Das Weiberdorf. Roman aus der Eifel ist ein Roman von Clara Viebig von 1899. Er gehörte zu ihren erfolgreichsten Werken.

Inhalt Die Männer des Dorfes Eifelschmitt in der Eifel müssen im Ruhrgebiet arbeiten, um ihre Familien zu ernähren.Norbert Jachertz: Literarische Orte: Männerfrei, in Deutsches Ärzteblatt, August 2017, S, 406 Text; mit ausführlicher Inhaltsangabe und einigen HintergründenWeiberdorf Literaturkritik, mit Inhaltsangabe Nur zweimal im Jahr, zu Peter und Paul (29. Juni) und zu Weihnachten, kehren sie in ihr Dorf zurück. In diesen zehn Tagen wird ausgiebig gefeiert und geliebt.

In der Zwischenzeit sind die Frauen allein und erledigen alle Aufgaben. Peter Miffert (Pittchen) ist als fast einziger Mann im Dorf geblieben. Er wird von den Frauen umschwärmt und begehrt. Er beginnt Falschgeld herzustellen, anfangs, um einer kranken jungen Mutter zu helfen, und kommt dadurch zu noch mehr Ansehen im Dorf. Als er verhaftet werden soll, stellen sich die Frauen schützend vor ihn. Als aber in diesem Moment die Männer zum Sommerurlaub in das Dorf kommen, stürzen sich die Frauen auf sie und Pittchen ist vergessen...

Das Hauptthema des Romans ist die Beschreibung der schweren Lebensbedingungen der Frauen in der armen und strukturschwachen Region der Eifel. Daraus ergeben sich auch menschliche Deformationen und Gefühlsverhärtungen. Sehr plastisch werden außerdem die leidenschaftlichen Bedürfnisse der Frauen ohne Männer beschrieben. Dazu wird die Geschichte des Falschmünzers Peter Miffert als spannende Kriminalerzählung eingeflochten.

Hintergründe Clara Viebig hatte bei Reisen in der Eifel bemerkt, dass es Dörfer gab, in denen fast nur Frauen zu sehen waren.Neft, Eifelwerke, 1998, mit einigen Hintergrundinformationen Hintergrund war, dass viele Männer wegen der fehlenden Arbeitsmöglichkeiten in der armen und strukturschwachen Region im entfernten boomenden Ruhrgebiet arbeiten mussten. Sie wählte das Dorf Eisenschmitt als Handlungsort aus, in dem 1868 die letzte Eisenhütte geschlossen worden war, und legte die Handlung in die Zeit kurz nach 1871.

Clara Viebig war in ihren frühen Werken stark vom naturalistischen und sozialkritischen Werk von Émile Zola beeinflusst. Das Weiberdorf war ihr zehnter Roman. Er erschien 1899 zuerst als Fortsetzungsroman in der Frankfurter Zeitung, dann 1900 im Berliner Verlag F. Fontane & Co., der von ihrem Mann Fritz Cohn und Friedrich Fontane, einem Sohn von Theodor Fontane, geführt wurde. Die freche und aufreizende Illustration der Erstausgabe stammte von dem bekannten Maler Max Liebermann.

Wirkungen Das Buch wurde viel gelesen, besonders im Rheinland und in einigen Großstädten.Die Literaturzeitschrift Das litterarische Echo, 1900/1901 stellte bei einer Umfrage das Buch Das Weiberdorf bei 5 (+1) von 28(+1) Bibliotheken als eines der meistgefragtesten des Jahres 1900 fest, das war das etwa achtgefragteste Buch des Jahres, auch in den folgenden Jahren wurde es vereinzelt genannt, die Orte der Bibliotheken waren Berlin 2x, Hamburg, Wien, Köln (1900), später Düsseldorf und Bonn, siehe Alberto Martino, Die deutsche Leihbibliothek, 1990 S. 454ff., mit detaillierten Angaben aus den Umfragen der einzelnen Jahre Es machte die Autorin bekannt. In verschiedenen Literaturzeitschriften gab es überwiegend positive Rezensionen. Dabei wurde die realistische Beschreibung des schweren Lebens der armen Frauen in der Eifel gelobt, bemängelt wurde teilweise die nicht besonders hohe literarische Qualität.

In der Eifel gab es allerdings viel Kritik an dem zu negativen und wollüstigen Bild, das von den Frauen des Dorfes gezeichnet wurde, auch in der regionalen Presse.Claus Rech, Zurückbleiben in Weiberdorf, in: Andreas Gestrich, Marita Krauss (Hrsg.): Zurückbleiben. Der vernachlässigte Teil der Migrationsgeschichte, Steiner, 2006, S. 126 Auszüge, mit Zitaten Auch die katholische Kirche polemisierte heftig gegen das Buch (wahrscheinlich auch wegen der unvorteilhaften Darstellung des katholischen Priesters).Ernst von Wolzogen: Besprechung. Das Kreuz am Venn, in: Das literarische Echo, 1909, Sp. 240, erwähnte, dass von den Kanzeln gegen das Buch gewettert worden sei Ein offizielles Verbot (Index) gab es aber wahrscheinlich nicht.Sophie Lange, Clara Viebig stand nicht auf dem Index, in: Eifel Jahrbuch, 2008, berichtete über eine Auskunft zu dem offiziellen Verzeichnis Clara Viebig bekam diese Ablehnung später direkt zu spüren.

Noch in den 1980er Jahren war der Name Clara Viebig in dem Dorf Eisenschmitt ein Reizwort, da dieses zu oft mit dem Roman in Verbindung gebracht wurde.Sophie Lange, Besuche im Weiberdorf Eisenschmitt, 2010, berichtete, dass sie noch in den 1980er Jahren in dem Dorf bei Nachfragen an Dorfbewohnerinnen auf totale Ablehnung gestoßen sei 1989 wurde aber ein Brunnen in Eisenschmitt eingeweiht, an dem auch Motive des Romans festgehalten wurden.Dorfbrunnen Eisenschmitt Eifel.info Inzwischen wird das Buch Das Weiberdorf als ein Touristenanziehungspunkt für das Dorf akzeptiert und geschätzt.

Es gab zahlreiche Neuauflagen bis in die Gegenwart, eine Theaterbearbeitung mit dem Titel Pittchen von Clara Viebig, eine Hörbuchaufnahme und Übersetzungen in mindestens fünf Sprachen.

Meinungen In der regionalen Presse hieß es 1900 empört:

Die Kulturjournalistin Anna Michaelson schrieb 1901 in einem Brief:

Und die bekannte Frauenrechtlerin Gertrud Bäumer schrieb 1902:

Die Frauenrechtlerin Anselma Heine schrieb 1923:

Und der Literaturkritiker Rolf Löchel meinte 2008:

Ausgaben und Bearbeitungen Deutsche Textausgaben 1899–1929: Frankfurter Zeitung, 1899 F. Fontane, Berlin, 1900, erste BuchausgabeBörsenblatt für den deutschen Buchhandel vom 19. März 1900, S. 2173, mit erster feststellbarer Verlagsanzeige Egon Fleischel & Co., Berlin 1907, 21. Auflage (à ca. 1.500 Exemplare), Digitalisate Egon Fleischel & Co., Berlin 1915, 28. Auflage

Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1928, 45.–46. Tausend, (Zählung seit 1900), letzte Auflage in diesem VerlagBörsenblatt für den deutschen Buchhandel vom 9. Februar 1928, S. 1153, mit erster Anzeige dieser Auflage; auch Börsenblatt vom 17. Juni 1930, S. 4681, Verlagsanzeige zum 70. Geburtstag von Clara Viebig, mit weiteren Werken und Auflagen; alle Auflagenzählungen beziehen sich auf die Erstausgabe von F. Fontane von 1900 (als Nachfolgeverlage)! Ullstein, Berlin 1929, Die gelben Ullstein-Bücher

Seit 1950: Fischer, Wittlich Verbandsgemeinde Manderscheid Erb, Düsseldorf 1982 Kölner Stadt-Anzeiger, 27. Dezember 1982 bis 14. Januar 1983, als FortsetzungsromanIna Braun-Yousefi, Lob der Wiederentdeckung, 2024, S. 177; vgl. S. 168 zur Veröffentlichung von 1950 Rhein-Mosel-Verlag, 1993, 9. Auflage 2011 DigiCat, 2022 Text Henricus, 2023

Bearbeitungen Clara Viebig, Pittchen. Komödie in drei Aufzügen nach dem Roman Weiberdorf, Fleischel, Berlin 1909, Neudruck Rhein-Mosel-Verlag 2010 Clara Viebig, Das Weiberdorf, Hörbuch 2006, 2018, mit Eva Krais

Übersetzungen Бабье царство (Bab'je zarstwo), 1904, russisch (Reich der Frauen) Бабья деревня (Babja derewnja), 1907, russischБабья деревня WorldCat (englisch); wahrscheinlich dieselbe Übersetzung wie 1904, aber mit wörtlicher Übersetzung des deutschen Originaltitels, 1904 wurde der Titel einer Erzählung von Tschechow, Weiberwirtschaft, 1897, verwendet Když muži ze vsi odejdou, 1909, tschechisch (Als die Männer das Dorf verließen) Het vrouwendorp, Utrecht, 1911, niederländisch Village de femmes, 1911, französisch La aldea de las faldas, Arte y Letras, Barcelona , spanisch

Literatur Neuere Fachliteratur Maria-Regina Neft: Clara Viebigs Eifelwerke (1897–1914). Waxmann, Münster 1998 Auszüge; mit vielen sachkundigen Informationen Georg Guntermann: Zur Rolle der Natur im Weiberdorf und anderen Eifelgeschichten. In: Volker Neuhaus, Michel Durand (Hrsg.): Die Provinz des Weiblichen. Lang, Bern 2004 S. 185–217 Sophie Lange: Besuche im "Weiberdorf" Eisenschmitt. In: Christel Aretz, Peter Kämmereit (Hrsg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur. Dokumentation zum 150. Geburtstag. Rhein-Mosel, 2010 Text Simon Jakobs: Clara Viebig. Das Weiberdorf. Betrachtungen der männlichen und weiblichen Protagonisten unter Gender-Aspekten. Seminararbeit. Grin 2011 Textanfang

Historische Rezensionen

Monty Jacobs: Clara Viebig. Das Weiberdorf. In: Das litterarische Echo. 2. 1899/1900. Sp. 1084–1085 Samuel Lublinski: Ein Schulbeispiel des Naturalismus (Zu Klara Viebig. Das Weiberdorf). In: Der Kunstwart. 1899/1900, II, S. 366–374 (kritisch) Rudolf Steiner: Clara Viebig. Das Weiberdorf. In: Magazin für Literatur, 1900; auch in ders., Gesammelte Aufsätze zur Literatur 1884–1902. 1971. S. 384–386 PDF Carl Ferdinands: Das Weiberdorf von Clara Viebig . In: Die Rheinlande. 1. 1899/1900. Oktober. S. 43–44 Arthur Eloesser: Neue Romane. In: Neue deutsche Rundschau. 1900. S. 991–1003, hier S. 1003 (digital) Josef Poláček: Deutsche soziale Prosa zwischen Naturalismus und Realismus (Zu Clara Viebigs Romanen "Das Weiberdorf" und "Das tägliche Brot".). In: Philologica Pragensia. 6. 1963, S. 245–257 Hans Bender: Das Dorf ohne Männer. Zum Wiedererscheinen von Clara Viebigs Roman "Das Weiberdorf". für Deutsche Welle, Köln 1982 (Manuskript im Deutschen Literaturarchiv Marbach) Hermann Jung: Clara Viebig neu entdeckt. Rehabilitiertes ›Weiberdorf‹, In: Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler. AdA 1983, S. A 97–A 99

Weblinks Das Weiberdorf Literaturkritik Literatur über Das Weiberdorf WorldCat Literatur über das Weiberdorf Deutsches Literaturarchiv Marbach

Einzelnachweise

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