mini|Porträt von Andreas Londos Andreas Sotiraki Londos (griechisch Ανδρέας Σωτηράκη Λόντος; * 1784 oder 1786 in Egio, Achaia; † 24. September 1846 in Athen) war ein griechischer Freiheitskämpfer, Politiker und Mitglied der Filiki Eteria zur Zeit des Griechischen Unabhängigkeitskrieges. Während der Revolution unterhielt er sein eigenes Militärkorps, mit dem er an der Belagerung von Patras und Mesolongi sowie an den Feldzügen in Ost- und Westgriechenland teilnahm.

Später wurde er unter anderem Verteidigungsminister im Königreich Griechenland. Er engagierte sich zudem in gesellschaftlichen Angelegenheiten und war Mitbegründer mehrerer wohltätiger, wissenschaftlicher und erzieherischer Organisationen. Darüber hinaus nahm er als Leitung der Englischen Partei, an der antimonarchischen Revolution des 3. September 1843 gegen König Otto teil. Die Umstände seines Todes, bei dem ein Suizid vermutet wurde, führten zu Konflikten zwischen Kirche, Staat sowie der Bevölkerung hinsichtlich seiner Bestattung.

Frühes Leben Die Quellen zum Geburtsjahr von Andreas Londos variieren; neben den bereits genannten möglichen Geburtsjahren wird auch 1785 und 1789 in manchen Fällen angegeben. Andreas Londos stammte aus der prominenten und reichen Familie Londos in Egio (ehemals Vostitsa) und hatte mindestens zwei Brüder, Anastasios und Lukas. Andreas´ Großvater, Golfinos Londos, hatte bereits 1770 an der Orlow-Revolte teilgenommen. Einer der berühmtesten Philhellenen, Lord Byron, nahm 1809 in Egio erstmals Kontakt zu Londos auf und korrespondierte später mit ihm im Jahre 1824. Weitere Korrespondenz hielt Andreas mit dem deutschen Philologen Friedrich Thiersch. Der Vater von Andreas Londos, der Kodjabaschi Sotirakis Londos, war eine führende Figur der prärevolutionären Zeit, bis er im Oktober 1812 von den Türken enthauptet wurde. Nach der Exekution seines Vaters floh Andreas nach Konstantinopel, wo er dank seiner familiären Abstammung sowie „seines Charakters“ zahlreiche Kontakte knüpfen konnte.

Andreas Londos lebte eine Zeit lang in der Stadt und kehrte 1816 auf den Peloponnes zurück. Dort schloss er Freundschaft mit dem jungen Wālī Sakir Ahmed. Nach seiner Rückkehr nach Egio 1818 wurde er durch die Hohe Pforte in den Rang eines Kodjabashi erhoben. Am 17. November desselben Jahres wurde er von Antonius Pelopidas in die Filiki Eteria aufgenommen und arbeitete an der Vorbereitung und Durchführung der Revolution mit. Außerdem initiierte er weitere mächtige Akteure der Region in den Geheimbund.

Beteiligung an der Griechischen Revolution mini|Andreas S. Londos, gemalt von Louis Dupré Ende Januar 1821 veranstaltete er in seinem Haus die Konferenz von Vostitsa und unterstützte Papaflessas’ Ansichten für den sofortigen Beginn der Revolution. In seinem Haus waren neben Papaflessas und dem "Apostel" Alexander Ypsilantis auch bekannte britische Persönlichkeiten wie Lord Byron und John Hobhouse zugegen. Gemeinsam mit seinen Brüdern Anastasios und Lukas nahm er aktiv an der Revolution teil. Am 23. März rief er in Egio (Vostitsa) die Revolution aus, vertrieb die dort ansässigen Türken (um die 30 Familien) kampflos, die mit Booten in den Golf von Korinth flüchteten. Er hisste die erste griechische Flagge der Revolution in Egio und verstärkte die Stadt mit einer Garnison von etwa 200 Mann.

Am 24. März führte Londos ein Korps von 400 Kämpfern nach Patras, das zuvor von Panagiotis Karatzas und anderen Partisanenführern erobert worden war. Dort wurde er zusammen mit Germanos von Patras und Andreas Zaimis Mitbegründer des „Achäischen Triumvirats“, das Vostitsa, Patras und Kalavryta repräsentierte. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Anführern wurde jedoch die Belagerung der Festung von Patras abgebrochen, und die Stadt fiel schließlich in die Hände von Yusuf Pascha. Anschließend nahm Andreas Londos (nach dem 25. März) Rio ein. Danach errichtete er im Dorf Sella ein Lager für sein Korps, zwischen Patras und Egio. Obwohl er kein ausgebildeter Soldat war, blieb Londos in militärischen Angelegenheiten involviert und führte Kämpfer an, die er mit seinen eigenen finanziellen Mitteln unterstützte. Er war womöglich an der Ermordung von Antonis Oikonomou auf Hydra beteiligt, was seine Teilnahme an der Ersten Nationalversammlung verhinderte. Politisch schloss er sich mit Alexandros Mavrokordatos zusammen. mini|Die von Andreas Londos zu Beginn des Griechischen Unabhängigkeitskrieges gehisste Flagge, die auch als Fahne seines Korps galt. Im Juli 1822 umzingelten und griffen Truppen griechischer Kämpfer unter Londos, Zaimis und Petmezas bei Akrata eine Gruppe von 4.000 Osmanen an, die nach ihrer Niederlage gegen Nikitaras in der entscheidenden Schlacht von Dervenakia auf dem Weg nach Patras waren. Diese Osmanen waren Überlebende der Dramali-Expedition. Nur wenigen Osmanen gelang die Flucht, während Yusuf Pascha Schiffe entsandte, um sie nach Patras zu bringen. Im Oktober 1822 ging Andreas Londos nach Mesolongi und verstärkte es während der ersten Belagerung der Stadt mit etwa 700-800 Kämpfern.

Londos setzte einen großen Teil seines persönlichen Vermögens ein, um seine Soldaten auszurüsten und finanziell zu unterstützen. Bemerkenswert war seine Großzügigkeit während dieser Zeit. Er verschenkte sein gesamtes Eigentum und zeigte keinerlei Zurückhaltung. Als Odysseus Androutsos ihn einmal aufforderte, „sein Geld zurückzuhalten, damit er nicht für sein Haus bezahlen muss“ (oder: „Londo, Londo, behalte und spare dein Geld, damit dein Haus nicht um Brot bettelt!“), soll Londos folgendes erwidert haben: „Mein Vaterland ist mein Reichtum! Meine Felder sind Griechenland!“

Obwohl er während des Unabhängigkeitskrieges kein wichtiges politisches Amt bekleidete, beteiligte er sich aktiv an den politischen Prozessen und Konflikten im Zusammenhang mit der griechischen Revolution. mini|Andreas Londos, von Giovanni Boggi (1826) Während der griechischen Bürgerkriege innerhalb der Revolution, stellte er sich im ersten Bürgerkrieg (1823-1824) auf die Seite der Regierung. Als er jedoch erkannte, dass Georgios Koundouriotis zunehmend an Macht gewann, schloss er sich im zweiten Bürgerkrieg (1824-1825) der Fraktion von Theodoros Kolokotronis an und nahm mit seinen Anhängern an bewaffneten Auseinandersetzungen teil. In der Schlacht von Kerpini (Dezember 1824), in der die Regierungstruppen siegten, wurde er zusammen mit seinem Cousin und Unterführer Andreas Zaimis gezwungen, auf dem westlichen Festland und später auf der britisch besetzten Insel Kalamos Zuflucht zu suchen. Nach der Landung von Ibrahim Pascha auf dem Peloponnes kehrte Londos im April 1825 nach Achaia zurück und rekrutierte auf eigene Kosten zahlreiche Kämpfer, um die osmanische Invasion militärisch abzuwehren. Da jedoch die Koundouriotis-Regierung Londos weiterhin verfolgte, versteckte er sich bis Mitte Mai 1825 im Dorf Spathari in Gortynia. Später, im Zuge der drohenden Invasion durch Ibrahim Pascha, wurde eine Generalamnestie gewährt, und Kolokotronis, mittlerweile Oberbefehlshaber der peloponnesischen Armee, verbündete sich erneut mit Londos. Ihre Beziehung blieb jedoch angespannt, was sich in den begrenzten militärischen Erfolgen widerspiegelte. Schließlich entzog ihm die 3. Nationalversammlung, deren Mitglied er war, das Kommando über die Streitkräfte von Egio, da ihm vorgeworfen wurde, auf Kosten der Bewohner von Korinth eigenmächtig gehandelt zu haben. mini|Die Osmanen ergeben sich vor den Anführern der griechischen Revolutionskräfte. Andreas Londos ist oben rechts im Bilde zu sehen. Daneben stehen Andreas Zaimis sowie Odysseas Androutsos. Lithographie von Peter von Hess. „Londos besiegt bei Vostitza 3000 Türken durch Hunger“ In den Memoiren des Freiheitskämpfers Fotios Chrysanthopoulos (Fotakos) finden sich Berichte über die Teilnahme von Andreas Londos am griechischen Unabhängigkeitskrieg. Chrysanthopoulos beschreibt Londos' Aktionen wie folgt:

„Die Streifzüge dieses Soldaten auf dem Peloponnes und von dort nach Mesolongi sind bekannt. Er nahm an der Belagerung von Patras teil und sammelte auch die Reste der Armee von Dramali in Akrata ein. Und bei vielen Gelegenheiten vertrat er den Generalchef Th. Kolokotronis während der Zeit von Ibrahim Pascha. Er wurde zum Senator des Peloponnes gewählt, aber er ging nicht nach Tripolitsa, sondern Konstantinos Demetriou wurde als sein Vertreter geschickt. Zu Beginn der Revolution wurde das Gewicht seines Namens viel genutzt. Er wurde auch von der Regierung von Koundouriotis verfolgt und floh vom Peloponnes, als Kolokotronis und die anderen auf Hydra inhaftiert wurden.“

Insgesamt nahm Andreas Londos an 17 Schlachten und Belagerungen teil.

Nach der Griechischen Revolution Nach der Revolution wurde Londos von seinem politischen Gegner Ioannis Kapodistrias, dem ersten Staatsoberhaupt des unabhängigen Griechenlands, ins Abseits gedrängt. Folglich arbeitete er mit der Opposition auf Hydra zusammen. Londos missbilligte die Ermordung von Kapodistrias und wurde mit der Ankunft Ottos zu einem führenden Mitglied der Englischen Partei. 1833 zog er nach Nafplio, um König Otto bei dessen Ankunft zu empfangen. 1835 ernannte Otto ihn zum Oberst und dann zum Verteidigungsminister. Bis 1841 hielt Londos als Staatsberater noch an Ottos Politik fest, änderte jedoch nach und nach seine Haltung und unterstützte die liberalen Forderungen nach einer Verfassung. Diese politische Wende führte dazu, dass er sich aktiv an den Vorbereitungen der Bewegung gegen König Otto beteiligte. Bei der Revolution des 3. September 1843 war Londos eine zentrale Figur und fungierte als Anführer der Englischen Partei. Im März 1844 übernahm er das Amt des Innenministers. In der Regierung von Andreas Metaxas übernahm er das Ministerium für militärische Angelegenheiten und wurde zudem als Vizepräsident oder Präsident der Nationalversammlung für die Ausarbeitung der Verfassung von 1844 berufen.

Bei den Wahlen von 1845 wurde Andreas Londos zum Abgeordneten gewählt, verlor jedoch seinen Sitz aufgrund der Einmischung des Alten Schlosses und des Aufstiegs von Ioannis Kolettis. Daraufhin wurde er des Landes verwiesen und verlor alle seine Ämter. Enttäuscht von der Undankbarkeit der damaligen Machthaber zog er sich aus der Politik und dem öffentlichen Leben zurück, während er „in Armut lebte und seiner Bedürfnisse beraubt war“. Das einst große Familienvermögen war während des Kampfes ausgegeben worden oder verloren gegangen. Ständig in finanzielle Not geraten, bat er seine „Brüder und Schwestern“ um Geld. Sein großer Besitz in Egio wurde verkauft, doch seine Schulden blieben bestehen. Zu späten Lebensjahren soll es Andreas Londos an den „grundlegendsten Dingen“ gefehlt haben, gleichwohl er noch mehrere Diener hatte. Die hohen Schulden, die er angesammelt hatte, könnten zum möglichen Selbstmord von Andreas Londos am 24. September 1846 beigetragen haben.

Ioannis Makrygiannis bemerkte in seinen Memoiren dazu: „[…] er verschuldete sich so sehr, dass seinen Taten nie eine Grenze gesetzt war.“

Tod und Beerdigung Am Dienstag, dem 24. September 1846, wurde Andreas Londos um halb sieben Uhr morgens im Schlafzimmer seines Hauses in Athen tot aufgefunden. In den Zeitungen jener Zeit, wird Generalmajor Londos als das „letzte Überbleibsel derer bezeichnet, die sich in Agia Lavra versammelten und die Fahne des Volksaufstandes gehisst hatten“. Neben ihm lag eine Pistole. Berichten zufolge hatte er zuvor seinen Diener beauftragt, einen Barbier zu holen, da er ausgehen wollte, während er gleichzeitig eine Waffe inspizierte. Diese Waffe hatte er am Vortag von seinem Diener Christos Souliotis angefordert. Die Nachricht von Londos’ Tod verbreitete sich schnell in der Stadt, und eine Menschenmenge versammelte sich vor seinem Haus. Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, wurde ein militärischer Trupp entsandt.