Albanus Schachleiter OSB (auch Alban Schachleiter; * 20. Januar 1861 in Mainz als Jakob Schachleiter; † 20. Juni 1937 in Feilnbach, Oberbayern) war ein deutscher katholischer Priester und Benediktinermönch, zeitweise als Abt u. a. des Prager Emausklosters. Er war einer der wenigen katholischen Geistlichen, die schon lange vor Hitlers Machtübernahme enge Beziehungen zur nationalsozialistischen Bewegung unterhielten. Ab 1933 erhielt er zahlreiche Ehrungen von Seiten des NS-Regimes und trat offen als dessen Unterstützer auf.

Leben Mönch und Abt der Abtei Emaus Nach dem Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Musik an der Universität Leipzig trat Schachleiter 1881 in die Benediktiner-Abtei Emaus in Prag ein, die von der Beuroner Kongregation besiedelt war. 1883 legte er die Ordensgelübde ab, 1886 wurde er zum Priester geweiht. Seine theologischen Studien absolvierte er in der Abtei Seckau. Von Anfang an war er ein Förderer des klösterlichen Musiklebens. Auf seine Initiative wurde eine große Orgel gebaut und Konzerte mit namhaften Musikern veranstaltet. Seine wichtigste Aktivität war jedoch der Kampf gegen die antikatholische Los-von-Rom-Bewegung. Deshalb initiierte er die Gründung des Bonifatius-Vereins, mit dem die religiöse Bildung breiter Bevölkerungsschichten gefördert werden sollte. Als Verteidiger des katholischen Glaubens trat er, zusammen mit dem späteren Leitmeritzer Bischof Josef Gross, vor allem gegen Freidenker und Freimaurer auf. 1906 verlieh ihm Papst Pius X. eine silberne Medaille.

Nach dem Tod des Abtes Benedikt Sauter 1908 wurde Alban Schachleiter zu dessen Nachfolger gewählt; er stand 70 Chormönchen, 50 Laienbrüdern und 40 Oblaten vor. Nachfolgend entwickelte sich das Kloster sowohl zu einem geistlichen als auch zu einem politischen Zentrum. Zum Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este, der ebenfalls scharf gegen die Los-von-Rom-Bewegung eintrat, hatte Schachleiter ein vertrauensvolles Verhältnis. Beide bemühten sich um mehr Einfluss für den Katholizismus und hielten das Deutschtum für ein verbindendes Element Österreichs. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 richtete Schachleiter eine Suppen- und Armenküche sowie ein Lazarett in den Klosterwerkstätten ein. Zudem wurden jüngere Ordensangehörige als Sanitätshelfer des k.u.k-Krankenzuges PK 45 eingesetzt, der aus sechzehn Krankenwagen bestand, die zu allen Kriegsschauplätzen führten.Inge Steinsträßer: Wanderer zwischen den politischen Mächten. Pater Nikolaus von Lutterotti OSB (1892–1955) und die Abtei Grüssau in Niederschlesien. Böhlau Verlag, Köln/Wien 2009, ISBN 978-3-412-20429-7, S. 81–83.

Nach dem Auseinanderbrechen der k.u.k. Monarchie und der Gründung der Tschechoslowakei 1918 mussten die Beuroner Benediktiner 1919 Prag als Deutsche verlassen. Alban Schachleiter wurde wegen seiner deutschnationalen Gesinnung dreimal verhaftet und schließlich ausgewiesen. Ihm wurde vorgeworfen, dass das Emauskloster, das ursprünglich ein Zentrum der slawischen Liturgie gewesen war, unter seiner Führung paradoxerweise ein Ort des Deutschnationalismus geworden sei. Durch die Vertreibung brach der Konvent auseinander. Ein Teil der Mönche begab sich in die Beuroner Abtei Neresheim; mit der größeren Anzahl der Mönche wurde 1919 die ehemalige Zisterzienserabtei Grüssau in Niederschlesien besiedelt. Abt Schachleiter gab das klösterliche Leben in und mit seinem Konvent aus unbekannten Gründen auf. Er hielt sich ein Jahr im Stift St. Florian in Oberösterreich auf, sodann in St. Bonifaz in München, wo er Leiter der Schola Gregoriana für katholische Kirchenmusik wurde. Am 15. Juni 1920 bzw. 1924Inge Steinsträßer: Pater Nikolaus von Lutterotti (1892–1955) Benediktiner in Prag und Grüssau – Wanderer zwischen den politischen Mächten. In: Beuroner Forum 2011, S. 80. folgte die Resignation als Abt von Emaus unter „freien Umständen“.Willi Eisele: Abt Alban Schachleiter OSB (1861–1937) und sein Umfeld: Annäherung an eine schillernde Persönlichkeit – ein Werkstattbericht. Teil II: 1918/21 bis 1937. In: Beuroner Forum, Jg. 8/9 (2016/2017), S. 140. Zudem war er Schriftleiter der Monatsschrift für Kirchenmusik Musica Divina, die von der Schola Austriaca herausgegeben wurde. Papst Benedikt XV. gewährte ihm 1921 eine Privataudienz, ernannte ihn ehrenhalber zum Titularabt des säkularisierten Klosters Sponheim und beauftragte ihn mit der Gründung einer Gregorianischen Schola an der Allerheiligen-Hofkirche in München. Als Titularabt war Schachleiter ein Abt ohne Kloster, hatte aber das Recht, unter bestimmten Umständen die Pontifikalien zu gebrauchen. In St. Bonifaz versuchte Schachleiter als Brückenbauer zwischen der nationalsozialistischen Ideologie und der katholischen Konfession zu fungieren, indem er in Liturgie und Predigt Sympathien für die aufkeimende Bewegung zu wecken suchte. Seine politische Umorientierung führte ab 1930 zu kirchlichen Interventionen.

Bis zur Machtergreifung Am 10. Juni 1923 hielt Schachleiter anlässlich der nationalsozialistischen Gedächtnisfeier für Albert Leo Schlageter auf dem Münchner Königsplatz die Ansprache,Historisches Archiv der NSDAP wenngleich ihn das Münchner Erzbischöfliche Ordinariat bereits im September 1922 ersucht hatte, von politischen Vorträgen Abstand zu nehmen. 1923 begegnete er Adolf Hitler in der Wohnung des Historikers Karl Alexander von Müller. Die Kirchenleitung belegte Schachleiters militant nationalistische Haltung und sein Bekenntnis zum Nationalsozialismus 1926 mit einem Verbot öffentlicher politischer Äußerungen und der Weisung, eine klösterliche Wohnung zu beziehen, was er ignorierte. Michael von Faulhaber, der zuständige Diözesanbischof, intensivierte dieses Verbot in einem persönlichen Brief an Schachleiter, worin er eine klare Abgrenzung zwischen den deutschen Bischöfen und dem sich als Brückenbauer verstehenden Abt vollzog. 1930 quittierte der Abt seinen Dienst an der Allerheiligen-Hofkirche und bezog das „Gott-Dank-Haus“ in Feilnbach, ein für Schachleiter errichtetes Domizil des evangelischen Arztehepaars Engelhard. Dieser Gunsterweis an den katholischen Titularabt geht wesentlich auf Hermine Engelhard zurück, die bei Schachleiter eine ähnlich glühende Verehrung für Adolf Hitler vermutete wie bei ihr selbst. Der von seinen antideutschen Erfahrungen gezeichnete Schachleiter sah in Hitler den Retter des Deutschtums. Faulhaber reagierte auf die Missachtung kirchlicher Weisungen mit sukzessiven Sanktionierungen. Die kirchenrechtliche Stellung Schachleiters als exempter Ordenspriester erschwerte jedoch ein direktes Eingreifen Faulhabers,Kritische Online-Edition der Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers (1911–1952). Tagebucheintrag vom 7. März 1933 EAM, NL Faulhaber 10015, S. 27. Verfügbar unter: https://www.faulhaber-edition.de/dokument.html?idno=10015_1933-03-07_T01. Letzter Zugriff am 2. Oktober 2020. das am 10. Juli 1932 in den Entzug der Zelebrationserlaubnis für die Erzdiözese München mündete, was einer indirekten Verbannung aus der Diözese gleichkam.

Im Staat Hitlers mini|Adolf Hitler begrüßt Reichsbischof Ludwig Müller auf dem NSDAP-Parteitag in Nürnberg, September 1934. Abt Albanus Schachleiter, bereits mit Kirchenstrafen belegt, steht zwischen Hitler und Müller. Schachleiter trat 1933 in die NSDAP ein. Als er im Völkischen Beobachter vom 1. Februar 1933 auch öffentlich Adolf Hitlers Machtergreifung begrüßte und gegen den Fastenhirtenbrief des Linzer Bischofs Johannes Gföllner als bisher schärfste Trennungslinie zwischen Nationalsozialismus und Christentum opponierte, verhängte Faulhaber am 17. März 1933 die Suspension über Schachleiter und schloss ihn von allen diözesanen Ehrenämtern aus.Kritische Online-Edition der Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers (1911–1952). Tagebucheintrag vom 7. Juni 1933 EAM, NL Faulhaber 10015, S. 59–60 (online, letzter Zugriff am 22. Juni 2026). Aus diesem Grund musste er eine Bitte Hitlers ausschlagen, für ihn am Tag von Potsdam einen Gottesdienst zu feiern. Hitler setzte daraufhin einen symbolpolitischen Kontrapunkt; er blieb dem Festgottesdienst in der St.-Peter-und-Paul-Kirche fern und legte auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Berlin Kränze an den Gräbern von SA-Männern nieder.

Das Verbot weiterer kirchlicher Amtsausübung bot für die neuen Machthaber Anlass, dem gedemütigten Abt besondere Privilegien zu gewähren. So unterstützte ihn die NSDAP mit einer monatlichen Rente, während zu Schachleiters 50. Professjubiläum 6000 SA-Angehörige einen Fackelzug veranstalteten. Hitler selbst besuchte ihn am 13. Mai 1933 im „Gott-Dank-Haus“,Münchner Neueste Nachrichten vom 13. Mai 1933 wodurch Schachleiter sich wieder zu öffentlichen Reden veranlasst sah. Bereits am 25. Mai 1933 sprach er während einer nationalsozialistischen Gedächtnisfeier für Albert Leo Schlageter in München-Trudering vor 3000 Personen.Völkischer Beobachter vom 26. Mai 1933.Kritische Online-Edition der Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers (1911–1952). Tagebucheintrag vom 15. Mai 1933 EAM, NL Faulhaber 10015, S. 50. Verfügbar unter: https://www.faulhaber-edition.de/dokument.html?idno=10015_1933-05-15_T01. Letzter Zugriff am 2. Oktober 2020. Nach Schachleiters Interventionen beim Papst, den auferlegten Exerzitien in Kloster Ettal und seiner schriftlichen Unterwerfung wurde er am 2. September 1933 von der Suspension gelöst;Kritische Online-Edition der Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers (1911–1952). Tagebucheintrag vom 19. September 1933 EAM, NL Faulhaber 10015, S. 94 (online, letzter Zugriff am 22. Juni 2026). Am 4. September nahm er jedoch eine Parade von SA, HJ und BDM ab, die sich zu seinen Ehren in Ettal eingefunden hatten. Faulhaber reaktivierte daraufhin das Zelebrationsverbot.

Trotz kirchlicher Proteste gegen seine politische Stellungnahme nahm Schachleiter 1934 und 1935 zusammen mit Reichsbischof Ludwig Müller als Ehrengast an den Nürnberger Reichsparteitagen teil. Zu seinem 75. Geburtstag 1936 blieb ihm kirchlicherseits jede öffentliche Sympathiebekundung verwehrt. Jedoch beehrte ihn Hitler mit einem persönlichen Glückwunschtelegramm, die Universität München verlieh ihm die Ehrendoktorwürde für „Choralpflege und Deutschtum“, die SA veranstaltete abermals einen Fackelzug. Die im August 1936 im Rahmen der Feier seines 50-jährigen Priesterjubiläums veranstaltete Festakademie in Beuron benützte Schachleiter für eine apologetischen Sermon, nachdem ihm die Zelebration eines Pontifikalamtes untersagt worden war. Die Rede erregte in Beuron jedoch mehr Ärgernis als Zustimmung,Faulhaber-Archiv: 5537. was von dem ab 1934 deutlicher spürbaren Verlust der Wertschätzung für den Abt innerhalb der katholischen Bevölkerung zeugt.Erzbischöfliches Archiv München und Freising: EA 281 (Akt Schachleiter).

Ab September 1936 wurde die Gesundheit des Abtes aufgrund seiner Diabeteserkrankung immer schlechter, sodass mit seinem baldigen Ableben zu rechnen war. Nach dem Besuch Hitlers am Krankenbett dekretierte dieser am 11. November, dass die Leiche Schachleiters sofort für ein Staatsbegräbnis zu beschlagnahmen sei.Bayerisches Hauptstaatsarchiv: MA 107279. Faulhaber interpretierte dies als letzte politische Inanspruchnahme des geächteten Abtes, der sich in seinem Testament selbst als „treuester Gefolgsmann unseres Führers und damit auch der nationalsozialistischen Bewegung“Bayerisches Hauptstaatsarchiv: MA 107280 (Akt Schachleiter). bezeichnete. Der Historiker Willi Eisele bewertete die Rolle Schachleiter als die einer „Schachfigur der NSDAP“.

Tod und Staatsbegräbnis