Der Abri Grande Rivoire ist eine archäologische Stätte im Weiler Rivoire de la Lady, an den Nordhängen des Vercors-Massivs in Sassenage, im Großraum Grenoble im Département Isère in Frankreich. Die in den Nordalpen einzigartige Stätte zeichnet sich durch die Qualität und Quantität der archäologischen Funde aus. Die Ausgrabungen sollen 2024 enden.

Entdeckung Der 1986 entdeckte Abri wurde 2000 vom Département Isère erworben um ihn zu schützen und archäologische Grabungen zu ermöglichen. Im Rahmen der mehrjähriger Ausgrabungen arbeiten Teams aus Archäologen und Freiwilligen um die über fünf Meter dicke Sedimentfüllung aufzudecken, die reich an Funden von der Mittelsteinzeit (ca. 8000 v. Chr.) bis zum Ende des Neolithikums (um 2200 v. Chr.) Die Sektoren wurden auf einer Fläche von etwa 33 m² durchsucht. Die unteren Ebenen weisen keine Keramik auf und stehen mit der Jagd in Zusammenhang. Die tiefsten Schichten, in denen keine menschlichen Spuren gefunden wurden, stammen von 8500 v. Chr.

In den nächstältesten Schichten zeugen reichhaltiges archäologisches Material und Herdreste davon, dass mesolithische Jäger und Sammler den Abri mehrfach nutzten. Zu den Feuersteinwerkzeugen gehören Klingen, mit denen kleine geometrische Pfeilspitzen hergestellt wurden. Knochenreste: (Biber, Gämsen, Hirsche, Rehe, Schildkröten, Steinböcke und Wildschweine) weisen auf eine optimale Biotopnutzung hin.

Aufbau Ab 5000 v. Chr. entwickelte sich am Abri das Neolithikum, das agrar-pastorale Spuren aufweist. Die Schichten werden auf 5000–4500 v. Chr. datiert Chr. Es finden sich zahlreiche Feuerstellen, Überreste von Haus- und Wildtieren sowie Gegenstände mit südlicher Affinität, wie furchenverzierte Keramik, dreieckige Pfeilspitzen und Mahlsteine aus Granit. Im Mittel- und Endneolithikum, (zwischen 4500 und 2200 v. Chr.) weist der Fundort mit einer Mächtigkeit von mehr als einem Meter Stallmist auf. Er wurde in Abständen, wahrscheinlich aus hygienischen Gründen, verbunden mit dem Bedürfnis, das Volumen zu reduzieren, verbrannt. Das Ergebnis ist ein Wechsel von feinen Ascheschichten und organischen Schichten, der von der auf Schafe und Ziegen ausgerichteten Tierhaltung zeugt. In den Mist gelangtes archäologische Material wird dadurch häufig verbrannt. Es umfasst Keramik sowie Werkzeuge aus Feuerstein, Knochen und geschliffenem Stein.

Die Schichten der Bronze- (2200–800 v. Chr.) und Eisenzeit (800–50 v. Chr.) zeigen zahlreiche Feuerstellen, teilweise gefüllt mit Heizsteinen, sowie Keramik-, Knochen-, Metall- und Steinresten. Achtbar für die Endbronzezeit ist die Auffindung einer vermutlich aus Norditalien importierten blauen Glasperle. Am Ende der Eisenzeit bilden karbonisierte Schalen, die ersten Belege fÜr „Grenoble-Walnüsse“ (Juglans regia).

Seltene Häuser und wenige Gegenstände zeugen von der eher sporadischen menschlichen Anwesenheit während der historischen Epochen. Eine galloromanische Besitznahme hebt sich durch die Existenz einer großen Verbrennungsstruktur aus großen Kalksteinblöcken deutlich von anderen ab. Das damit verbundene Material umfasst Keramik, grob oder signiert, die dem 1. Jahrhundert n. Chr. zugeschrieben wird, sowie Eisennägel.

Die vom Wildbach Furon durchflossenen Cuves de Sassenage zu denen die 1953 wurde in Engins entdeckte Kluft Gouffre Berger gilt mit etwa 1000 m als tiefste Schachthöhle der Welt.

Literatur Pierre-Yves Nicod: Le pastoralisme néolithique révélé par des "fumiers" de bergerie : l’exemple de la Grande Rivoire In: Vercors, terre de préhistoire. éditions Glénat, Grenoble 2013, S. 157–158. Pierre-Yves Nicod, Régis Picavet: La Grande Rivoire à Sassenage (Isère) : derniers chasseurs et premiers pasteurs aux portes du Vercors In: Vercors, terre de préhistoire. éditions Glénat, Grenoble 2013, S. 168–171.

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Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Auvergne-Rhône-Alpes Kategorie:Erdwerk Kategorie:Département Isère