Solvent ist ein englischsprachiger österreichischer übernatürlicher Mystery-Komödien-Drama-Horrorfilm, der von Johannes Grenzfurthner inszeniert und von der Künstlergruppe monochrom produziert wird. Hauptdarsteller sind Jon Gries, Aleksandra Cwen, Johannes Grenzfurthner und Roland Gratzer.
Handlung Der amerikanische Bergungsunternehmer und ehemalige Soldat Gunner S. Holbrook (Jon Gries), spezialisiert auf historische Sicherungen und sensible Funde, wird von der polnischen Historikerin Dr. Krystyna Szczepanska (Aleksandra Cwen) beauftragt, das verlassene Gehöft des ehemaligen SS-Offiziers Wolfgang Zinggl in Egelsau, Niederösterreich, zu untersuchen. Zinggl, der einst im Vernichtungslager Chełmno tätig war, war 2014 spurlos verschwunden. Einer Familienlegende zufolge soll er wichtige Dokumente in einer Kiste versteckt haben.
Holbrook begleitet Szczepanska gemeinsam mit dem örtlichen Helfer Richie Fischvogt (Ronald von den Sternen), dem Techniker Kyle Edward Boll (Peter Plos; Stimme: Galen Howard), der Forschungsassistentin Cornelia Dunzinger (Jasmin Hagendorfer) und Zinggls Enkel Ernst Bartholdi (Johannes Grenzfurthner), einem PR-Unternehmer, der die Geschichte seiner Familie aufarbeiten möchte. Schon bald zeigt sich, dass Zinggl ein exzentrisches Verhalten an den Tag gelegt hatte, etwa indem er seinen eigenen Urin sammelte. Holbrook dokumentiert alle Vorgänge mit seiner Helmkamera.
Während der Untersuchung trifft das Team auf den verschwörungsgläubigen Nachbarn Fredi Weinhappl (Roland Gratzer), der sie zu einem versteckten Weinkeller führt. Dort entdecken sie ein metallenes Rohr, aus dem ein schwacher Luftzug strömt. Als Szczepanska das Rohr berührt, erleidet sie einen psychotischen Zusammenbruch, bei dem Dunzinger versehentlich ums Leben kommt. Die Expedition wird abgebrochen.
Von Schuldgefühlen geplagt, begleitet Holbrook die suizidale Szczepanska nach Warschau und pflegt sie dort, während er sich mit rechtlichen Konsequenzen wegen Dunzingers Tod konfrontiert sieht. Schließlich kehrt er allein nach Egelsau zurück und lebt in einem von Fischvogt geliehenen Auto in den umliegenden Wäldern. Bei einem erneuten Versuch, den Keller zu betreten, wird er von Weinhappl entdeckt, der Bartholdi alarmiert. Nachdem dieser ihn vom Grundstück verbannt, kehrt Holbrook heimlich zurück und untersucht das Rohr mit einer Endoskopkamera. In der Tiefe entdeckt er in einer kleinen Höhle ein lebendiges menschliches Auge sowie unterirdische Kavernen, die mit einer gelblichen Flüssigkeit gefüllt sind.
Szczepanska und Holbrook, die früher ein Paar waren, nähern sich über zahlreiche Telefonate wieder an. Ihre Beziehung wird jedoch zunehmend von Wahnvorstellungen und Obsessionen überschattet. Nach mehreren Experimenten und in wachsendem Wahn beginnt Holbrook, die Substanz aus dem Rohr zu trinken, was eine psychische Verbindung zwischen ihm und Zinggl herstellt oder verstärkt.
In einem Streit schlägt ihn Fischvogt beim Betreten des Kellers nieder, weil er sein Auto zurückfordert. Als Holbrook erwacht, lauern ihm Weinhappl, Bartholdi und dessen Freundin vor dem Keller auf. Zinggl spricht nun erstmals durch Holbrook – mit deutschem Akzent – und rügt seinen Enkel, weil dieser die Nazi-Relikte seines Großvaters an rechtsextreme Sammler in Uruguay verkauft hat. Der schockierte Bartholdi zieht sich zurück, während ein beeindruckter Weinhappl beginnt, Holbrook zu unterstützen.
Holbrook verhält sich zunehmend erratisch. Er streift durch die Wälder, reinigt sich mit seinem eigenen Urin und tätowiert sich in einem Zustand geistiger Umnachtung den Unterarm. Er analysiert seine Ausbrüche anhand der Aufnahmen seiner Helmkamera und entdeckt Beweise für Bartholdis illegale Geschäfte. Um eine stärkere Verbindung zu Zinggl herzustellen, zieht er in den Keller ein.
Bartholdi lauert ihm dort auf und will ihn zwingen, das Videomaterial zu kopieren und das Gelände zu verlassen. Er behauptet, Beweise für Holbrooks Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg zu besitzen. Bartholdis Ziel war stets, durch seine vermeintliche Geschichtsaufarbeitung das Image seiner Firma zu verbessern. Holbrook weigert sich und erklärt, dass sich sein Körper verändere und er nicht daran denke, den Keller zu verlassen. Er verscheucht Bartholdi und beginnt halluzinierende Forschungen zur Kartografierung des Rohrsystems. Zinggl offenbart ihm – durch die Tötung einer Maus mit Gas –, dass er über tödliche Kräfte verfügt.
Bartholdi dringt in Szczepanskas Wohnung in Warschau ein, bedroht sie und zwingt sie, Holbrook telefonisch zur Kooperation zu bewegen. Szczepanska erklärt Holbrook jedoch, dass sie die Verbindung zu Zinggl nicht ertragen konnte und daran zerbrochen sei – er aber vielleicht stark genug sei, die Untersuchungen fortzuführen.
Holbrook beginnt, schwarzen Harn abzugeben, und zeigt in einer schizophrenen Episode stolz, was er sich auf den Arm tätowiert hat: ein Hakenkreuz. Zinggl behauptet, sie seien nun eins – „Teil des Wassers“. Als Zinggl ihre Verbindung übernatürlich beweist, indem eine Endoskopkamera, die ins Rohr eingeführt wurde, aus Holbrooks Penis austritt, beginnt Holbrook, gegen Zinggl anzukämpfen. Doch Zinggls Kräfte sind zu stark. Holbrook schneidet das Hakenkreuz-Tattoo mit einem Messer aus seinem Arm, um symbolisch seine Selbstbestimmung zurückzuerlangen. Schwer verletzt und körperlich verfallend erkennt er, dass er den Keller nie mehr verlassen kann und bald ein ähnliches Schicksal wie Zinggl erleiden wird.
Holbrook nutzt seine verbleibende Zeit, um Zinggl Informationen zu entlocken. Er notiert die Koordinaten unentdeckter Massengräber in Chełmno in sein schwarzes Notizbuch und speichert Details über aktuelle neonazistische Netzwerke in seinem Laptop. Diese leakt er sowohl an internationale Behörden als auch an die rechtsextreme Szene selbst – mit einer ironischen Einladung, „das coole Rohr“ zu besichtigen. Nach einer telefonischen Morddrohung durch den Neonazi Haneke (Sky Elobar) veröffentlicht Holbrook Videos, die Bartholdis Aktivitäten offenlegen. Kurz darauf kollabiert er, während schwarze Flüssigkeit aus seinem Körper austritt.
Szczepanska, die aus Warschau fliehen konnte, findet Holbrook sterbend vor. In seinem letzten klaren Moment übergibt er ihr das schwarze Notizbuch mit den gesammelten Informationen, bevor er in der Erde versinkt.
In einer Abspannszene wird Bartholdis Selbstmord auf dem Dachboden seines Großvaters gezeigt. Danach treffen drei Neonazis (Jello Biafra, Jörg Buttgereit, Chris Gore) im Weinkeller ein, wo ein menschliches Auge aus der Erde auftaucht und nach oben blickt.
Themen Horror und Klang spielen eine wesentliche Rolle. Grenzfurthner sagt, dass Solvent eine Trilogie mit Masking Threshold und Razzennest bildet. In einem Interview mit dem VOD Club erklärt Grenzfurthner, dass die Filme der Trilogie zwar keinen narrativen Faden teilen, aber durch ihre Untersuchung philosophischer Themen miteinander verbunden sind.
Grenzfurthner nutzte den alten Bauernhof seines mütterlichen Großvaters, Otto Zucker, als Drehort für den Film und integrierte auch alte Fotografien von Zucker, um den Nazi-Antagonisten Wolfgang Zinggl darzustellen. Grenzfurthner sprach ausführlich über seinen Wunsch, die Realität seiner Familie in diese fiktionale Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit Österreichs einzubeziehen. Zebrabutter nennt dies ein filmisches „Palimpsest“. Im Blu-ray-Featurette beschrieb Grenzfurthner Solvent als antifaschistischen Horrorfilm, der sich mit österreichischer Erinnerungskultur, familiärem Schweigen und dem Fortwirken faschistischer Ideologie auseinandersetzt. Zudem brachte er die Bildsprache des Films mit verschütteter historischer Gewalt und Verdrängung in Verbindung, insbesondere Motive wie Schimmel, Fäulnis und körperliche Kontamination.
Grenzfurthner hat in Q&A-Sessions und Interviews erklärt, dass viele der Aussagen der Nazi-Figur Zinggl wörtliche Zitate sind – aus Gesprächen, die er auf der Straße mitgehört hat, aus Beiträgen in Online-Foren oder aus realen Begegnungen. Gerade bei dieser Figur, so Grenzfurthner, sei es notwendig gewesen, die Monstrosität in der Realität zu verankern. So stammt etwa ein umstrittener Satz über den Zionismus und Zinggls Reue, „nicht sechs Monate mehr Zeit gehabt“ zu haben, tatsächlich von einem Neonazi-Werber auf den Straßen Wiens während einer Anti-Impf-Demonstration. Der Nazi-Dämon skandiert außerdem kurz „Hamas, Hamas, schickt die Juden in das Gas“, eine Variante eines niederländischen antisemitischen Fußballgesangs (niederländisch: „Hamas, Hamas, Joden aan het gas“). Der Slogan ist in der niederländischen Fußballkultur dokumentiert und wurde 2009 vom Hohen Rat der Niederlande als strafbar eingestuft. Die Verwendung im Film unterstreicht, wie nationalsozialistischer Hass in veränderten zeitgenössischen Formen fortbestehen kann.
Der Film kombiniert eine Point-of-View-Technik mit experimentellen Kinoansätzen und integriert Elemente sowohl des Mystery- als auch des Splatterfilms.
Produktion Dreharbeiten mini|Beim Dreh von Solvent in Unterzögersdorf, Niederösterreich, im März 2023.Der Film wurde von März bis November 2023 fast ausschließlich in und um Unterzögersdorf bei Stockerau in Niederösterreich gedreht. Grenzfurthner zufolge wurde das zentrale Mysterium des Films direkt vom Weinkeller seiner mütterlichen Großeltern inspiriert. Im Blu-ray-Bonusmaterial sagte er zudem, dass Teile der von Schimmel beschädigten Location gefilmt werden mussten, bevor sie geräumt wurden. Dies führte dazu, dass der Eröffnungsabschnitt bereits gedreht wurde, bevor spätere Teile des Drehbuchs fertiggestellt waren. Musik Die Filmmusik wurde vom niederländischen Musiker Pieter de Graaf komponiert und im April 2026 als Original-Soundtrack-Album von MovieScore Media veröffentlicht. Besetzung Jon Gries als Gunner S. Holbrook Aleksandra Cwen als Krystyna Szczepanska Johannes Grenzfurthner als Ernst Bartholdi Roland Gratzer als Fredi Weinhappl Jasmin Hagendorfer als Cornelia Dunzinger/Cousine Edith Ronald von den Sternen als Richie Fischvogt Peter Plos (Darsteller) und Galen Howard (Stimme) als Kyle Edward Boll Bibiane Zimba als Leni Sky Elobar als Mike Haneke Otto Zucker (Foto-Archivmaterial) als Wolfgang Zinggl
Veröffentlichung Der Film hatte am 26. September 2024 seine Premiere auf dem Slash Filmfestival in Wien.
Nightmares Film Festival präsentierte die US-amerikanische Premiere. Dark Nights Film Festival in Sydney zeigte den Film als Australien-Premiere.
Der Film wird am 10. Oktober 2025 von Film Movement in den USA und Kanada veröffentlicht. Am 4. Mai 2026 wurde der Film in das Programm von Shudder aufgenommen.
Kritik Bei Rotten Tomatoes besitzt der Film eine positive Bewertung von 88 %.
Der Film schafft es im Dezember 2024 auf die Liste der "besten Filme 2024" der Zeitung Der Standard.
Auszeichnungen The Film from Hell (Best of the Fest) auf dem Nightmares Film Festival 2024 Best Poster Art auf dem South African Horrorfest 2024 Best Feature Film auf dem Horror Underground Film & Screenplay Festival 2024 Best Screenplay auf dem Etreum Horror Film Fest Found Footage 2025
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Einzelnachweise
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