mini|Typenschild der Zellweger A.‑G. mini|Telegrafenmast am Bahnhof Zollikofen (um 1916) Die Zellweger AG (geschrieben auch: Zellweger A.-G.) war eine Schweizer Aktiengesellschaft (AG) mit Sitz in Uster im Kanton Zürich. In den 1940er-Jahren trug sie den Namenszusatz «Apparate- u. Maschinenfabriken».

Unternehmensgeschichte Im Jahr 1874 eröffneten Jakob Kuhn und Jakob Wolfensberger in Uster die Lufttelegraphen-Werkstätte. Der Name bezog sich nicht auf die damals noch nicht erfundene Funktechnik – Funkgeräte wurden durch Zellweger erst mehr als ein halbes Jahrhundert später gebaut –, sondern auf die kabelgebundene Telegrafie, wie sie zu der Zeit weit verbreitet war. Die Kabel wurden mithilfe von Telegrafenmasten «durch die Luft» geführt (Bild).

Im Jahr 1880 übernahmen Alfred Zellweger und Wilhelm Heinrich von Ehrenberg diese Werkstätte und gründeten als Kommanditgesellschaft (KG) die Fabrik für electrische Apparate, in der sie Elektromotoren, Läutwerke, Lichtanlagen, Telefonapparate, physikalische Instrumente, medizinische Apparate und Blitzableitungen herstellten.Christian Kobelt: 100 Jahre Zellweger Uster. In: Technische Mitteilungen PTT. Bd. 53, Heft 8, 1975, S. 309–310. Nach dem Tod von Alfred Zellweger in 1916 wurde 1918 die KG in eine AG umgewandelt, und es entstand die Firma Zellweger AG Uster. Dabei beteiligten sich der Textilindustrielle Jakob Heusser-Staub und der Maschinenbauer Wilhelm Honegger substanziell an dieser Firma und wurden deren Mehrheitseigner.Hans C. Bechtler, Walter Hess: Zellweger Uster AG, 100 Jahre 1875–1975. Verlag Zellweger, Uster 1975, 91 S.

Im Jahr 1923 wurde die Fertigungspalette um eine weitere, damals hochmoderne Technik erweitert, und man stellte nun auch Radioempfänger unter Lizenz von Marconi her. 1927 kamen auf Initiative von Jakob Heusser mechanische Hilfsmaschinen wie eine Webkettenknüpfmaschine für Webereien hinzu und später auch Funkgeräte (Bild). Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, begann man mit der Herstellung der Nema, einer Schweizer Chiffriermaschine.Dominik Landwehr: Mythos Enigma. Transcript-Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-893-3, S. 68–80.

Die elektrische Kaffeemühle Perl wurde ab 1928 über eine erste Tochtergesellschaft auch in Deutschland verkauft. Später wurden für andere Produktionszweige weitere Tochterfirmen für den Vertrieb in Frankreich, Australien und Neuseeland gegründet.

Heusser gliederte die Zellweger AG 1938 in die von ihm gegründete Holdinggesellschaft Hesta AG ein.Von der Strassenbeleuchtung zum Mikrochip. 125 Jahre Zellweger Luwa AG, Uster. In: NZZ. 1. September 2000, S. 45 (Paywall).

In den 1950er-Jahren nahmen die Brüder Hans Bechtler und Walter Bechtler über verwandtschaftliche Beziehungen im Verwaltungsrat der Zellweger AG Einsitz und übernahmen die Verantwortung für dieses Unternehmen. Über sie kam auch die von ihnen 1935 gegründete Luwa AG zur Firmengruppe Hesta AG. Später folgte Thomas W. Bechtler, Sohn von Walter Bechtler, als deren Verwaltungsratspräsident.Der unsichtbare Unternehmer. In: NZZ. 15. Mai 2005, abgerufen am 9. März 2025 (Paywall).

Auf Initiative der Zellweger AG wurde zusammen mit weiteren Industriebetrieben 1961 die Arbeitsgemeinschaft für berufliche Weiterbildung Uster gegründet, welche anschliessend eine eidgenössisch anerkannte Technikerschule führte.Zusammenarbeit Berufs- und Technikerschule Uster. In: NZZ. 16. Dezember 1994, S. 55 (Paywall).

Durch Firmenübernahmen wie 1967 der Polymetron AG in Hombrechtikon und 1969 der Telefonografen AG in Uster wurden die Geschäftstätigkeiten erweitert.

Eine Zusammenarbeit der Firmen Autophon AG, Hasler Holding AG, Gfeller AG und Zellweger Uster AG bestand seit 1984 in der Form des Vereins Association Suisse de Communication (Ascom), um Entwicklungen und Fabrikationskapazitäten der Schweizer Fernmeldeindustrie besser zu koordinieren.Mathias Kaiserswerth: Ein Rückblick auf 75 Jahre Hasler Stiftung. Hasler Stiftung, Mai 2025, S. 31, abgerufen am 25. Februar 2025.

Am 1. Juli 1986 wurde die Zellweger Telecommunications AG in Hombrechtikon gegründet. Daran beteiligt waren je zur Hälfte die Zellweger Uster AG und die Ascom Holding AG.

Bei der Fusion von Autophon und Hasler im Juni 1987 wurde die Zellweger Telecommunications AG ebenfalls in die neu gegründete Ascom Holding AG eingebunden.Zusammenschluss in der Schweizer Fernmeldeindustrie. In: Bulletin SEV. Bd. 78, Heft 3, 1987, S. 155.

Zellweger Uster AG gelang es, bei der neu formierten Ascom Schlüsselpositionen zu besetzen. Fred Sutter war bis 1986 Direktor der Produktbereiche Telekommunikation und Polymetron bei Zellweger und wurde nach Übertritt zur Hasler AG in Bern per Ende 1986 vorerst Direktionspräsident von HaslerHasler AG, Bern In: NZZ 23. September 1986, S. 26. Abgerufen am 15. März 2025 (Paywall). Ab der Fusion 1987 wurde er durch diese Stellung stellvertretender Konzernleiter der Ascom Holding AG als Partner von Heinz Frey, dem von Autophon stammenden Konzernleiter.Management Know-how In: NZZ 18. Februar 1989, S. 34. Abgerufen am 15. März 2025 (Paywall) Auch Jürg Abt, zuvor Leiter der Zellweger Telecommunications, wurde Mitglied der Konzernleitung von Ascom.Zellweger Telecommunications AG In: Schweizerisches Handelsamtsblatt Bd. 104 (1986), Heft 286, 27. November 1986, S. 4693. Abgerufen am 15. März 2025

Am 7. Juli 1989 wurde aus der Zellweger Telecommunications AG die Ascom Zelcom AG und ging im selben Jahr voll in den Besitz der Ascom Holding über.Im Blickpunkt: Ascom Zelcom AG. In: Bulletin SEV. Bd. 80, Heft 19, 1989, S. 1279.

Im Jahr 1993 fusionierte Zellweger mit der Luwa AG zur Zellweger Luwa AG. Luwa hatte ursprünglich Feinfilter für Gasmasken und Schutzräume hergestellt.

Bis 1997 wurden mehrere Geschäftsfelder über Teilverkäufe abgetreten, so Telefonie und Funk an Ascom, Bürokommunikation, Verkehrselektronik (Multanova AG), Webereisysteme und die Elektroinstallation (Burkhalter Holding AG).

Zellweger Luwa AG beschäftigte im Jahr 2000 weltweit 4200 Mitarbeiter, davon rund 700 in Uster.

2003 dekotierte Hesta AG die Zellweger Luwa AG von der Schweizer Börse (Going Private) mit der Begründung, dass die Sanierung von Zellweger Analytics und Luwa dies erfordere.Going-private der Zellweger Luwa AG ist perfekt. In: NZZ. 22. März 2003, S. 30, abgerufen am 25. Februar 2025 (Paywall).

Daraus entstand 2003 durch einen Management-Buy-out die Uster Technologies AG. Diese Firma konzentriert sich auf Kontroll- und Messsysteme für die Textilindustrie. 2012 wurde die Uster Technologies AG durch die Toyota Industries Corporation übernommen.Uster Technologies. In: uster.com. Abgerufen am 24. Februar 2025.

Produktbereiche Telefonapparate mini|Tritel Valbella mini|Telefonapparat mit Flüssigkristallbildschirm Tritel, Modell Crystal (Schweiz) Bereits die Vorgängerfirma Fabrik für elektrische Apparate stellte Telefonapparate her. LB-Wandstationen von A. Zellweger Uster kamen in den 1910er- und 1920er-Jahren auf den Markt.Telefone 1878–1930. In: swiss-phones.ch. Abgerufen am 9. März 2025.

Auch Armeetelefone wie das Modell ATf 47 wurden frühzeitig für die Schweizer Armee hergestellt.Armeetelefon Modell 47. Stiftung HAMFU, abgerufen am 9. März 2025.

Bedeutend waren später Teilnehmerapparate, welche in Zusammenarbeit mit der Schweizer PTT eingeführt wurden. Dazu war Zellweger AG Teil einer Arbeitsgemeinschaft zusammen mit Autophon AG, Solothurn, und Chr. Gfeller AG, Bern. Für das Modell 50 (Baujahr ab 1954) entwickelte Zellweger ein verbessertes Mikrofon.G. Fontanellaz: Die neue Teilnehmerstation Mod. 1950 in Verbindung mit der Netzplanung. In: Technische Mitteilungen PTT. Bd. 30, Heft 3, 1952, S. 91–97.

Die Folgeserie des Modells 70 (Baujahr ab 1971) wurde ebenfalls durch dieselbe Arbeitsgemeinschaft für die PTT hergestellt.Telefone 1931–1980. In: swiss-phones.ch. Abgerufen am 9. März 2025.

Für die Lancierung 1984 der Telefonapparatefamilie TS 85 trat dieselbe Arbeitsgemeinschaft der drei erwähnten Unternehmen als Firmengemeinschaft ATS-85 auf. Die PTT wählte dafür den Handelsnamen Tritel.Tritel. In: swiss-phones.ch. Abgerufen am 9. März 2025. Die dafür neu entwickelte Telefonkapsel TK-85 ist ein dynamisches Wandlersystem mit einer auf einer Kunststoffmembrane befestigten Tauchspule, welche im Luftspalt eines Dauermagneten schwingt. Ein Mikrofonverstärker ist steckbar zugeschaltet. Diese Kapsel kann als Mikrofon wie auch als Hörer dienen.Alfred Scheidegger, Martin Engel: Die neue Telefonapparatefamilie TS 85. In: Technische Mitteilungen PTT. Bd. 61, Heft 11, 1983, S. 376–392, abgerufen am 5. März 2025. Die Serienherstellung dieser Wandler oblag für alle Tritel-Telefone der Zellweger AG.

Walter Linggi war bei Zellweger massgebender Entwickler der über 3500 orangen SOS-Notrufsäulen, die seit 1966 alle zwei Kilometer beidseitig längs der Schweizer Nationalstrassen im Einsatz waren.Michael Soller: Telefon-Tüftler sucht Nachfolger In: Tagesanzeiger 6. März 2011. Abgerufen am 15. März 2025 Linggi besass anschliessend ab 1977 bis zu seinem altersbedingten Rücktritt seine eigene Firma Telbit GmbH, Hinwil, welche Notrufsäulen und spezielle Telefonapparate herstellt.Website der Firma Telbit Abgerufen am 15. März 2025 Zu den speziellen Notrufsäulen an Autobahnen zählten diejenigen im neuerbauten Gotthardtunnel.Schnell zur Notrufsäule. In: Technische Mitteilungen PTT. Bd. 58, Heft 12, 1980, S. 466.

Zellweger stellte auch Gebührenerfassungsgeräte für Telefonanlagen sowie Geräte zur Telefongesprächsüberwachung in Telefonzentralen her. Diese Geräte konnten gezielt bestimmte Teilnehmerverbindungen bezüglich Gegenstation, Zeitpunkt und Zeitdauer erfassen und aufzeichnen.TCA-B: Telephone Call Analyser. Crypto Museum NL, abgerufen am 9. März 2025 (englisch).

Funk mini|Funkstation KL‑43 von Zellweger (aus dem Zweiten Weltkrieg) mini|SSB-Kurzwellenstation SE-222 Die K-Station (SE-108) war 1936 die erste militärische, tragbare Kleinfunkstation von Zellweger.Kleinfunkgerät der Artillerie «K1». Stiftung HAMFU, abgerufen am 9. März 2025. Es folgte das Patrouillenfunkgerät P, auch P-Station, der Infanterie ab 1939. Es war röhrenbestückt, die Stromversorgung erfolgte mittels Handkurbeldynamo. Das verbesserte Patrouillenfunkgerät «P5», auch SE-105 genannt, folgte ab 1943.Patrouillenfunkgerät «P5» der Infanterie. Stiftung HAMFU, abgerufen am 9. März 2025.

Etwa gleichzeitig entwickelte Zellweger die Truppenfunkstation FL-40 (Fahrbar Leicht), welche auf einem leichten Wagen montiert und hauptsächlich zum Morsen genutzt wurde. Es gab davon eine tragbare Version TS-40 (SE-215).Fahrbar leichte Funkstation FL-40. Stiftung HAMFU, abgerufen am 9. März 2025.Rudolf Ritter: Fernmeldematerial der Schweizer Armee seit 1875. Abteilung für Übermittlungstruppen Bern, 1. + 2. Folge, 2. Auflage, 1978, S. 16–18. Dazu wurde der auch separat einsetzbare Allwellenempfänger Uster (E-41; E-601) entwickelt, welcher ebenfalls zum Abhören fremder Funknetze benutzt wurde.Allwellenempfänger E-41. Stiftung HAMFU, abgerufen am 9. März 2025.Rudolf Ritter: Fernmeldematerial der Schweizer Armee seit 1875, Empfangsgeräte. 7. Folge. Bundesamt für Übermittlungstruppen, Bern 1992, S. 33–37.

Es folgten die Single-SideBand (SSB)-Kurzwellenstation SE-222Kurzwellenfunkstation SE-222. Stiftung HAMFU, abgerufen am 9. März 2025. und die schwere Funkfernschreibstation SE-415. Es war das komplexeste und leistungsfähigste Grossfunkmittel der schweizerischen Armee und wurde auch von der österreichischen Armee genutzt.Kurzwellenfunkstation SE-415. Stiftung HAMFU, abgerufen am 9. März 2025. Der Rundspruchsender S-510 wurde eine der letzten Zellweger-Entwicklungen auf diesem Gebiet.Martin Bösch: Zellweger AG, Uster: Firmengeschichte. In: armyradio.ch. 15. Dezember 2011, abgerufen am 9. März 2025.