Dolores Prato (geboren 12. April 1892 in Rom; gestorben 13. Juli 1983 in Anzio) war eine italienische Schriftstellerin.
Leben Dolores Prato war die Tochter der Witwe Maria Prato Pacciarelli und eines Rechtsanwalts aus Kalabrien, dessen Name unbekannt blieb, ihre Mutter hatte bereits aus ihrer Ehe mit einem römischen Beamten vier Kinder. Sie wuchs bei Verwandten, einem Priester und dessen alleinstehender Schwester, in Treia in der Provinz Macerata in den Marken auf. Diese fanden für sie 1905 einen Platz im Internat der Salesianer in Treia. Prato schrieb über ihre Zeit bei den Nonnen später das Buch Le ore. 1912 ging sie nach Rom und besuchte ein Lehrerinnenseminar. Ab 1919 war sie Lehrerin in Sansepolcro, dann in Macerata und von 1923 bis 1930 in San Ginesio an der Schule von Vincenzo Cento. Aufgrund unterschiedlicher pädagogischer Vorstellungen wurde ihre Arbeit dort beendet, und Prato ging zurück nach Rom, wo sie sich mit Lehraufträgen und Privatunterricht durchschlug.
Nach Kriegsende war sie eine Zeitlang mit Andrea Gaggero befreundet. Sie schrieb einige Artikel für die kommunistische Zeitung Paese Sera. In den Folgejahren gewann sie mit ihren spärlich veröffentlichten Texten einige Anerkennungen. In den 1960er Jahren begann sie, eine autobiografische Kollage von über eintausend Manuskriptseiten über ihre Kindheit und Jugend in Treia und im Lehrerinnenseminar anzulegen. Um 1970 war die Arbeit an Giù la piazza, non c’è nessuno beendet, aber erst 1977 reichte sie das Manuskript bei Einaudi ein. Die Lektorin Natalia Ginzburg kürzte den Text auf ein Drittel und arrangierte die Blöcke neu, um potentiellen Lesern den Zugang zu erleichtern. Der Originaltext erschien erst 1997 postum bei Mondadori, herausgegeben vom Literaturwissenschaftler Giorgio Zampa.
Werke Sangiocondo. Rom: Campana, 1963 Scottature. Rom: Tip. Canella, 1967 Giù la piazza, non c’è nessuno. Verkürzte Fassung. Turin: Einaudi, 1980 Giù la piazza, non c’è nessuno. Mailand: Mondadori, 1997 Unten auf der Piazza ist niemand : Roman. Übersetzung Anna Leube. Nachwort Esther Kinsky. München: Carl Hanser, 2024 Le ore I. Herausgegeben von Giorgio Zampa. Mailand: Libri Scheiwiller, 1986 Le ore II. Parole. Herausgegeben von Giorgio Zampa. Mailand: Libri Scheiwiller, 1988 Le mura di Treia e altri frammenti. Treia, 1992 Le Ore. Herausgegeben von Giorgio Zampa. Mailand, 1994 Interno Esterno Interno. Herausgegeben von Giorgio Zampa. Treia, 1996 Campane a Sangiocondo. Herausgegeben von N. Paolini Giachery. Rom 2009 Sogni. Macerata: Quodlibet, 2010 Roma, non altro. Macerata: Quodlibet, 2022 Educandato. Macerata: Quodlibet, 2023
Literatur Ines Ferri Ferrari: Prato, Dolores. In: Enciclopedia Italiana. Band: Appendice V. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1996.
Monica Farnetti: Il centro della cattedrale : i ricordi d'infanzia nella scrittura femminile. Dolores Prato, Fabrizia Ramondino, Anna Maria Ortese, Cristina Campo, Ginevra Bompiani. Tre Lune, Mantua 2002. Stefania Severi, Maria Teresa Secondi Mongiello: L’essenza della solitudine: vita di Dolores Prato. Sovera, Rom 2002. Angela Paparella: Giù la piazza non c'è nessuno, di Dolores Prato: la vicenda editoriale attraverso le lettere. Aracne, Rom 2007. Leandro Castellani: Un provvisorio stabile: vita segreta di Dolores Prato, scrittrice. Aracne, Rom 2008. Carolin Gasteiger: Der Zauber der kleinen Dinge. In: Süddeutsche Zeitung, 20. August 2024, S. 13.
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