Ein Tuboovarialabszess (TOA) ist eine Form einer Unterleibsentzündung, auch als Beckenentzündung () bezeichnet, ein Sammelbegriff in der Gynäkologie für infektionsbedingte Entzündungen im Unterbauch. Es liegt eine umschriebene Eiteransammlung vor, die sowohl den Ovar als auch die Tube umfasst. Es handelt sich um ein ernste Erkrankung mit starken Schmerzen, Fieber bis zur Sepsis.

Die Behandlung erfolgt meist durch Kombination von Antibiotika und Operation.Pschyrembel online Bei einer seltenen Ruptur kann eine diffuse Peritonitis entstehen mit Septischem Schock und der Notwendigkeit einer Notfall-OP.Udo B. Hoyme: Tuboovarialabszess, Pelveoperitonitis und septischer Schock. In: Der Gynäkologe, 2002, Band 35, Nummer 4, S. 353–362 doi:10.1007/s00129-002-1172-x.Kristi A Tough DeSapri: Pelvic Inflammatory Disease. 1. Mai 2024; emedicine.medscape.com

Verbreitung Bei etwa 15 % der Frauen mit einer akuten oder chronischen Salpingitis entwickelt sich ein TOA, bei später oder unvollständiger Behandlung häufiger.O. Goje: Entzündliche Beckenerkrankung (pelvic inflammatory disease, PID). März 2023; MSD Manual.

Generell kann eine Unterleibsentzündung (PID) zu einem solchen Abszess auch zu einer Peritonitis bis hin zum Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom führen.

Meist handelt es sich um Frauen im gebärfähigen Alter, bevorzugt nach einer Infektion des oberen Genitaltraktes, seltener auch als Komplikation nach einer Hysterektomie.Norah Kairys, Clare Roepke: Tubo-Ovarian Abscess. In: StatPearls. ncbi.nlm.nih.gov, 2024.

Nicht so selten kommt es zu einem TOA bei Verwendung eines Intrauterinpessars.A. Maričić, M. Valenčić, S. Rupčić et al.: Tuboovarialabszess mit massivem Befall der Bauchdecken – Tubo-ovarian Abscess with Massive Invasion of the Abdominal Wall. In: Aktuelle Urologie, 2000, Band 31, Nummer 5, S. 317–319; doi:10.1055/s-2000-8988.

Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Schmerzen Fieber Peritonismus Leukozytose eventuell tastbare Resistenz im Bereich der Adnexe Bei einer Abszessruptur kann sich unter rascher Verschlechterung ein septischer Schock entwickeln.C. C. Chia, S. C. Huang: Ruptured tubo-ovarian abscess in a postmenopausal woman presenting with septic shock: a case report and literature review. In: Taiwanese journal of obstetrics & gynecology, März 2006, Band 45, Nummer 1, S. 89–91; doi:10.1016/s1028-4559(09)60202-3, PMID 17272220 (Review).

Differentialdiagnostik Abzugrenzen ist ein Tuboovarialkomplex, eine infizierte und entzündete Adnexe mit Ödemen und Wandverklebungen, aber ohne Abszesswand, weiterhin Appendizitis, Cholezystitis, Nierensteine, Leistenbruch, Obturatorhernie oder Darmverschluss.

Therapie Die Behandlung erfolgt je nach Ausprägung der Befunde durch Antibiotikagabe und/oder durch Drainage. Bei Rupturverdacht ist ein sofortiger operativer Eingriff indiziert.

Literatur H. Cubro, V. Cengic, N. Burina, Z. Kravic, E. Beciragic, S. Vranic: Mucocele of the appendix presenting as an exacerbated chronic tubo-ovarian abscess: A case report and comprehensive review of the literature. In: Medicine, September 2019, Band 98, Nummer 39, S. e17149; doi:10.1097/MD.0000000000017149, PMID 31574819, (Review). A. Rempen: Chronischer Tuboovarialabszess mit Vaginalfistel nach vaginaler Hysterektomie: Kombinierte laparoskopisch-vaginale Therapie. In: Gynäkologisch-geburtshilfliche Rundschau, 1995, Band 35, Nummer 4, S. 226–228; doi:10.1159/000272526, PMID 8646007. N. G. Osborne: Tubo-ovarian abscess: pathogenesis and management. In: Journal of the National Medical Association, Oktober 1986, Band 78, Nummer 10, S. 937–951; PMID 3537321, (Review).

Einzelnachweise

Kategorie:Reproduktionsmedizin Kategorie:Krankheitsbild in Gynäkologie und Geburtshilfe Kategorie:Krankheitsbild in der Viszeralchirurgie