Toliszczek (deutsch Burgsdorf) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Landgemeinde Gniewino in der polnischen Woiwodschaft Pommern und gehört zum Powiat Wejherowski.
Geographische Lage Das Dorf liegt in der Nähe der früheren Grenze zwischen Hinterpommern und Westpreußen, unweit des Westufers des Zarnowitzer Sees, etwa 29 Kilometer nordöstlich von Lębork, 19 Kilometer nordwestlich von Wejherowo und fünf Kilometer nordnordwestlich des Dorfs Kolkowo.
Geschichte Für den adligen Wohnsitz Burgsdorf in Ostpommern war noch im 19. Jahrhundert auch die ältere Ortsbezeichnung Tolleschke üblich.Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 6: , Halle 1825, S. 481 ( Google Books).
Burgsdorf wird in der Literatur in Zusammenhang mit einem 1878 geborgenen, aus 95 teils auf Silberdrahtringe aufgezogenen Bernsteinperlen und Glasperlen bestehenden archäologischen Fund genannt, den Historiker der Völkerwanderungszeit oder dem 7. oder 8. Jahrhundert zugeordnet haben, doch sind die näheren Fundumstände des 1881 aus Privatbesitz an das Danziger Museum gelangten Fundes unbekannt.Hans Jürgen Eggers: Grabfunde aus der Völkerwanderungszeit aus Pommern. In: Baltische Studien, Band 46, Hamburg 1959, S. 13–27, insbesondere S. 15 (digitale-bibliothek-mv.de).
Um 1903 hatte das Gut Burgsdorf eine Flächengröße von 228 Hektar, Besitzer war Paul Mielke.Paul Niekammer: Westpreussisches Güter-Adressbuch, Niekammer, S. 50–51 (digitale-bibliothek-mv.de)
Als nach dem Ersten Weltkrieg der Versailler Vertrag die Verlegung des sogenannten Polnischen Korridors durch das Reichsgebiet vorsah, wurde Burgsdorf aus dem Kreis Neustadt in Westpreußen am 2. August 1919 in den Kreis Lauenburg in Pommern eingegliedert.Amtsbezirk Kolkau (Territorial.de)
Am 1. April 1927 hatte das Gut Burgsdorf eine Flächengröße von 209 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 109 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 398 (Google Books). Im darauffolgenden Jahr wurde der Gutsbezirk Burgsdorf in eine Landgemeinde gleichen Namens umgewandelt.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Burgsdorf eine Flächengröße von 2,1 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen, wo Burgsdorf die einzige Wohnstätte war, standen sieben bewohnte Wohnhäuser.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1936 wurde die Gemeinde Burgsdorf in die Gemeinde Bychow im Amtsbezirk Gnewin eingegliedert.
Bis 1945 bildete Burgsdorf eine Wohnstätte in der Landgemeinde Bychow im Landkreis Lauenburg in Pommern im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern im Deutschen Reich.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte Anfang März 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde der Kreis Lauenburg von der Sowjetunion zusammen mit ganz Hinterpommern der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Anschließend begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten, von denen die einheimischen Dorfbewohner aus ihren Häusern und Gehöften gedrängt wurden. Der Ortsname Burgsdorf wurde zu Toliszczek polonisiert. In der darauf folgenden Zeit wurden die einheimischen Dorfbewohner von der polnischen Administration aus Burgsdorf vertrieben.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 21 adliges Etablissement;Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 213, Ziffer 6126 (Google Books). darunter zwanzig Lutheraner und ein KatholikDanziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 156–157, Ziffer 30 (Google Books). 1852 50 EtablissementKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 85 (Google Books). 1864 84 am 3. Dezember, GutsbezirkPreußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, Abschnitt 7. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 2–9, Ziffer 16 ( Google Books). 1867 69 am 3. Dezember, adliges Vorwerk 1871 64 am 1. Dezember, adliges Vorwerk, davon 63 Evangelische und ein Katholik Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt, Berlin 1874. Abschnitt VIII. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 392–393, Ziffer 107 (Google Books). 1910 66 am 1. Dezember, Gutsbezirk 1925 109 darunter 58 Evangelische und 51 Katholiken (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
Kirche Kirchspiel bis 1945 Die vor 1945 hier lebenden Dorfbewohner gehörten mehrheitlich der evangelischen Konfession an. Die evangelischen Einwohner von Burgsdorf gehörten zum evangelischen Kirchspiel in Gnewin.
Das katholische Kirchspiel war in Wierschutzin.
Polnisches Kirchspiel seit 1945 Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch.
Hier lebende evangelische Polen sind dem weit entfernten Pfarramt der Kreuzkirchengemeinde in Słupsk in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugeordnet, deren nächstgelegene Predigtstätte in Lębork ist.
Literatur Burgsdorf, Rittergut, Kreis Neustadt Westpr., Regierungsbezirk Danzig, Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org) Kolkau, Rittergut, Kreis Neustadt Westpr., Regierungsbezirk Danzig, Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kolkau (meyersgaz.org) Paul Niekammer: Westpreussisches Güter-Adressbuch, Niekammer, Stettin 1903, S. 50–51 (digitale-bibliothek-mv.de)
Weblinks Amtsbezirk Kolkau/Kreis Neustadt in Westpreußen (territorial.de) Amtsbezirk Kolkau/Kreis Lauenburg in Pommern (territorial.de) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
Fußnoten
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