mini|Ilija Bašičević Bosilj Ilija Bosilj Bašičević (; * 18. Juli 1895 in Šid; † 14. Mai 1972 ebenda) war ein serbischer Naiver Maler.

Leben Ilija Bašičević wurde 1895 als neuntes Kind einer serbischen Bauernfamilie, die ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft und Schweinezucht verdienten, in Šid, einer kleinen Stadt westlich von Belgrad, geboren, die heute in Serbien liegt. Nach nur vier Jahren Grundschulunterricht arbeitete er während seiner Kindheit und Jugend auf dem elterlichen Bauernhof und als Schafhirte, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.Stanislav Živković: Bašičević, Ilija. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL) Während des Ersten Weltkriegs verließ er das Land, um der Einberufung zu entgehen. Nach dem Krieg kehrte er auf den Familienbauernhof zurück,Ilija Bosilj Bašičević. In: Outsider Art Fair. Abgerufen am 30. August 2024 baute Mais und Weizen an, pflegte seinen WeinbergIlija Bašičević Bosilj. In: Kulturno izobraževalno društvo KIBLA. Abgerufen am 30. August 2024 und züchtete Kühe, Pferde, Schafe, Schweine und Geflügel. Ilija Bosilj Basicevic (1895–1972). In: Galerie St. Etienne. Abgerufen am 29. August 2024Ilija Bosilj Basicevic (1895–1972). In: Raw Vision. Ausgabe 34, 2001. Abgerufen am 29. August 2024 ((Auszug))

Ilija Bašičević heiratete und bekam zwei Söhne, Dimitrije (1921–1987) und Vojin. Er bestand darauf, dass sie eine akademische Ausbildung erhielten, unüblich für Personen aus der bäuerlichen Schicht. Vojin wurde Arzt und Dimitrije, der später unter dem Künstlernamen Mangelos Bekanntheit erlangte, wurde Kunsthistoriker und -kritiker. Ilija Bašičević galt als autoritär, aber gerecht und als Nonkonformist. Während des Zweiten Weltkriegs verließ Ilija Bašičević erneut das Land, um der Einberufung zur Armee, den Ustascha und dem Nazi-Regime, das sowohl ihn als auch seine beiden Söhne zum Tode verurteilt hatte, zu entgehen. Er verbrachte den Großteil dieser Zeit mit beiden in Wien, wo er an Tuberkulose erkrankte. Nach dem Krieg kehrte er nach Šid zurück, verlor aber aufgrund der damaligen Landkonsolidierung durch die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien einen Teil seines Eigentums und konnte zudem krankheitsbedingt nur eingeschränkt auf dem Bauernhof arbeiten.

Obwohl Ilija Bašičević kaum eine Schulbildung hatte, genoss er in der örtlichen Gemeinschaft großes Ansehen. Er widersetzte sich der Kollektivlandwirtschaft und wurde regelmäßig wegen zweifelhafter Anschuldigungen inhaftiert. Ende der 1950er Jahre begann er zu malen. und erlangte in den 1960er- und 70er-Jahren unter dem Pseudonym „Ilija Bosilj“ schnell internationale Bekanntheit.Ilija – Ein Tuch mit zwei Gesichtern. In: Open art museum. Abgerufen am 29. August 2024 Gefördert wurde er von den beiden führenden Gelehrten der europäischen naiven Kunst, Anatole Jakovsky und Oto Bihalji-Merin.

mini|Ilijanum – Museum für Naive Kunst, Šid 1971 richtete die Stadt Šid das Ilijanum – Museum für Naive Kunst (Muzej Naivne Umetnosti Ilijanum) ein, nachdem Ilija Bašičević ihr rund 300 Werke vermacht hatte, davon 287 eigene Gemälde und 51 Werke anderer autodidaktischer Künstler aus dem In- und Ausland. Ilija Bašičević starb 1972 in seiner Heimatstadt Šid. Auf der dritten Triennale der sogenannten „Naiven Kunst“ in Bratislava 1972 erhielt er posthum eine Anerkennung einer internationalen Jury für sein Werk. Die Kunstzeitschrift Raw Vision zählte ihn 2007 zu den 50 führenden Art Brut-Künstlern der Welt. Seine Enkelin Ivana Bašičević-Antić wurde 2007 Leiterin der Stiftung „Ilija & Mangelos“, deren Hauptaufgabe die Erhaltung und Förderung des Nachlasses von ihm und seinem Sohn Dimitrije ist.Ilija Bašičević Bosilj, naive painter from Šid. In: National Alliance for Local Economic Development (NALED). Abgerufen am 30. August 2024

Werk Ab 1957 schuf Ilija Bašičević aus einer Synthese von archaischen und modernen Motiven bestehende Bilder mit phantastischen Darstellungen der Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Die Werke gliedern sich in verschiedene Themenbereiche, darunter Gemälde mit biblischen Motiven aus dem Alten Testament und der Offenbarung des Johannes und von den weitgehend mündlich überlieferten Traditionen serbischer Volksdichtung, Mythen und Geschichten, Volksliedern und Parabeln inspirierte Bilder. Die Reihe „Ilyad“ stellt Ilija Bašičevićs eigenen Lebenskampf dar. Viele Werke zeigen Tiere, vor allem Pfaue, sowie fantastische Tier-Mensch-Mischwesen. Das auffälligste Merkmal seiner Werke sind zweiköpfige Kreaturen, seien es Menschen oder Tiere. Stilistisch ist der Einfluss byzantinischer Ikonen und regionaler Volkskunst erkennbar. Anfänglich fertigte Ilija Bašičević 1957 Gouachen und Zeichnungen, ab 1958 malte er auch in Öl auf Holz, Leinwand, Hartfaserplatten, Papier und Glas.Ilija Bašičević Bosilj (1895–1972). In: Arte Galerija Beograd. Abgerufen am 30. August 2024 Die Hintergründe gestaltete er oft in gold oder blau. Die Szenen und Figuren sind ohne Perspektive „streng zweidimensional dargestellt, verteilt oder nebeneinander, übereinander oder untereinander aufgereiht“.

Ilija Bašičevićs Werk umfasst mehr als 2000 Gemälde und Zeichnungen. Ein bedeutender Teil davon wird im Ilijanum – Museum für Naive Kunst in Šid aufbewahrt. Jean Dubuffet nahm 1963 sieben Gemälde in seine Sammlung der Art Brut auf, die heute einen Teil der Collection de l’Art Brut in Lausanne bilden. Werke von Ilija Bašičević befinden sich auch im Museum für zeitgenössische Kunst in Skopje, der Sammlung Zander in KölnArtist Ilija Basicevic. In: Artfacts. Abgerufen am 30. August 2024 der Schweizer Sammlung Dammann, im Museum of Everything in London, im Museum für zeitgenössische Kunst in Belgrad, dem Kroatischen Museum für Naive Kunst in Zagreb, in der Sammlung Carlo Ponti, der Rockefeller Collection, im Centre Georges-Pompidou in Paris und dem Museum der Vojvodina in Novi Sad.

Ausstellungen (Auswahl) Bereits Ilija Bašičevićs erste Einzelausstellung in Belgrad im Jahr 1963 fand großen Anklang. Von den 1960er bis in die 1980er Jahre stellte er zahlreiche Male in Zagreb und Belgrad sowie in Amsterdam, Basel, Bukarest, Dortmund, Düsseldorf, München, Paris und Rotterdam aus.

Einzelausstellungen 2025: Ilija Bosilj: The Triumph of Art. Serbian Academy of Sciences and Arts, Belgrad 2024/2025: Ilija – Ein Tuch mit zwei Gesichtern. Open art museum, St. Gallen 2021: Ilija Bosilj Bašičević: Tales from Parallel Universes. Cavin-Morris Gallery, New YorkIlija Bosilj Bašičević: Tales from Parallel Universes. In: Artfacts. Abgerufen am 30. August 2024 2019: Ilija - Mangelos Phenomenon. Goethe-Institut, Belgrad 2018: Welcoming the Two Faced Rider: Paintings by Ilija Bosilj Bašičević. Cavin-Morris Gallery, New York 2011: Ilija’s World, Museum of Contemporary Art of Istria, Pula 2010: The Conceiving's of Ilija Bosilj, Nationalmuseum, Zrenjanin 2009: Ilija: Journeys in the Imagination. John Michael Kohler Arts Center, Sheboygan 2008: Ilija. Museum Haus Cajeth, Heidelberg 1973: Ateneum, Helsinki 1969: Galerie Hilt, Basel 1969: Galerie Mokum, Amsterdam 1967: Haus Nied, Frankfurt/Main 1967: Galerie Neuhaus, München 1965: Galerie des Studentenzentrums, Zagreb 1964: Galerie Deposito, Genua 1963: BelgradIlija Bosilj Bašičević. In: Cavin-Morris Gallery. Abgerufen am 29. August 2024

Gruppenausstellungen 2022: Summer Improv: Bibi’s Choice. Cavin-Morris Gallery, New YorkSummer Improv: Bibi’s Choice. In: Artfacts. Abgerufen am 30. August 2024 2021: Naive? Naive Art from the Infeld Collection. Museum Gugging, Maria GuggingNaive? Naive Art from the Infeld Collection. In: Artfacts. Abgerufen am 30. August 2024 2020: Reflections of Our Time: Acquisitions of the Museum of Contemporary Art 1993–2019. Museum für zeitgenössische Kunst in Belgrad 2019: Memory Palaces: Inside the Collection of Audrey B. Heckler. American Folk Art Museum, New York 2018/2019: Turbulences dans les Balkans. Halle Saint Pierre, Paris 2018: Outsider Art Fair, Paris 2010: Museum of Everything in der Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli, Turin 1994: Art Cologne 1994, Köln 1993: Art Cologne 1993, Köln 1992: Art Cologne 1992, Köln 1988: Kunstmuseum Thurgau 1988: Art Basel 1975: Kunsthaus Zürich 1969: Museo Civico di Belle Arti (heute Museo d’arte della Svizzera italiana), LuganoMedienmitteilung zur Ausstellung "Ilija - Ein Tuch mit zwei Gesichtern". In: presseportal.ch vom 2. September 2024. Abgerufen am 4. September 2024 1962: Primitive Maler, Galerie Hilt, Basel

Literatur

Otto und Lise Bihalji-Merin, Ingrid Krause: Die Kunst der Naiven. Themen und Beziehungen. 1. Auflage. Verlag: Haus der Kunst, München 1975, S. 42. Anatole Jakovsky: Peintres naïfs - Lexikon der Laienmaler aus aller Welt. 1. Auflage. Basilius Presse Basel, Basel 1976, ISBN 3-85560-034-1, S. 307.

Weblinks

Ilija Bosilj – Sammlung Zander

Einzelnachweise

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