miniatur|Theodor Fontane, 1896 Die Literatur im Deutschen Kaiserreich war vielfältig. Zu den bedeutendsten Autoren gehörten Theodor Fontane, Gerhart Hauptmann, Detlev von Liliencron, Clara Viebig, Hermann Hesse, Heinrich Mann, Thomas Mann, Ricarda Huch und Else Lasker-Schüler.

Allgemeines Literatur war im 19. und frühen 20. Jahrhundert das wichtigste Unterhaltungsmedium. Es erschienen jährlich mehrere tausend Bücher, dazu wurden in den meisten Zeitungen und Zeitschriften Fortsetzungsromane, Erzählungen, Gedichte und weitere literarische Texte gedruckt (etwa 20.000 pro Jahr).Alberto Martino, Die deutsche Leihbibliothek. Geschichte einer Institution, 1990, S. 559, mit Herkunftsangabe dieser Zahl Es gab mehrere hundert Buchverlage, vor allem in den großen Städten Berlin, Leipzig, München und Stuttgart.

Daneben gab es kommerzielle Leihbibliotheken, bei denen gegen ein geringes Entgelt Bücher ausgeliehen werden konnten, sowie Volksbüchereien, die von vielen einkommensschwächeren Lesern genutzt wurden.

Die meisten belletristischen Veröffentlichungen waren Unterhaltungsliteratur, mit Alltagsgeschichten, Liebesgeschichten, Kriminalerzählungen und ähnlichem.

Stilrichtungen Die Literatur dieser Zeit wird von der Literaturwissenschaft in verschiedene Stilrichtungen eingeteilt, wobei die Grenzen teilweise fließend sind.

Bürgerlicher Realismus Die meisten Werke des späten 19. Jahrhunderts waren im Stil des bürgerlichen Realismus geschrieben. Zu den wichtigsten Autoren in Deutschland gehörten in dieser Zeit Theodor Fontane, Theodor Storm und Gustav Freytag.

Naturalismus

Seit den späten 1880er Jahren entwickelte sich die Stilrichtung des Naturalismus, die gesellschaftliche Probleme in möglichst realitätsnaher Darstellung beschrieb. Als Beginn galt das Theaterstück Vor Sonnenaufgang von Gerhart Hauptmann von 1889, es folgten weitere Dramen, wie Die Weber. Weitere wichtige Autoren des Naturalismus waren Johannes Schlaf und Arno Holz mit ihrem Stück Die Familie Selicke. Auch der Roman Das Weiberdorf von Clara Viebig wird dieser Richtung zugeordnet.

Impressionismus

Einige Dichter der Zeit um 1900 wurden dem Impressionismus zugerechnet.Hermann Wiegmann: Die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, S. 38., weist darauf hin, dass es sich um eine Tendenz oder eine eigene Stilrichtung handelte Sie waren vor allem von französischen Dichtern wie Charles Baudelaire beeinflusst.

Als bedeutendster Autor gilt Detlev von Liliencron, der viele jüngere Schriftsteller seiner Zeit mit seinem Werk beeinflusste. Weitere bekanntere deutsche Autoren waren Eduard von Keyserling (mit Wellen) und Max Dauthendey. Symbolismus

Der literarische Symbolismus entwickelte eine Dichtung ohne stärkeren Realismusbezug, in der Bilder und der Klang der Sprache eine wichtige Rolle spielten.Mario Zanucchi: Transfer und Modifikation. Die französischen Symbolisten in der deutschsprachigen Lyrik der Moderne (1890–1923). De Gruyter, Berlin/Boston 2016 Der wichtigste Vertreter in Deutschland war Stefan George, der den George-Kreis in München begründete und das Literaturverständnis vieler jüngerer Schriftsteller beeinflusste. Daneben gab es auch noch die Kosmiker.

In Österreich-Ungarn waren die wichtigsten Vertreter Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, sowie die Gruppen Wiener Moderne und Jung-Wien. Dekadenz Als Dekadenzliteratur werden literarische Werke bezeichnet, deren Hauptthema der Verfall der Gesellschaft ist. Diese waren in Deutschland meist realistisch gestaltet. Sie waren von den Werken der skeptischen Philosophen Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer beeinflusst, sowie von gesellschaftskritischen Schriftstellern wie Guy de Maupassant, Gustave Flaubert und Oscar Wilde. Als spektakulärster deutscher Dichter dieser Stilrichtung um die Jahrhundertwende gilt der Dramatiker Frank Wedekind in München, der mit seinen Stücken Erdgeist (Lulu) und Frühlings Erwachen für Aufsehen sorgte.

Heinrich Mann (1871–1950) wird mit seinen gesellschaftskritischen Romanen Professor Unrat (1906) und Der Untertan (1918) dazu gerechnet, ebenso sein jüngerer Bruder Thomas Mann (1875–1955) mit seinem Frühwerk, besonders dem Roman Buddenbrooks (1901), der viel gelesen wurde, und der Novelle Der Tod in Venedig (1911).

Neuromantik

Die literarische Richtung der Neuromantik entstand Anfang der 1890er Jahre als Alternative zum Naturalismus und einem übertrieben gegenständlichen Realismus. Sie wandte sich vor allem dem Transzendenzen, dem Phantastischen, dem Unbewussten, der Natur und den Gefühlen zu, ähnlich wie die Romantiker des frühen 19. Jahrhunderts.Neuromantik Wortwuchs, mit einigen Informationen (E.T.A. Hoffmann war ein Romantiker des frühen 19. Jahrhunderts) Dabei wurden Einflüsse des Symbolismus, des Impressionismus, der Dekadenzliteratur und der Fin-de-siècle-Literatur verwendet.

Zu den ersten wichtigen Werken in Deutschland gehörten die Dramen Hanneles Himmelfahrt (1893) und Die versunkene Glocke (1895) von Gerhart Hauptmann. Weitere weitere wichtige frühe Vertreter waren Stefan George (Das Jahr der Seele, 1897) und Hermann Hesse (Romantische Erzählung, Peter Camenzind, 1904), sowie die Lyrikerin Else Lasker-Schüler und weitere Autoren.Peter Sprengel, Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1900–1918, 2004, S. 100–103, mit einigen Informationen

In Österreich-Ungarn waren die wichtigsten Vertreter Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Georg Trakl.Bruno Markwardt: Das Zwanzigste Jahrhundert (= Geschichte der deutschen Poetik. 5). Berlin 1967, S. 256.

Expressionismus

Der Expressionismus gilt als die letzte große Literaturströmung in Deutschland. Merkmale waren experimentelle Formen in der Sprache und im Inhalt sowie eine radikale Abkehr von den bürgerlichen Konventionen.Walter Herbert Sokel: Der literarische Expressionismus. Der Expressionismus in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Langen, München 1970 Viele junge Autoren publizierten in kurzlebigen expressionistischen Literaturzeitschriften.

Zu den bekanntesten deutschen expressionistischen Schriftstellern gehörten Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn, Jakob van Hoddis, Alfred Döblin und Carl Einstein.

Wichtige Werke (Auswahl) miniatur|150px|Thomas Mann, Der kleine Herr Friedemann, 1898 Zwischen 1871 und 1918 erschienen über 100.000 belletristische Titel von deutschen Autoren im Deutschen Kaiserreich. Zu den meistgelesenen gehörten Theodor Fontane, Theodor Storm, Gustav Freytag, Wilhelm Jensen, Karl May, Friedrich Spielhagen, Detlev von Liliencron, Ludwig Ganghofer, Hermann Sudermann, Gerhart Hauptmann, Clara Viebig, Rudolf Herzog, Jakob Christoph Heer, Börries Freiherr von Münchhausen und Gustav Frenssen. Angegeben sind viele der meistverkauften Bücher dieser Zeit, aber pro Autor nur maximal zwei.WorldCat, DNB und Börsenblatt digital, mit Auflagezahlen der Werke; vielgelesene Werke und Autoren auch in Alberto Martino, Die deutsche Leihbibliothek. Geschichte einer Institution, 1990, S. 335–538 Weitere Werke sind in den Artikeln zu den einzelnen Schriftstellern zu finden.

Romane und Erzählungen

1871–1899 Wilhelm Jensen, Karin von Schweden, 1869/1872, Novelle Paul Heyse, Kinder der Welt, 1872 Gustav Freytag, Die Ahnen, 1873–1880, 6 Bände Theodor Storm, Pole Poppenspäler, 1874, Novelle Friedrich Spielhagen, Sturmflut, 1877 Detlev von Liliencron, Kriegsnovellen, 1885, 200.000 Exemplare 1918, meistverkauftes feststellbares Buch, aus dieser Zeit bis 1918Börsenblatt für den deutschen Buchhandel vom 14. Mai 1918, S. 2479; siehe auch Börsenblatt vom 31. Mai 1917, S. 3675, Verlagsanzeige; diese hohen Auflagen sind wahrscheinlich bedingt durch starke Verkäufe für die Front Ludwig Ganghofer, Edelweißkönig, 1886 Hermann Sudermann, Frau Sorge, 1887 Theodor Storm, Der Schimmelreiter, 1888, bekannte Novelle Karl May, Der Schatz im Silbersee, 1891 Karl May, Winnetou, 1893, 3 Bände Theodor Fontane, Effi Briest, 1893 Theodor Fontane, Der Stechlin, 1895 Erich Otto Hartleben, Vom gastfreien Pastor, 1895 Georg von Ompteda, Deutscher Adel um 1900, 1897–1902, gesellschaftskritische Romantrilogie Ludwig Ganghofer, Das Schweigen im Walde, 1899 Ernst von Wolzogen, Das dritte Geschlecht, 1899, 1902 über 100.000 verkaufte Exemplare

1900–1918 Clara Viebig, Das Weiberdorf, 1900 Lulu von Strauß und Torney, Bauernstolz, 1901, Novelle Thomas Mann, Buddenbrooks. Verfall einer Familie, 1902, vielgekauftes Buch Emil Strauß, Freund Hein. Eine Lebensgeschichte, 1902 Gustav Frenssen, Jörn Uhl, 1902, meistgelesenes Buch dieser Zeit Franz Adam Beyerlein, Jena oder Sedan?, 1903, meistgelesenes Buch des Jahres Elisabeth von Heyking, Briefe, die ihn nicht erreichten, 1903, vielgelesenes Buch Edward Stilgebauer, Götz Krafft, 1904, 3 Bände, meistgelesene Bücher des Jahres Clara Viebig, Das schlafende Heer, 1904 Hermann Hesse, Peter Camenzind, 1904 Rudolf Herzog, Die Wiskottens, 1905 Jakob Christoph Heer, Der Wetterwart, 1905

Margarete Böhme, Tagebuch einer Verlorenen, 1905, vielgelesenes Buch Ludwig Thoma, Lausbubengeschichten, 1905 Otto Ernst, Asmus Sempers Jugendland, 1905, danach zwei weitere Romane Gertrud Prellwitz, Vom Wunder des Lebens, 1906 Hermann Hesse, Unterm Rad, 1906 Heinrich Mann, Professor Unrat, 1906 Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Novelle, 1908 Hermann Sudermann, Das Hohe Lied, 1908, meistgelesenes Buch des Jahres Georg Hermann, Jettchen Gebert, 1908 Jakob Christoph Heer, Laubgewind, 1908 Felicitas Rose, Heideschulmeister Uwe Karsten, 1909; 700. Tausend 1944 Hermann Löns, Der Wehrwolf, 1910 Hermann Eulenberg, Schattenbilder, 1910, mehrere Bände Alfred Döblin, Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen, 1910/1913, wichtige frühexpressionistische Texte Jakob Wassermann, Das Gänsemännchen, 1911 Rudolf Herzog, Die Burgkinder, 1911 Eduard von Keyserling, Wellen, 1911 Hanns Heinz Ewers, Alraune, 1911, phantastischer Roman, über 200.000 Richard Voß, Zwei Menschen, 1911; 83. Auflage 1955 (1167.–1176. Tausend)Zwei Menschen DNB, mit vielen Auflagen; 1994 98. Auflage, über 1,3 Mio. Exemplare Ricarda Huch, Der große Krieg in Deutschland, 1912–1914, über den Dreißigjährigen Krieg Heinrich Mann, Der Untertan, 1918, mit radikaler Kritik am preußischen Militarismus

Lyrik Angegeben sind einige auflagenstarke Gedichtbände, sowie Werke, die für die Literaturgeschichte wichtig waren Wilhelm Busch, Die fromme Helene, 1872, Bildergeschichten Christian Morgenstern, Galgenlieder, 1905, entstanden seit 1895 Else Lasker-Schüler, Meine Wunder, 1911 Börries Freiherr von Münchhausen, Neue und alte Balladen und Lieder, 1911 Stefan George, Der Stern des Bundes, 1914, mit großem Einfluss auf die Jugendbewegung

Dramen Der bedeutendste Dramatiker dieser Zeit war Gerhart Hauptmann, dessen Stücke eine breite Resonanz fanden.

Gerhart Hauptmann, Die Weber, 1892, wichtigstes Drama seiner Zeit Gerhart Hauptmann, Hanneles Himmelfahrt, 1894 Frank Wedekind, Erdgeist (Lulu), 1895/1898 Ludwig Fulda, Jugendfreunde, 1897, gespielt an über 820 Bühnen Johannes Schlaf, mit Arno Holz, Die Familie Selicke, 1899 Paul Heyse, Maria von Magdala, 1899, wurde in Preußen zeitweise verboten Otto Erich Hartleben, Rosenmontag, 1899 Hermann Sudermann, Johannisfeuer, 1900 Wilhelm Meyer-Förster, Alt-Heidelberg, 1901, meistgespieltes Stück des Jahres Frank Wedekind, Frühlings Erwachen, 1906 Carl Sternheim, Die Hose, 1908, wurde verboten

Kinderliteratur Wilhelm Busch, Fipps der Affe, 1879 Waldemar Bonsels, Die Biene Maja und ihre Abenteuer, 1912

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