mini|300px|Signatur Lorenzo Lottos von 1521 auf dem Bild Christus nimmt Abschied von seiner Mutter, Gemäldegalerie, Berlin
Lorenzo Lotto (* 1480 in Venedig; † vor Juli 1557 in Loreto) war ein bedeutender italienischer Maler der Hochrenaissance und des frühen Manierismus.
Leben mini|Thronende Madonna mit Kind und Heiligen (Pala di San Bernardino), 287 × 268 cm, San Bernardino in Pignolo, Bergamo, 1521 Über Lorenzo Lottos Jugend und Ausbildung ist nichts bekannt.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 11 und 30 Sein Vater hieß Tommaso Lotto.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 29 Vor allem in seinen frühen Werken zeigt sich Lorenzo beeinflusst von der Malerei Giovanni Bellinis (1430–1516), und auch von Albrecht Dürer, der 1494–95 und 1505 in Venedig weilte, und von dem er wahrscheinlich mehr als nur Stiche kannte.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 11, 30 (Bellini, Vivarini) und S. 35–36 (Dürer)
Das erste bekannte Dokument, in dem Lottos Name genannt wird, stammt vom 10. Juni 1503, als er in Treviso im Veneto seinen Wohnsitz hatte.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 30 f Sein wichtigster Mäzen in dieser Stadt war der Bischof Bernardo de’ Rossi, von dem er 1505 auch ein bedeutendes Porträt malte.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 31–34 Er hatte sich bereits einen hervorragenden Ruf erarbeitet und wurde in einem Dokument von 1505 als „pictor celeberrimus“ (sehr berühmter Maler) bezeichnet.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 31 Über de’ Rossi bekam Lotto seinen ersten öffentlichen Auftrag, die Pala di Santa Cristina für den Hauptaltar der Gemeindekirche des gleichnamigen Ortes bei Treviso.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 34 und 76
1506 ging der Maler nach Recanati in den Marken, um für die Kirche San Domenico ein großes Polyptychon zu schaffen, das er zwei Jahre später vollendete (heute in der Pinacoteca Civica, Recanati).Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 36
1509 war er nachweislich in Rom, wo er gemeinsam mit Sodoma und Bramantino wahrscheinlich an den Dekorationen des päpstlichen Palastes beteiligt war und mit Raffael in Berührung kam, der jedoch nur einen sporadischen Einfluss auf ihn ausübte.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 36 & 39 Davon zeugt u. a. eine mit 1512 datierte Grablegung Christi, die sich heute in Jesi befindet (Pinacoteca Civica).Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 98f
mini|links|Junger Mann am Schreibtisch, 98 × 111 cm, Accademia, Venedig, ca. 1530 Nach einem vermuteten Aufenthalt in den Marken lebte Lotto von 1512 oder 1513 bis Ende 1525 dann in Bergamo.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 14 und 18Lotto, Lorenzo, in: Lexikon der Kunst, Bd. 7, Karl Müller Verlag, Erlangen 1994, S. 324–325, hier: 324 Diese Zeit gilt als eine künstlerisch besonders fruchtbare Phase seines Lebens, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 40 (oben) und 41 Der erste Auftrag, der den Maler wohl überhaupt nach Bergamo zog, war die große Pala Martinengo für den Hauptaltar der Kirche Santi Stefano e Domenico (heute: Santi Bartolomeo e Stefano), die er für Alessandro Martinengo Colleoni malte, einen Sohn des berühmten Condottiere Bartolomeo Colleoni; die Pala ist insgesamt über 5 m hoch.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 39–40 Lotto erfreute sich in der lombardischen Stadt bald großer Beliebtheit als Porträtist und erhielt zahlreiche andere Aufträge, sowohl privater Natur als auch für Kirchen der Stadt. Zu den bedeutendsten gehören die 1521 fertiggestellte Pala für San Bernardino und die Pala di Santo Spirito, die erstaunlich unterschiedlich in Konzeption und Stil sind.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 41 Für Santa Maria Maggiore in Bergamo lieferte Lotto bis 1531 außerdem Entwürfe für Intarsien des Chorgestühls – ein Auftrag, der zu einigen Problemen und schließlich zu einem Zerwürfnis führte, weil er sich unterbezahlt fand.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 44–50
Ende 1525 war Lotto in Venedig, wo er zunächst im Dominikaner-Kloster Santi Giovanni e Paolo wohnte.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 18 und 52 Während seiner venezianischen Jahre hatte er freundschaftlichen Kontakt zu Palma il Vecchio, Jacopo Sansovino und Sebastiano Serlio. Zwischen 1527 und 1529 entstand seine Apotheose des Hl. Nikolaus für die Kirche Santa Maria dei Carmini, die 1557 von Lodovico Dolce wegen Lottos eigensinnigem Gebrauch von Farben und Schatten kritisiert wurde.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 53 und 134 f Unter seinen venezianischen Porträts ragt das 1527 entstandene Bildnis des Andrea Odoni (Royal Collection, Windsor Castle) heraus, das in der Weichheit des Kolorits Lottos Auseinandersetzung mit Tizian, aber auch mit Correggio, zeigt.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 53 und 138 f.
mini|Pala di Santa Lucia (Hl. Lucia vor dem Richter), 243 × 237 cm, Pinacoteca Civica, Jesi, 1532 In Venedig arbeitete Lotto daneben weiterhin für Auftraggeber in Bergamo und in den Marken, unter anderem beendete er 1532 das berühmte und dramatisch bewegte Altarbild der Hl. Lucia vor dem Richter für eine Kapelle in der Kirche San Floriano von Jesi (heute: Pinacoteca Civica, Jesi).Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 52–53 und 146.Obwohl er in Venedig selber nicht sehr erfolgreich war, war er doch in die Kreise seiner Malerkollegen eingebunden: 1531 wurde er zusammen mit Tizian und Bonifazio de’ Pitati von der Zunft in ein zwölfköpfiges Gremium gewählt, das für die Verteilung einer beachtlichen Summe Geld aus dem Nachlass des Vincenzo Catena an mittellose und bedürftige Mitglieder der Zunft verantwortlich war.David Rosand: Die venezianische Malerei im 16. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln 1997, S. 394–457, hier: 410
1533 begab der Künstler sich wieder nach Treviso, und dann in die Marken, wo er wahrscheinlich bis 1539 Aufträge in verschiedenen Städten wahrnahm, darunter eine Kreuzigung für die Kirche Santa Maria in Telusiano in Monte San Giusto. Zu den Meisterwerken dieser Jahre gehören auch die berühmte Verkündigung (Pinacoteca Civica, Recanati), eine Anbetung der Hirten (Pinacoteca Civica, Brescia) und die Hl. Familie mit Engeln (Louvre, Paris).Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 55, 154 f, 156 f, 160 f.
Zwischen 1540 und Oktober 1542 weilte Lotto in Venedig, um das bereits Jahre zuvor bestellte Altarbild Almosen des Hl. Antonino für die Dominikaner in Santi Giovanni e Paolo zu malen.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 56 f. Er wohnte nun bei seinem Cousin Mario d’Armano und dessen Familie, die offenbar mit der Reformation liebäugelten, denn Lotto malte für Mario die Porträts von Martin Luther und Katharina von Bora (wahrscheinlich nach Stichen von Cranach).Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 69 und 71. Lotto hatte erwiesenermaßen auch noch zu anderen Sympathisanten der Reformation Kontakt.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 71. Eine eigene Wohnung konnte er sich nicht leisten, angesichts des uneingeschränkten Erfolgs von Tizian und der mittlerweile in der Lagunenstadt modernen florentinischen Manieristen Salviati und Vasari. Lotto musste sich sogar Geld von Sansovino leihen.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 56. Daher versuchte er von 1542 bis 1545 in Treviso sein Glück, aber mit wenig finanziellem Erfolg.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 58.
mini|Engelsputti mit Rosenblättern, Detail aus der Rosenkranzmadonna, Pinacoteca Civica, Cingoli, 1539 1545 geht er zurück nach Venedig, wo er in den folgenden Jahren ständig den Wohnort wechselte, und wegen zu weniger Aufträge in Melancholie verfällt. In seinem Testament von 1546 bezeichnete er sich als „... allein, ohne einen treuen Herrn und sehr unruhig im Geiste“ („sola, senza fedel governo et molto inquieto dela mente“). In dieser Situation wurde er 1547 von Pietro Aretino in einem offenen Brief gedemütigt, in dem dieser ein Loblied auf Tizian sang, der Lotto „im Malen übertroffen“ habe – allerdings sah Aretino Lotto bei religiösen Bildern nach wie vor als führend an.
1549 reiste er nach Ancona, um ein Bild für die Kirche San Francesco alle Scale zu malen, hatte aber nun so große finanzielle Probleme, dass er Sansovino sechs Gemälde hinterließ, damit dieser sie verkaufe. Als dies nicht gelang, versuchte Lotto selber 16 seiner Bilder und 30 Zeichnungen zu versteigern, konnte jedoch nur 7 Werke zu einem geringen Preis verkaufen.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 59. Darüber hinaus hatte er Probleme mit Mitarbeitern.
1552 zog sich der mittlerweile über 70-jährige in das Kloster der Santa Casa in Loreto zurück, legte 1554 das Gelübde als Oblate ab und, obwohl seine Augen schlechter geworden waren, malte er auch weiterhin noch Bilder für das Kloster und Porträts.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 26, 59 und 61.
Der genaue Zeitpunkt seines Todes ist nicht bekannt, Lorenzo Lotto starb irgendwann vor Juli 1557 in Loreto.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 61.
Sein Rechnungsbuch (Libro di spese diverse) der Jahre von 1538 bis zu seinem Tode ist erhalten, enthält auch einige persönliche Bemerkungen, und gilt heute als wertvolles biographisches Zeitdokument.Roberto D’Adda, Rodolfo Pallucchini: Lotto (I classici dell’Arte), Rizzoli/Skira/Corriere della Sera, Mailand 2004, S. 55 f.
Aussehen mini|280px|Detail aus dem Leben der Hl. Brigitta mit Selbstporträt Lottos (?) als Vogelfänger (rechts), Trescore Balneario, 1523–24