Czymanowo (deutsch Rauschendorf, früher Czemanau, Czemmanau und Czimmanau) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Landgemeinde Gniewino in der polnischen Woiwodschaft Pommern und gehört zum Powiat Wejherowski.
Geographische Lage Das Dorf liegt in der Nähe der früheren Grenze zwischen Hinterpommern und Westpreußen, links der Einmündung des Piasnitzflusses in den Zarnowitzer See, etwa 29 Kilometer nordöstlich von Lębork, 19 Kilometer nordwestlich von Wejherowo und fünf Kilometer ostnordöstlich des Dorfs Gniewino.
mini|Dorf, vom Wasserkraftwerk aus gesehen (2009) mini|Elektrizitätswerk (2009) mini|Straße zum Zarnowitzer See (2024)
Geschichte Im 19. Jahrhundert bis 1873 gebräuchliche Ortsbezeichnungen des Guts waren Czemanau, Czemmanau und Czimmanau. In dem adligen Gutsbezirk Czemanau im Kreis Neustadt im Danziger Regierungs-Departement der Provinz Westpreußen gab es um 1818 eine Branntweinbrennerei, eine Wassermühle, einen Krüger und neun Feuerstellen (Haushaltungen). 1865 betrug die Grundsteuer für den Gutsbezirk Czimmanau 35 Reichstaler, 26 Silbergroschen und zehn Pfennige.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Danzig, Jahrgang 1865, Extra-Amtsblatt, Danzig vom 7. Januar 1865, S. 26.
Am 10. Juni 1873 wurde das Gut Czimmanau in Rauschendorf umbenannt.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Danzig. No. 24, Danzig, den 21. Juni 1873, S. 83, Ziffer 267.
Im Jahr 1873 befand sich das Rittergut im Besitz des Maximilian August Albert Theophil von Zelewski, der am 22. September des Jahres den Namen seines 1862 verstorbenen Schwiegervaters, des Majors a. D. Carl Hackebeck, annahm und sich fortan von Zelewski-Hackebeck nannte.Herold (Verein) (Hrsg.) Der Deutsche Herold: Verzeichniss der seit dem Bestehen des Kgl. Preuss. Heroldsamtes (1855) erfolgten Standeserhöhungen, Adelsbestätigungen und Namensvereinigungen nebst Beschreibung der verliehenen Wappen. Mitscher & Röstell, Berlin 1875, S. 52.
Um 1903 hatte das Gut Rauschendorf eine Flächengröße von 265 Hektar, Besitzer war Max von Zelewski-Hackebeck.Vgl. Paul Niekammer: Westpreussisches Güter-Adressbuch. 1903. Selbstverlag Paul Niekammer (Friedrich Nagel), Stettin 1903, S. 52–53.
Als nach dem Ersten Weltkrieg der Versailler Vertrag die Verlegung des sogenannten Polnischen Korridors durch das Reichsgebiet vorsah, wurde Rauschendorf aus dem Kreis Neustadt in Westpreußen am 2. August 1919 in den Kreis Lauenburg in Pommern eingegliedert.Rolf Jehke-Herdecke (Hrsg.): Amtsbezirk Kolkau (Territorial.de).
Am 1. April 1927 hatte das benachbarte Gut Oppalin eine Flächengröße von 642 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk Oppalin 164 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke. In: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 398. Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirks Oppalin aus dem Amtsbezirk Rieben in die Landgemeinde Rauschendorf eingegliedert. Später war Adelheid Margull die Gutsherrin in Oppalin, 428 ha; in Rauschendorf die Familie von Milczewski, 105 ha.H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern. 1939. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage, Selbstverlag von Niekammer's Adreßbüchern G.m.b.H. Leipzig 1939, S. 317.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Rauschendorf eine Flächengröße von 8,5 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 24 bewohnte Wohnhäuser an zwei verschiedenen Wohnstätten: Oppalin Rauschendorf
Bis 1945 bildete Rauschendorf eine Landgemeinde im Landkreis Lauenburg in Pommern im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern im Deutschen Reich. Rauschendorf war dem Amtsbezirk Kolkau zugeordnet.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte Anfang März 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde der Kreis Lauenburg von der Sowjetunion zusammen mit ganz Hinterpommern der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Anschließend begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten, von denen die einheimischen Dorfbewohner aus ihren Häusern und Gehöften gedrängt wurden. Der Ortsname Rauschendorf wurde zu Czymanowo polonisiert. In der darauf folgenden Zeit wurden die einheimischen Dorfbewohner von der polnischen Administration aus Rauschendorf vertrieben.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 52 Dorf und Wassermühle, adlige Besitzung;Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 238, Ziffer 565 (Google Books). davon 33 Lutheraner und 19 KatholikenDanziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 158–159, Ziffer 45 (Google Books). 1852 71 DorfKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 412 (Google Books). 1864 89 am 3. Dezember, GutsbezirkPreußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, Abschnitt 7. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 2–9 ( Google Books). 1867 93 am 3. Dezember, Gutsbezirk 1871 115 am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 65 Evangelische und 50 Katholiken Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt, Berlin 1874. Abschnitt VIII. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 392–393, Ziffer 113 (Google Books). 1910 102 am 1. Dezember, Gutsbezirk 1925 249 darunter 180 Evangelische und 69 Katholiken (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011) 1933 224 1939 230
Kirche Kirchspiel bis 1945 Die vor 1945 hier lebenden Dorfbewohner gehörten mehrheitlich der evangelischen Konfession an. Die evangelischen Einwohner von Rauschendorf gehörten zum evangelischen Kirchspiel in Gnewin.
Das katholische Kirchspiel war in Wierschutzin.
Polnisches Kirchspiel seit 1945 Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch.
Hier lebende evangelische Polen sind dem weit entfernten Pfarramt der Kreuzkirchengemeinde in Słupsk in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugeordnet, deren nächstgelegene Predigtstätte in Lębork (Lauenburg in Pommern) ist.
Literatur Rauschendorf, Rittergut, Kreis Neustadt Westpr., Regierungsbezirk Danzig, Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Rauschendorf (meyersgaz.org) Oppalin, Rittergut, Kreis Neustadt Westpr., Regierungsbezirk Danzig, Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Oppalin (meyersgaz.org) Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreussen, Danzig 1872 (Google Books). Franz Schultz: Geschichte der Kreise Neustadt und Putzig. Danzig 1907, S. 501–502 (pbc.gda.pl). Paul Niekammer: Westpreussisches Güter-Adressbuch, Niekammer, Stettin 1903, S. 52–53 (digitale-bibliothek-mv.de)
Weblinks
Amtsbezirk Kolkau/Kreis Neustadt in Westpreußen (territorial.de) Amtsbezirk Kolkau/Kreis Lauenburg in Pommern (territorial.de) Amtsbezirk Rieben (Territorial.de) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
Fußnoten
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