Hermann Adalbert Egon Joachim Rágóczy (* 13. März 1895 in Bonn; † 21. Juli 1975 in Berlin) war ein deutscher Maler, Graphiker und Bibliothekar. Neben Ölgemälden fertigte er in erster Linie aquarellierte Bleistiftzeichnungen und Druckgraphik (Holz- und Linolschnitte sowie Radierungen und Lithografien). Sein Werk zeigt neben dem Leben in Berlin besonders Szenen der Nord- und Ostseeküste, die er regelmäßig in den Sommermonaten besuchte.

Leben Rágóczy war der Sohn Egon Rágóczys (1861–1931) und seiner Frau Hermine (geb. Freyer, 1873).Schulte-Wülwer: Nachwort. 2007, S. 27. Egon war zum Zeitpunkt der Geburt seines Sohnes Sekretär der Handelskammer in Bonn. Vermutlich 1902 zog die Familie nach Berlin. Dort besuchte Joachim Rágóczy das Werner-Siemens-Gymnasium in Schöneberg.Schwenger: Gottseidank. 1989, S. 15 und 19.Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 7–8. Ab 1913 studierte er an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin. Ab 1915 war er Meisterschüler in der Klasse Emil Orliks.Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 8. Zu seinen Mitschülern und Mitschülerinnen gehörten unter anderem Hannah Höch, Karl Hubbuch und Georg Grosz. Einer seiner engsten Freunde war zweifellos der Kommilitone und Künstler Marcellus Schiffer (1892–1932), mit dem er das Berliner Nachtleben erkundete.

1919 trat Rágóczy in den Dienst seines Lehrers Emil Orlik, den er sowohl in der Produktion von Druckgraphik als auch als Sekretär und bei Ausstellungen unterstützte und dafür eine bescheidene Bezahlung erhielt, die Rágóczy jedoch den Lebensunterhalt sicherte.Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 14. Er arbeitete für Orlik bis zu dessen Tod im September 1932.

Seit mindestens 1926 war Joachim Rágóczy mit Dora Bier (1905–1979) liiert.Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 18. Über sie lernte er 1927 jedoch Irma Roth kennen, mit der er ab diesem Zeitpunkt eine Liebesbeziehung unterhielt. Seit Anfang der 1920er bis einschließlich 1937 unternimmt der Künstler jährlich Sommerreisen an die Nord- und Ostseeküste, von Dänemark bis nach Ostpreußen.Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 20–21.

Liste der bekannten Sommeraufenthalte mit Jahr und Ort:Museumsberg Flensburg: Joachim Rágóczy. 2007.

1923: Samland, Ostpreußen 1928: Westerland 1929: Dänemark und Langballig 1930: Langballig und Flensburg 1931: Eckenhagen 1932: Sylt 1933: Nidden, Kurische Nehrung 1934: Westerland 1935: Sylt 1937: Sylt und Westerland

Nach dem Tod Orliks war Rágóczy ohne Anstellung und festes Einkommen. Daher musste er in den 1930er Jahren verstärkt von eigenen Aufträgen und Verkäufen leben. Dabei half ihm der ehemalige Kommilitone Walter Wellenstein (1898–1970) in seiner Funktion als „Beauftragter für Kunstpflege beim Reichsluftfahrtministerium“.Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 22. Dafür war die Aufnahme in die Reichskulturkammer notwendig, die scheinbar unproblematisch möglich war, vielleicht weil Rágóczy nie politisch auffällig geworden war. In den Briefen an seine Lebensgefährtin Irma Roth (die bereits seit 1933 Mitglied der NSDAP war) wird jedoch seine kritisch ablehnende Haltung gegenüber den Nationalsozialisten deutlich.Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 23.

Nachdem Rágóczy 1942 eine feste Anstellung als Bibliothekar an der Hochschule für Kunsterziehung, Berlin erhalten hatte, heiratete er Irma Roth 1943. Mit Kriegsende verlor Rágóczy die Anstellung mangels Arbeit wieder und musste erneut von eigenen Aufträgen und Verkäufen leben. Dafür passte er sich in seinen Arbeiten nun verstärkt dem Geschmack der Zeit an und malte vorwiegend Blumenstillleben und Katzenmotive. Bereits 1946 trat Rágóczy dem neugegründeten Schutzverband Bildender Künstler Berlins bei, der bald in den Berufsverband Bildender Künstler überging. Eine sich anbahnende Erblindung konnte 1955 durch eine Operation verhindert werden. Im selben Jahr konnte er jedoch bis 1960 seine Anstellung als Bibliothekar wiedererlangen und malte seitdem nur noch vereinzelt in seiner Freizeit gemeinsam mit alten Malerfreunden.

Joachim Rágóczy starb 1975 in Berlin. Seine Frau Irma (die selbst 1989 verstarb) sorgte Anfang der 1980er Jahre für die Verbreitung des Künstlerischen Nachlasses ihres Mannes. Heute befinden sich Werke Joachim Rágóczys in Sammlungen des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, der Berlinischen Galerie, des Museumsberg Flensburg und des Kulturzentrums Ostpreußen.

Ausstellungen Während der Lebenszeit 1923: Städtisches Museum Stettin, August 1923Ahrens: Joachim Rágóczy. 2019, S. 15. 1925: Aquarell und Pastell: Berliner Sezession. Berlin

Postume Ausstellungen 1989: JOACHIM RÁGÓCZY. Galerie Bodo Niemann BerlinGalerie Bodo Niemann: Joachim Rágóczy. 1989. 2003: "Die kleinen Mädchen, die nicht mitgehen konnten" in Berlin 2007: Joachim Rágóczy. Mitmachen kann ich da nicht. Malerbriefe von Ost- und Nordsee 1928–1939. Museumsberg Flensburg 2019: Joachim Rágóczy. Liebe, Lust und Tod. Museumsberg Flensburg 2020/2021: Joachim Rágóczy. Sehnsucht Heimat. Das Sylt Museum 2024: Joachim Rágóczy – Samlandansichten. Kulturzentrum Ostpreußen, Ellingen

Literatur Galerie Bodo Niemann (Hg.): Joachim Rágóczy 1895–1975. Berlin 1989, ISBN 3-926298-09-X. Eberhard Roters: Joachim Rágóczy. In: Galerie Bodo Niemann 1989, S. 5–13. Hannes Schwenger: "Gottseidank habe ich dieses Rettende, dieses irrsinnige Bildermalen, Zeichnen...". Joachim Ràgoczy (1895–1975). In: Galerie Bodo Niemann 1989, S. 15–30. Museumsberg Flensburg (Hg.): Joachim Rágóczy. Mitmachen kann ich da nicht. Malerbriefe von Ost- und Nordsee 1928–1939. Flensburg 2007, ISBN 978-3-00-019847-2. Ulrich Schulte-Wülwer: Nachwort. In: Museumsberg Flensburg: Joachim Rágóczy. 2007, S. 27–31. Dörte Ahrens: Joachim Rágóczy. Liebe, Lust und Tod. Grafische Notizen aus dem Berlin der Weimarer Republik. Flensburg 2019, ISBN 978-3-9820658-0-9.

Weblinks Literatur von und über Joachim Rágóczy im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Werke Joachim Rágóczys bei artnet Biographie Joachim Rágóczys in der Künstlerdatenbank kunst-und-kultur.de

Einzelnachweise

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