Die Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte (GUW) fördert durch interdisziplinäre, internationale Tagungen die wissenschaftliche Forschung und Lehre im Gesamtgebiet der Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte.

Geschichte

Die Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte (GUW) wurde 1995 in Schloss Münchenwiler gegründet. Auf Initiative von Rainer Albert Müller (Eichstätt), Rüdiger vom Bruch (Berlin) und Rainer Christoph Schwinges (Bern) trafen sich hier Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vom 31. März bis 2. April 1995 während einer Tagung über „Perspektiven der Universitäts-, Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte“ zur Gründungsversammlung. Als Gründungsmitglieder beteiligt waren Laetitia Boehm (München), Notker Hammerstein (Frankfurt/Main), Walter Höflechner (Graz), Peter Moraw (Giessen), Wolfgang Pross (Bern), Walter Rüegg (Bern/Veytaux), Anton Schindling (Tübingen), Klaus Schreiner (Bielefeld), Winfried Stelzer (Wien) und Klaus Wriedt (Osnabrück).

Die erste internationale Tagung zum Thema: „Artisten und Philosophen – Wissenschafts- und Wirkungsgeschichte einer Fakultät vom 13. bis zum 19. Jahrhundert“, führte die GUW im Juni 1997 im Centro Stefano Franscini der ETH Zürich auf dem Monte Verità (Ascona, Schweiz) durch. Weitere Tagungen folgten in der Regel in zweijährigem Rhythmus in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Tagungsakten werden seit 1999 in der Reihe „Veröffentlichungen der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte (VGUW)“ publiziert.

Die internationale Tagung „Universität – Reform. Ein Spannungsverhältnis von langer Dauer (12.–21. Jahrhundert)“ fand 2013 in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel statt; 2015 folgte in Wien die Tagung „Zwischen Inaugurationsfeier und Fachschafts-Party. Akademische Festkulturen vom Mittelalter bis zur Gegenwart“.

Bei der 2017 in Heidelberg veranstalteten Tagung „Hochschule und Politik – Politisierung der Universitäten vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ untersuchten die Teilnehmer das Verhältnis europäischer Universitäten zu politischen Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Konflikten vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Thematisiert wurden sowohl methodische Fragen des Politikbegriffs als auch historische Konstellationen wie die Rolle von Universitäten in landesherrlicher Politik, im Nationalsozialismus, in der deutschen Nachkriegszeit und während der Hochschulreformen der 1960er- und 1970er-Jahre.

Neben ihren regulären Tagungen betreibt die Gesellschaft Nachwuchsförderung. Dazu gehören Workshops, bei denen Promovierende, Postdoktoranden und weitere Nachwuchswissenschaftler ihre Forschungsprojekte zur neueren Universitätsgeschichte vorstellen und methodische sowie quellenbezogene Fragen diskutieren. Der vierte Workshop zur „Universitätsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert“ fand im März 2021 als digitale Veranstaltung statt.

Die Ergebnisse der Tagungen werden seit 1999 in der Reihe „Veröffentlichungen der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte“ publiziert. Bis 2023 erschienen mindestens 17 nummerierte Bände. Zu den neueren Bänden gehören „Hochschule und Politik“ als Band 16 und „Intellektuelle“ als Band 17.

Darüber hinaus ist die Gesellschaft über dessen Herausgeber mit dem „Jahrbuch für Universitätsgeschichte“ verbunden. Das Jahrbuch veröffentlicht Beiträge mit institutionen-, wissenschafts-, sozial- und personengeschichtlichen Ansätzen zur europäischen und außereuropäischen Universitätsgeschichte.

Der Historiker Robert Gramsch-Stehfest bewertet die Gründung und Tätigkeit der Gesellschaft als einen Beitrag dazu, die Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte stärker zu institutionalisieren und epochenübergreifend auszurichten.

Die GUW betreibt Nachwuchsförderung und untersucht Fragestellungen zu Herausforderungen des gegenwärtigen Universitätssystems. Nach Robert Gramsch-Stehfest hat die GWU die Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte „stärker institutionalisiert und epochenübergreifend ausgerichtet“.

Präsidenten 1995–2009: Rainer Christoph Schwinges, Professor für Allgemeine Geschichte des Mittelalters an der Universität Bern 1989–2008, Ehrenpräsident seit 2015 2009–2022: Martin Kintzinger, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster (2002–2023) seit 2022: Marian Füssel, Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung der Wissenschaftsgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen

Publikationen (Auswahl) VGUW Band 1: Artisten und Philosophen – Wissenschafts- und Wirkungsgeschichte einer Fakultät vom 13. bis zum 19. Jahrhundert, hg. von Rainer Christoph Schwinges, Basel (Schwabe Verlag) 1999. VGUW Band 2: Juristen für das Reich. Die deutschen Rechtsstudenten an der Universität Bologna 1265–1425, hg. von Jürg Schmutz, Basel (Schwabe Verlag) 2000. VGUW Band 3: Humboldt international. Der Export des deutschen Universitätsmodells im 19. und 20. Jahrhundert, hg. von Rainer Christoph Schwinges, Basel (Schwabe Verlag) 2001.

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Einzelnachweise

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