Bei den Atari-Heimcomputern handelt es sich um eine Serie früher, untereinander weitgehend kompatibler 8-Bit-Heimcomputer der Firmen Atari, Inc. und Atari Corporation aus Sunnyvale, Kalifornien, Vereinigte Staaten. Allen Rechnern der Atari-Heimcomputer-Serie ist gemeinsam, dass sie auf dem Ende der 1970er Jahre weit verbreiteten Hauptprozessor MOS Technology 6502 basieren und zusätzlich vom Hersteller unter der Leitung von Jay Miner eigenentwickelte Custom Chips zur Grafik- und Tonerzeugung verwenden. Diese elektronischen Spezialbausteine verhalfen den Rechnern zu einer bei Erscheinen der Computer überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit. Sie waren damit die ersten Heimcomputer, die mit speziellen Co-Prozessor-Chips entwickelt wurden.ABBUC: Atari-Historie
Die Markteinführung erfolgte im Jahr 1979. Im Dezember 1991 wurde die Produktion eingestellt und im Folgejahr der Support. Die verschiedenen Modelle der Atari-8-Bit-Heimcomputer-Serie fanden große Verbreitung, insbesondere in Nordamerika und Europa. Es wurden in den Jahren 1979 bis Sommer 1985 zwei Millionen Geräte verkauft. Die Serien 400/800 (ab 1979), XL (ab 1983) und XE (ab 1985) unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Gehäuseform und das Betriebssystem, aber auch durch kleinere technische Details wie RAM-Konfiguration, die Anzahl der Joystickanschlüsse und die Art der Tastatur.
mini|300px|Atari 400 (1979)
Atari 400 und 800
mini|Atari 400 in Einzelteilen mini|Atari 800 mini|Atari 800 mit Floppy 810 mini|Atari 800, Modulraum, Detailansicht
Ab Ende 1977 entwickelte die bis dato nur in den Branchen Videospiele und Arcade-Automaten tätige Firma Atari ihre eigene 6502-CPU-basierte Heimcomputer-Modellreihe: das Einsteigermodell Atari 400 mit Folientastatur und zunächst lediglich 8 KB RAM (später 16 KB RAM standardmäßig) und den für gehobenere Ansprüche gedachten, aufrüstbaren Atari 800 mit bis zu 48 KB RAM und Schreibmaschinentastatur. Im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten von Apple, Tandy und Commodore wurden die ab Ende 1979 erhältlichen Atari-Rechner mit leistungsfähigeren und leichter zu programmierenden elektronischen Spezialbausteinen (ANTIC, CTIA bzw. GTIA bei neueren Geräten, POKEY) ausgestattet. Die Geräte enthalten zudem vier Anschlüsse für Joysticks im Gegensatz zu den Modellen der Konkurrenz, die erst kostenintensiv nachgerüstet werden mussten. Die Atari 400/800-Heimcomputer waren die ersten Geräte im Heimbereich, die über eine „intelligente“ Anbindung der Peripheriegeräte, den so genannten Atari SIO-Bus, verfügten.
Eine gut abgestimmte Palette an Zubehör, Spielen, Anwendungsprogrammen, Programmiersprachen, ausgezeichnete Kundenbetreuung, die Einbindung anderer Anbieter und die gezielte Platzierung der Computer in Bildungseinrichtungen trugen maßgeblich zum Erfolg dieser Baureihe vom Erstverkauf im Jahre 1979 an bei. Die Produktion wurde 1983 eingestellt.
Peripheriegeräte von Atari Datenspeicherung Kassettenstation 410 (Übertragungsrate: 600 Baud; simultaner Audio- und Datenkanal; Speicherkapazität: ca. 100 KB pro 60-min-Kassette) Diskettenstation 810 (Diskettenformat: 5¼ Zoll; Übertragungsrate: 19.200 Baud; Speicherkapazität: 90 KB pro Diskettenseite) Diskettenstation 815 (nur kurzzeitig hergestellt und verkauft; Diskettenformat: 2 × 5¼"; Übertragungsrate: 19.200 Baud; Speicherkapazität: 180 KB pro Diskette) Atari bot zwei Floppy-Modelle für seine Computer an. Für deren Betrieb ist ein Minimum von 16 KB RAM erforderlich. Es können bis zu vier Diskettenstationen angeschlossen werden (IDs 0–3), die Einstellung der Laufwerks-ID erfolgt über einen schwarzen und weißen Schiebeschalter, die von der Rückseite aus mit einem spitzen Gegenstand betätigt werden können.
Die Diskettenstation 810 kann bis zu 88.375 Byte für Daten und Programme pro Diskettenseite speichern. Ein eigener Mikroprozessor 6507 steuert den Lese- und Schreibbetrieb. Schaltet man die Betriebsspannung des Atari 800 aus und dann wieder ein, wird automatisch die Diskette auf 0 gesetzt und der Ladevorgang beginnt. Die 5¼"-Diskette ist in 720 Sektoren unterteilt. Es wird ein CRC (cyclic redundancy check) durchgeführt, der 13 Sektoren auf der Diskette für sich beansprucht.
Die Diskettenstation 815 beinhaltet zwei Systeme für 5¼"-Disketten. Hier lassen sich auf jeder 178 KB an Daten und Programmen abspeichern. Wie bei dem 810-Modell steuert auch hier ein Mikroprozessor den gesamten Ablauf des Lese- und Schreibvorganges.
Die 810 und die 815 sind nicht kompatibel im Aufzeichnungsformat, keine von ihnen kann Disketten lesen, die mit dem anderen Laufwerk aufgezeichnet wurden.
Beide Laufwerke beschreiben nur eine Diskettenseite. Die Verwendung der Rückseite ist durch Wenden möglich.
Drucker Nadeldrucker 820 (s/w; 5×7 Matrix; 40 Zeichen pro Zeile) Dieser Drucker erhält von dem Computer oder von dem Schnittstellenmodul 850 seine Daten seriell. Im Drucker befindet sich ein Mikroprozessor vom Typ 6507, einem verkleinerten 6502. Ein weiterer Baustein 6532 hat ein internes RAM mit 128 Byte und 16 Ein- und Ausgängen. Die Steuerung der Software übernimmt ein 2K-ROM. Auf einer Zeile werden maximal 40 Symbole pro Sekunde von einer 5×7-Drucker-Matrix auf das Papier gebracht. Das Papier ist Standard und auf einer Rolle untergebracht. Thermodrucker 822 (s/w; 5×7 Matrix; 40 Zeichen pro Zeile; benötigt Spezialpapier) Dieser Drucker erhält seine Daten seriell vom Computer oder Schnittstellenmodul. Die Druckgeschwindigkeit liegt bei 37 Symbolen pro Sekunde. Die Breite pro Symbol beträgt 2,53 mm, und es werden 40 Symbole pro Zelle gedruckt. Neben den Symbolen ist auch ein Grafikdruck möglich. Die Symbole sind durch den ASCII-Satz auf 96 Zeichen festgelegt. Der Druck erfolgt mittels einer 5×7-Matrix auf Thermopapier, da der Druck thermisch erfolgt. Durch den internen Mikroprozessor lässt sich das Papier vor- und rückwärts transportieren. Für den Hobbyanwender dürfte dies der richtige Drucker sein. Nadeldrucker 825 (s/w; 7×8 Matrix; 80 Zeichen pro Zeile; erfordert das Schnittstellenmodul 850 zum Betrieb) Dieser Drucker ist speziell für die Textverarbeitung. Die Schreibbreite beträgt etwa 100 mm und hat vier verschiedene Betriebsarten: Symbolbreite 2,54 mm (Normalschrift) Symbolbreite 1,52 mm (Schmalschrift) Proportionalschrift Breitschrift
Der Druck wird durch einen Mikroprozessor im Gerät gesteuert. Der Druckkopf ist mit einer 7×8-Matrix ausgestattet, wobei eine Normal- und Schmalschrift entsteht. Pro Zeile ergeben sich dadurch 80 oder 132 Zeichen. Die einzelnen Symbole sind nach dem ASCII-Standard festgelegt, und es stehen 96 Charakter zur Verfügung. Die Druckgeschwindigkeit liegt bei 50 Zeichen pro Sekunde. Die eingehenden ASCII-Zeichen werden in einem Datenbuffer eingeschrieben und zwischengespeichert. Insgesamt lassen sich etwa 1200 Zeichen speichern. Der Mikroprozessor steuert den gesamten Ablauf.
Der Drucker kann nur in Verbindung mit dem Schnittstellenmodul 850 arbeiten, der den geeigneten 7-Bit ASCII-Code mit den entsprechenden Leerzeichen erstellen kann.
Datenfernübertragung Akustikkoppler 830 (erfordert Atari 850 Schnittstellenbaustein zum Betrieb) Für die Datenübertragung per Telefon wurde dieser Koppler entwickelt. Der Akustik-Koppler wird an dem Schnittstellenmodul angeschlossen und erhält seriell seine Daten. Dieser setzt die Daten nach der Frequenzumtast-Methode (FSK = frequency shift keying) um. Die Übertragungsrate liegt bei 300 bit pro Sekunde. Mit dem Koppler werden Daten auf das Telefon gegeben und empfangen. Die Übertragung ist kompatibel zu der Bell-Serie 103 und 113.
Bei der Übertragung eines 1-Signales, einer Marke (mark), ertönt ein 1270-Hz-Ton und bei einem 0-Signal, einem Leerzeichen (space), ein 1070-Hz-Ton. Die Antwort beträgt 2225 Hz bei einem 1-Signal und 2025 bei einem 0-Signal.
Als Kontrollfunktionen steht „FULL“ für Voll-Duplex, „HALF“ für Halb-Duplex, „TEST“ für den Tontest, „ANS“ für den Antwort-Betrieb, „OFF“ für das MODEM-Ein und „ORIG“ für den Ursprung-Betrieb.
Modem 835 (Übertragungsrate: 300 Baud)
Sonstige Peripherie (Auswahl) Schnittstellenmodul 850 (4 RS-232- und 1 Centronics-Schnittstellen) An der Vorderseite dieses Gerätes befinden sich zwei Verbindungsbuchsen (I/O-Connectors), mit denen der Computer zu verbinden ist. An der Rückseite stehen dann dem Anwender vier serielle Schnittstellen zur Verfügung. Auf der rechten Seite ist eine parallele Schnittstelle.
Die seriellen Schnittstellen entsprechen der EIA-RS-232C-Norm. Dadurch können bis zu vier Geräte parallel betrieben werden. Dies entspricht vier 20-mA-Stromschleifen. Die parallele Schnittstelle ist 8 Bit breit und entspricht den Centronics-Typ. Hier wird auch der Drucker 825 angeschlossen.
Durch dieses Schnittstellenmodul ist ein Voll-Duplex-Betrieb möglich. Die Baudraten sind programmierbar und liegen bei 75, 110, 134,5, 150, 300, 600, 1200, 1800, 2400, 4800 und 9600 Bit pro Sekunde. Die Baudot-Geschwindigkeit ist 60, 66, 75 und 100 Worte pro Minute.
Bei der seriellen Übertragung von Daten ergibt sich ein standardmäßig asynchrones Start/Stopp-Bit. Die Übertragung ist ASCII-Standard und die Baudot-Unterstützung für RTTY (radio teletype) ausgelegt.
Die Stopp-Bit sind programmierbar, entweder ein oder zwei Bit. Durch eine Prüfbitsummenbildung mit einer geraden oder ungeraden Parität wird die Datenübertragung auf Wunsch noch sicherer. Die maximale Übertragungslänge auf Kabeln liegt bei etwa 15 Metern.
Lichtgriffel CX70 Numerischer Tastenblock CX85 Speichererweitungsmodule CX852 (8 KB RAM) und CX853 (16 KB RAM) Maltafel Atari CX77
Peripheriegeräte von anderen Anbietern (Auswahl) Datenspeicherung Indus GT Diskettenlaufwerk (Übertragungsrate: 72.000 Baud mit SpartaDOS X, 37.000 Baud mit DOS XL; Speicherkapazität: 180 KB pro Diskette) Percom Diskettenlaufwerke Rana Diskettenlaufwerk Amdek Diskettenlaufwerk Astra Diskettenlaufwerk Corvus Festplattensystem (5, 10 oder 20 MByte; wird über zwei Joystickanschlüsse betrieben; nur für Atari 800) SupraDrive Atari Hard Disk (10 oder 20 MByte)
Drucker Nadeldrucker Axiom GP-550AT von Seikosha (Atari-Schnittstelle eingebaut) Thermodrucker Okidata Okimate 10 Personal Color Printer (26 Farben)
Sonstige Peripherie ATR8000: CP/M-Einheit, auch auf MS-DOS erweiterbar Multi I/O (MIO) Interface: u. a. Anschluss von SASI/SCSI-Festplatte möglich CSS Black Box Interface: u. a. Anschluss von SASI/SCSI-Festplatte möglich
Atari XL
mini|Atari 1200XL mini|Atari 600XL mini|Atari 800XL mini|Atari 800XL mit Floppy 1050 und Erweiterungsmodul 1090XL mini|Drucker 1027 mini|Plotter 1020
Als Antwort auf die rasch wachsende Konkurrenz im Heimcomputerbereich insbesondere durch den Commodore 64 und die Spectrum-Computer brachte Atari 1982 das erste Modell der XL-Baureihe (aus dem englischen „eXtended Line“ gebildetes Akronym) auf den Markt: den Atari 1200XL. Auf einer Pressekonferenz in New York City am 13. Dezember 1982 erstmals angekündigt wurde die umbenannte 1200XL auf der Winter CES vom 6. bis 9. Januar 1983 vorgestellt und im März 1983 ausgeliefert. Dieses Modell wurde wegen Kompatibilitätsproblemen mit der alten Baureihe alsbald wieder vom Markt genommen und 1983 durch die Modelle 600XL (16 KB RAM) und 800XL (64 KB RAM) ersetzt.
Die elektronische Architektur der XL-Computer unterscheidet sich nur geringfügig von der der 400/800-Baureihe. Es kamen lediglich einige Veränderungen in der Speicherverwaltung (OS ausblendbar), die nun ab Werk eingebaute Programmiersprache Atari-BASIC und ein nach außen geführtes Parallel Bus Interface (PBI), um Erweiterungen effizienter anbinden zu können, hinzu. Zudem wurde die Anzahl gleichzeitig anschließbarer Joysticks auf nur noch zwei beschränkt. Die XL-Computer und deren Peripherie weisen deutlich verschlankte und weniger verspielte Gehäuse auf.