Der T17E1 Staghound war ein US-amerikanischer Spähpanzer aus den 1940er-Jahren, der hauptsächlich für den Einsatz bei verbündeten Streitkräften bestimmt war.
Geschichte Der T17E1 Staghound I war ein amerikanischer Entwurf für einen Radpanzer, der von Alliierten Kräften genutzt wurde, jedoch bei der US Army nicht im Fronteinsatz war. Es gab den Chevrolet T17 E1 4×4 und die Sechsradvariante M20 Ford T17 6×6 sowie die Achtradvariante T18 Boarhound. Die Briten bestellten 300 Stück der Vierradvariante.
Technik Der T17E1 wurde für schnelle Aufklärungseinsätze konzipiert. Der leistungsstarke Motor und die Wendigkeit des 4×4-Fahrgestells trugen dieser Anforderung Rechnung. Die relativ große Bodenfreiheit erlaubte es, bis zu einer Furttiefe von 0,80 Meter zu waten. Der Turm war eine konventionelle Entwicklung. Die Staghounds mussten wegen ihrer leichten Panzerung einen Konflikt mit stärker bewaffneten Kräften meiden. Die 37-mm-Kanone war zum Zeitpunkt der Einführung des Fahrzeugs bereits veraltet. So suchten die Briten nach Möglichkeiten, die Kampfkraft des Staghounds zu steigern. Es entstanden die Varianten Mk II und III.
An den Seiten konnte der Staghound zwei Fässer mit zusätzlichem Treibstoff mitführen. Das steigerte zwar die Reichweite erheblich, war aber im Gefechtsfall jedoch enorm gefährlich. So stellen Treffer aus leichten Waffen schon ein großes Gefahrenpotential für das Fahrzeug dar.
Einsatz Nahezu die gesamte Produktion ging an die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth. 1942 wurden die ersten nach Großbritannien verschifft. Dort wurden sie den britischen, kanadischen, belgischen, indischen und neuseeländischen Einheiten zugeteilt. Durch seine Panzerung, seine Schnelligkeit und die große Reichweite war er ein im Einsatz effektives Fahrzeug. Nach dem Krieg gingen einige Staghounds nach Dänemark, Indien und Südafrika, andere blieben noch einige Jahre im Dienst der britischen Armee. Die Italienischen Streitkräfte nutzen den Staghound zumindest bis in die 1950er-Jahre.
Umstrittene Beschaffung bei der Schweizer Armee Der Staghound T17E1 wurde 1951 von der Schweizer Armee im Rahmen der amerikanischen „Surplus“-Verkäufe nach dem Zweiten Weltkrieg beschafft. Insgesamt wurden 64 Fahrzeuge für rund 900'000 Franken erworben, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch kein klares Einsatzkonzept für den Radpanzer bestand. Die unter Zeitdruck erfolgte Beschaffung gilt als eine der schnellsten und zugleich umstrittensten Rüstungsanschaffungen der Schweizer Armee.
Die Beschaffung stand im Zusammenhang mit der beginnenden Mechanisierung der Schweizer Armee Anfang der 1950er-Jahre. Nach Einführung der Truppenordnung 1951 plante die Armee den Aufbau stärkerer Panzerverbände und suchte nach geeigneten Fahrzeugen für Aufklärungs- und Unterstützungsaufgaben. Der Staghound wurde dabei unter anderem als Führungsfahrzeug für Panzerverbände sowie als Aufklärungs- oder Panzerabwehrfahrzeug erprobt. Zwischen 1953 und 1955 fanden verschiedene technische und taktische Versuche statt, unter anderem mit umgebauten Fahrzeugen und schweizerischer Bewaffnung.
Obwohl die Fahrzeuge technisch als zuverlässig galten, erwiesen sie sich für die Anforderungen der Schweizer Armee als wenig geeignet. Insbesondere die eingeschränkte Geländegängigkeit eines Radfahrzeugs im alpinen Gelände sowie fehlende taktische Einsatzmöglichkeiten führten dazu, dass nie eine sinnvolle Verwendung gefunden wurde. Mehrere beteiligte Offiziere bezeichneten den Ankauf rückblickend ausdrücklich als Fehlentscheidung.
Bereits der Transport in die Schweiz verlief problematisch: Im Oktober 1951 gingen beim Verladen im Hafen von Southampton neun Fahrzeuge über Bord und mussten später verschrottet werden. In den folgenden Jahren stiegen die Kosten durch Revisionen, Umbauten und Ersatzteile erheblich an. Gleichzeitig scheiterten Versuche, die Fahrzeuge unter anderem nach Syrien weiterzuverkaufen, aus politischen Gründen.
1955 entschied das Eidgenössische Militärdepartement schliesslich, die Überholung der Fahrzeuge einzustellen und den grössten Teil der Staghound zu verschrotten. Einzelne Fahrzeuge dienten später noch als Hartziele auf Schiessplätzen, während einige Türme in Festungsanlagen im Raum Saint-Maurice als stationäre Maschinengewehrstände weiterverwendet wurden.
Das letzte erhaltene vollständige Exemplar befand sich lange Zeit in der Sammlung des Waffenplatz Thun und wurde am 25. März 2024 in das Militärmuseum Full-Reuenthal überführt.
Varianten In der G-Liste zum US-Ordnance-Katalog der US-Army werden die Fahrzeugtypen T17E1 und T17E2 unter der Nummer SNL G-122 geführt. In den Dokumenten TM 9-2800, TM 9-741, TM 9-1741A, TM 9-1741B, TM 9-1741C finden sich weitere Detailbeschreibungen. Nachfolgend eine Übersicht der Varianten. Mk I: wie oben beschrieben Mk II: mit einer Panzerhaubitze ausgestattet Mk III: mit dem Turm des Crusader-Panzers und 75-mm-Kanone bewaffnet AA: mit zwei 12,7-mm-Luftabwehr-MG M2 Command: Turmlos mit Funkanlage, als mobiler Kommandoposten
Einige Fahrzeuge wurden mit Schlegeln ausgerüstet, um Minen zu räumen.
Siehe auch Britische Militärfahrzeuge des Zweiten Weltkrieges
Literatur Philip Trewhitt: Panzer. Die wichtigsten Kampffahrzeuge der Welt vom Ersten Weltkrieg bis heute. Neuer Kaiserverlag, Klagenfurt 2005, ISBN 3-7043-3197-X, (Wissenswertes – Technik).
Weblinks
Einzelnachweise TM 9-2800
Kategorie:Britisches Militärfahrzeug Kategorie:Spähpanzer Kategorie:Radpanzer Kategorie:Militärfahrzeugtyp des Zweiten Weltkrieges (Vereinigte Staaten) Kategorie:Militärisches Radfahrzeug (4×4)