mini|Logo des Blanton Museum of Art. mini|Eingangsgebäude (rechts) und Ausstellungsgebäude (links) des Blanton Museum of Art. Aufnahme 2023.
Das Blanton Museum of Art ist das Kunstmuseum der University of Texas in Austin. Es geht auf die Stiftung Archer M. Huntingtons im Jahr 1927 zurück, der Mittel für den Ankauf von Kunstwerken durch die Universität zur Verfügung stellte. Der Huntington Fund trug auch zur Finanzierung für ein Gebäude bei, das die Sammlung und das Institut für Kunst der Universität beherbergte. 1963 eröffnete das Museum als Archer M. Huntington Art Gallery. Die stetig wachsende Sammlung musste in den folgenden Jahren auf verschiedene Standorte aufgeteilt werden. In den 1990er-Jahren begannen Planungen für ein neues Museumsgebäude, welches 2006 eröffnet wurde. Das Museum ist seit 1998 nach dem Stifter Jack S. Blanton benannt.
Beim Blanton Museum of Art handelt es sich um die einzige größere Kunstsammlung in der texanischen Hauptstadt und die einzige Institution mit einer ständigen Sammlungspräsentation. Die Sammlung des Museums umfasst 21.000 Werke mit einem Schwerpunkt auf moderner und zeitgenössischer Kunst aus den Vereinigten Staaten von Amerika, lateinamerikanischer Kunst, Alten Meistern sowie Grafik aus den USA, Lateinamerika und Europa. Insbesondere für das Sammeln und Präsentieren von Kunst aus Lateinamerika nahm das Museum eine Vorreiterrolle in den Vereinigten Staaten ein, wobei dies auch eng mit der Profilbildung der University of Texas at Austin verknüpft war. Ein besonders herausragendes Werk der Sammlung ist zudem das von Ellsworth Kelly gestaltete Gebäude Austin, das sich auf dem Museumscampus befindet.
Geschichte
Aufbau des University Art Museums mini|Archer M. Huntington, der Gründungsstifter des Museums, um 1900.
Das Blanton Museum of Art geht auf die Stiftung Archer M. Huntingtons im Jahr 1927 zurück, deren zeitgenössischer Wert rund 145.000 Dollar betrug. Der in New York lebende Sohn des Eisenbahnmagnaten Collis P. Huntington übertrug der University of Texas at Austin 4000 Acres Land in Galveston, TX mit der Auflage, dass sie ein Kunstmuseum unterstützen sollte. Das Engagement Huntingtons scheint auf seine Ehefrau, die Bildhauerin Anna Hyatt Huntington zurückgegangen zu sein, da der Universität kurz zuvor zwei ihrer Skulpturen geschenkt worden waren. Eine dieser Skulpturen, Diana of the Chase, hatte die Ehefrau des Bundesrichters am Bundesbezirksgericht Thomas Sheldon Maxey gestiftet. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Landes bildeten ein Endowment, aus dem sich der Betrieb eines Museums finanzierte und 600.000 Dollar zu den Baukosten von 1,5 Millionen Dollar des 1963 errichteten University Art Museums beitrugen. Bis zum Jahr 2000 wuchs der Archer M. Huntington Museum Fund auf rund 25 Millionen Dollar an, von denen in diesem Jahr rund 800.000 Dollar ausgeschüttet wurden.Ohne Autor, History of the Blanton Museum of Art, in: Blanton Museum of Art (Hrsg.), Blanton Museum of Art. 110 Favorites from the Collection, Austin, TX 2013, S. xiii-xvii, xiii.Anonym, A vision grows into one of the finest art collections on any U.S. campus, abgerufen am 3. September 2024 auf utimco.org.
Das Museum teilte sich das neue Gebäude mit dem Institut für Kunst, das seit 1948 in vier Militärbaracken aus dem Zweiten Weltkrieg untergebracht war. Die Universität bevorzugte aktive Künstler als Lehrende. Deren Bedarf an Ateliers war der ausschlaggebende Faktor für die Errichtung des neuen Gebäudes, das Klassenräume, Künstlerateliers, Büros und das Museum umfasste. In der Folge verfügte die Universität erstmals über ausgewiesene Räumlichkeiten für ihren Kunstbesitz. Diese Transformation fand unter der Ägide von Donald B. Goodall statt, der seit 1959 Vorsitzender des Kunstinstituts und Leiter der Kunstsammlung war. In den 1960er- und 1970er-Jahren bildeten sich in der Folge die Sammlungsgebiete des Museums heraus. Dabei waren Museum und Institut nicht voneinander getrennt, die Lehrenden dienten zugleich auch als Kuratoren. Das Museum verfügte über keinen Ankaufsetat, so dass vom Institut beschlossen wurde, vor allem hochkarätige Ausstellungen amerikanischer und lateinamerikanischer Kunst an die Universität zu holen. Dieser Fokus entsprach den Stärken des Lehrkörpers, der Atelierpraxis und der Kunsterziehung des Instituts. Goodall sprach Spanisch und Portugiesisch und hatte ein tiefgreifendes Interesse an lateinamerikanischer Kunst entwickelt. Noch vor der Eröffnung des neuen Museumsgebäudes veranstaltete er Ende 1960, Anfang 1961 die Ausstellung Drawings and Prints of Jose Luis Cuevas, anlässlich derer Goodall und der Professor Kuis Eades die Schlüsselfiguren kennenlernten, die Kunst aus Mittel- und Südamerika in den USA promoteten. Insbesondere der Kontakt zu José Gómez Sicre von der Pan American Union Visual Arts Section spielte für zukünftige Projekte eine Rolle.Florencia Bazzano, Latin American Art at The University of Texas at Austin. The University Art Museum in: Michele Greet, Gina McDaniel Tarver (Hrsg.), Art Museums of Latin America. Structuring Representation, New York City 2018, S. 179–191, 180f. Nach dem Bezug der eigenen Räumlichkeiten bemühte sich Goodall darum, das neue University Art Museum durch die Übernahme bedeutender Wanderausstellung als ein Zentrum für lateinamerikanische Kunst in den USA zu etablieren. Dabei versuchte er regionale und transnationale Schwerpunkte zu verbinden. Das University Art Museum der University of Texas at Austin blieb durch die 1960er- und 1970er-Jahre hindurch das Museum in den USA, das am kontinuierlichsten lateinamerikanische Kunst in Ausstellungen vorstellte und daneben auch altamerikanische Kunst zeigte.Florencia Bazzano, Latin American Art at The University of Texas at Austin. The University Art Museum in: Michele Greet, Gina McDaniel Tarver (Hrsg.), Art Museums of Latin America. Structuring Representation, New York City 2018, S. 179–191, 181–184.
mini|James Michener, der mit seiner Frau Mari Sabusawa Michener der bedeutendste Mäzen des Blanton Museum of Art war, bei einem Besuch in der Bibliothek der University of Texas at Arlington, 1985.
Aufgrund der geringen Ankaufsmittel war das Museum beim Ausbau der Sammlung auf private Zuwendungen angewiesen: Von 1968 bis in die frühen 1990er-Jahre schenkten der Romanautor und Pulitzerpreisträger James Michener und seine Frau Mari Sabusawa Michener rund 300 Werke der amerikanischen Malerei des 20. Jahrhunderts, nach denen das heutige Galeriegebäude des Museums benannt ist. Daneben überließen sie dem Museum finanzielle Mittel, um junge amerikanische Kunst anzukaufen. Die lateinamerikanische Sammlung geht auf die Schenkung von 200 Gemälden und 1200 Zeichnungen von Barbara Duncan ab dem Jahr 1971 zurück, mit der sich die frühe führende Stellung des Museums auf diesem Sammelgebiet begründete. Eine weitere bedeutende Stiftung aus der Anfangszeit des Museums war die seit 1965 übertragene C. R. Smith Collection of Art of the American West, die 90 Gemälde, Skulpturen und Papierarbeiten mit der Amerikanischen Frontier als Motiv umfasst. 1972 übereignete Charles Clark zudem rund 1000 zeitgenössische Grafiken.Ohne Autor, History of the Blanton Museum of Art, in: Blanton Museum of Art (Hrsg.), Blanton Museum of Art. 110 Favorites from the Collection, Austin, TX 2013, S. xiii-xvii, xiv.
Die bisherigen Räumlichkeiten des University Art Museums reichten nicht aus, um die wachsende Sammlung zu beherbergen, so dass sie ab 1972 im neu errichteten Gebäude des Humanities Research Center der Universität präsentiert wurde. Die Räume für Sonderausstellungen und der Studiensaal für Grafiken verblieben im alten Gebäude. Mit dieser räumlichen Entwicklung gingen auch institutionelle Veränderungen einher: die Verwaltung des Museums wurde vom Art Department der Universität getrennt. Goodall gab seine Rolle als Vorsitzender des Instituts auf und leitete in der Folge das University Art Museum in Vollzeit. Die enge Verschränkung blieb jedoch bestehen. So wurde 1975 der bedeutende Kunsthistoriker auf dem Feld der lateinamerikanischen Kunst Damián Bayón angestellt, um zum einen im Lehrbetrieb mitzuwirken, zum anderen aber auch einen Katalog des Bestandes der Kunst aus Lateinamerika in der Museumssammlung zu erstellen. 1978 ging Goodall in Pension, weshalb das Katalogprojekt, dessen wichtigster Unterstützer er war und dessen Autor im Folgejahr ebenfalls die Universität verließ, nicht zu Ende geführt wurde. Das letzte große Projekt Goodalls war das Symposium Speak-Out! Charla! Bate-Papo!, das im Oktober 1975 zusammen mit drei thematisch begleitenden Ausstellungen als Teil des Fine Arts Festival des College of Fine Arts durchgeführt wurde. Es gilt als ein Meilenstein der Forschung zur zeitgenössischen lateinamerikanischen Kunst und Literatur in den Vereinigten Staaten und ist als Austin Symposium bekannt.Florencia Bazzano, Latin American Art at The University of Texas at Austin. The University Art Museum in: Michele Greet, Gina McDaniel Tarver (Hrsg.), Art Museums of Latin America. Structuring Representation, New York City 2018, S. 179–191, 187.
Archer M. Huntington Art Gallery