Iphofen (fränkisch: IbhoufW. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld, S. 87. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „ibhoúf“.) ist der Hauptort der Stadt Iphofen im unterfränkischen Landkreis Kitzingen in Bayern.
Iphofen bildet heute, als einwohnerreichster und größter Gemeindeteil, den Mittelpunkt der politischen Gemeinde Iphofen und des östlichen Landkreises. Die Stadt entstand im Spätmittelalter als Außenposten des Hochstifts Würzburg und wurde zu einem Zentralort ausgebaut, der über die im 14. Jahrhundert etablierte Heiligblutwallfahrt auch geistliche Bedeutung erhielt. Iphofen besaß in der Vormoderne bedeutende Verteidigungsanlagen. Die Stadt wurde in der Folge immer wieder in militärische Auseinandersetzungen hineingezogen, besondere Bedeutung hat hier vor allem der Dreißigjährige Krieg. Im Zweiten Weltkrieg gelang es, Iphofen zu einer Lazarettstadt umzuwandeln, was die Stadt vor der Zerstörung bewahrte.
Iphofen hat sich bis heute sein spätmittelalterliches und barockes Ortsbild bewahrt. Dabei ist der Stadtkern mit seiner nahezu vollständig erhaltenen Befestigung in zwei Teile geteilt. Im Nordosten befindet sich die Altstadt mit der katholischen Pfarrkirche St. Vitus, dem Rathaus und dem Marktplatz. Südwestlich schließt sich das sogenannte Gräbenviertel mit der Heiligblutkirche und dem Spital an. Die beiden Siedlungen wurden erst im 14. Jahrhundert verbunden und sind heute noch durch einen im Stadtinneren verlaufenden Graben optisch voneinander getrennt. Iphofen besitzt einige kunst- und kulturhistorisch bedeutende Bauten, darunter eines der letzten erhaltenen Beinhäuser Frankens. Der historische Landgraben als vormoderne Verteidigungsanlage im Vorfeld der Stadt ist heute nur noch in wenigen Resten erhalten.
Die Wirtschaft der Stadt hat sich in den letzten 200 Jahren stark ausdifferenziert. War Iphofen in der Vormoderne noch eine reine Ackerbürgerstadt, deren Bevölkerung sich auf den Weinbau konzentrierte, wird die städtische Wirtschaft heute von drei Branchen geprägt. Mit der Knauf Gips KG besteht in Iphofen heute der Sitz eines weltweit agierenden, mittelständischen Unternehmens, das sich auf die Förderung und die Verarbeitung von Gipsprodukten spezialisiert hat. Es profitiert von den geologischen Bedingungen um die Stadt. Daneben spielt der Kulturtourismus in der historischen Altstadt eine große Rolle. Hiermit verbunden ist auch der Weinbau, der weiterhin eine große Bedeutung besitzt. Die noch im 20. Jahrhundert wichtige Forstwirtschaft mit dem Iphöfer Stadtwald am Rande des Steigerwalds hat dagegen an Bedeutung eingebüßt.
Geografie Geografie und naturräumliche Lage Iphofen liegt im Nordwesten der politischen Gemeinde. Mit Ausnahme von Birklingen im Osten liegen die Gemeindeteile allesamt weiter südlich, wobei lediglich ein dünner Gebietsstreifen mit dem Breitbach die Kernstadt mit dem Gemeindeteil Mönchsondheim verbindet. Im Norden beginnt das Gebiet der Gemeinde Rödelsee. Der gleichnamige Hauptort und der Gemeindeteil Schwanberg mit dem Gipfel des eigentlich als Iphöfer Hausberg bezeichneten Schwanberg liegen der Stadt am nächsten. Im Osten der Steigerwaldstufe liegt Birklingen, der Südosten wird von der Gemeinde Markt Einersheim eingenommen. Im Süden liegt die Schwarzmühle in der Mönchsondheimer Gemarkung. Südwestlich erhebt sich Willanzheim als Hauptort der gleichnamigen Gemeinde, während im Westen Mainbernheim zu finden ist.
Nächstgelegene, größere Städte sind Kitzingen, mit einer Distanz von etwa 8 Kilometern und Ochsenfurt, das ungefähr 14,9 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 26 Kilometer entfernte Würzburg. mini|Der Wehrbach an der Iphöfer Stadtmauer Naturräumlich liegt Iphofen inmitten des Schwanbergvorlandes als Teil des nach der Stadt benannten Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorlandes.Horst Mensching, Günter Wagner: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 152 Würzburg (= Geographische Landesaufnahme 1:200.000 Naturräumliche Gliederung Deutschlands). Bad Godesberg 1963. S. 33–36. Der Naturraum zieht sich in einem etwa 2 bis 5 km schmalen Streifen in einem Bogen um den namensgebenden Schwanberg, der den westlichsten Ausläufer des Mittelgebirges Steigerwald markiert. Die Böschungswinkel in Richtung des Berges steigen von 3 zu 15° an. Der Naturraum vermittelt zwischen den fast ebenen Gäuflächen und dem Anstieg des Geländes in Richtung des Steigerwaldes. Die wenigen Flüsse, die hier aus dem Steigerwald fließen haben keine tief ausgebildeten Täler entwickeln können.
Die Stadt liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau in der Umgebung. Die Böden werden zumeist von Lettenkeuper beherrscht, wobei die Bodenzusammensetzung auch den im Steigerwald an vielen Stellen eingelagerten Lettengips umfasst. Die Landschaft wird seit Jahrhunderten von der Bearbeitung durch den Menschen geprägt. Die Böden sind aber für intensive ackerbauliche Nutzung nicht ausgelegt, sondern neigen zu starken Abspülungen. Anders als viele angrenzende Gebiete ist das Schwanbergvorland nicht so niederschlagsarm. Dies ist auf eine sogenannte Niederschlagsstraße zurückzuführen, die von Ochsenfurt über die Mainbernheimer Ebene und die Hellmitzheimer Bucht bis zum Schwanberg reicht.
Hydrologisch wird Iphofen trotz einer mehrere Kilometer weiten Entfernung vom Fluss durch den Main beeinflusst. Dem Main, genauer den Mainzuflüssen Sickersbach und Breitbach streben alle Gewässer auf dem Stadtgebiet zu. Der historische Stadtkern wird von den beiden Sickersbacharmen Wehrbach und Siechhausbach umflossen, die bereits im Mittelalter den Stadtgraben speisten. Sie vereinen sich im Westen des Stadtgebiets. Dabei entspringen beide Bäche im Osten der Stadt, wobei der Siechhausbach einen Quelltopf besitzt und sich der Wehrbach aus mehreren unbenannten Quellarmen zusammensetzt. Im äußersten Süden der Gemarkung fließt außerdem der Breitbach, der hier vom Moorseebach gespeist wird und in der Folge mehrere Wassermühlen antreibt.
Gemarkung Die Gemarkung Iphofen hat eine Fläche von 26,041 km². Sie ist in 4097 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6356,04 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Domherrnmühle, Gumpertsmühle, Landthurm und Vogtsmühle. Mit den baulichen Überresten des ehemaligen Poppenhofs ist im äußersten Osten ein ehemaliger Gemeindeteil zu finden.
Ortsgliederung Der historische Ortskern liegt im Westen der Gemarkung. Noch heute ist eine Zweiteilung der Innenstadt erkennbar. Das im 13. Jahrhundert um die Pfarrkirche St. Vitus und einen im Süden angrenzenden Markt mit dem Rathaus entstandene Stadtzentrum ist als Rechteck ausgeprägt. Daneben befindet sich südwestlich der als Gräbenviertel bekannte Stadtteil, der erst im 14. Jahrhundert in die Stadtmauer einbezogen wurde, wobei ein breiter Grünstreifen und ein Graben die beiden Stadtteile noch heute voneinander trennt. Das Zentrum des Gräbenviertels bildet die Heiligblutkirche. Zentraler Platz des Viertels ist der in Größe und Bedeutung dem Marktplatz nachgeordnete Julius-Echter-Platz.Hans-Eckhard Lindemann: Historische Ortskerne in Mainfranken. Geschichte – Struktur – Entwicklung. München 1989. S. 88 f. mini|Gliederung der Iphöfer Kernstadt und ihrer Gemarkung Das charakteristische Erscheinungsbild der Altstadt wird von einem breiten Graben abgerundet, der heute mit einem Grünstreifen bzw. Ringpark mit Erholungs- und Freizeitflächen ausgestattet wurde. Mehrere Tore waren bis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die einzigen Zugänge zur Altstadt bzw. dem Gräbenviertel. Im Uhrzeigersinn waren dies das Rödelseer Tor, das Einersheimer Tor, das Mainbernheimer Tor und das Pest- oder Totentor. Letzteres wurde bereits im 16. Jahrhundert zugemauert, hat seinen Namen aber von dem im Südsüdosten der Altstadt verorteten Friedhof erhalten. Mit der Spitalmühle ist im Westen der Altstadt ein weiteres historisches Areal zu finden. Die Neubebauung um die Altstadt wurde entlang der durch die vier Tore definierten Ausfallstraßen weitergeführt und entstand in einigem Abstand zur Altstadt. Hierdurch können die Strukturen leicht nachvollzogen werden.
Vier große Neubaugebiete mit Einfamilien- und kleinen Mehrfamilienhäusern lassen sich identifizieren. Im Norden entstanden Wohnsiedlungen entlang der Rödelseer Straße, im Osten reihen sich die Häuser zwischen der Birklinger und der Einersheimer Straße auf. Der Süden wird von Häusern entlang der Bahnhofstraße geprägt. Diese Stadterweiterung geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Jünger sind dagegen die Siedlungshäuser westlich der Straße Am Stadtgraben West. Die das Gebiet erschließende Mainbernheimer Straße leitet auch zum Standort der Knauf Gruppe über, die heute etwa ein Areal von der Größe der Iphöfer Altstadt einnimmt und zwei eigene Bahnhaltepunkte für den Güterverkehr besitzt. In allen vier Siedlungsgebieten wurden kommunale bzw. andere öffentliche Einrichtungen untergebracht, die deshalb dezentral über das Stadtgebiet verteilt sind.
Im nördlichen Wohngebiet ist entlang der Abzweigungen des Schwanbergweges die Dr.-Karlheinz-Spielmann-Grundschule sowie die gleichnamige Mittelschule zu finden. Unmittelbar südlich schließt sich außerdem einer der beiden katholischen Kindergärten der Stadt an. In der unmittelbar nordöstlich daran anschließenden, parallel verlaufenden Anton-Sabel-Straße ist außerdem die Bildungs- und Tagungsstätte der Bundesagentur für Arbeit sowie eine Verwaltungsschule zu finden. Im Westen wurde ein großer See angelegt, der heute als Naherholungsgebiet genutzt wird. Darüber hinaus sind hier die Sportanlagen von Grund- und Mittelschule zu finden. Außerdem hat die Freiwillige Feuerwehr der Stadt hier ihren Sitz.
Das südliche Wohngebiet wird von der Bahnhofstraße dominiert und entstand als Verbindung mit dem an der Bahnstrecke Fürth–Würzburg gelegenen, öffentlichen Bahnhalt. Dieser wird heute von einem großen Park-and-Ride-Parkplatz begleitet. Daneben sind hier die großen Einzelhandelsketten in einem Einkaufspark zu finden. Südlich der hier verlaufenden Bundesstraße schließt sich ein weiteres Wohngebiet und ein Elektrizitätswerk an. In der Iphöfer Gemarkung sind darüber hinaus mehrere vereinzelte Wohn- und Industriegebiete zu finden, die zumeist in enger Verbindung mit der Knauf-Gruppe stehen. Im äußersten Südosten der Gemarkung, im Gemeindeteil Landthurm, grenzt ein weiteres Knauf-Werk unmittelbar an das Gebiet von Einersheim.
Der Iphöfer Stadtwald liegt im Norden und Nordosten der Stadt. Der Wald gehört zu den größeren Waldgebieten im Westen des Mittelgebirges Steigerwald. Dabei wird das Bergmassiv, auf dem der Wald aufliegt, vom schichtenreichen Mittleren Keuper gebildet. Große Teile des Waldes werden seit Jahrhunderten von Menschen bewirtschaftet. Zwei Wirtschaftsformen haben sich hierdurch herausgebildet, die auch anhand des Baumbestandes ablesbar sind. So waren in den 1980er Jahren circa 424 Hektar mit Hochwald bestockt, während etwa 689 Hektar von Mittelwald eingenommen wurden. Inmitten des Iphöfer Stadtwaldes befinden sich noch heute die sogenannten Holzwiesen, die im 16. Jahrhundert als Rodungsinseln entstanden.Joachim Hamberger: Geschichte des Waldes der Stadt Iphofen (= Forstliche Forschungsberichte München Nr. 112/1991). München 1991. S. 31 f. → siehe auch: Iphöfer Stadtwald
Schutzgebiete