Die Johnston, auch USS Johnston, (Kennung: DD-557) war ein Zerstörer der Fletcher-Klasse im Dienst der US-Navy und von 1943 bis 1944 im Pazifikkrieg im Einsatz. Während der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte am 25. Oktober 1944 war sie in der Schlacht vor Samar maßgeblich daran beteiligt, ihrer nur schwach bewaffneten Gruppe von Geleitflugzeugträgern das Überleben gegen eine starke japanische Schlachtflotte zu sichern. Der Kommandant Ernest E. Evans führte die Johnston, ohne auf weitere Befehle zu warten, in einen Torpedoangriff, beschädigte damit einen schweren Kreuzer und zog das Feuer der japanischen Einheiten auf sein Schiff. Die Johnston wurde schwer getroffen und sank, während die Trägergruppe entkommen konnte.

2021 wurde das Wrack der Johnston von einer Tiefseeexpedition um Victor Vescovo in 6469 Metern Tiefe im Philippinengraben gefunden () und gilt als das zweittiefstgelegene lokalisierte Schiffswrack der Welt.

Bau und Indienststellung

Die Johnston wurde im Mai 1942 bei der Seattle-Tacoma Shipbuilding Corporation in Tacoma (Washington) auf Kiel gelegt, im März 1943 getauft und vom Stapel gelassen und bis Oktober 1943 vollendet. Benannt war das Schiff nach John Vincent Johnston, einem Marineoffizier der Union im Amerikanischen Bürgerkrieg, der sich von 1862 bis 1864 in den Kämpfen auf dem westlichen Kriegsschauplatz verdient gemacht hatte.Artikel „Johnston I (DD-557)“ im DANFS, abgerufen am 4. Mai 2026.

Hinsichtlich der Konstruktion gehörte die Johnston zur späten, sogenannten „low-bridge-Gruppe“ der „Fletchers“, d. h. ab Ende 1942 wurde der Brückenaufbau mit dem darüberliegenden Feuerleitstand im Gegensatz zum Ursprungsentwurf tiefergelegt und mit Brückennocken versehen. Im Gegenzug wurde, um größere Mengen Aluminium einzusparen, auch die Brückenpanzerung reduziert.Friedman: U.S. Destroyers, S. 118. Bewaffnung und Ausstattung entsprachen im Wesentlichen dem Standard der Fletchers im Jahr 1943. Im Unterschied zu frühen Einheiten der Klasse wurde die Flugabwehrbewaffnung 1943 bereits bei im Bau befindlichen Einheiten deutlich verstärkt. Während bei späteren Einheiten bzw. Umbauten gegen Ende des Krieges Torpedolafetten im Tausch gegen verschiedene Kombinationen von Flugabwehrwaffen entfernt wurden, behielt die Johnston beide Fünffach-Drehlafetten an Bord.Terzibaschitsch: Zerstörer, S. 51–58, 309. Am 27. Oktober wurde die Johnston indienstgestellt und bis November 1943 erfolgte die Ausrüstung am Puget Sound Naval Shipyard in Bremerton. Nach Abschluss der Ausrüstung und Übernahme der letzten Besatzungsmitglieder verließ die Johnston am 11. November den Puget Sound in Richtung San Diego für Erprobungs- und Trainingsfahrten.Artikel „Johnston I (DD-557)“ im DANFS, abgerufen am 4. Mai 2026. Aufgrund von zahllosen durch Evans und die Offiziere angesetzten Drills und Übungen zur Gefechtsbereitschaft (am. Engl. „General Quarters“) erhielt die Johnston in dieser Zeit ihren Spitznamen „GQ-Johnny“. Hornfischer: The Last Stand, S. 52.

Einsatz im Pazifik mini|links|250px|Das U-Boot I 176 war das erfolgreichste Boot des Typs KD7 Im Januar 1944 wurde sie der „Task Force 53“ unter Rear Admiral Jesse Oldendorf zugeteilt und nahm an weiteren Übungen teil, um die Besetzung der Marshallinseln vorzubereiten. Am Morgen des 31. Januar 1944 begann der erste Kampfeinsatz mit der Beschießung von Mellu im Rahmen der Landungen auf Kwajalein. Bis März leistete die Johnston zahlreiche Aufgaben wie Geleitschutz, Feuerunterstützung der Landungstruppen, U-Boot-Abwehr sowie Flugabwehr. Insbesondere in der Rolle seines Schiffs als Unterstützung der Marines an Land legte Evans wert auf maximalen Einsatz und höchste Anstrengung.Hornfischer: The Last Stand, S. 49f. Nachdem die für die Beschießung vorgesehene 12,7-cm-Munition verbraucht war, forderte Evans mehr Granaten an; als dies im Rahmen des üblichen Munitionsmanagements von höherer Stelle abgelehnt wurde, ließ er sich in seiner Gig zum OTC fahren, um persönlich mehr Munition anzufordern. Daraufhin erhielt die Johnston weitere Granaten. Im März wurde das Schiff zur 3. Flotte unter Admiral William F. Halsey beordert. Mit dieser nahm es an den Kämpfen um Bouganville teil, leistete weitere Unterstützungsaufgaben und war im Mai zusammen mit den Zerstörern Franks und Haggard an der Versenkung des japanischen U-Boots I-176 vor Buka beteiligt.Artikel „Johnston I (DD-557)“ im DANFS, abgerufen am 4. Mai 2026. Vom 21. Juli bis zum 8. August 1944 unterstützte die Johnston die alliierte Landung auf Guam mit Feuerunterstützung, in den ersten Tagen der Landung in kürzester Entfernung zum Strand, sodass sogar die 40-mm-Flugabwehrwaffen mit einbezogen wurden.Hornfischer: Destroyer Captain, S. 111–128. Im September war das Schiff an der Schlacht um Peleliu beteiligt, hauptsächlich als Geleitschutz für eine Gruppe von Geleitflugzeugträgern. Danach wurde sie nach Manus beordert und der Angriffsflotte zugeteilt, die am 12. Oktober von dort zur Rückeroberung der Philippinen auslief.Hornfischer: Destroyer Captain, S. 129–139.

Die Schlacht vor Samar

Vorgeschichte mini|links|250px|Johnston übernimmt Kraftstoff von dem Flottentanker Millicoma mini|200px|Übersichtskarte der Schlacht von Leyte, die Seeschlacht vor Samar unter „4“ Im Rahmen der Rückeroberung der Philippinen kam es vom 23. bis zum 26. Oktober 1944 zu vier größeren Seegefechten rund um Leyte und die Philippinen, die zusammengefasst als „See- und Luftschlacht im Golf von Leyte“ bezeichnet werden, insbesondere, da im Golf von Leyte die ersten Landeoperationen der Amerikaner stattfanden. Auf Seiten der U.S.-Navy wurden stärkste Verbände der 3. und 7. US-Flotte zur Sicherung der Landung aufgeboten. Zur 7. Flotte (Admiral Thomas Kinkaid) gehörend sollte die „Task Group 77.4“, bestehend aus drei Gruppen von Geleitflugzeugträgern der Casablanca-Klasse, vor der Insel Samar kreuzend die Landungsoperationen auf Leyte direkt unterstützen. Am Morgen des 25. Oktober 1944 begleitete die Johnston eine der drei Gruppen mit sechs Geleitflugzeugträgern, zusammen mit zwei weiteren Fletcher-Zerstörern, der Hoel und der Heermann, sowie vier leichteren Geleitzerstörern der John-C.-Butler-Klasse. Im Rahmen der Landungsoperationen auf Leyte bestand die Aufgabe dieser Gruppe unter der taktischen Bezeichnung „Task Unit 77.4.3“, kurz „Taffy 3“, darin, den auf Leyte gelandeten Truppen Luftunterstützung zu leisten und vor Samar U-Boote zu bekämpfen. Operationen gegen feindliche Kriegsschiffe waren nicht vorgesehen, da Gegenangriffe der japanischen Flotte auf die Transportschiffe General MacArthurs von der 3. US-Flotte im Norden und der 7. US-Flotte im Süden verhindert werden sollten. Allerdings bestanden Abstimmungsprobleme zwischen den US-Flotten. Kinkaid, dessen Schlachtschiffeinheiten in der Nacht zum 25. Oktober in der Surigao-Straße eine kleinere japanische Überwasserstreitmacht vernichtet hatten (Schlacht in der Surigao-Straße), erwartete, dass Halsey seine Schlachtschiffe zur Blockade der San-Bernardino-Straße einsetzen würde. Doch Halsey jagte mit der gesamten 3. Flotte eine japanische Köderstreitmacht im Norden (Schlacht vor Kap Engaño), sodass die stärkste der japanischen Teilflotten unter dem Kommando von Admiral Kurita in der Nacht zum 25. Oktober unbemerkt durch die San-Bernardino-Straße laufen konnte, um die aliierten Transport- und Landungsschiffe vor Leyte anzugreifen. Samar von Nordosten her umrundend, traf Kurita dort für beide Seiten unerwartet auf „Taffy 3“.Umfassend zur Vorgeschichte der Schlacht Hornfischer: The Last Stand, S. 56–141.

Die Johnston im Verlauf der Schlacht mini|links|300px|Die Heermann und die Samuel B. Roberts legen einen Rauchvorhang Kurita befahl seiner aus mehreren Schlachtschiffen, schweren und leichten Kreuzern sowie Zerstörern bestehenden Flotte umgehend den Angriff, wähnte sich allerdings im Kampf mit einer amerikanischen Hauptflotte von Flottenflugzeugträgern und deren starken Begleitschiffen.Hornfischer: The Last Stand, S. 156f. Rear Admiral Clifton Sprague, der Kommandeur von „Taffy 3“, erfuhr durch die Funkmeldung einer zur U-Bootaufklärung früh gestarteten Avenger-Maschine von der nur ca. 37 Kilometer entfernten japanischen Streitmacht, gab den Befehl zum Rückzug unter Höchstgeschwindigkeit sowie alle verfügbaren Flugzeuge von den Geleitträgern zu starten, um die japanischen Schiffe bei der Verfolgung zu behindern. Außerdem sollten alle Einheiten Rauchvorhänge legen, um die auf optische Feuerleitung angewiesene japanische Schiffsartillerie in der Sicht zu beeinträchtigen. Kurz darauf lagen die amerikanischen Schiffe bereits unter schwerem Beschuss.Hornfischer: The Last Stand, S. 135f., S. 156. Die Johnston, die am nordwestlichen Rand von „Taffy 3“ patrouillierte, war der angreifenden japanischen Flotte am nächsten. Commander Evans ließ den Zerstörer, ohne weitere Befehle von Admiral Sprague abzuwarten, sofort aus der Formation ausscheren, in Richtung der japanischen Flotte laufen und einen Rauchvorhang legen. Während die Feuerkraft der Geschütze von „Taffy 3“ kaum ausreichte, die Panzerung der schweren japanischen Einheiten zu durchbrechen, versprach ein Torpedoangriff zumindest solche Schäden anzurichten, dass einige japanische Schiffe die Verfolgung abbrechen müssten. Die Johnston lief daher allein und in voller Fahrt auf die nun etwa 25 km entfernte japanische Flotte zu und Evans plante den Torpedoangriff. Für diesen musste die Johnston allerdings auf etwa neun Kilometer an die japanischen Verfolger herankommen.Hornfischer: The Last Stand, S. 159f. Während das Schiff unter Beschuss von mehreren schweren Einheiten mit äußerster Kraft und im Zickzackkurs auf japanischen schweren Kreuzer an der Spitze des japanischen Angriffs zulief, ließ Evans auf etwa 16,5 Kilometer Entfernung selbst das Feuer mit den 12,7-cm-Geschützen der Johnston eröffnen. Während die japanischen Feuerleitgeräte auf optische Entfernungsmessung angewiesen waren, konnten die Geschütze der amerikanischen Zerstörer mittels radargestützter Feuerleitung wesentlich genauer schießen und waren nicht durch schlechte Sichtverhältnisse wie Rauch, Nebel oder raues Wetter beeinträchtigt. Obwohl viele Treffer beobachtet werden konnten, waren die Schäden auf den schweren Kreuzern nicht schwerwiegend genug, ein Schiff aus der Verfolgung der Träger zu zwingen.Hornfischer: The Last Stand, S. 178–184. mini|Der schwere Kreuzer Kumano musste nach einem Torpedotreffer die Verfolgung abbrechen