Görzig ist ein Ortsteil der gleichnamigen Ortschaft der Stadt Südliches Anhalt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt (Deutschland).
Geografie und Klima Görzig liegt zwischen Köthen (Anhalt) und Halle (Saale) am Übergang des Ackerlandes der Köthener Ebene zur Fuhneaue. Die Landschaft gehört zum Mitteldeutschen Trockengebiet der Halle-Magdeburger Börde, klimatisch gekennzeichnet durch trockene Sommer und kühle Winter mit einer mittleren Jahrestemperatur von 8,5 °C und durchschnittlich 480 bis 520 mm Niederschlag.Landesamt für Naturschutz, Sachsen-Anhalt: (PDF; 61 kB). Stand 25. Juli 2015.
Ortsgliederung Zu Görzig gehören die Wohnplätze Minna-Anna und Station Weißandt-Gölzau. Seit dem 1. Juli 1950 ist das einen Kilometer entfernte Reinsdorf (Südliches Anhalt) eingemeindet. Das Flurstück Kumptbusch (Compan/Kumpan) verbindet beide Ortslagen. Die vormals selbständige Gemeinde Görzig mit dem Ortsteil Reinsdorf wurde am 1. September 2010 in die Stadt Südliches Anhalt eingegliedert.StBA Wiesbaden (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010.
Nachbarorte und Lage mini|Görzig als Ortsteilder Stadt Südliches Anhalt
Um Görzig befinden sich folgende Ortsteile und Nachbargemeinden:
Geschichte Bedeutung und Entwicklung der Ortsnamen Görzig: Der altslawische Wortstamm gor deutet auf eine geografische Bezeichnung für ein hügeliges (Berg-)DorfGustav Hey, Karl Schulze: Die Siedelungen in Anhalt. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle a. S. 1905, S. 23. und erfuhr in den vergangenen eintausend Jahren viele Schreibweisen. Gorizka (973) – Gorzeke (1253) – Gorzk (1338) – Gortzig(k) (um 1370) – Jortzk, Goretzka, Gortzke, Gorczk (14./15. Jahrhundert) – Gortzig, Görtzigk (16. Jahrhundert) – Görzig (1867).Inge Bily: Ortsnamenbuch des Mittelelbegebietes. In: Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte. 38, Akademie Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-05-002505-0, S. 181. Reinsdorf: Das Dorf des Reinhold oder Raginwald. Dieser deutsche Name erscheint in den Urkunden so: Rein(e)storp (um 1200) – Reinoldesdorp (1275) – Re(y)nstorp (um 1370) – Reinstorff (1476) – Reinstorf, Reinßdorff (16. Jahrhundert) – Reinsdorf (1867).Inge Bily: Ortsnamenbuch des Mittelelbegebietes. In: Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte. 38, Akademie Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-05-002505-0, S. 320. Kumpan: Eine mögliche Deutung der Bezeichnungen Kumpan oder Compan bieten die Brüder Grimm: Die Kumpe bezeichnet eine tiefe Flussstelle, der Kümpel ist eine Vertiefung, in der sich Wasser sammelt, eine Wassergrube oder Tümpel.Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Fünfter Band. K. Bearbeitung: Rudolf Hildebrand. Verlag S. Hirzel, Leipzig 1873, Spalte 2613.
Besiedlung Der fruchtbare Lößboden sowie die nahegelegene sumpfige Fuhneniederung als Jagd- und Fischgebiet boten bereits in der Altsteinzeit sehr gute Siedlungsvoraussetzungen und veranlassten die Menschen zu großflächigen Abholzungen der ursprünglichen Auenwälder, um Ackerland zu gewinnen.
Reichhaltige archäologische Funde weisen auf die durchgängige Besiedlung Görzigs seit der Jungsteinzeit hin: Krüge der Kugelamphoren-Kultur sowie Gefäße der Aunjetitzer Kultur. Der in Reinsdorf gefundene trepanierte Schädel zeugt von erfolgreichen chirurgischen Eingriffen bereits während der Bronzezeit. Besonders interessante Fundstücke aus der Frühen Eisenzeit – datiert in die Periode zwischen 1000 und 500 v. Chr. – sind die Guss-Dauerformen aus Kalkstein, die das Gießen sichelförmiger Werkstücke in höheren Stückzahlen ermöglichten.
Im ersten und zweiten Jahrhundert gehörte die Region zum Kernsiedlungsgebiet der Hermunduren. Ihnen folgten die Warnen. Das Grab eines Mannes im warnischen Skelettgräberfeld auf einem Acker der ehemaligen Görziger Domäne wurde 1936 vom Landeskonservator Anhalts, Walter Götze, wissenschaftlich erforscht. Er fand darin eine eiserne Gürtelschnalle, ein Messer- oder Pfeilblatt, einen Messergriff sowie eine kobaltblaue Glasperle, ebenso eine Hirtenstabnadel in einer zerstörten Skelettgrube in der Kolonie Minna-Anna. Aus dem vierten und fünften Jahrhundert wurden als Grabbeigaben Pfeilspitzen, Gefäße, Schmucknadeln, Glasperlen und ein Dreilagenkamm geborgen.Auf Museum-digital.de.: Dreilagenkamm aus dem 4. Jh. n. Chr., In: Archäologischen Sammlung Köthen. Stand 27. Februar 2013.
In den Jahren von 560 bis 568 fielen wiederholt awarische Krieger in das Gebiet ein; hiervon zeugt der Fund einer Pfeilspitze im Bestand der Prähistorischen Sammlung des Historischen Museums für Mittelanhalt.Andreas Geisler: Besiedlungsgeschichte des Köthener Landes. Veröffentlichungen der Bach-Gedenkstätte Schloß Köthen. Historisches Museum für Mittelanhalt. Heft XXVIII. Köthen 2004, ISBN 3-910017-07-X. Im sechsten Jahrhundert zogen sich die Germanen langsam aus dem Gebiet nach Westen zurück; slawische Stämme wanderten ein. Schon weit vor dem Jahr 600 vom elbslawischen Stamm der Colodici bewohnt, wurde die Region ab dem 10. Jahrhundert im Zuge der deutschen Ostexpansion zunehmend von Deutschen bevölkert. Sie bildete zunächst ein dem Reich locker angegliedertes Grenzland, in dem slawische und deutsche Hofstellen, Dörfer, Sattelhöfe und Güter relativ dicht, aber verstreut koexistierten.Ulla Jablonowski: Zur Besiedelungsgeschichte der Gaue Serimunt und Coledici im 10. und 11. Jahrhundert. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landesgeschichte. 8. Jg., Köthen 1999, S. 55–92. Mit Konsolidierung des Gaues Serimunt wurde der deutsche Machtanspruch auch politisch untermauert. Das beweist eine Urkunde Kaiser Ottos II. über die Schenkung eines Streifens Land um Görzig an Markgraf Thietmar von Merseburg im Jahr 973.Otto von Heinemann (Hrsg.): Codex diplomaticus Anhaltinus. Erster Theil 936–1123, Nr. 51. A. Desbarats, Dessau 1867.
Über Jahrhunderte waren Görzig und Reinsdorf Ritterdörfer und als solche als Lehen im Besitz adliger Familien, wie der von Pfaw (Pfau), der Heise, der von dem Werder, der von Wül(c)knitz, der von Wendhausen und der von Bodenhausen. mini|Bevölkerungsentwicklung von Görzig Görzig Der Ort wurde erstmals im Jahr 973 als Gorizka urkundlich erwähnt.
Um 1323 wurde ein Ulrich von Görzig als Ratsherr des ersten erwähnten Rates der Stadt Köthen genannt.Hermann Wäschke: Anhaltische Geschichte. Erster Band. Geschichte Anhalts von den Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters. Verlag Otto Schulze, Cöthen 1912, S. 340. 1338 verkaufte Johann von Gatersleben Görzig zusammen mit Maasdorf, Rohndorf und Glauzig an die Fürsten-Brüder Albrecht II. und Waldemar I. von Anhalt. Der Kaufpreis betrug 150 Mark Brandenburgischen Silbers.Die damals auch in Anhalt bevorzugte Kölner Mark wog etwa 234 g, daraus ergibt sich eine Summe von etwa 35 kg Silber.Otto von Heinemann (Hrsg.): Codex Diplomaticus Anhaltinus. Dritter Theil, 1301–1350. Barth, Dessau 1877. 1346 lassen die fürstlichen Besitzer ihr Dorf von Thile Schultheiß verwalten. Um 1370 stand Görzig – wie viele andere anhaltische Städte und Dörfer – unter der Gerichtsbarkeit der Magdeburger Dompropstei.Otto von Heinemann (Hrsg.): Codex Diplomaticus Anhaltinus. Fünfter Theil, 1380–1400. Barth, Dessau 1881.
Nach der Schlacht bei Dessau sicherte Wallenstein im Juli 1626 die Sicherheit der Bauern während der Ernte zu, ließ aber neben der Dessauer Elbbrücke auch Görzig sowie weitere anhaltische Dörfer besetzt und richtete dort Musterplätze ein.Hermann Wäschke: Anhaltische Geschichte. Dritter Band. Geschichte Anhalts von der Teilung bis zur Wiedervereinigung. Verlag Otto Schulze, Cöthen 1913, S. 64. 1644 verwüsteten Truppen der kaiserlichen Armee unter General Gallas während 14 Wochen Belagerung „in der Haber Erndte...das ganze Land...“F. Krüger: Aus dem Dreißigjärigen Kriege. In: Serimunt. Mitteilungen aus Vergangenheit und Gegenwart. In: Beilage zum Köthener Tageblatt. 4. Jg., Nr. 18 vom 19. September 1929. Artikel 107. Verlag Paul Dünnhaupt, Köthen 1929.
Bereits vor 1800 gingen die beiden Rittergüter in Görzig und Reinsdorf in herzoglichen Besitz über und wurden als Domänen von nichtadeligen Pächtern bewirtschaftet.
Auch aus Görzig und Reinsdorf kämpften Soldaten und Offiziere in den Napoleonischen Kriegen. Das Bataillon Anhalt als Teil der Rheinbund-Armee war 1810 im Spanischen Feldzug in Katalonien stationiert und geriet am 14. September bei La Bisbal in spanische, später britische Gefangenschaft. Die Überlebenden kehrten erst im Februar 1814 – nach einer Odyssee durch Spanien, England und Schottland – zurück.L. Zeidler: Der Spanische Feldzug des Bataillons Anhalt im Jahre 1810. Friedrich Römer, Zerbst 1844, S. 74, 84, 153 und 180.
Schon 1840 wurde die Eisenbahnstrecke Magdeburg–Köthen–Halle mit Halt bei Görzig eröffnet. Mit Fertigstellung dieser ersten länderübergreifenden Zugverbindung Deutschlands begann der wirtschaftliche Aufschwung der Region. Bereits im folgenden Jahr wurde die Strecke zweigleisig erweitert.
Dr. D. schildert eine Eisenbahnfahrt vom Petersberg nach Köthen anno 1841:
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Reinsdorf nach Görzig eingemeindet.
Im Zuge der Zwangskollektivierungen in der DDR-Landwirtschaft wurde 1953 in Görzig die LPG „Karl Marx“ gegründet und 1959 mit den LPGs in Trebbichau a. d. F. und Maasdorf zu einer Groß-LPG zusammengelegt.
Reinsdorf Bereits 964 in einer unechten Urkunde erwähnt, sind Markt und Kirche für 1253 erstmals sicher belegt.Hermann Giesau (Hrsg.); Ernst Haetge, Marie-Luise Harksen (Bearbeiter): Kunstdenkmale des Landes Anhalt. Zweiter Band. Erster Teil: Die Stadt Köthen und der Landkreis außer Wörlitz. August Hopfer Verlag, Burg b. Magdeburg 1943. 1307 erhielten die Zisterzienser des Klosters Riddagshausen sieben Hufen Land in der Gemarkung von Heinrich III., Magdeburger Erzbischof und Fürst von Anhalt.Franz Büttner Pfänner zu Thal: Die Kunstdenkmale der Kreise Ballenstedt, Bernburg, Köthen Dessau, Zerbst. Nachdruck der Veröffentlichungen 1879–1943, Reprint: Fliegenkopf-Verlag, Halle, 1998, ISBN 3-910147-85-2. Graf Günter von Dornburg schenkte seinen Besitz in und um Reynoldestorp dem St.-Nikolai-Stift in Magdeburg. Auch Renstorp wird 1370 im Verzeichnis der Magdeburger Dompropstei genannt.
Überliefert ist der Lehnbrief für Jobst Heise und seine männlichen Nachkommen, mit dem Johann Georg und Christian I., Fürsten zu Anhalt, im April 1587 die Besitzübertragung als Mannlehen beurkundeten für zwei Rittersitze in Reinßdorff, ganze umliegende Dörfer (Maßdorf, Rohndirff, Pieten), die Wüstung Hilsdorff sowie weitere Ländereien und Gerichtsbarkeiten zwischen Reupzig und Geuz.Friedrich Kalle: Jobst Heisen Lehnbrief über sine Gut Reinsdorff 1587. In: Serimunt. Mitteilungen ... des Vereins Heimatmuseum für Stadt und Kreis Köthen (Anh.), 2. Jg. 1927, Nr. 31, Artikel 129., Dünnhaupt, Köthen 1927.
Vom November 1626 wird berichtet, dass durch den Einfall der colloredoschen Reiterei auch Reinsdorf „schwer geschädigt“ wurde. Im Frühjahr 1631 zogen kaiserliche Reitertruppen plündernd durch die südanhaltischen Lande. Der Schaden an den fürstlichen Dörfern und Vorwerken war groß, wurde aber für „Reinsdorf ... nicht in Ansatz gebracht, weil Herren und Untertanen entflohen waren.“Hermann Wäschke: Anhaltische Geschichte. Dritter Band. Geschichte Anhalts von der Teilung bis zur Wiedervereinigung. Verlag Otto Schulze, Cöthen 1913, S. 70 und 76. mini|Museum Görzig im historischen Gebäude der Alten Schule, Schulstraße 7. mini|Evangelische Kirche am Friedhof mini|Katholische Kirche in Görzig Sehenswürdigkeiten und Kultur Museum in der Alten Schule