mini|Die Kirche und der 53 m hohe Glockenturm (Campanile) Die Kirche San Martino befindet sich an der Piazza Galuppi auf der Insel Burano in der nördlichen Lagune von Venedig. Die Kirche, die zur Unterscheidung auch San Martino di Burano genannt wird, entstand im 16. Jahrhundert, blieb aber unfertig. Sie wurde nach Umbauten 1630 geweiht, während der, wie in Venedig üblich freistehende, jedoch schiefe Glockenturm in den Jahren 1703 bis 1714 fertiggestellt wurde und geradezu zum Symbol für die Insel geworden ist. Ihr Kirchenpatron ist Martin von Tours.Francesco Vecchiato: Il culto di S. Martino di Tours nel Nordest italiano, in: Nuova economia e storia 3 (1999) 293–317.
mini|Giovanni Mansueti: Flucht aus Ägypten mini|hochkant|Fragmentarisches Holzkruzifix des 15. Jahrhunderts mini|hochkant|Girolamo Brusaferro: Der heilige Rochus, der heilige Sebastian und der heilige Antonio abbate mini|hochkant|Bernardino Prudenti: Die Heiligen San Rocco, San Sebastiano und Sant'Antonio abbate Geschichte Die Kirche reicht möglicherweise bis ins 8. Jahrhundert zurück, sie erscheint allerdings in den Quellen erst im 13. Jahrhundert. Die legendäre Überlieferung sieht ihr Entstehen im 6. oder 7. Jahrhundert, als Gründungsdatum erscheint auch der Juni 932. Dabei spricht die frühe Namensgebung, die auf Martin von Tours verweist, für die Mitte des 8. Jahrhunderts.Dies und das Folgende nach Parrocchia di San Martino vescovo, Venezia-Burano, Website Sistema informativo unificato per le Soprintendenze archivistiche (SIUSA).
Im 13. Jahrhundert besaß die Kirche bereits drei Priester, einen Diakon, einen Subdiakon und zwei oder vier Kleriker. Darin hat sich bis 1513 wenig geändert. Auf das Eingreifen Papst Innozenz III. am 12. April 1200 ist es zurückzuführen, dass die Affiliation zur Kathedralkirche San Pietro apostolo endete und die Gemeinde San Martino dem Patriarchen von Grado unterstellt wurde, zu dieser Zeit Giovanni Signale. Dieser setzte nun nach seinem Ermessen den Pfarrer ein. Allerdings schwand in der Neuzeit der Einfluss des Kapitels, Seelsorge und die Spende der Sakramente blieben beim Priester, der von einem Sakristan unterstützt wurde, der die kanonischen Register führte.
Zwischen 1216 und 1231 kam es zu einer heftigen Auseinandersetzungen um die Spiritualia zwischen dem Patriarchen von Grado und dem Bischof von Castello. Dieser Streit endete letztlich erst mit der Bullo Regis aeterni von 1451, durch die das Patriarchat von Grado im Patriarchat von Venedig aufging. Damit kam auch San Martino an die Diözese Venedig.
Im 16. Jahrhundert entstand der 63 m hohe Campanile, der die Insel beherrscht.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 131, S. 84. Erneut geweiht wurde San Martino durch Marco Antonio Martinengo, den Bischof von Torcello, im Jahr 1630. In der Kirche befanden sich, folgt man Flaminio Corner, die Reliquien des hl. Albano, des Schutzheiligen der Insel. Der Legende nach stammten einige weitere Reliquien aus Sant' Adriano auf der weitgehend untergegangenen Insel Costanziaco.
Unter Napoleon wurden zahlreiche Gemeinden aufgelöst oder in andere integriert. So wurden San Martino und San Biagio zu einer übergreifenden Gemeinde. Andererseits kamen Teile der aufgelösten Gemeinde Santa Trinità, genannt Santa Ternita, an San Martino, das wiederum Teile seines Gemeindegebietes an San Giovanni Battista in Bragora abtreten musste. Ab 1807 leitete ein Priester die Gemeinde, der direkt von der Curia patriarcale in Venedig bestimmt wurde.
Heute gehört die Gemeinde zum Vicariato di Castello.
Ausstattung Der Grundriss bildet ein lateinisches Kreuz. Den Innenraum birgt eine gewölbte Decke. Neben dem Kirchenschiff befinden sich zwei Seitenkapellen und eine Hauptkapelle. Nahe dem Eingang, links über dem Taufbecken, befindet sich die Taufe Christi, ein Werk von Francesco Trevisani. Das Gemälde wurde zusammen mit der Kreuzigung von Giambattista Tiepolo um 1725 in Auftrag gegeben. Es ist zu Anfang des linken Seitenschiffs zu sehen.
Auf dem ersten Altar auf der linken Seite befindet sich ein Gemälde des Malers Bernardino Prudenti: Der heilige Rochus, der heilige Sebastian und der heilige Antonio abbate. Auf dem nächsten Altar, der der Rosenkranzmadonna geweiht ist, befindet sich eine Holzskulptur der Jungfrau mit Kind und zwei Engeln von Vincenzo Cadorin (1854–1925), ein Werk, das 1917 entstand.
In der Seitenkapelle zur Linken des Chors befindet sich das Altarbild Der Ewige Vater zwischen dem Bischof Albano, dem Diakon Dominikus und dem Diakon Orso (1638), das gleichfalls von Prudenti geschaffen wurde. Die drei Heiligen erscheinen auch, zusammen mit dem Patriarchen Lorenzo Giustiniani, in einem Gemälde, das Girolamo Brusaferro zugeschrieben wird. Das Gemälde, das den Transport des Sarkophags der drei Schutzheiligen von Burano durch die Kinder der Insel darstellt, wird Antonio Zanchi zugeschrieben.
Im rechten Seitenschiff, dessen erster Altar ein Altarbild mit dem Heiligen Antonius von Padua von Alessandro Pomi (1945) aufweist, befinden sich zudem Die Anbetung der Hirten (1732) von Francesco Fontebasso, die Flucht nach Ägypten von Gaspare Diziani und das Altarbild des zweiten Altars von Sante Peranda (1566–1638) mit der Berufung der Apostel am See Genezareth.
In der Sakristei wurden aus Sicherheitsgründen die wichtigsten Gemälde der Kirche aufbewahrt: die erwähnte Kreuzigung von Giambattista Tiepolo, das Altarbild mit Markus und den Heiligen des Malers Girolamo da Santacroce (1541) und die drei Mariengeschichten von Giovanni di Niccolò MansuetiPompeo Molmenti, Dino Mantovani: Le isole della laguna veneta, Bergamo 1904, S. 109 (Digitalisat). (Verlobung der Jungfrau Maria, Anbetung der Könige (die in zeitgenössischer mamlukischer Kleidung dargestellt sind, was den Zeitgenossen sehr bewusst war, wobei Melchior als einer der drei Könige zudem deren Krone trägtMatino, S. 52 f.) und Flucht nach Ägypten). Die drei Werke stammen, so Matino (S. 23), ursprünglich aus einer privaten Sammlung, haben häufig den Ort gewechselt, wurden sogar lange auseinandergerissen (Matino, S. 30 f.). Auch findet sich eine Schmerzensmutter von Nicola Grassi (vor 1682 bis etwa 1750) und ein Christus, der von einem Engel gestützt wird, ebenfalls Antonio Zanchi zugeschrieben.
Die Orgel von 1913 ist ein Werk Vincenzo Mascionis; es ersetzte das Vorgängerinstrument von 1767, das einem Brand zum Opfer gefallen war.
Literatur Giuseppe della Puppa: Storia della chiesa di S. Martino "de Geminis" in Venezia. Profilo storico, Grafiche Veneziane, Venedig 1997. Fiorella Pagotto: Prudenti, Bernardino, in: Dizionario Biografico degli Italiani 85 (2016) 530–532. Gabriele Matino: Venetian istorie: re-evaluating Giovanni Mansueti's narrative painting (1500–30’s), PhD thesis, University of Nottingham, 2014. (online, PDF) Ettore Merkel: Le storie di Maria e dell’infanzia di Cristo di Giovanni Mansueti nella chiesa di San Martino in Burano, in: Mario Piantoni, Luca De Rossi (Hrsg.): Per l’arte da Venezia all’Europa. Studi in onore di Giuseppe Maria Pilo, Edizioni della Laguna, Monfalcone 2001, S. 143–147. Giannantonio Moschini: Guida per la città di Venezia all’amico delle belle Arti, Bd. 1, Teil 1, Venedig 1815, S. 62–67. (online, archive.org) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 600 f. (Digitalisat)
Weblinks
Parrocchia di San Martino di Burano, Ecclesiae Venetae (Archivalien, engl. und ital.) Chiesa di San Martino di Burano, conoscerevenezia.it Chiesa San Martino, bei venediginformationen.eu. Reliquiario di Burano, Fondazione Musei Civici Venezia, Reliquiar aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, das 1880 angekauft wurde (Höhe: 27,8 cm, Durchmesser, 12,3 cm)
Anmerkungen
Martino Kategorie:Martin-von-Tours-Kirche (Patrozinium) Kategorie:Gegründet im 16. Jahrhundert Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Basilika (Bautyp)