mini|alt=Clarer Winter mit Wollmütze und dicker Silberkette, hört Frage aus dem Publikum zu| Clarer Winter (2024)
Clara Winter, auch Clarer Winter, (geboren 1989 in Leipzig) ist deutscher Nationalität und im Feld Videokunst tätig. Winter wurde im Jahr 2019 mit dem Deutschen Kurzfilmpreis für den Experimentalfilm Wir sprechen heute noch Deutsch ausgezeichnet.
Leben Clara Winter studierte ab 2009 an der Kunsthochschule Kassel, mit einem Abschluss in der Meisterklasse von Bjørn Melhus. Zeitgleich absolvierte Winter Studien an der École Supérieur des Beaux Arts, Tolouse und der LUCA School of Arts, Brüssel. 2021 erhielt Clara Winter den Master im Masterprogramm des Dutch Art Institute mit einer Masterarbeit, die sich mit dem Produktionsprozess zum Film Wikiriders auf theoretischer Ebene befasste.
Winter versteht sich als nicht-binär. Im Filmplakat und -abspann von Wikiriders nutzte Winter erstmals die Namensvariante Clarer Winter. Auf der eigenen Website beansprucht Winter in Selbstbeschreibungen häufig das englische Pronomen „they“ für sich.
Werk Während des Studiums an der École Supérieure des Beaux-Arts in Toulouse drehte Clara Winter kurze Porträt-Dokumentarfilme, wie Mika (2012), Laurent (2012) und Olivier (2013), über junge Männer aus der linken Szene der Stadt. Winters Arbeiten nehmen oft Bezug auf Hito Steyerls Frage nach dem blinden Fleck der Kunst, also nach den unmittelbaren Bedingungen der Produktion und Rezeption. Dabei entwickelte Winter eine Praxis der performativen Dokumentation, die die Rolle der Regie genauso wie die der Rezipierenden hinterfragt. Winter reflektiert politische und soziale Aspekte der westlichen Welt, indem in dokumentarische Situationen fiktionalisierte Reenactments einfließen.
Seit 2014 arbeitet Winter im Duo mit Miiel Ferráez vornehmlich an performativen Dokumentationen, die sich mit postkolonialen und neoliberalen Beziehungen auseinandersetzen. In vielen ihrer gemeinsamen Arbeiten verkörpern Winter und Ferráez auch vor der Kamera Figuren, die sie als „Archetypen“ bezeichnen. So verkörpern sie Touristen oder Menschen aus dem Globalen Norden und setzen sich dabei mit den toxischen Auswirkungen von deren Handlungen in den Ländern des Globalen Südens auseinander. In der Kritik wird ihrer Filmarbeit ein sozialrevolutionärer Subtext zugeschrieben, weil die beiden Kunstschaffenden die ethisch und politisch fragwürdigen Momente des Filmens, des Bilderjagens thematisieren. So übernahm Winter in Postcolonialism in 30 sqm (2015) die Rolle einer Europäerin in Mexiko, die mit besten Hilfsabsichten in das Leben eines jungen Mexikaners eindringt, gespielt von Miiel Ferráez. In der weiteren Entwicklung formt sie sein Leben recht übergriffig nach ihren Vorstellungen um. So mutiert die Unterstützung, die helfen sollte, den Mexikaner von den Folgen des Kolonialismus zu befreien, zu einem erneuten Übergriff.
Der im Februar 2024 in Berlin uraufgeführte Film Wikiriders steht in der Tradition eines Roadmovies. Er entwickelt sich semi-dokumentarisch in schlaglichtartig gereihten Kapiteln entlang einer nicht-linearen Erzählung um den Wikipedia-Artikel einer seit dem 19. Jahrhundert politisch und wirtschaftlich einflussreichen Familie in Mexiko mit dem fiktiven Namen Flussmartín. Mit situativen Zitaten aus Stilmitteln eines Rache-Westerns begeben sich Winter und Ferráez zusammen mit Megan Marsh auf eine Autofahrt durch Mexiko in die Vereinigten Staaten auf der Suche nach dem jüngsten Mitglied der Familie. Auch dieser Film kreist um die Kolonialgeschichte Mexikos und die Auseinandersetzung damit aus einer postkolonialen Perspektive. Über die Inhalts- wie auch die Produktionsebene reflektiert Wikiriders Verschwörungsmythen und verhandelt nebenbei Fragen von Queerness und Hyperkonnektivität im digitalen Zeitalter. Ausstellungen 2011: Barbie von Sevilla, Galerie Artists Unlimited, Bielefeld 2012: Memory Cash, Julia Stoschek Collection, Düsseldorf 2013: AlbertaAlertDerLiveTrailer, AlbertaAlertDerExitus, Interim, Kassel 2015: Le Mythe Acide de la cerise éclectique au Salon Sauvage, Maison des Arts, Schaarbeck, Brüssel 2016: Maximum Surrender, Documenta-Halle Kassel 2016: GroupExhibition, Galeria Eremita, Mexiko-Stadt 2016: Echos, Museum für Sepulkralkultur, Kassel 2017: Poor people relax me*, documenta14 side event, Kassel 2018: Poor people relax me, Biquini Wax EPS Gallery, Mexiko-Stadt 2018: Postcolonialism in 30 sqm, Hao House, Taipeh 2018: Some Shapes of Things to Come, Gruppenausstellung, Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg 2021: ppl stuck in time-windows shouldn’t be throwing bricks, Post Theater Arnhem 2022: Mi ruina es su ruina, nyg-west, Leipzig 2023: 4ll 0v3r th3 pl4c3, Retrospektive, ACC Gallery Weimar
Filmografie 2011: Interior 2012: Mika (mit Lina Walde) 2012: Laurent (mit Lina Walde) 2013: Olivier 2013: Beziehungsarbeit 1 & 2 (mit Lina Walde) 2014: L’absence de marquage 2014: Just Kids Left Alive On the Road 2015: Postcolonialism in 30sqm 2016: ExplorerIn 2009 2016: Maximum Surrender 2017: Poor people relax me 2018: Beyond Beach 2018: The remorseless goatgrinder of capital 2019: Wir sprechen heute noch Deutsch 2019: Iztlacayotlán (The Guerrero Beach Project) 2022: Tracing narratives in the space of weird time 2023: Iamyours_ 2024: Wikiriders
Auszeichnungen 2015: 1. Platz beim Filmfestival Universidad de Estado de Mexico 2015: 2. Preis Altersgruppe D, Deutscher Jugendfilmpreis für Just Kids Left Alive On The Road 2015: Silbermedaille des FiSH – Filmfestival Rostock für Just Kids Left Alive On The Road 2015: Besondere Erwähnung, Internationaler Wettbewerb des Stuttgarter Filmwinter 2016: Publikumspreis bei Kurzsuechtig – Mitteldeutsches Kurzfilmfestival für Postcolonialism in 30sqm 2016: Film des Jahres des FiSH – Filmfestival Rostock für Postcolonialism in 30sqm 2016: Publikumspreis bei ContraVision Berlin für Postcolonialism in 30sqm 2019: FICMA – (best mexican short documentary) 2019: Deutscher Kurzfilmpreis für Wir sprechen heute noch Deutsch 2020: Publikumspreis bei Kurzsuechtig – Mitteldeutsches Kurzfilmfestival für Wir sprechen heute noch Deutsch
Weblinks Offizielle Website
Clara Winter bei Kurzfilm Agentur Hamburg Clara Winter bei MUBI
Einzelnachweise
Kategorie:Videokünstler (Deutschland) Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1989 Kategorie:Nichtbinäre Person