenden „Ultras“.
In den Kapiteln Das Kreuz mit Bayer, Glück auf! sowie Die Macht im Rheinland werden Erlebnisse mit den maßgeblichen Rivalen der FC-Fans im Großraum Rhein-Ruhr geschildert: Spiele gegen Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf sowie Schalke 04 und die mit diesen Partien einhergehenden Treffen der Anhängerschaften. Der Autor macht deutlich, dass solche Derbies vielfach eine eigene Historie entwickelt haben, die im gemeinschaftlichen Gedächtnis der Fans über Jahrzehnte fortbestehen.
Nach einem Exkurs in die ostdeutsche Fußballszene in der Nachwendezeit (Der wilde Osten) widmet sich Biniak dann seinen Fahrten mit der deutschen Nationalmannschaft. Die Ereignisse kulminieren schließlich in der schweren Verletzung des französischen Polizisten Daniel Nivel bei der Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich. Der Autor reist, über zwanzig Jahre nach dem Ereignis, nochmals an den Ort des Geschehens, um für den dauerhaft behinderten Nivel zu beten.
Im Kapitel letzten Kapitel, Biniak, erfährt der Leser umfassend, mit wem er es zu tun hat. Der Autor bezeichnet sich als „kölsche Jung“, der frühzeitig seine Eltern verliert, in Frau und Tochter jedoch den Rückhalt findet, der es ihm ermöglicht, neue Lebensziele für sich zu erkennen und sich von den Gewalttaten des Fußballumfelds zu distanzieren.
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Weblinks Buchbesprechung bei Faszination Fankurve Rezension bei Verliebt in Köln Buchdiskussion bei turus.net Audible-Hörbuchversion sowie in Neuauflage mit dem Titel Abseits der Spiele
Einzelnachweise
Kategorie:Hooliganismus Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:1. FC Köln Kategorie:Literatur (Deutschland)