Operation Ripper, auch bekannt als Vierte Schlacht um Seoul, war eine militärische Operation der Vereinten Nationen (UN), die von der 8. US-Armee, unter General Matthew Ridgway, während des Koreakriegs durchgeführt wurde.

Hintergrund Mit der Niederlage bei Incheon Mitte September und dem Vormarsch der UN-Truppen nach Nordkorea stand die nordkoreanische Volksarmee am Rande des Zusammenbruchs. Mit dem Eintritt Chinas in den Krieg waren die UN-Truppen jedoch gezwungen, sich auf den Busan-Perimeter zurückzuziehen. Auch wenn es bisher keine unanfechtbaren Belege dafür gab, dass die chinesischen Truppen den 38. Breitengrad in voller Stärke überqueren und in Südkorea einmarschieren würden, ging General MacArthur dennoch von einem solchen Szenario aus. Als wahrscheinlichsten Zeitpunkt für einen solchen Angriff nannte er die Silvesternacht. Am 23. Dezember 1950 musste MacArthur einen Rückschlag verkraften, als Walton Walker, der Kommandeur der 8. Armee, bei einem Autounfall starb. Als MacArthur die Nachricht von Walkers Tod erhielt, ernannte er Lieutenant General Matthew Ridgway zu Walkers Nachfolger.Blair: 1987, S. 552 f., 567. Nach der erfolgreichen Operation Thunderbolt vom 25. Januar bis zum 11. Februar 1951 und den Niederlagen bei Chipyong-ni und Wonju zogen sich die chinesisch-koreanischen Truppen nach Hoengseong zurück.

Mit dem Rückzug des Feindes ordnete Ridgway sofort einen weiteren Vorstoß mit der Bezeichnung Operation Killer an. Auf Grund des schlechten Wetters und logistischer Probleme konnte die Operation nur geringe Erfolge erzielen. Dennoch hatte die Operation positive Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Krieges. Sie stellte die Linie östlich von Yangpyeong über Hoengsong nach Pangnim wieder her, welche die chinesische Gegenoffensive durchbrochen hatte. Darüber hinaus eröffnete der Einsatz der Marinedivision in diesem schwierigen Sektor die Möglichkeit eines aggressiveren Vorgehens, als Ridgway zuvor in Erwägung gezogen hatte. Außerdem konnten die Pioniertruppen wertvolle Erfahrungen im Umgang mit dem koreanischen Wetter sammeln.Blair: 1987, S. 728.

Auftakt Am 25. Februar begann Ridgway, seine Strategie neu zu bewerten und zu verfeinern. Unter Berücksichtigung von MacArthurs früherer Anweisung, sich nicht auf den Han oder andere willkürliche Linien zu beschränken, sondern weiter bis zur chinesischen Hauptverteidungslinie vorzustoßen, beschloss Ridgway, die gesamte 8. Armee in einer Generaloffensive gegen die chinesisch-koreanischen Truppen zu werfen. Bei einem Erfolg würde die 8. Armee bis zum 38. Breitengrad vorstoßen. Es wurden mehrere Pro- und Kontra-Argumente für oder gegen die Überquerung des 38. Breitengrades diskutiert.

Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen waren die moralische Verpflichtung eingegangen, ein „vereinigtes, unabhängiges und demokratisches Korea“ zu schaffen. Trotz der Intervention Chinas, das dieses ehrgeizige Ziel untergrub, wäre es moralisch verwerflich, sich mit weniger als einem umfassenden militärischen Sieg zufriedenzugeben. Außerdem sollte China für sein aggressives Vorgehen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Bemühungen Washingtons, Peking zu Verhandlungen zu bewegen, waren erfolglos geblieben. Die fortgesetzte Verfolgung der chinesischen Truppen über den 38. Breitengrad hinaus könnte Peking zu Verhandlungen bewegen.

Ungeachtet seiner gegenteiligen Äußerungen könnte Peking insgeheim bereit für Verhandlungen sein und sich mit dem Status quo ante bellum zufriedengeben. Sollte die 8. Armee den 38. Breitengrad überschreiten, würde Peking „sein Gesicht verlieren“ und sich möglicherweise gegen Verhandlungen entscheiden.

Ein vollständiger Sieg in Korea war wahrscheinlich nicht zu erreichen. Peking verfügte über eine praktisch unbegrenzte Truppenstärke. Darüber hinaus könnte Moskau offen in den Krieg eingreifen.

Die Verbündeten Washingtons, insbesondere die Briten, lehnten die Überquerung des 38. Breitengrades entschieden ab. Es stand zu befürchteten, dass die Überquerung des Breitengrades zu einer „Ausweitung des Krieges“ mit Peking und möglicherweise zu einer sowjetischen Intervention und dem Dritten Weltkrieg führen würde. Der Krieg war eine teure Belastung. Ein fortgesetzter Einsatz im strategisch eher unwichtigem Korea würde den Aufbau der NATO in Westeuropa ernsthaft verzögern.

Der Krieg war zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich unbeliebt und stellte eine erhebliche politische Belastung dar. Auf amerikanischer Seite waren bereits mehr als 60.000 Tote zu beklagen. Die Überquerung des 38. Breitengrades könnte den Widerstand gegen den Krieg verstärken und möglicherweise sogar zu einer offenen Auflehnung und schließlich zu einer politischen Krise führen.Dean Acheson, der Außenminister, der sich zuvor für die Überschreitung des 38. Breitengrades zur Verfolgung der Nordkoreaner eingesetzt hatte, sprach sich nun entschieden gegen ein solches Vorgehen aus. In einem Strategiepapier des Außenministeriums argumentierte er, dass weder Washington noch die UNO rechtlich verpflichtet seien, Korea mit militärischer Gewalt zu vereinigen. Der Außenminister leitete das Papier an den Verteidigungsminister George Marshall und die Generalstabschefs zur Stellungnahme weiter und schlug vor, es als Grundlage für Gespräche mit Präsident Truman zu verwenden. Außerdem empfahl er, MacArthur „genauere Anweisungen“ bezüglich des Breitengrades zu erteilen. Der Generalstab führte aus, dass der Staat militärische Operationen (der Halt am 38. Breitengrad) auf der Grundlage „aktueller politischer Umstände“ beschließe, anstatt neue, langfristige politische Ziele in Korea zu entwickeln, die als Grundlage für militärische Operationen dienen könnten. Des Weiteren würde die Ankündigung eines Stopps am 38. Breitengrad dem Gegner wertvolle Informationen liefern und die 8. Armee in eine militärische Zwangslage bringen. Tatsächlich sprachen sich zwei Mitglieder des Generalstabs (Joint Chiefs of Staff, JCS) für einen militärischen Einmarsch in Nordkorea aus. Forrest Sherman bevorzugte die Einnahme der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang mit der Begründung, dass eine solche Aktion Washington in eine vorteilhaftere Position für Verhandlungen mit Peking versetzen würde. General Collins stimmte mit dieser Einschätzung überein. Die chinesischen Kommunisten seien „unentschuldbar leichtsinnig“ gewesen, als sie sich mit ihren stärksten militärischen Kräften mit den Vereinigten Staaten anlegten, was zu einer „verheerenden Niederlage“ geführt habe. Er schlug vor, dass die UNO, falls sie Pjöngjang zurückerobern würde, auch Wonsan zurückerobern und eine Linie von Wonsan nach Pjöngjang einrichten sollte. Collins merkte an, dass eine Linie Wonsan–Pjöngjang eine starke Verteidigungsposition darstellen würde. Nach umfassender Diskussion und Klärung aller Punkte schloss sich Marshall der Position des JCS an. Auch stimmte er mit den Stabschefs überein, dass Achesons Papier nicht an den Präsidenten weitergeleitet wurde. Zudem hielt er eine umfassende Überprüfung der Korea-Politik auf Ebene des NSC für erforderlich. Bis das Ergebnis dieser Überprüfung vorliege, seien keine weiteren Anweisungen an MacArthur zu geben, da dieser bereits zugesagt habe, den 38. Breitengrad nicht zu überschreiten, ohne dies vorher mit Washington abzuklären.Blair: 1987, S. 728–732.

Plan Der allgemeine Vorstoß bestand aus zwei parallelen und gleichzeitigen Bewegungen. Die 25. Infanteriedivision (Major-General Bradley) des I. Korps sollte den Han östlich von Seoul an der Einmündung von Han und Pukhan überqueren. Von dort aus sollte sie nach Norden ins Hochland vordringen und Seoul und Uijongbu umgehen. Aus dem IX. Korps sollte die 1. Marinedivision (Major-General Oliver P. Smith) von Hoengsong über Hongchon bis Chunchon nach Norden vorrücken. Die 1. Kavallerie- (Major-General Charles Palmer) und die 2. Infanteriedivision (Major-General Clark Ruffner) sollten den Flankenschutz übernehmen. Rechts von der 2. Division befanden sich die 7. Division (Major-General Lyman L. Lemnitzer) sowie mehrere südkoreanische Divisionen.Blair: 1987, S. 732 f.

Streitkräfte Vereinte Nationen Die 8. Armee bestand aus 402.414 Soldaten, die aus den USA, Australien, Frankreich, Indien, den Niederlanden, den Philippinen, Schweden, Thailand, der Türkei und dem Vereinigten Königreich kamen. Diese Streitkräfte waren in fünf Korps gegliedert: I. Korps (Lieutenant-General Frank Milburn), IX. Korps (Major-General William M. Hoge), X. Korps (Lieutenant-General Edward M. Almond) sowie das I. Korps und das III. Korps des südkoreanischen Heeres (Daejang ist die südkoreanische Bezeichnung für General Paik Sun Yup).Boose: 2005, S. 67, 69, 71, 73.

China und Nordkorea Den UN-Truppen standen rund 290.000 chinesische und nordkoreanische Soldaten gegenüber. Die Chinesen waren in sieben korpsgroße Armeen und zweiundzwanzig Divisionen mit einer Stärke von 204.000 Mann unterteilt und kontrollierten vorwiegend den westlichen und mittleren Teil der Front. Etwa 52.000 nordkoreanische Soldaten wiederum, die in drei Korps und vierzehn unterbesetzten Divisionen zusammengefasst waren, hielten den östlichen Sektor.

Operationsbeginn Albany-Linie Operation Ripper begann am 7. März um 5:45 Uhr im Sektor der 25. Division mit massivem Artilleriebeschuss. Im Laufe von zwanzig Minuten feuerten 148 Artilleriegeschütze 5.000 Schuss auf mutmaßliche feindliche Stellungen am Nordufer des Han ab. Um 6:15 Uhr wurde das Artilleriefeuer gedrosselt und auf Ziele tiefer innerhalb des Brückenkopfes umgeleitet. Bei der Überquerung des Flusses erzielten die Truppen einen vollständigen Überraschungserfolg. Die Verluste waren minimal. Sobald die Truppen das andere Ufer erreicht hatten, begannen die Pioniere in den Sektoren des 24., 27. und 35. Infanterieregiments mit dem Bau von Pontonbrücken. Die Errichtung der Pontonbrücken in den Sektoren des 24. und 35. Infanterieregiments gestaltete sich jedoch schwierig. Die unerwartet starke Strömung des Flusses stellte eine große Herausforderung für die Pioniere dar. Um 15:00 Uhr überquerte der erste Lastwagen den Fluss im Sektor des 24. Regiments. Die Errichtung der Pontonbrücke im Sektor des 35. Infanterieregiments dauerte volle vierundzwanzig Stunden. In der Zwischenzeit begann auf der rechten Seite die 1. Marinedivision ihren Vorstoß. Das 7. Marine-Regiment auf der linken und das 1. Marine-Regiment auf der rechten Seite, rückten in einer Linie vor, während das 5. Marine-Regiment seine Patrouillen im Hoengsong-Gebiet als Reserve der Division fortsetzte. Die beiden Regimenter stießen nur auf minimalen Widerstand und erreichten ihre Ziele ohne größere Verluste. Die Gesamtzahl der Verluste an diesem Tag belief sich auf sieben Verwundete.Montross, Kuokka, Hicks: 1962, S. 81.Blair: 1987, S. 737 ff.